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Konjunkturumfrage im Handwerk für den Herbst 2019 – UnternehmerInnen bleiben vorsichtig optimistisch 

Die Stimmungslage bleibt auf einem hohen Niveau, jedoch sind die Erwartungen weniger euphorisch.

Die Stimmungslage im Handwerk hat sich nach den Rekordwerten der letzten zwei Umfragen ein wenig abgekühlt. Lediglich 92 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut bis zufriedenstellend (Herbst 2018: 94 Prozent). Mit sogar nur 91 Prozent liegt der Wert der Erwartungen für die kommenden sechs Monate unterhalb des Wertes für die aktuelle Geschäftslage. Immerhin: Bei den Konjunkturindikatoren wie Umsatz, Nachfrage oder Beschäftigtenzahl, gaben mehr Betriebe einen Anstieg als einen Rückgang an. Die Auftragsreichweite des Handwerks liegt im Durchschnitt bei achteinhalb Wochen. 

Ausbau- und Bauhauptgewerbe tragen die Konjunktur in den Kammerbezirken

Besonders zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage sind die Unternehmer aus dem Ausbaugewerbe mit 96 Prozent. Die Erwartungen für das nächste halbe Jahr sind jedoch gesunken: 93 Prozent rechnen weiterhin mit einer guten Geschäftslage. 

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Im Bauhauptgewerbe sieht es ähnlich positiv aus. 95 Prozent der Befragten sind zufrieden. Die Erwartungen an eine gute Geschäftslage für das kommende halbe Jahr liegen bei 92 Prozent. Der positive Trend des Baubooms setzt sich weiter fort. Durch das anhaltend niedrige Zinsniveau wird mehr ins Eigenheim investiert. Dabei arbeiten 54 Prozent der Betriebe im Ausbauhandwerk und sogar 59 Prozent der Betriebe im Bauhauptgewerbe bereits mit einem Auslastungsgrad von 100 Prozent oder mehr. 

Kammer-Präsident Berthold Schröder: „Trotz des kleinen konjunkturellen Dämpfers liegt die Zufriedenheit der Betriebe mit 92 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau. Besonders erfreulich ist, dass erneut mehr Betriebe neue Aufträge dazugewonnen haben und auch die Zahl der Beschäftigten gestiegen ist. Rund 20 Prozent der Befragten wollen in den kommenden sechs Monaten neue Mitarbeiter einstellen.“

Konjunkturelle Hochphase des Kfz-Handwerks aus dem letzten Herbst scheint vorüber

Das Handwerk für den gewerblichen Bedarf bleibt trotz einer guten ersten Jahreshälfte vorsichtig. Mit einer Beurteilung der aktuellen Geschäftslage von 91 Prozent (Herbst 2018: 93 Prozent) bleibt das Niveau relativ stabil. Die Erwartungen an die kommenden sechs Monate sind mit 84 Prozent aber deutlich geringer. Grund dafür können erste Signale der schwächelnden Konjunktur aus vereinzelten Industriezweigen sein. 

Die konjunkturelle Hochphase des Kfz-Handwerks aus dem letzten Herbst scheint vorüber. 93 Prozent waren im Vorjahreszeitraum mit ihrer Geschäftslage zufrieden, jetzt sind es nur noch 88 Prozent. Fast sämtliche Konjunkturindikatoren sind im Kfz-Handwerk negativer beurteilt worden als im übrigen Handwerk. Besonders auffällig ist dabei der Auftragsbestand, bei dem lediglich 26 Prozent mit „gestiegen“ geantwortet haben (gegenüber 37 Prozent im Handwerk gesamt).

Gleiches gilt für den Gesamtumsatz (21 Prozent gegenüber 30 Prozent). Lediglich bei den Investitionen (37 Prozent) liegt das Kfz-Handwerk über dem übrigen Handwerk (27 Prozent). Wesentliche Erfolgstreiber im Kfz-Bereich waren der wirtschaftliche Expansionskurs sowie Investitionsbereitschaft von Unternehmen. 

Nahrungsmittelhandwerk bleibt zurückhaltend – Gesundheitshandwerk mit positiven Prognosen

Für die Herbst-Konjunktur bewerteten 87 Prozent der Betriebe im Nahrungsmittelhandwerk ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend (Herbst 2018: 94 Prozent). Grund für die vorsichtigere Einschätzung ist unter anderem der Fachkräftemangel sowie steigende Rohstoffkosten. 

Die Stimmung im Gesundheitshandwerk stabilisiert sich mit 91 Prozent auf einem hohen Niveau. Von allen Gewerbegruppen blicken die Unternehmer des Gesundheitshandwerkes am positivsten auf das nächste halbe Jahr (94 Prozent). Wesentlich zum Erfolg beigetragen haben die Digitalisierung und die günstige Arbeitsmarktentwicklung in Form von einer niedrigen Inflationsrate und tariflichen Lohnerhöhungen. 

Starker Wettbewerb bei den Personenbezogenen Dienstleistungen

Die Umfrageergebnisse in den einzelnen Kamerbezirken.

Traditionell ist die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage bei den Personenbezogenen Dienstleistungen aufgrund einer sehr hohen Wettbewerbsintensität regelmäßig schlechter als im übrigen Handwerk. Nur 78 Prozent der Befragten sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden.

Auffällig: bei nur neun Prozent der Betriebe ist die Zahl der Beschäftigten gestiegen, im übrigen Handwerk sind es immerhin 25 Prozent. Dennoch gehen 90 Prozent der Unternehmer im personenbezogenen Dienstleistungsbereich davon aus, dass sich ihre Geschäftslage im nächsten halben Jahr nicht verschlechtern wird. 

Vergleicht man die fünf Bezirke der Kreishandwerkerschaften (KH) innerhalb des Kammerbezirks, so ergibt sich ein durchweg positives Stimmungsbild. Besonders zufrieden sind die Unternehmer im Bezirk der KH Hagen: 95 Prozent der Befragten haben positive Erwartungen für die Zukunft und ganze 70 Prozent schätzen ihre aktuelle Lage als gut ein. Weniger zuversichtlich sind die Unternehmer aus den Bezirken Herne (53 Prozent) und Dortmund / Lünen (55 Prozent). 

Sonderumfrage: Betriebe setzen auf Qualifizierungsangebote wie Fortbildungen

(v.l.) Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund, Simon, Ingrid und Detlef Röll Geschäftsführer der Röll Metallbau GmbH und Gabor Leisten, Leiter der HWK-Unternehmensberatung.

Die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Dortmund messen der Fort- und Weiterbildung einen hohen Stellenwert bei. Rund 67 Prozent wollen damit die Kompetenzen der MitarbeiterInnen fördern. Die Hälfte aller Befragten setzt so zudem auf Mitarbeiterbindung. 

Etwa 40 Prozent wollen durch entsprechende Angebote ein positives Image vermitteln und Fachkräfte dazugewinnen. Besonders gefragt sind technische Qualifizierungen. 60 Prozent haben eine solche Fort- und Weiterbildungsmaßnahme bereits in Anspruch genommen. Aber auch Zeitmanagement und Arbeitstechniken sind gefragt. 

Handwerksbetriebe sind offen für moderne, digitale Formen der Bildung, was sich nicht zuletzt im digitalen Qualifizierungsbedarf widerspiegelt. Allerdings werden diese auf Grund von Unsicherheiten noch verhalten genutzt. Elf Prozent bevorzugen Webinare als Form der Weiterbildung, zehn Prozent mobiles Lernen mittels App oder E-Learning. Lediglich drei Prozent zeigen sich offen für eine Kombination aus E-Learning und Präsenzveranstaltung, dem sogenannten Blended Learning.

Detlef Röll von der Röll Metallbau GmbH: „ Weiterbildung hört beim Chef nicht auf.“

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund in der Werkstatthalle der Firma Röll mit Geschäftsführer Detlef Röll. Fotos: HWK Dortmund

Geschäftsführer Detlef Röll von der Röll Metallbau GmbH, das seit über 60 Jahren sehr erfolgreich am Markt ist, erklärt, warum die regelmäßige Fort- und Weiterbildung von MitarbeiterInnen für ihn wichtig ist:

„Um den hohen Qualitätsanforderungen in unserem Gewerk gerecht zu werden, sind Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen unabdingbar. Nur so erzielen wir ein bestmögliches Ergebnis für unsere Kunden und haben langfristig Mitarbeiter, die unseren Fachbetrieb auszeichnen. Weiterbildung hört beim Chef nicht auf. Gerade in Zeiten der Digitalisierung, können Chancen nur genutzt werden, wenn das gesamte Team neuem Wissen offen gegenübersteht.“ 

Betriebe nutzen die unterschiedlichsten Bildungsträger bei der Auswahl der Schulungseinrichtung. Produktenbezogene Angebote von Herstellern nutzen drei von vier Betrieben. Insbesondere institutionelle Angebote, wie von der Handwerkskammer Dortmund werden von 26 Prozent der befragten Handwerksbetriebe wahrgenommen. Die Verwendung digitaler Bildungsangebote, wie etwa kostenfreie Fort- und Weiterbildungen bei Anbietern von Online-Seminaren, nimmt stetig zu und befindet sich mit rund zehn Prozent allerdings auf noch relativ niedrigem Niveau. 

Blitzumfrage bei den Mitgliedsunternehmen der Metallindustrie

Auch der Unternehmerverband der Metallindustrie für Dortmund und Umgebung hat eine Herbstumfrage vorgenommen. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Der Abwärtstrend in der Dortmunder Metall‐ und Elektroindustrie setzt sich fort.

Der Unternehmensverband der Metall‐ und Elektroindustrie für Dortmund und Umgebung e.V. hat repräsentativ ausgewählte Mitgliedsunternehmen im Rahmen einer Blitzumfrage zur aktuellen wirtschaftlichen Lage befragt.

Lediglich noch etwas mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen bezeichnet die aktuelle Geschäftslage als befriedigend bis gut. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2019 hat sich die Geschäftslage für ca. 20 Prozent der Unternehmen weiter verschlechtert. Nimmt man das Vergleichsquartal des Vorjahres zum Maßstab, hat sich die Geschäftslage für insgesamt mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmen der Metall‐ und Elektroindustrie verschlechtert. „Eine solche branchenübergreifende Verschlechterung der Geschäftslage in der Metallindustrie hat es letztmalig im Zusammenhang mit der Eurokrise im Jahr 2013 gegeben“, erläutert Ernst‐Peter Brasse, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes.

Schlechte Geschäftsprognosen sorgen für Rückgang der Investitionen

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Umsatzentwicklung der Industrieunternehmen. Zwar bezeichnen knapp 20 Prozent die Umsatzzahlen als noch gut, jedoch sanken die Umsatzzahlen im Vergleich zum
zweiten Quartal 2019 bei 40 Prozent der Unternehmen. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Umsätze bei über 70 Prozent der befragten Unternehmen verschlechtert.

Die sich stark eintrübende Geschäftslage hat auch Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen hat im Jahr 2019 weniger investiert als im Vorjahr.

Wenig Hoffnung macht auch der Blick in die Zukunft. Zwar erwarten zirka 20 Prozent der Metall‐ und Elektrounternehmen im vierten Quartal 2019 eine leichte Besserung, bei knapp der Hälfte der Unternehmen wird jedoch eine weitere Verschlechterung der Geschäftslage erwartet. Für 2020 erwartet über 70 Prozent der befragten Unternehmen eine weitere Eintrübung ihrer Geschäftstätigkeit.

Trotz der Probleme, weiterhin gute Perspektiven für die Ausbildung

Der junge Flüchtling macht bei Viet Metallbau seine Ausbildung.

Die Ausbildungssituation ist weiterhin stabil. Foto: Alex Völkel

Auf Basis dieser Geschäftserwartung werden auch die Investitionen von den Unternehmen im Folgejahr weiter zurückgefahren. Über die Hälfte der befragten Unternehmen wird 2020 weniger investieren als in diesem Jahr.

„Aufgrund der sich weiter eintrübenden Wirtschaftslage, wird der seit Jahren anhaltende Beschäftigungsaufbau in der Metall‐ und Elektronindustrie wohl nicht weiter fortgesetzt werden können“, so Brasse. „Dass es noch nicht zu nennenswerten Kurzarbeitsphasen oder sogar Personalabbaumaßnahmen gekommen sei, liege zum einen am Bestreben der Firmen, ihre Fachkräfte zu halten, aber auch an den noch teilweise vollen Auftragsbüchern, die es aufgrund langer Vorlaufzeiten, insbesondere im Bereich des Maschinenbaus noch abzuarbeiten gilt.“

Lediglich die Ausbildungssituation in der Metall‐ und Elektroindustrie bleibt stabil. Mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen werden im kommenden Jahr die gleiche Anzahl an Auszubildenden einstellen wie in 2019.

Mangelnder Produktivitätsfortschritt verursacht Erhöhung der Lohnstückkosten

„Die Absatzkrise in der Automobilbranche, der Handelskonflikt mit China, der Iran/Nahost‐Konflikt, die Kosten der Energiewende und der noch immer nicht gelöste Brexit hinterlassen deutliche Bremsspuren“, so Brasse in seiner Bewertung der momentanen Situation.

So musste die nordrhein‐westfälische Metall‐ und Elektroindustrie im ersten Quartal 2019 einen Rückgang der Exporte nach Großbritannien um 17 Prozent verkraften. Dies gehe auch an der stark exportorientierten Dortmunder Metall‐ und Elektroindustrie nicht spurlos vorbei.

Mit großer Sorge stellt Brasse fest, dass es in der Metall‐ und Elektroindustrie seit 2012 keine nennenswerten Produktivitätsfortschritte mehr gegeben hat. Einer der Gründe könne sein, dass der Beschäftigungsaufbau schneller voranschreite als die Produktionsentwicklung. „Wenn die Unternehmen einen Schwerpunkt auf die Fachkräftesicherung setzen, ist dies natürlich zu begrüßen. Gleichzeitig bedeutet der mangelnde Produktivitätsfortschritt jedoch auch eine Erhöhung der Lohnstückkosten, wodurch der internationale Wettbewerbsdruck auf unsere Unternehmen weiter steigt“, so Brasse abschließend.

Aus Sicht des Unternehmensverbandes der Metallindustrie für Dortmund und Umgebung e.V. ist ein Ende der Talfahrt nicht in Sicht.

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