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Keine geeignete Fläche in Dortmund gefunden: Das „Festi Ramazan“ soll es in den kommenden Jahren nicht mehr geben

Im Jahr 2018 fand das Festival in „abgespeckter“ Form auf dem Parkplatz A8 im Rabenloh statt. Foto: Leopold Achilles

Schlechte Nachrichten für alle Freunde des Festi Ramazan. In den kommenden Jahren wird es wohl keine Neuauflage des umstrittenen – vier Wochen dauernden – Festivals anlässlich des muslimischen Fastenmonats Ramadan geben. Es fände sich  – so OB Ullrich Sierau im Rat – kein geeignetes Festivalgelände. Denn wegen des muslimischen Mondkalenders variiert der Termin – er wandert bis zum Jahr 2025 immer zwischen zehn und 13 Tage weiter nach vorne, so dass der Termin im (gregorianischen) Kalender von Juni (2018) bis in den März (2024) wandert.

Der Ramadan ist im kommenden Jahr vom 6. Mai bis 5. Juni 2019

Das Festi Ramazan hat für Muslime den selben Stellenwert wie der Weihnachtsmarkt für Christen. Fotos: Alex Völkel

Der islamische Fastenmonat Ramadan findet im kommenden Jahr vom 6. Mai bis 5. Juni 2019 statt, wobei zu beachten ist, dass der Zeitraum aufgrund unterschiedlicher Berechnungsgrundlagen um einen Tag variieren kann.

Das Fasten im Fastenmonat Ramadan ist eine der im Koran verankerten religiösen Pflichten der Muslime. Sie dürfen erst nach Sonnenuntergang essen – das führt zumeist zu nächtlichen Aktivitäten auf dem Festival. Ausschlaggebend für den Beginn bzw. für das Ende des Ramadans ist jeweils die Sichtung der neuen Mondsichel.

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Allerdings fällt das Festival damit im kommenden Jahr voll in den Messe-, Veranstaltungs- und vor allem auch in den Fußballbetrieb. Die Flächen rund um die Westfalenhallen stünden daher nicht zur Verfügung, teilte Sierau mit. Die Westfalenhallen sähen sich außer Stande, die Parkplatzflächen zur Verfügung stellen. 

Auch alle anderen möglichen Vorschläge im Stadtgebiet seien geprüft worden, hätten sich aber nicht als praktikabel erwiesen. Eine Rückkehr des Festivals auf dem Festplatz an der Eberstraße wurde kategorisch ausgeschlossen. Weder von der Größe des Festgeländes, noch von der Besucherzahl und der Logistik her (200.000 bis 250.000 Menschen kamen in den vier Wochen) sei dies praktikabel. 

OB brüskiert die SPD-Fraktion mit dem kategorischen Ausschluss

Mit dieser Aussage überraschte und brüskierte Sierau seine GenossInnen, die das Thema auf Initiative des Integrationsrates auf die Tagesordnung setzen wollten. Die hätten das Festival gern dauerhaft im Dortmunder Veranstaltungskalender verankert gesehen. 

„Der Rat begrüßt den Antrag des Integrationsrates auf eine dauerhafte Verankerung des Festi Ramazan. Das Fest ist eine Bereicherung für die Stadt Dortmund und sollte ein fester Bestandteil in der Dortmunder Feierkultur sein und bleiben“, lautete daher der Beschlussvorschlag der SPD, den Michael Taranczewski eingebracht hatte.

Die CDU wollte zuvor jedoch mit einem weiteren Antrag erst geprüft wissen, ob es überhaupt einen geeigneten Ort für ein solches Festival gebe. Diese Prüfung hatte Sierau nun quasi vorweggenommen, bevor es überhaupt zu einer Beschlussfassung kam. Daher hielten sie nicht an ihren Antrag fest und wollten den SPD-Antrag ablehnen, machte Jendrik Suck für die CDU deutlich.

Bürgerdienste-Ausschuss soll sich mit dem Festivalgelände befassen

Doch zu einer Beschlussfassung kam es nicht: Mehrere Fraktionen – darunter FDP/Bürgerliste sowie Linke und Piraten – machten deutlich, dass eine solche Diskussion nicht in den Rat, sondern zunächst in den Fachausschuss gehöre. Zuständig wäre der Ausschuss für Bürgerdienste, öffentliche Ordnung, Anregungen und Beschwerden.

Dort soll das Thema nun im kommenden Jahr auf die Tagesordnung. Allerdings – so die Sichtweise des OB – nur um transparent zu machen, warum es keine geeignete Fläche gebe. Das sei auch den Veranstaltern so kommuniziert. Die geprüften Flächen könne man dort auch vorstellen. Vor dem Jahr 2025 gebe es auch keine Möglichkeit, das Festival auf den bisherigen Flächen an den Westfalenhallen zu machen. „Das muss dann zu gegebener Zeit noch mal geprüft werden“, so Sierau.

Andreas Urbanek (AfD) hielt Festival und Diskussion hingegen für obsolet. Stattdessen fokussierte er darauf, warum für das Festival 2017 nur so ein niedriger Mietzins für den Festplatz bezahlt worden sei, obwohl es ein großer kommerzieller Erfolg war, die Stadt – insbesondere Ordnungs- und Tiefbauamt – zugleich aber Überstunden im vierstelligen Bereich gemacht hätte. „Das ist ein Skandal allererster Güte“, kritisierte Urbanek.

Darüber wunderte sich SPD-Fraktion: „Wenn Sie meinen, dass da was faul ist, dann ist das kein Fall für den Rat, sondern für den Rechnungsprüfungsausschuss“, hielt Norbert Schilff der AfD entgegen. Doch eine Prüfung war bisher – die AfD bezog sich auf die Veranstaltung im Juni 2017 – nie ein Thema.

Festival ist keine religiöse, sondern eine kommerzielle Veranstaltung

Sehr unterschiedlich bewerteten die einzelnen Parteien im Rat das Festival: Das Spektrum reichte von kategorischer Ablehnung von ganz rechts außen bis zu einer Zustimmung bei SPD, Liberalen, Grünen und Linken. „Das Fest ist nichts religiöses, sondern ‘was kommerzielles – wie der Weihnachtsmarkt auch. Es bereichert die Stadt und bringt Geld ein“, machte beispielsweise Lars Rettstadt (FDP/Bürgerliste) deutlich. 

Rettstadt wollte dieses Thema aber auch zunächst im Ausschuss erörtert sehen – dem schlossen sich auch Linke und Piraten an: „Wir müssen erst mal den Rahmen klären, wo wie wann kann sowas stattfinden und wie kriegt man es gebacken“, so Utz Kowalewski.

 

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