Infrastrukturen sollen Wirtschaftswachstum und Wohlstand ermöglichen

Abschluss der Emscher-Renaturierung: Nach 30 Jahren gibt es „Freiraumqualitäten am Wasser“

Zwischen Dortmund Mengede und Castrop-Rauxel hat sich das Hochwasser-Rückhaltebecken zu einer Seenlandschaft verwandelt. Foto: EGLV

Zum Abschluss des Emscher-Umbaus 2022 pflanzte jetzt Bundeskanzler Olaf Scholz die erste Rebe für den neuen großen Weinberg an der Emscher. Damit möchte er ein Zeichen für den Aufbruch in ein neues Zeitalter des Ruhrgebiets setzen. Über 5,5 Milliarden Euro investierte die Emschergenossenschaft in das größte europäische Infrastrukturprojekt und schloss es nun, nach mehr als 30 Jahren ab.

Abschied vom vermüllten Betonkorsett und der „Köttelbecke“

Abschluss des größten europäischen Infrastrukturprojekt der vergangenen Jahrzehnte. Bildrechte: Bande für Gestaltung/EGLV

Die Emscher war bisher eher als verschmutzter Wasserlauf im grauem Betonkorsett. Seit dem Umbau Anfang 2022 wurde die Emscher vollständig vom Abwasser befreit und mit Begleitgrün bepflanzt. Der Bundeskanzler war jüngst Ehrengast beim Abschlus des Emscher-Umbaus in Castop-Rauxel.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft) und Ina Scharrenbach (Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen), pflanzte der Regierungschef im neuen Natur- und Wasser-Erlebnis-Park am Wasserkreuz in Castrop-Rauxel die erste Rebe für einen neuen Weinberg an der renaturierten Emscher. Dies sei das größte europäische Infrastrukturprojekt der vergangenen Jahrzehnte.

„Das Generationenprojekt der Emscher-Renaturierung ist ein gutes Beispiel gelingender Transformation. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Vorhabens entsteht ein leuchtendes Vorbild für ähnliche Prozesse weit über Deutschland hinaus”, sagt Bundeskanzler Olaf Scholz.

Durch den Umbau entstanden Stadt- und Freiraumqualitäten am Wasser

Die Emscher bietet auch in Dortmund eine Grünoase. Bildrechte: Ute Jäger-EGLV

Die Emscher ist nun nach 170 Jahren wieder ein abwasserfreier Fluss. Dafür eingesetzt haben sich neben dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Bund, der Städte und Gemeinden vor allem die Emschergenossenschaft.

Dadurch entstünden „neue Stadt- und Freiraumqualitäten am Wasser, die neues Leben und viele Naturräume schaffen“, so Ministerin Ina Scharrenbach.

„Die Emscher ist ein Fluss im Wandel und hat ihr Gesicht mehrfach verändert: Sie ist vom ursprünglich natürlichen Fließgewässer zum offenen Abwasserkanal in einer dicht besiedelten Industrielandschaft umfunktioniert worden“, so Scharrenbach.

Das sogenannte Emscherland am Wasserkreuz in Castrop-Rauxel ist in seiner Symbolik ein Mikrokosmos des gesamten Emscher-Umbaus. Das neu angelegte Flußbetten bildet Pflanzbeete, Streuobstwiesen und künftig auch Weinberge ein neues Gesamtbild. Außerdem bieten neu geschaffene Radwanderwege die Möglichkeit am neuen Flußlauf entlang zu radeln.

Infrastrukturen sollen Wirtschaftswachstum und Wohlstand ermöglichen

Einmal von Dortmund bis Berlin: 430 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen  wurden für den Emscherumbau errichtet.

Über 5,5 Milliarden Euro investierte die Emschergenossenschaft in das größte europäische Infrastrukturprojekt und schloss es nun, wie geplant nach genau 30 Jahren, auch weitestgehend im Kostenrahmen ab.

Angesichts aktueller Krisen verdeutlicht der Emscher-Umbau die Bedeutung des Ausbaus von Infrastrukturen für die wirtschaftliche Entwicklung und für den Wohlstand einer Region. Mit dem damaligen Ausbau der Emscher-Gewässer zu einem überflutungssicheren System von offenen Schmutzwasserläufen wurde vor über 120 Jahren die notwendige abwassertechnische Infrastruktur geschaffen, die letztlich das Wachstum der Industrieregion Ruhrgebiet überhaupt erst ermöglichte.

Der Abschluss des Umbaus bedeutet jedoch nicht das Ende der Transformation des Ruhrgebietes. Es folgen zahlreiche weitere Projekte, die durchaus mit den Abwasserproblemen vergleichbar sind: die Energiewende, die Umgestaltung des ÖPNV als Basis für das Erreichen einer Klimaneutralität sowie die Anpassung der Region an die Folgen des Klimawandels stehen zukünftig an. Gleichwohl muss die Region attraktiver und lebenswerter gestaltet werden.

Um die Emscher vom Abwasser zu befreien, baute die Emschergenossenschaft in den vergangenen drei Jahrzehnten vier Großkläranlagen in Dortmund, Bottrop, Dinslaken und Duisburg und verlegte mehr als 430 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen. Die dadurch entstandenen Naturräume lassen sich sehen: Groppen, Forellen und Stichlinge kehren an die Emscher zurück. Auch die Gebirgsstelze und die blauflügelige Prachtlibelle lassen gelegentlich einen Blick auf sich erhaschen.

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  1. Rekordsommer im Emscher- und Lippe-Gebiet setzt sich fort: Der trockenste August seit Auswertungsbeginn (PM)

    Emschergebiet/Lippegebiet. Nachdem bereits die Vormonate – mit Ausnahme von Februar und April – in diesem Jahr an der Emscher und der Lippe zu trocken waren, schafft es der August auf den vordersten Platz: Er belegt Rang 1 der trockensten Augustmonate seit Beginn der Auswertungen 1931. Ein Rekord, der die Wasserexperten bei Emschergenossenschaft und Lippeverband mit Sorgen auf die kleineren Gewässer blicken lässt.

    78 Millimeter Regen fallen im langjährigen Mittel im August an der Emscher. Im Gebiet des Lippeverbandes zwischen Wesel und Hamm sind es rund 76 Millimeter – wie gesagt in einem „normalen“ Jahr. Im Trocken-Jahr 2022 ist stattdessen nur etwa ein Fünftel dieser Regenmenge gefallen. Die Emscher-Gebiete schafften es auf 15 Millimeter im August und im Lippe-Gebiet fielen 17 Millimeter.

    Damit setzt sich der Trend fort, der sich bereits Anfang des Sommers abzeichnete: Dieser meteorologische Sommer ist der trockenste Sommer laut den Auswertungen von Emschergenossenschaft und Lippeverband seit 1931. Selbst in den bereits sehr trockenen Sommern 2018 und 2019 fiel spürbar mehr Regen als in diesem Jahr. An der Emscher fiel in diesem Sommer 95 Millimeter (2018: 114 mm, 2019: 126 mm). An der Lippe fielen im Gebiet des Lippeverbandes 94 Millimeter (2018: 119 mm; 2019: 132 mm). Auch einzelne, lokale Niederschlagsereignisse wie am 19. August in Dortmund und Lünen änderten nichts an dieser trockenen Bilanz.

    Trotzdem geben Emschergenossenschaft und Lippeverband für ihre beiden großen Flüsse leichte Entwarnung. Sowohl in die Emscher als auch in die Lippe wird von Kläranlagen gesäubertes Wasser eingeleitet. Beide Flüsse erhalten somit stetigen Nachschub an Wasser, sodass hier die aktuelle Situation weit weniger Auswirkungen hat als an anderen Gewässern.

    Anders sieht es an vielen kleinen Nebengewässern aus, den Bächen und Flüssen, die in die Emscher beziehungsweise die Lippe münden. Einige dieser kleinen Gewässer fallen jeden Sommer trocken und die Natur an und um diese Wasserläufe ist perfekt auf diese wechselhaften Bedingungen angepasst. In diesem Sommer werden den beiden Wasserwirtschaftsverbänden jedoch auch viele (nahezu) trockengefallene Gewässer gemeldet, bei denen dies nicht zum normalen Zyklus der Jahreszeiten gehört.

    Wenn die Wasserstände niedrig sind und die Wassertemperaturen im Gewässer steigen, dann blicken die Experten bei Emschergenossenschaft und Lippeverband auch immer mit Sorgenfalten auf die Tierwelt im Wasser. Auch hier geben die beiden Verbände für Emscher und Lippe Entwarnung. Noch geht es dort den Fischen gut. Aber an den Nebenflüssen kann die Trockenheit für die Fische gefährlich werden. Was in der derzeitigen Situation hilft, ist, dass Emschergenossenschaft und Lippeverband in den vergangenen Jahren viele Nebenläufe renaturiert haben.

    Beschattungen – also Bäume und Sträucher an den Ufern, die über das Wasser ragen – sorgen seitdem zum Beispiel für Schutz vor der Sonne und dafür, dass die Bäche deutlich langsamer austrocknen. Auch sind die Flüsse durchgängiger gestaltet worden, sodass Fische aus Bereichen mit niedrigen Wasserstand in Bereiche mit mehr Wasser ausweichen können.

    Eine Handhabe gegen sinkende Pegel haben Emschergenossenschaft und Lippeverband nicht. Die Hoffnung liegt nun auf Regenfällen im September. Doch, so mahnen die beiden Wasserwirtschaftsverbände, für die Zukunft können sich Städte und Gemeinden verstärkt gegen die Trockenheit als eine Folge des Klimawandels wappnen.

    Das Stichwort laute in diesem Zusammenhang „Schwammstadt“. Zum Beispiel kann durch die Entsiegelung von Flächen und die Speicherung von Regenwasser das wichtige Nass lokal gehalten werden, statt es in den Abwasserkanälen nutzlos verschwinden zu lassen. Solche Maßnahmen sind nicht nur im trockenen Sommer 2022 wichtig, denn das betonen Emschergenossenschaft und Lippeverband: Zukünftig werden wir uns auf weitere trockene Sommer einstellen müssen.

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