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Serie Ehrenamt in der AGNRW: „Die Deutschen glauben, die USA zu kennen. Aber Amerika tickt anders.“

Gerald Baars leitet die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft. Fotos: Klaus Hartmann

„Ich fühlte mich in den Vereinigten Staaten sehr wohl. Ich habe viele Freunde gefunden. Ich habe mich als regelrechter New Yorker gefühlt. Und wenn ich nicht ein berufliches Angebot aus Deutschland bekommen hätte, wäre ich möglicherweise nicht mehr nach Hause gekommen.“

Dortmunder Fernseh-Journalist als ARD-Studioleiter in New York

Wenn Gerald Baars, Studioleiter beim WDR in Dortmund, von seiner Zeit als Journalist in New York erzählt, hört man heraus, wie sehr ihn die USA faszinieren, wie sehr sie für ihn eine zweite Heimat wurden. Als er – zurück in Deutschland  gebeten wurde, die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft NRW zu übernehmen, zögerte er keine Sekunde.

„Zu diesem Zeitpunkt hatten die USA ein denkbar schlechtes Image. George W. Bush war Präsident, und die Deutschen hielten die Amerikaner schlichtweg für bekloppt. Sie verstanden nicht, warum man einen Mann wie Bush wählen kann.“

Baars nahm sich vor, ein besseres Verständnis für die USA zu wecken. „Ich will nicht werten. Ich will Verständnis wecken und diese Supermacht erklären.“ Getreu dem Motto der Auslandsgesellschaft: Die Welt besser verstehen.

Kein aktiver Dialog zwischen Deutschen und Amerikanern in Dortmund

In zahlreichen Vorträgen versucht Baars mit seiner Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft, das wirkliche Amerika zu vermitteln. Dabei hat er sich von Anfang an kompetente Partner, Reiseführer und Referenten an die Seite geholt. Etwa den Generalkonsul der USA. Oder Tagesthemen-Chef Thomas Roth, selbst ehemaliger ARD-Studioleiter in New York. Als dieser auf Einladung von Gerald Baars im Dortmunder Rathaus sprach, drängelten sich 300 Menschen in die Bürgerhalle.

Mit solchen Angeboten unterscheidet sich die Arbeit der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft deutlich von der vieler anderer Länderkreise. Denn es wird kein aktiver Dialog zwischen Deutschen und Amerikanern in Dortmund gesucht. Dafür leben schlichtweg zu wenige US-Bürger in Dortmund.

Die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft will vielmehr informieren und aufklären und zudem mit Hilfe von Sprachreisen, Praktika, Freiwilligendiensten und geführten USA-Reisen die Freundschaft zwischen den Menschen auf den beiden Kontinenten vertiefen. Und als Bonbon obendrauf gibt es Filmabende, amerikanische Theaterabende oder die klassische Thanksgiving-Party.

Der Länderkreis will die oft falschen Eindrücke über die USA zurechtrücken

Der TV-Journalist Gerald Baars ist Studioleiter beim WDR in Dortmund.

„Die Deutschen glauben, alles über die USA zu wissen, weil sie in den Medien nicht nur mit amerikanischen Filmen und Serien, sondern auch mit allen möglichen Nachrichten aus den Vereinigten Staaten überflutet werden“, sagt Baars. In den USA gebe es nämlich in jedem noch so kleinen Städtchen lokales Fernsehen.

Man erfahre deshalb auch aus der letzten Ecke jedes kleine Detail. Von überall gebe es Fernsehbilder. „Nur ein Beispiel: Es gibt prozentual in Europa bestimmt genauso viele Amokläufe wie in den USA. Aber in Portugal oder Griechenland existiert eben nicht ein so dichtes Netz von Korrespondenten. Und so wird der Eindruck vermittelt, dass es solche Vorfälle vor allem in den USA gibt.“

Baars will deshalb die oft falschen Eindrücke über die USA zurechtrücken. „Amerika tickt anders. Uns wird oft ein verzerrtes Bild von Amerika vermittelt. Das möchte ich richtigstellen.“

Deshalb versucht er mit Vorträgen, aber auch auf den geführten Reisen mehr Wissen über das amerikanische System zu vermitteln – die amerikanische Politik und die Beweggründe, die dahinter stecken, das Gerichts- und Justizsystem. Das für Außenstehende kaum durchschaubare Wahlsystem, das Gesundheitssystem, die Finanzmärkte – alles sei anders als in Deutschland.

„Amerikaner wissen wenig von Europa. Nur zehn Prozent machen außerhalb der USA Urlaub.“

Baars: „Die USA unterscheiden sich gewaltig von Deutschland. Das beginnt mit dem Patriotismus. Man muss einfach berücksichtigen, dass die Amerikaner keine eigene Kultur haben, keine eigene Geschichte. Das Land besteht ja fast ausschließlich aus Einwanderern. Bindeglied sind dann patriotische Symbole.“

Hinzu komme das US-Bildungssystem. Und weiter: „Amerikaner wissen wenig von Europa. Wenn Schüler oder Studenten überhaupt kurzzeitig ins Ausland gehen, dann wählen sie ein englischsprachiges Land. Nur zehn Prozent der Amerikaner machen überhaupt außerhalb der USA Urlaub.“

Erklären will Baars auch das durchaus gespaltene Amerika. „Da gibt es die großen Städte im Osten und Westen. Aber dazwischen den Bibel-Gürtel („bible belt“), den mittleren Westen. Das ist eine ganz andere Lebenswelt. Homosexualität oder Abtreibung sind dort absolute Tabus.“ Doch in diesen Regionen könne sich eine Präsidentenwahl entscheiden – auch zu Gunsten eines George W. Bush.

 Die Deutschen haben heute ein relativ gutes Ansehen in den USA

Baars Fazit: „Deutschland und die USA sind freundschaftlich verbunden. Die Deutschen haben heute ein relativ gutes Ansehen in den USA. Aber daran muss man weiter arbeiten. Dafür muss man immer wieder den Dialog suchen. Aus diesem Grund ist die Arbeit der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft auch heute noch wichtig. Grundsätzlich gilt: Wer miteinander spricht, der schießt nicht aufeinander.“

 Hier gibt es noch ein Video – sollte es sich nicht darstellen, bitte die Browseransicht aktualisieren!

Zur Person:

  • Gerald Baars (Jahrgang 1953) ist seit 2006 Leiter des WDR Studios in Dortmund. Etwa zu diesem Zeitpunkt übernahm er auch die Leitung der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft.
  • Ab 2000 leitete Baars sechs Jahre lang das ARD-Studio in New York. Davor war er unter anderem auch als Reisekorrespondent in Afrika und Osteuropa tätig und als Redakteur für Außen- und Entwicklungspolitik zuständig.
  • Die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft NRW e.V. wurde 1957 gegründet und wird seit 2006 von Gerald Baars geleitet.

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