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Roto-Theater Dortmund: Wie geht es Kulturschaffenden in Corona-Zeiten? – Ein Gespräch mit Rüdiger Trappmann

Ein grünes Tor an der Gneisenaustraße führt zu einem Hinterhof. Links hinter den Garagen befindet sich der Eingang zum Theater. Fotos: Julian Ronneburger

Das Roto Theater in der Gneisenaustraße musste –  wie alle anderen Kulturbetriebe – die letzten Monate Corona-bedingt schließen. Frida Kahlo – die letzte Aufführung – lief am 8. März. In der Zwischenzeit musste das Theater auf die benötigten Hygiene-Standards gebracht werden. Das bedeutet unter anderem eine Umplanung der Ein- und Ausgänge, Spuckwand an der Kasse/Theke, Reduzierung der Sitzplätze und noch vieles mehr. Die Wiederaufnahme des Programms ist für den 15. August 2020 vorgesehen.

Zur Geschichte des Roto Theaters – entstanden als Theaterschule „Là Bouche“

Rüdiger Trappmann, Betreiber des Theaters, kann aber nur hoffen, dass an diesem Samstagabend im August wirklich „Der Heinz Erhard Abend“ stattfinden wird. Besteht die Gefahr einer zweiten Infektionswelle? Gibt es erneut Hygiene-Maßnahmen, die vielleicht noch aufwändiger sind? Die letzten Monate liefen nicht gerade wünschenswert ab, nur durch Gelder von Bund und Land konnte der Schließung aus dem Weg gegangen werden.

Das Roto Theater in der Gneisenaustraße

Rüdiger Trappmann und Barbara Kleyboldt leiten das Theater, führen Regie und sind beide Schauspieler. Archivfoto: Klaus Hartmann

Rüdiger Trappmann und Barbara Kleyboldt gründeten das Roto Theater erstmals als Theaterschule. Unter dem Namen „Là Bouche“ bildeten sie jahrelang Schüler*innen aus. Die ehemaligen Schüler*innen bilden das aktuelle Ensemble, mit denen die Stücke durchgeführt werden.

Erfahrung ist allemal zu erkennen – immerhin spielen sie jährlich 150 Aufführungen. Publikumsliebling ist eine Schauspiel zu Loriot. Sage und schreibe 300 mal haben sie es bereits gespielt. Das Publikum war jedoch schwer anzuziehen mit der Nordstadt als Umgebung.

Trappmann sagt, damals seien Leute einen Tag vor einer Vorführung vorbeigefahren, um sich sicher zu fühlen. Mittlerweile kommt das aus überwiegend älteren Menschen bestehende Stammpublikum aus dem Dortmunder Süden. Welches aber auch zur Risikogruppe der derzeitigen Corona-Pandemie gehört.

Goethe, Schiller, Hesse, Kästner, Heine – Klassiker aus der Literatur veranschaulicht

Wegen Corona muss genügend Abstand her. Die Anzahl von ursprünglich 70 Sitzplätzen musste um die Hälfte vermindert werden.

Das Programm des Roto Theaters reicht üblicherweise von Goethe über Schiller bis Kästner. Mit dem hauseigenen Ensemble werden die Literaturwerke auf die Bühne gebracht – ganz professionell mit Schauspieler*innen, Lichttechniker*innen und Musiker*innen. Jedoch limitiert die aktuelle Pandemie die Künstler*innen erheblich. 1,50 Meter ist der vorgegebene Mindestabstand, den selbst die Schauspieler*innen einhalten müssen.

Zusätzlich musste der Abstand zwischen erster Reihe und Bühne auf drei Meter verlängert sowie die Sitzplätze des Theaters von ursprünglich 74 auf 30 reduziert werden, was praktisch eine Halbierung des Umsatzes ist. Hinzu kommt noch ein separater Ausgang, der für die Besucher*innen geschafft wurde. Dieser Ausgang ist der Zugang der Schauspieler*innen auf die Bühne – also quasi der Backstage-Bereich.

Dort führt eine Tür zum Innenhof. Im Foyer des Theaters, wo sich die Theke befindet, musste eine Spuckwand aus Plexiglas installiert werden. Außerdem brauchte es eine Geschirrspülmaschine, denn die Gläser dürfen aktuell nicht per Hand gespült werden.

Ungewissheit bei der Zukunft – Vorführung in Berlin immer noch geplant

Einige der vielen geplanten Aufführungen. Fast keine der zu sehenden Vorführungen hat an den eigentlich geplanten Terminen stattgefunden.

Was die Zukunft bringt? Rüdiger Trappmann weiß es nicht. Der Programmkalender von März bis nächstes Jahr musste umstrukturiert werden. Premieren, wie „Der große Karl Valentin Abend“, im September müssen ausfallen. Denn während der Isolation waren die Proben unmöglich durchzuführen. Auftritte zur „Museumsnacht“ in der Stadt- und Landesbibliothek können nicht stattfinden.

Und die Gastspiele, unter anderem von Andreas Weißert und ZimmaOrkestra, werden nicht zu sehen sein. Die größte Befürchtung? Eine zweite Infektionswelle. Man weiß nicht, ob man so weiterhin die Miet- und Haltungskosten bezahlen kann. Rüdiger Trappmann zielt auf eine Wiedereröffnung am 15. August.

Bis dahin sind aber auch noch einige Wochen und das Szenario einer mehrwöchigen Wiederaufnahme des Programms genauso wie eine erneute Schließung bestünden weiterhin. Geplant sei jedenfalls eine Tournee. Bisher haben sie in vier Stadtbüchereien in Düsseldorf, auf Schloss Morsbroich in Leverkusen und im Schiffshebewerk Henrichenburg gespielt. Folgen soll am 21. Januar 2021 eine Aufführung im Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz.

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