Evermann: „Erinnerung ist keine Last, sondern eine Brücke – auch eine Brücke zum Frieden“

80. Jahrestag der Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

Teilnehmer des Gedenktages mit Banner. Aufschrift: "Hiroshima, Nagasaki, nie wieder!"
Viele Teilnehmer:innen kamen mit Bannern zum Gedenktag in der Dortmunder City. Foto: Sina Sakrzewa

Am 6. August jährte sich zum 80. Mal der Tag, an dem die USA die ersten Atombomben auf die japanische Stadt Hiroshima und drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen haben. Damals wollte man sie so zur schnelleren Kapitulation bringen. Heute weiß man, dass dieser Einsatz von Atombomben die Welt nicht befriedet, sondern den Kalten Krieg und heutzutage eine angespannte internationale Lage zur Folge hat.

„Dieses Gedenken ist nicht nur eine Veranstaltung – es ist eine gesellschaftliche Pflicht“

Beim Gedenktag am Platz von Hiroshima kamen einige wichtige Stimmen zu Wort. Die Gedenkenden gingen dann, begleitet von Reinhard Raschke (Greenpeace) mit Trompetenmusik, in Richtung des Ginkgo-Baums und anschließend wurde zu einer Ausstellung in der Berswordt-Halle eingeladen. ___STEADY_PAYWALL___

Blauer Pfeiler zum Platz von Hiroshima in Dortmund
Am Platz von Hiroshima wird der Gedenktag eröffnet. Foto: Sina Sakrzewa für

Friedhelm Evermann, der Sonderbeauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie in Dortmund, richtete einige mahnende Worte an die Versammlung. Er betonte: „Erinnerung ist keine Last, sondern eine Brücke – auch eine Brücke zum Frieden.“

Dr. Volker Wippermann, vom IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War), ergänzte: „Dieses Gedenken ist nicht nur eine Veranstaltung – es ist eine gesellschaftliche Pflicht“, denn Dortmund stünde für Frieden, Menschenwürde und Respekt ein.

Unterzeichnung des ICAN-Vertrages muss unvermeidlich sein

Yoko Schlütermann, die Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft der Auslandsgesellschaft, mahnte die Gefahr und auf langfristige Sicht bestehende Realität von Atombomben an. „Heutige Atombomben können Millionen von Menschen das Leben kosten.“

Demonstrationen für den globalen Frieden bleiben weiterhin wichtig. (Archivbild) Klaus Hartmann | Nordstadtblogger

Dem ICAN (International Campaign to Abolish Nuclear Weapons)-Vertrag wurde 2017 der Friedensnobelpreis verliehen. Es ist eine internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen. Bisher haben 94 Staaten den ICAN-Vertrag unterzeichnet und 73 haben ihn ratifiziert. Deutschland hat keine von beiden unterzeichnet.

Schlütermann bedauerte, dass auch Japan selbst den ICAN-Vertrag nicht unterschrieben hat. „2045 werden auch alle Überlebenden des Atomabwurfes nicht mehr leben.“ Es ist auch laut der Atomkriegsuhr so nah an der zwölf wie nie. Wir müssten aus der Geschichte also schnell Lehren ziehen: „Die leidvollen Erfahrungen der Hibakusha dürfen nicht vergessen werden.“

Globale Auswirkungen von Herstellung bis Explosion

Der Bau von Atombomben, vor allem beim Entsorgen des Atommülls, hat jetzt schon Auswirkungen auf die globale Gesundheit. Bis heute gibt es keinen geeigneten Platz auf der Erde, um diesen zu entladen. Geht etwas schief bei der Herstellung, könnte das schon Menschenleben kosten, bevor sie überhaupt fertig gestellt ist.

Gedenkende beim Marsch mit Bannern.
Langer Gedenkmarsch in Richtung Friedensplatz. Über 100 Leute nahmen teil. Foto: Sina Sakrzewa für Nordstadtblogger

Die Natur und das Klima werden bei Atomexplosionen und Ablagerung außerdem über die Maße verschmutzt. Dr. Inge Zeller vom IPPNW erzählt, dass es nur eine einzige Pflanze gab, die die ölige Substanz, die nach der Explosion den ganzen Boden bedeckte, überlebte: der Ginkgo-Baum. Alle anderen Pflanzen, Pilze und Tiere starben an den Nachwirkungen der Explosion.

Dr. Shuntaro Hida überlebte den Abwurf über Hiroshima, da er wenige Stunden zuvor aus der Stadt fuhr. Der Arzt brachte diese Pflanze auf einer Reise mit nach Dortmund. Heute ist der Baum 30 Jahre alt.

Abschluss des Gedenktages mit einem Vorhaben der Stadt

Besucher in der Ausstellung der Berswordthalle.
Der letzte Punkt am Gedenktag: die Ausstellung der Bilder japanischer Schüler:innen. Foto: Sina Sakrzewa für nordstadtblogger

Vor der Berswordt-Halle wartete die Sen Ryoku-Gruppe aus Meschede, um japanische Trommelmusik zu spielen. Danach lud Yoko Schlütermann zur Ausstellung in die Halle ein. Dort waren Bilder von japanischen Schülern ausgestellt, die Opfer der Explosion gezeichnet haben und  Bilder der damaligen zerstörten Häuser.

Demnächst sollen vier Gedenktafeln in Dortmund aufgestellt werden: an der Reinoldikirche, am Platz von Hiroshima, am Friedensplatz und am Ginkgo-Baum. Denn bisher waren hier nur Markierungen erlaubt. Die Tafeln sollen weiterhin an die Opfer des Atombombenabwurfs erinnern und sind eine symbolische Aufforderung gegen Atomwaffen.


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Reaktionen

  1. Diskussion über nukleare Abschreckung: Veranstaltung zum Atomwaffenverbotsvertrag in Dortmund (PM)

    Das Dortmunder Friedensforum lädt gemeinsam mit der Regionalgruppe attac Dortmund, der Internationalen Ärzt:innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) Dortmund und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Dortmund zu einer Informationsveranstaltung anlässlich des fünften Jahrestages des Atomwaffenverbotsvertrags ein. Unter dem Titel „Kann uns ein ‚Atomschirm‘ schützen?“ spricht die Politikwissenschaftlerin Julia Engels über nukleare Abschreckung, atomare Abrüstung und Antimilitarismus. 

    Die Veranstaltung findet am Montag, 18. Mai 2026, um 19 Uhr in der Auslandsgesellschaft an der Steinstraße 48 in Dortmund statt. Die Referentin promoviert derzeit an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen zu Deutschlands Rolle in der internationalen nuklearen Abschreckung. Zudem beschäftigt sie sich mit Fragen der atomaren Abrüstung und engagiert sich seit vielen Jahren in der Friedensbewegung. 

    Im Mittelpunkt des Abends steht die Frage, ob ein sogenannter „Atomschirm“ tatsächlich Schutz bieten kann. Thematisiert werden unter anderem der Atomwaffenverbotsvertrag, die nukleare Teilhabe Deutschlands sowie die Stationierung von Atomwaffen und Mittelstreckenraketen. Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit zur Diskussion. 

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