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Revierderby mit Anstand und Abstand genießen: Stadt und Polizei bereiten sich auf erstes Geisterspiel vor

Wegen der Gefahren durch den Coronavirus soll das Derby im Signal-Iduna-Park als Geisterspiel ohne Zuschauer*innen stattfinden. Foto: Alex Völkel

Wegen der Corona-Gefahren wird das Derby im Signal-Iduna-Park als Geisterspiel stattfinden. Foto: Alex Völkel

Im Vorfeld des Revierderbys zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 am kommenden Samstag (16. Mai 2020), das als Geisterspiel ohne Zuschauer*innen auf den Tribünen des Signal-Iduna-Parks stattfinden wird, appellieren Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Polizeipräsident Gregor Lange an die Vernunft der Fußballfans. Da das Spiel im Free-TV übertragen wird, mache es den meisten Sinn, die Partie in kleinem Kreise unter Berücksichtigung der Abstandsregeln am heimischen Fernseher zu verfolgen. Im Namen der Stadt dankt der OB dem BVB und dem Bündnis Südtribüne für die gute Kooperation. Sowohl Verein als auch Fangruppen unterstützen den städtischen Appell.

Jegliche Art der „politischen Süppchenkocherei unterbinden“

Man habe das Stadionumfeld und bestimmte Orte in der Innenstadt im Visier und werde konsequent einschreiten, falls sich dort Menschenansammlungen bilden würden. In Anbetracht der Ereignisse des letzten Wochenendes, bei denen es zu Übergrifflichkeiten gegen Journalist*innen im Rahmen einer nicht genehmigten Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen kam, warnte der Polizeipräsident davor, sich von den falschen Leuten vor den Karren spannen zu lassen. Denn dort hatten sich stadtbekannte Rechtsextremisten unters Publikum gemischt, um ihre ganz eigenen Ziele zu verfolgen. ___STEADY_PAYWALL___

Proteste gegen die Corona-Maßnahmen am vergangenen Wochenende auf dem Alten Markt. Foto: Alex Völkel

Sierau spricht diesbezüglich von einer neuen Szene, die gegen die Corona-Maßnahmen mobilisiere und in deren Dunstkreis Extremist*innen und Gegner*innen der demokratischen Grundordnung versuchen würden, gesellschaftlichen Anschluss zu finden und ihre Interessen zu vertreten.

„Ich will an dieser Stelle nicht vorgreifen. Wir werden Ansammlungen von Fans bzw. Pseudo-Fans kategorisch verhindern. Derzeit arbeiten wir an Lösungskonzepten für das Problem und werden in den nächsten Tagen sicher noch weitere Infos hierzu bekanntgeben“. Im Umfeld des Revierderbys werde jegliche Art der „politischen Süppchenkocherei“ unterbunden.

„Wir werden alles dafür tun, dass die Fans nicht zu Schaden kommen“, so Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Es ginge darum, das Spiel mit Anstand und Abstand zu genießen, soviel Disziplin müsse sein. Dies traue er den Fans mehr als zu. „Fans sind vernünftige Menschen“, so der OB. Es läge nun in ihren Händen, sich untereinander und zur Mannschaft solidarisch zu zeigen, indem sie die Auflagen respektieren und besonnen blieben. Anderenfalls könnten sie oder andere vielleicht nie wieder ein Derby gucken, so der OB drastisch und klar.

Schlag ins Gesicht: Protest macht Erfolge durch Selbstverantwortlichkeit zunichte

Polizeipräsident Gregor Lange. Foto: Leopold Achilles

Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange. Foto: Leopold Achilles

Polizeipräsident Gregor Lange schloss sich den Ausführungen des OBs an. Das Geisterspiel sei eine große Herausforderung für die Sicherheitsbehörden, da man bisher keine Erfahrungswerte in diesem Bereich habe. Die Fans hätten nun die Chance, zu zeigen, dass die Wiederaufnahme des Spielbetriebes in der Bundesliga kein Fehler war. 

Es sei der Auftrag eines jeden selbstständig denkenden Menschen, eigenverantwortlich zu handeln und sich an die Regeln zu halten. Die Polizei sei mit starken Kräften flexibel aufgestellt, um auf individuelle Situationen angepasst reagieren zu können. In diesem Jahr sei nicht nur das Ziel, die rivalisierenden Fangruppen voneinander zu trennen, sondern auch Verstöße gegen die Maßnahmen zum Infektionsschutz zu verfolgen.

Für die Zweifler*innen und politischen Hetzer*innen findet Lange klare Worte. Es sei ein Schlag ins Gesicht aller Bürger*innen, die in den vergangenen Wochen durch ihr Verhalten dazu beigetragen hätten, dass nun die ersten Lockerungen der Corona-Maßnahmen möglich geworden sind, wenn diese Szene so tue, als seien die Gefahren nicht existent.

OB: „Einen Torjubel, wie wir ihn sonst kennen, darf es in der Gaststätte […] nicht geben.“

Volles Haus gab es im Gründungshaus des BVB unweit des Borsigplatzes.

Auch in der Gastronomie gelten strenge Vorschriften. Foto: Rüdiger Barz/Archiv

Man habe auch bei der Polizei Verständnis für die Alltagssehnsucht der Bürger*innen, aber noch sei es eine lange Strecke, die wir zurückzulegen hätten, bevor wieder Normalität einkehre. Wie gesagt, sei das Schauen am heimischen Fernseher die unproblematischste Lösung, denn auch in der Gastronomie gilt das Ansammlungsverbot und es gibt zahlreiche Auflagen für die Wirte. Es wird Zugangskontrollen bzw. Beschränkungen, Sitzplatzzuweisungen mit Sitzplatzpflicht geben und die Anwesenheitszeiten werden kontrolliert.

„Einen Torjubel, wie wir ihn sonst kennen, darf es in der Gaststätte und in den Außenbereichen nicht geben. […] Die Null muss stehen – nicht beim Spielergebnis aber bei den neuen Infektionen“, mahnt Sierau.

Der Direktor Organisation beim BVB, Dr. Christian Hockenjos, ist seit Jahrzehnten im Profifußball tätig und hat und in dieser Zeit schon so einiges erlebt, aber die aktuelle Situation sei auch für ihn absolutes Neuland. Inmitten der Pandemie sei man in kürzester Zeit gefordert gewesen, Lösungen für Probleme zu finden und Konzepte zum Schutz zum erarbeiten.

Verein hat sich intensiv in allen Bereichen auf das Geisterspiel vorbereitet

Boraussia verbindet Nationen. Männer und Frauen. Alle Nationen. Foto: BVB-Fanabteilung

Der BVB und die Fangruppen schließen sich dem Appell der Stadt an Foto: BVB-Fanabteilung

„Wir beim BVB versuchen alles, um im Rahmen des DFL-Konzeptes sichere Spiele zu organisieren, die den Menschen am Fernseher in schwierigen Zeiten ein wenig Freude bereiten können. Wir bitten alle Fußballfans darum, den Weg zum Stadion sowie öffentliche Menschenansammlungen zu meiden und sich das Derby im kleinen Kreis zu Hause anzuschauen“, so Hockenjos.

Darüber hinaus machte der BVB-Vertreter nochmal deutlich, dass selbst wenn man zum Stadion gelangen würde, dies keinerlei Sinn ergäbe, da dafür gesorgt wurde, dass ein Kontakt zur Mannschaft ausgeschlossen ist. Außerdem wies er darauf hin, dass auch die Fernsehzuschauer*innen sich auf ungewohnte Bilder vorbereiten können.

Im Sinne des Infektionsschutzes werden zum Beispiel die Balljungen anders eingesetzt als üblich. Sie werden den Spielern nicht die Bälle z.B. zum Einwurf reichen, sondern lediglich die auf den Rängen gelandeten Bälle wieder einsammeln. Am Spielfeldrand werden in einigem Abstand zur Seitenauslinie 30 Bälle platziert, die die Spieler sich selber holen können.

Ungewohnte Bilder werden am Samstag auch im Fernsehen zu erwarten sein

Auf der Nordseite den Klinikums-Nord (Beethovenstraße) wird ein Corona-Diagnostik- und Behandlungszentrum errichtet.

Das Corona-Behandlungszentrum Klinikum Nord. Foto: Alex Völkel/Archiv

Den Spielern beider Mannschaften werden zwei Umkleidekabinen zur Verfügung stehen, eine für die Stammelf und eine weitere für die Ersatzspieler. Auch auf den Trainerbänken werden weniger Personen sitzen als normal üblich. Insgesamt werden am Samstag 321 Menschen inklusive der Spieler im Signal-Iduna-Park ihrer Arbeit nachgehen. Für Schutz- und Sicherheitskonzepte sei gesorgt, 

Mittlerweile verfüge der Verein auch über einen Hygienebeauftragten, was ein absolutes Novum sei. Im Eingangsbereich des Stadions werde ein Vereinsarzt als Teil des Ordnungsdienstes bei den Mitarbeiter*innen Gesundheitsabfragen und Fiebermessungen durchführen.

Das im Signal-Iduna-Park errichtete Corona-Behandlungszentrum stellt seine Arbeit mit Wiederaufnahme des Spielbetriebes im Stadion ein. Es wird hierfür auch keine Ersatzstelle eingerichtet werden. Die Verantwortlichen betonen, dass hierdurch die Testkapazitäten in Dortmund nicht heruntergefahren würden. Es gebe genügend Testmöglichkeiten bei Ärzten, der Feuerwehr, der Polizei, dem Gesundheitsamt und dem Testzentrum Klinikum Nord und die Anlaufstellen seien in den letzten Wochen nicht intensiv besucht worden. Von Montag bis Mittwoch nimmt das Behandlungszentrum im Stadion den Betrieb nochmal auf, bevor es dann endgültig geschlossen wird.

 

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2 Gedanken über “Revierderby mit Anstand und Abstand genießen: Stadt und Polizei bereiten sich auf erstes Geisterspiel vor

  1. Geisterderby BVB - Schalke, Stadt und Polizei Dortmund appellieren an Fans: Schauen Sie das Spiel zu Hause! (PM) Beitrags Autor

    Geisterderby BVB – Schalke, Stadt und Polizei Dortmund appellieren an Fans: Schauen Sie das Spiel zu Hause!

    Wenn am kommenden Samstag das traditionsreichste Derby in der Fußball Bundesliga steigt, wird vieles nicht so sein wie sonst. Ohne Zuschauer und mit hohen Sicherheitsvorkehrungen für die Beteiligten stellt das Fußballspiel für alle eine große Herausforderung dar.

    Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange erneuert den wichtigen Appell: „Wir wissen und haben grundsätzlich Verständnis dafür, mit welcher Emotionalität und Spannung die Fans dem Revierderby entgegenfiebern. Aber bitte denken Sie alle daran: Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Gerade jetzt müssen wir alle besonders aufmerksam sein, damit wir unseren gemeinsam erreichten Erfolg bei der Eindämmung nicht gefährden.

    Gregor Lange betont: „Die Sicherheit und vor allen Dingen die Gesundheit der Menschen muss an oberster Stelle stehen. Darum appelliere ich an die Fans beider Vereine: Bleiben sie zu Hause und schauen Sie das Spiel im privaten Kreis! Im Sinne der Gesundheitsvorsorge wird die Polizei entschlossen gegen Personenansammlungen und Fanmärsche angehen. Auch eine Ansammlung am Stadion werden wir nicht zulassen. Die Regeln des Infektionsschutzgesetzes gelten auch für Fußballfans.“

    Für die Dortmunder Polizei ist die Begleitung eines Revierderbys als Geisterspiel ein Novum. So ist das Einsatzkonzept des Polizeiführers Polizeidirektor Edzard Freyhoff auch auf höchste Flexibilität ausgerichtet. Der Polizeiführer stellt vor der Einsatzlage klar: „Wir haben uns in der Vorbereitung sehr eng mit der Stadt Dortmund, aber auch mit dem BVB abgestimmt. Alle Beteiligten sind sich einig: Bundesliga-Fußball in Zeiten der Pandemiebedingten Einschränkungen; das wird eine echte Herausforderung. Wenn wir alle, auch die Fußballanhänger, an einem Strang ziehen, kann das aber gut funktionieren!“.

    Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau bekräftigt: „Unser Ziel ist klar: Die Infektionsnull muss stehen. Daher mein Appell an die Fans, schaut das Spiel zuhause und haltet Abstand – auch beim Torjubel. Ich begrüße es, dass das Fan-Bündnis Südtribüne vernünftig ist und zum Meiden des Spielumfeldes aufgerufen hat. So besonnen sollten sich alle verhalten, um nicht dem Coronavirus zum Opfer zu fallen. Kompliment und Dank an die Polizei für ein sehr gutes Konzept im Umfeld des Signal Iduna Parks. Die Behörden und der BVB arbeiten gemeinsam intensiv dafür, dass es ein sicherer Derbytag wird.“

    Die Dortmunder Polizei ist am Samstag mit starken Einsatzkräften vor Ort, schließlich werden im Bereich der Dortmunder Innenstadt zahlreiche Demonstrationen durchgeführt. Und auch hier gilt es, Abstands- und Kontaktregelungen einzuhalten.

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