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Spielplan 2019/20 für das Theater Dortmund – Neues Opernformat „Beyond Opera“ und jährliches Wagner-Festival

Präsentierten gemeinsam das Programm des Theaters Dortmund für die Spielzeit 2019/2020: v.l. Kay Voges, Marcus Lobbes, Xin Peng Wang, Andreas Gruhn, Tobias Ehinger, Heribert Germeshausen. Fotos: Gerd Wüsthoff

Von Gerd Wüsthoff

Einer der herausragenden Standortvorteile von Dortmund sind die Kulturbetriebe, die eine breite Unterstützung in der Bevölkerung und in der Politik von Dortmund haben. Wie wichtig Kultur für eine funktionierende Demokratie ist, zeigt sich an der langen Liste der Sponsoren und Fördervereine für die Kulturbetriebe. Gleichzeitig mit der Attischen Demokratie entstand auch das Theater als Ausdrucksform für die Demokratie. Wie wichtig der Stadt Dortmund als achtgrößte Stadt in Deutschland die Kulturbetriebe sind, zeigt auch der Neubau des KJT am Hiltropwall, dem derzeit einzigen Theaterneubau in Deutschland.

Die Oper bietet einen Wagner Kosmos und eröffnet das Festival „Beyond Opera“

Xin Peng Wang und Heribert Germershausen

Mit der Bekanntgabe des neuen Spielplanes für die Kultursaison Saison 2019 / 2020 wurden zwei Themenkomplexe besonders herausgestellt. Ab 2020 gibt es ein jährliches Wagner-Festival, wobei das Werk in der Folge insgesamt aufgeführt werden soll. Zudem wird es systematisch in den Kontext zu wichtigen Vorläufern, Zeitgenossen und Antipoden gesetzt.

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Der erste Wagner-Kosmos verbindet drei Neuinszenierungen: den „Lohengrin“ von Richard Wagner mit den Bayreuther-Stars Daniel Behle und Kwangchul Youn, mit dem Werk von Auber „Die Stumme von Portici“ in der Regie Peter Konwitschny und mit dem Stück „Fernand Cortez oder die Eroberung von Mexiko“ von Spontini. Diese Inszenierungen werden durch ein internationales Symposion abgerundet. Als zweites Opernhaus Deutschlands und erstes in NRW verfügt die Oper Dortmund dank der Profilförderung des Landes über ein eigenes „Junge Oper – Ensemble“.

Der zweite Themenkomplex beginnt mit dem Festival „Beyond Opera“. Es werden alle Formate der Oper Dortmund für ein junges Publikum unter Einbezug der Bürgeroper, „We DO Opera!“, in einem großen Musiktheaterfest 15 Tage im April 2020 gefeiert. Gleich vier Ur- und Neuaufführungen im Bereich Junge Oper stehen mit „Neverland“, „Die kleine Gans“, „Die aus der Reihe tanzt“ und „Die Kinder des Sultans“ auf dem Programm. Weitere Neuproduktionen sind „Madame Butterfly“, „Jekyll & Hyde“ und „Im weißen Rössl“.

Das Ensemble des Balletts Dortmund wurde zum dritten Mal nach St. Petersburg eingeladen

Spielzeit 2019-20 Die Programmhefte

Xin Peng Wang, Ballett-Direktor in Dortmund, freute sich zu Beginn seiner Programmvorstellung für das Ballett, dass das Ensemble aus Dortmund nun zum dritten Mal in Folge nach St. Petersburg, einer der internationalen Ballett-Hochburgen, eingeladen wurde, um dort zu gastieren. St. Petersburg ist weltweit seit der Zarenzeit die Metropole des Balletts. Eine Gastspieleinladung dort ist mehr als dieser `Oscar´.

Innovation – Initiativ – International! Diese Begriffe stehen für das Programm des Dortmunder Balletts unter seinem Intendanten Xin Peng Wang für die kommende Spielzeit. Wang selbst thematisiert mit seiner Choreografie „Purgatorio“, welche Bedeutung das Stück von Dante Alighieri „Göttliche Komödie“ heute für uns noch hat, haben sollte und haben muss.

Nach „Inferno“ ist „Purgatorio“ der zweite Teil des Meisterwerkes von Dante, dem sich der Dortmunder Ballettintendant widmet und der 2021 in eine große „Göttliche Komödie“- Trilogie münden wird.

Mit der deutschen Erstaufführung von „Ein Mittsommernachtstraum“ verwischt der schwedische Choreograf Alexander Ekman die Grenzen zwischen dem Sterblichen und dem Übernatürlichen. Inspiriert von William Shakespeare, Ingmar Bergman und Federico Fellini führt Ekman den Tanz zurück zu seinen kultischen und magischen Wurzeln und huldigt damit der Natur, der Vitalität und dem menschlichen Dasein.

Die Neuproduktionen „#Zauberflöte3.0“ und „Bauhaus 100“, eine Reminiszenz an das nun 100-jährige Bauhaus in Dessau, sowie Wiederaufnahmen und internationale Ballettgalas vervollständigen das Ballettprogramm des Ballet Dortmund.

„Am Puls der Stadt“ – MusikerInnen und Metropolen, Musikgalas und internationale Gäste

In der Spielzeit 2019/20 reisen die Dortmunder Philharmoniker musikalisch „Am Puls der Stadt“ durch große Metropolen und besuchen unter anderem Dvořák in New York, Verdi in Mailand, Strawinsky in Paris und Mahler in Prag. Höhepunkt wird als Abschluss der „Beethoven-Marathon 2020! “.

Auf dem Friedensplatz werden wieder die beliebten Cityring-Konzerte die Saison eröffnen. Foto: Leopold Achilles

An einem Tag, am 28. Juni 2020, erklingen dann alle neun Beethoven-Sinfonien im Konzerthaus Dortmund, gespielt von den Belgrader und den Dortmunder Philharmonikern, dirigiert vom gemeinsamen Chefdirigenten Gabriel Feltz.

Die beiden Neujahrskonzerte des Orchesters finden erstmals in Zusammenarbeit mit dem Konzerthaus Dortmund auch dort statt. Eine Neuerung bietet ebenfalls die Reihe Wiener Klassik. In den drei Konzerten steht der Solist des Abends auch am Pult des Orchesters. Dazu wurden drei Koryphäen eingeladen: Cellist Wolfgang Emanuel Schmidt, Geiger Kolja Blacher und Pianist Lars Vogt.

Auftakt der Spielzeit ist auch 2019/20 wieder das Eröffnungskonzert der „Cityring Konzerte“ auf dem Dortmunder Friedensplatz. In diesem Jahr mit der Operngala, der Musicalgala und zum ersten Mal einer Filmmusikgala, die sich ganz dem Komponisten John Williams widmen wird. Die Philharmonie wird darüber hinaus ein Stummfilm-Konzert präsentieren: „Berlin, Bilder einer Großstadt“.

Kay Voges: „Man geht, wenn es am schönsten ist, aber mit einem Feuerwerk.“

Auch die zehnte und letzte Spielzeit unter Schauspiel-Intendant Kay Voges verspricht zahlreiche Überraschungen – „Man geht, wenn es am schönsten ist, aber mit einem Feuerwerk“, sagte Voges. Es ist für uns in Dortmund also leider seine letzte Saison als Intendant. Ein Gastspiel wieder hier in der Zukunft? „Man wird sehen“, so Voges. Weitere Programmpunkte werden „Constellation“, ein Zwei-Personenstück von Nick Payne, „You give me Fever“ – Premiere im Februar 2020, „Outgescourced – was kommt dabei raus“ und weitere interessante Stücke sein.

2019/20 ist die letzte Saison für Schauspielintendanten Kay Voges in Dortmund. Foto: Klaus Hartmann

Neben Theater-Klassikern der Moderne, wie z.B. Arthur Millers „Hexenjagd“, gerade heute wieder brandaktuell, in den Post-Faktum Zeiten und der Schauspieler-Komödie „Das Reich der Tiere“, bietet das Schauspiel auch die Uraufführung von, hochaktuell, „Familien gegen Nazis“ oder das Punkrock-Musical „Die Kassierer und die Drei von der Punkstelle“.

Intendant Voges geht in „Play | Abriss einer Reise“ mit dem gesamten Ensemble auf die Suche nach dem, was war, was ist und was sein wird. Außerdem präsentiert der Ausnahme-Künstler Jonathan Meese sein neues Werk „Lolita (R)evolution (Rufschädigendst) – Ihr Alle seid die Lolita Eurer Selbst!“
Die letzten drei Monate der Spielzeit bestimmt „Showdown“, eine Schlussoffensive, die mit kleinen und großen Inszenierungen noch einmal alte Bekannte und neue Formate auf die Bretter des Dortmunder Schauspiels ruft.

Markus Lobbes stellte das Programm der „Akademie“ vor – Theater 4.0. Ein Neuaufbau, der drei Jahre Vorarbeit bedurfte. Denn hier wird das Theater mit der Digitalität verbunden, eine Fort- und Weiterbildung für MitarbeiterInnen ermöglicht – nicht nur auf neue Bühnentechniken bezogen. Ein neuer Studiengang mit der Fachhochschule Dortmund implementiert, Forschungsstipendien zu vergeben – die Stipendiaten werden ihre Arbeiten in einem Microfestival präsentieren.

Menschen am Rand, Außenseiter und die, die „anders“ sind im KJT Dortmund

Am Rand zu stehen und anders zu sein, macht Menschen zu Außenseitern, Spinnern und leider manchmal zu Verfolgten. Die HeldInnen in der neuen Spielzeit im Kinder- und Jugendtheater (KJT) stehen alle am Rand, müssen ihre Wege suchen und verändern dabei sich und ihre Umwelt.

Andreas Gruhn Leiter des Kinder- und Jugendtheaters am Theater Dortmund

Das Programm des KJT für die Saison 2019/20 ist ein starkes Plädoyer für Unterschiedlichkeit, die uns als Gesellschaft stark macht. „Jeder ist anders Anders“, betonte KJT-Direktor Andreas Gruhn.

Gegen den Mainstream – zum Beispiel im politisch aktuellen Monolog „Name: Sophie Scholl“, einer Geschichte um Mut, Heldentum, Aufrichtigkeit und Zivilcourage. Oder auch im diesjährigen Weihnachtsmärchen „Zwerg Nase“ nach dem bekannten Märchen von Wilhelm Hauff, neu geschrieben von Gruhn. Das KJT kooperiert zudem mit der Jungen Oper mit dem Stück „Junge Gans“, für Erwachsene ab vier Jahren, von Michael Kesseler.

Im Februar feiert das prämierte Stück „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ Premiere. Es geht um die Frage, wie man sich dem Leben stellt, wenn alles scheinbar zusammenbricht. Zum Ende der Spielzeit folgt die zweite Kooperation mit der freien Theatergruppe „pulk fiktion“ für den performativen Spaziergang „H2Oh!“ Die Zuschauenden erkunden das Gelände der Kokerei und durchleben dabei einen auditiven und performativen Klimawandel.

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