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SERIE Nordstadt-Geschichte(n): Die Mende-Sportanlagen wurden einst auf einem alten Fluggelände angelegt

Dortmunder Flugwoche am Fredenbaum 1911, Scherzkarte (Sammlung Klaus Winter)

Die Dortmunder Flugwoche am Fredenbaum 1911 – Thema einer „Scherzkarte“. (Sammlung Klaus Winter)

Von Klaus Winter

Im Dortmunder Norden fand vom 30. Juni bis zum 2. Juli 1911 ein ganz besonderes Ereignis statt: die dreitägige „Dortmunder Flugwoche“.  Am Eröffnungstag landeten hier die Teilnehmer des 1.900 Kilometer langen „Deutschland-Rundflugs“, und am Schlusstag starteten sie von hier zur zehnten Etappe des Rundflugs, die sie nach Kassel führen sollte. Flugwettbewerbe – u. a. um den mit 5.000 Mark dotierten Preis der Stadt Dortmund – und Schauflüge bestimmten das Programm der Veranstaltung.

Auf die Flugwoche folgte der Bau eines neuen Magerviehhofs

Veranstaltungsort der Flugwoche war eine große Wiese, die zwischen der Nordgrenze des Fredenbaums und der südlichen Einfriedung der Gasanstalt lag. Ein Zeitungsinserat wies darauf hin, dass man den „Flugplatz“ am schnellsten mit der Straßenbahn zum Fredenbaum und von dort zu Fuß über die Lindenhorster Straße erreichen würde.

Die Flugwoche 1911 war für Dortmund ein einmaliges Ereignis; der Flugplatz am Fredenbaum hatte keine Zukunft. Um zu prüfen, wie man das Flugplatz-Gelände künftig am besten nutzen könnte, lud Oberbürgermeister Eichhoff im November 1911 zu einer Besprechung in sein Amtsbüro ein.

Der östliche Teil des Flugplatzes mit Zugang von der Lindenhorster Straße sollte für einen neuanzulegenden Magerviehhof reserviert werden, der den dicht umbauten Viehmarkt zwischen Stein- /Leopold- /Mallinckrodt- /Uhland- und Kurfürstenstraße entlasten sollte.

Die Mendesportanlagen befinden sich im nordwestlichen Bereich des Fredenbaums und bestehen heute aus vier Spielplätzen. Foto: Klaus Winter

Die Mendesportanlagen befinden sich im nordwestlichen Bereich des Fredenbaums und bestehen heute aus vier Spielplätzen. In diese soll in den nächsten Jahren investiert werden. Foto: Klaus Winter

Was den westlichen Teil des Platzes anging, kam es anscheinend von Beginn der Überlegungen an zu einer Überschneidung und Vermischung zweier Planungen. Zunächst zog man die Nutzung des Geländes als Sportanlage in Erwägung. Im März 1912 präsentierte das städtische Hochbauamt einen Kostenvoranschlag für die Anlage eines Sportplatzes in Verbindung mit einer Trabrennbahn und einer Tribüne, die Platz für 1.000 Personen bot. Die Kosten sollten sich nach diesem Plan auf mehr als 330.000 Mark belaufen.

Parallel dazu wurde hier die Durchführung der Westfälischen Provinzial-Pferdeschau vorbereitet. Denn Dortmund war gegenüber der Westfälischen Landwirtschaftskammer zwischenzeitlich die vertragliche Verpflichtung eingegangen, die Pferdeschau 1913 auszurichten und dann alle zwei Jahre eine weitere.

Die Provinzial-Pferdeschau lockte mit Trab- und Reitturnieren

Im Rahmen der Pferdeschau 1913 waren auch Trab- und Reitturniere vorgesehen. Dazu mussten geeignete Bahnen geschaffen werden. Kern der Rennbahn war eine Sandbahn – der „Vorführring“ –, für den eine Breite von 14 Metern vorgesehen war und der eine Rasenfläche von 118 m x 68 m umschloss. Eine Längsseite des Vorführrings war gleichzeitig ein Teilabschnitt einer Rasenbahn, die nach den ursprünglichen Vorstellungen einen etwa dreieckigen Verlauf und eine Länge von 1.000 m haben sollte. Gegenüber dem Vorführring wollte man eine große Tribüne errichten.

Da die Pferde-Schauen zwar viele Besucher in die Stadt lockten, aber nur alle zwei Jahre stattfanden und dann nur wenige Tage dauerten, stellten sie für das Vorhaben, diesen Ort den Kindern und Jugendlichen zur Spiel- und Sportzwecken herzurichten, kein echtes Hindernis dar.

Es wurden Sportanlagen für tausende Kinder und Jugendliche benötigt

Der Vorstand des städtischen Orts-Ausschusses für Jugendpflege hatte die Situation des Jugendsports in einem Bericht vom 22. August 1912 an den Magistrat der Stadt eindrucksvoll geschildert: Die sportliche Bewegung zu fördern und zu unterstützen sei eine wichtige Aufgabe der Stadtverwaltung, die neben der Pflege der Geistesbildung nicht vernachlässigt werden dürfe. Eine wirksame Methode mit der die Stadtverwaltung die Pflege der Bewegungsspiele fördern könne, bestehe in der Bereithaltung von Spielplätzen. In dieser Beziehung sei in Dortmund aber bisher nur wenig geschehen.

Zu der Zeit gab es etwa 19.000 Volksschulkinder und 2.000 Schüler höherer Schulen sowie rund 6.000 in Vereinen aktive schulentlassene junge Leute bis zum 20. Lebensjahr in Dortmund, die sich sämtlich durch Bewegungsspiele im Freien ertüchtigten. Die zur Verfügung stehenden Spiel- und Sportplätze reichten für so viele Sporttreibende nicht aus, vielmehr gingen sogar mehr und mehr Plätze aufgrund von Wohnungsbaumaßnahmen verloren, ohne das Ersatz beschafft werden konnte. Nun sollten neue Plätze erbaut werden und von diesen eben einer zwischen der Nordseite des Fredenbaums, der Gasanstalt und dem neuen Magerviehhof.

Im Mai 1913 fanden die ersten Jugendspiele auf der neuen Anlage statt

Um in keiner Weise mit den Plänen der Pferdeschauen zu kollidieren, beantragte die Stadt, dem Vorführring andere Ausmaße zu geben, so dass die Wiese im Innern des Rings zum Fußballspielen genutzt werden könnte. Auch die 1.000 Personen fassende Tribüne sollte ausgebaut werden, denn unter den Sitzreihen, ließen sich Umkleideräume mit Waschgelegenheiten und Toiletten sowie Räume zur Aufbewahrung von Sportgeräten herrichten. Neu hinzugefügt wurde noch ein kleines Wirtschaftsgebäude in der Nähe des Einganges, in dem alkoholfreie Erfrischungen gekauft werden konnten und in dem sich auch die Wohnung des Platzwarts befand.

Die Arbeiten waren noch nicht abgeschlossen, als das städtische Hochbaumt das Tiefbauamt darüber informierte, dass am 25. Mai 1913 auf dem Mendespielplatz Vorführungen von Jugendspielen aus Anlass der Tagung der Zentralstelle für Volkswohlfahrt stattfinden würden. Da man mit starkem Verkehr von der Münsterstraße durch den Fredenbaum rechnete, sollten die Fahrwege im Wald instandgesetzt werden. Wenige Tage später, am 7. Juni, erfolgte die Rohbauabnahme für Tribüne und Wirtschaftsgebäude durch die Baupolizei.

Mendesportplatz um 1916. Links die große, 1000 Personen fassende Tribüne, rechts das Wirtschaftsgebäude (Sammlung Klaus Winter)

Mendesportplatz um 1916. Links die große, 1000 Personen fassende Tribüne, rechts das Wirtschaftsgebäude (Sammlung Klaus Winter)

Bis Ende September 1913 sollten die Arbeiten auf dem Mende-Spielplatz abgeschlossen werden, so dass die Übergabe durch die Bauverwaltung an die Spielplatzverwaltung erfolgen konnte. Oberturnlehrer Strohmeyer und Architekt Stockmann wurden beauftragt gemeinschaftlich festzustellen, ob und welche Arbeiten noch ausstünden. Die beiden Herren nahmen die Besichtigung am 1. Oktober vor und stellten anschließend fest: „Sowohl die Traberbahn, die Rasenplätze und die Baulichkeiten finden, laut anliegendem Inventarverzeichnis, mit Ausnahme einiger Rasenausbesserungen, Abnahme.

Zuschüsse aus der Mende-Stiftung entlasteten die Stadt

Zur Deckung eines Teils der Baukosten hatte die Stadt Dortmund auf die Mende-Stiftung zurückgreifen können. Die Mende-Stiftung ging zurück auf den Buchhändler Eduard Mende, der keinen Nachkommen hatte, und deshalb sein nicht unerhebliches Vermögen der Stadt Dortmund vermachte. Die Stiftung unterstützte solche Maßnahmen, „die von der aufwachsenden Jugend alle unsittlichen und verrohenden Einflüsse fernhalten und die körperliche und geistige Gesundung der Jugend zu fördern bestimmt sind, z. B. Förderung der Volks- und Jugendspiele.

Tatsächlich beschloss das Kuratorium der Mende-Stiftung in seiner Sitzung vom 14. November 1912, für die Herrichtung und Unterhaltung des Sportplatzes „hinter dem Fredenbaum“ vom 1. April 1913 ab bis auf Widerruf jährlich 3.000 Mark aus den Einkünften der Stiftung zur Verfügung zu stellen. Diese Unterstützung hatte zur Folge, dass der neue Sportplatz von Anfang an „Mende-Spielplatz“, heute: „Mende-Sportanlage“, hieß.

Anlässlich eines Sportwettkampfes nahm der BDM vor der Tribüne des Mendesportplatzes Aufstellung (Dortmunder Zeitung, 30.05.1938)

Anlässlich eines Sportwettkampfes nahm der BDM vor der Tribüne des Mendesportplatzes Aufstellung (Dortmunder Zeitung, 30.05.1938)

 

Weitere Teile aus der Serie Nordstadt-Geschichte(n) gibt es hier: nordstadtblogger.de/category/nordstadt-geschichte/

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