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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Noch bis Samstag ist die „Rückblende“-Ausstellung im Depot in der Nordstadt zu sehen

Michaela Veith von der Landesvertretung Rheinland-Pfalz führte die Gäste durch die Ausstellung. Fotos (4): Alex Völkel

Noch bis Samstag sind die besten politischen Karikaturen Deutschlands im Rahmen der „Rückblende“-Ausstellung im Depot in der Nordstadt zu sehen. Waren als Premiere in Dortmund in diesem Jahr nur der Karikaturenteil plus die prämierten Fotografien ausgestellt, so wird das Depot im nächsten Jahr regulärer Standort der „Rückblende“-Tour quer durch Deutschland. Der Vorstand des Depots freut sich, neben der international renommierten World Press Ausstellung zukünftig nun auch offizieller Standort für die wichtigste deutsche Ausstellung zu den Themen politische Karikatur und politische Fotografie zu sein.

„Rückblende“ ist nicht nur Rückblick sondern oftmals auch Vorausschau

Regierungspräsident Hans-Josef Vogel und Michaela Veith führten in die Ausstellung im Depot ein.

Die „Rückblende“-Ausstellung ist für alle Menschen interessant, denn sie beschäftigt sich mit den politischen und gesellschaftlichen Themen, die die Menschen international und national im vergangenen Jahr beschäftigt haben.

Mit viel Sarkasmus, Zynismus und Ironie haben die KünstlerInnen Themen wie den Brexit, den Untergang der SPD als große Volkspartei, den schleichenden Machtverlust Angela Merkels, die Unvorhersehbarkeit der Entscheidungen des US-Präsidenten Trump, das Wiedererstarken von Nationalismus und Populismus und vieles mehr künstlerisch verpackt.

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Und dabei oftmals weise vorausgeschaut. „Die „Rückblende“ – und das machen die Wettbewerbsergebnisse 2018 deutlich – zeigt, dass gute politische Fotografie und gute politische Karikatur nicht nur Rückblick, sondern Vorausblick oder Vorblick auf zukünftige Entwicklungen sind. Insbesondere die Siegerbeiträge bilden unter der Oberfläche stattfindende Entwicklungen ab, die irgendwann zu Tage treten und die Oberfläche verändern“, so Hans-Josef Vogel, Präsident der Bezirksregierung Arnsberg in seinem Grußwort zur Vernissage der Ausstellung Ende Juni.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – Komplexe Themen auf den Punkt gebracht

Beeindruckt hebt Vogel die Fähigkeiten der ZeichnerInnen und Fotografinnen hervor, durch ihre Werke, Zukunft sichtbar zu machen. Die diesjährige SiegerInnen-Karikatur von Amelie Glienke, KünstlerInnenname Hogli, sei ein perfektes Beispiel hierfür.

„Aufwärts,SPD!“ SiegerInnen-Karikatur von Amelie Glienke, KünstlerInnenname Hogli. Foto: Rückblende

Sie zeigt ein untergehendes Schiff, das den Schriftzug SPD trägt und auf dessen aus dem Wasser empor ragenden Heck Andrea Nahles in einer Sprechblase „Es geht schon wieder aufwärts“ ruft.

„Welch eine Sicht in die Zukunft des Jahres 2019 hinein. Welch eine Voraussicht! Welch eine Vorwegnahme der Situation vor, beim und nach dem Rücktritt der SPD- Bundesvorsitzenden“, so Regierungspräsident Vogel weiter.

Außerdem bewundert Vogel die Fähigkeit der KünstlerInnen, komplexe Sachverhalte konkret auf den Punkt zu bringen. Ein Bild sage mehr als tausend Worte, politische Fotos, politische Karikaturen seien Dokumente, Belege und gute unter ihnen seien Symbolbilder oder Sinnbilder, Zeichen, Embleme. Denn das zeichne gute politische Fotografie und Karikatur auch aus: Sinnbild oder Symbolbild zu sein. 

Begeisterung für den Einfallsreichtum der ZeichnerInnen

Alex Völkel im Gespräch mit Heiko Sakurai, der Einblicke in seine Arbeit gab. Foto: Klaus Hartmann

Dass die Ausstellung nach Dortmund gekommen ist, ist unter anderem dem Engagement von Depot-Vorstandsmitglied und Nordstadtblogger Alex Völkel zu verdanken. Seit rund 20 Jahren nimmt er selbst als Fotojournalist am „Rückblende“-Wettbewerb teil.

Sein Herz schlägt aber vor allem für die Karikaturen, die für ihn in jedem Jahr wesentlich interessanter sind als die Fotografien. „Ich bewundere die Kolleginnen und Kollegen für ihre Kreativität und ihren Einfallsreichtum, den wir mit der Kamera nicht erreichen können“, gesteht Völkel.

Diese Wertschätzung für die KünstlerInnen untermauerte er, indem er den renommierten Karikaturisten Heiko Sakurai einlud. Dieser gab im Rahmen der Extraschicht im Depot Einblicke faszinierende Einblicke in die Arbeit eines politischen Karikaturisten und stellte in einer kleinen Zusatz-Ausstellung seine Lieblingsarbeiten des Jahres 2018 vor.

Faszinierendes Zusammenspiel von künstlerischem Handwerk und gezeichnetem Kommentar

Ungewöhnliche Hängung: An der Straßenbahn waren die Arbeiten von Heiko Sakurai zu sehen.

Das Faszinierende: Mit künstlerischem Handwerk allein wird man nicht Karikaturist. „Erst im Zusammenspiel mit dem gezeichneten Kommentar, mit der politischen Pointe und dem Mut zum humoristischen Statement, entsteht die hohe Meinungskunst, die Heiko Sakurai nun schon seit seit über 20 Jahren in Tageszeitungen und Buchillustrationen vollführt“, schreibt Tobias Blasius im Vorwort von Sakurais „Cartoons des Jahres“.

„Ohne die umfassende Kenntnis politischer Hintergründe wäre es unmöglich, Kritik in ein Bild zu bannen, das so oft tatsächlich mehr sagt als 1000 Leitartikel-Worte“, würdigt der Vorsitzende der Landespressekonferenz Nordrhein-Westfalen die Arbeit seines zeichnenden Kollegen.

Sakurais Figuren sind von hohem Wiedererkennungswert, jedoch stets mit einer liebevollen Überbetonung charakteristischer Äußerlichkeiten. Sakurai mag und wertschätzt seine Protagonisten. Wer sich davon überzeugen will, kann dies auch noch bis Sonntag im Depot machen oder sich den Jahresband im Buchhandel kaufen. Apropos Kaufen: Auch zur Rückblende gibt es einen Katalog, der eine Auswahl der besten Fotos und Karikaturen zeigt.

Ausstellung ist zukünftig tolle Bereicherung für den Kulturort Depot

Hoffentlich gibt es im kommenden Jahr mehr davon zu sehen. Das Depot ist froh mit der „Rückblende“ den wichtigsten deutschen Wettbewerb zum Thema politische Fotografie und Karikatur nach Dortmund geholt zu haben.

Geschäftsführerin Marion Edelhoff bedankte sich daher für die gute Kooperation bei den Veranstaltern, der Landesvertretung Rheinland-Pfalz, hier insbesondere bei Pressereferentin und Ausstellungsorganisatorin Michaela Veith und dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).

Das Depot schärft damit sein politisch-fotografisches Profil. Nach dem World Press Photo-Award – dem wichtigsten internationalen Wettbewerb für Fotografie, hat der Kulturort in der Nordstadt nun auch den wichtigsten deutschen Wettbewerb im Haus. „Neben dem f2-Fotofestival, welches im Herbst wieder stattfinden wird, ist dies eine echte Bereicherung“, freut sich der Verein.

Allein während der Extraschicht – der Nacht der Industriekultur im Depot – sah 650 Menschen die Rückblende 2018. Foto: Klaus Hartmann

Michaela Veith – sie hat selbst in Dortmund Journalismus studiert – freut sich über die neue Location für die Rückblende. Die Gäste der Eröffnung führte sie durch die Ausstellung und wusste die ZuhörerInnen mit zahlreichen Hintergründen zu den Arbeiten und Details  zum Wettbewerb zu unterhalten. Noch bis zum Sonntag sind die Arbeiten im hinteren Teil der Werkhalle des Depots zu sehen.

Wenn alles klappt, wird ab dem kommenden Jahr im Herbst die komplette Rückblende 2019 – 80 Fotografien, 50 Karikaturen sowie zusätzlich Fotoserien – zu sehen sein. Dortmund wäre dann nach dem Haus der Geschichte in Bonn der zweite NRW-Standort für die bedeutendste deutsche Wettebwerbsaussstellung für politische Fotografie und Karikatur.

Weitere Informationen:

  • Am heutigen Freitag (12. Juli 2019) ist die Rückblende noch bis 20 Uhr sowie am Samstag (13. Juli) von 14 bis 20 Uhr zu sehen.
  • www.rueckblende.rlp.de
  • www.depotdortmund.de
  • Zur Ausstellung gibt es einen begleitenden Katalog, der online unter oben stehendem Link aber auch im Depot für acht Euro zu erwerben ist. Er zeigt eine Auswahl der zum Wettbewerb eingereichten Fotos und Karikaturen.
  • Hier gibt es den Jahresband von Heiko Sakurai: LINK

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