FOTOSTRECKE Im Zoo sind jetzt Besucher*innen die Exoten – Musik und Beschäftigungstherapie gegen tierische Langeweile

Nahezu alle Tiere reagieren auf die wenigen Besucher*innen - und beobachten sie aufmerksam. Fotos: Alex Völkel
Nahezu alle Tiere reagieren auf die wenigen Besucher*innen – und beobachten sie aufmerksam. Fotos: Alex Völkel

Von Heike Becker-Sander

Der Rollentausch ist (fast) perfekt. Wer in diesen Tagen einen Arbeitsbesuch im Dortmunder Zoo machen darf, wird an den meisten Stationen von den Tieren hinter dem Zaun bestaunt. In der Regel braucht es nur wenige Augenblicke, bis Stachelschweine und Ziegen, Kängurus, Orang Utans oder sonst eher scheue Schleichkatzen  interessiert näher kommen, um die Gäste zu betrachten. Publikumslieblinge wie die Robben schalten beim Anblick von fremden Zweibeinern sofort in den Show-Modus um. Nicht nur den vielen kleinen und großen Tierfreunden fehlt im Corona-Lockdown der Besuch im Zoo, auch die meisten Tiere vermissen offensichtlich ihre Fangemeinde.

Kaum Abwechslung und gähnende Leere vor den Gehegen

Deshalb ist jede Abwechslung im Zoo-Alltag sehr willkommen. „Außer den Tierpflegern gibt’s im Moment nur an einigen Stellen ein paar Bauarbeiter, die mit den aktuellen Umbauarbeiten beschäftigt sind“, berichtet Marcel Stawinoga, Kommunikationsmanager im Team des Dortmunder Zoos. Ansonsten herrscht vor den Gehegen gähnende Leere.

Und so ist es auch kein Wunder, dass zum Beispiel Barry und Rita, die beiden Weißschwanzstachelschweine, ganz aus dem Häuschen sind über den dreiköpfigen Besuch, der plötzlich vor ihrem Zuhause steht. Sie kommen sofort, schnuppern und trippeln vor dem Zaun hin und her, dass man die Stacheln leise klappern hört. Ein paar Nüsschen, die Marcel Stawinoga über die Brüstung reicht, werden natürlich auch gern genommen.

Auch Stachelschweine und Robben sind im Lockdown „arbeitslos”

„Barry und Rita gehören zu den Tieren, die in viele Aktivitäten eingebunden sind und viel Kontakt zu den Besuchern haben“, erklärt er. Das stachelige Duo ist Bestandteil der verschiedenen Führungen, die zu normalen Zeiten angeboten werden und wird auch bei Geburtstagsfeiern im Zoo angesteuert. Menschen gehören für die beiden also zum Alltag. Deshalb vermissen sie die Besucher. „Die Pflegerinnen und Pfleger versuchen, für mehr Abwechslung zu sorgen.“

Der Publikumsentzug macht sich auch bei den Robben bemerkbar. Die „Live-Auftritte“, die sonst zwei Mal am Tag bei der Fütterung für entsprechendes Bühnen-Feeling sorgen, fehlen natürlich. „Also gibt es für die vier Seelöwen und zwei Seebären so etwas wie Beschäftigungstherapie“, erzählt Stawinoga. Die Robben müssen ihr spielerisches Potential ausleben können – natürlich ohne jeden Zwang. „Das ist wichtig für ihre psychische und körperliche Fitness.“

Neue Anlage für Seelöwen und Seebären bietet Einblicke unter Wasser

Durch das Loch im Sichtschutz schauen Familien – und die Tiere blicken mitunter zurück.

Derzeit wird in der Nähe der alten Robbenanlage aus dem Jahr 1955 an einem Ersatzbecken gearbeitet, in das die Seelöwen und Seebären im nächsten Jahr umziehen werden.

Denn Ende 2021 soll der Startschuss für den Bau eines völlig neuen, modernen Geheges erfolgen. Und das verspricht ein echtes Highlight für den Zoo zu werden.

Die alte Anlage wird abgerissen und in wesentlich größerem Stil neu gebaut. „Es wird eine Tribüne geben, auf der 250 Leute Platz haben. Außerdem können die Robben durch ein großes Panorama-Fenster unter Wasser beobachtet werden.“

Mit dem Neubau wird es auch möglich sein, den Tieren salzhaltiges Wasser im Becken anzubieten. Die Kosten allein für diese Maßnahme liegen bei 14 Millionen Euro.

Giraffenbulle und ein kleiner Esel warten auf weibliche Gesellschaft

In Sachen Beschäftigungstherapie sind natürlich in der besucherlosen Zeit im Zoo individuelle Lösungen gefragt. So gibt es zum Beispiel für die Orang Utans neben kreativen Herausforderungen auch Geräuschkulisse. Im Regenwaldhaus läuft während des Tages das Radio mit Musik und Redebeiträgen.

Orang-Utan-Mann Walter und seiner Sippe scheint es zu gefallen. Die Menschenaffen müssen übrigens schon länger auf Besucher verzichten. Jede noch so geringe Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus soll vermieden werden.

Während sich die Vierbeiner aus dem Streichelzoo und die Bauernhoftiere in diesen langweiligen Zeiten miteinander beschäftigen, gibt es auch einige Tiere in den Zoo-Gehegen, die ohne tierische Gesellschaft sind. Zikomo, der sieben Jahre alte Giraffenbulle, steht derzeit allein in der Anlage.

„Was für ihn nicht ganz so schlimm ist, denn in freier Wildbahn sind die männlichen Giraffen auch Einzelgänger“, erzählt Marcel Stawinoga. Noch im Laufe des Januar, so die Planung, sollen zwei weibliche Tiere wieder für mehr Leben im Giraffenhaus sorgen.

Auch Henki, der Esel, ist im Moment noch solo und freut sich über unerwartete Zaungäste. Sofort trabt er heran und lässt sich sogar kurz kraulen. Demnächst kommt Gesellschaft in Gestalt einer Eselstute. „Vielleicht gibt’s dann bald Nachwuchs,” hofft Stawinoga.

Zahlreiche Neu- und Umbauten werten Zoo in den nächsten Jahren auf

Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren.

Während sich viele Zoobewohner langweilen und die Besucher ihren Zoo vermissen, hat der Lockdown für die Baustellen auf dem weitläufigen Gelände durchaus Vorteile. Es muss keine Rücksicht auf Spaziergänger genommen werden.

Neben der Arbeit am Ersatzbecken für die Robben wird auch noch an der Sanierung des Raubtierhauses (hier soll ein neues Löwenrudel einziehen) und an der neugestalteten, begehbaren Australien-Voliere gearbeitet. Das neue Schildkrötenhaus soll im Laufe des Jahres 2021 bezugsfertig sein. Außerdem haben die Bauarbeiten für die neue Andenbären-Anlage begonnen.

Auch an die Zoo-Besucher wurde gedacht: Der neue Waldkiosk ist fast fertig. Zwar ist es in Pandemie-Zeiten schwierig, Prognosen zu treffen, aber vielleicht kann der Kiosk zu Ostern den Betrieb aufnehmen.

 

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