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Die fünfte globale „Fridays For Future“- Demo findet in der Coronakrise online statt – #NetzstreikFürsKlima

Klimastreik in Dortmund. Foto: Marian Thöne

Diese geschlossene Präsenz der Aktivist*innen in der Öffentlichkeit wird es leider diesmal nicht geben. Stattdessen verlagern die „For Future“-Bewegungen ihren Protest ins Netz. Foto: Marian Thöne

Am morgigen Freitag, den 24. April 2020, findet der fünfte globale Klimastreik von „Fridays For Future“ statt. Anders als bei den vergangenen Aktionstagen werden diesmal allerdings keine Menschenmassen auf den Straßen für Klimagerechtigkeit protestieren: Aufgrund der Coronapandemie ruft „Fridays For Future“ zu alternativen, gesundheitlich unbedenklichen Protestformen auf. Anstelle des normalen Streikprogramms wird ab 12 Uhr auf YouTube eine Online-Demo mit Musikprogramm und Redebeiträgen von internationalen Klimaaktivistinnen und „Scientists For Future“ übertragen (Links befinden sich im Anhang des Artikels). In Dortmund wird der FFF-Demoaufruf auch wieder von den „Parents for Future“ und „Churches for Future“ unterstützt.

Menschenrechte müssen mehr Wert haben als wirtschaftliche Profite

Der Facebook-Aufruf erklärt kurz und knapp, wie man mitmachen kann. Foto: Screenshot

Zum Schutz von Risikogruppen hatten die Aktivistinnen und Aktivisten ihren Protest seit März ins Netz verlegt und rufen zum #NetzstreikFürsKlima auf. Der Netzstreik findet hauptsächlich auf den Social-Media Plattformen Instagram und Twitter statt, wo alle Nutzerinnen und Nutzer aufgerufen sind, Fotos, Videos oder Texte unter dem Hashtag #NetzstreikfürsKlima oder #NetzstreikfürsKlimaDO hochzuladen und damit Teil der Proteste zu werden.  ___STEADY_PAYWALL___

Auf der Karte auf der Website (Link im Anhang des Artikels) können sich alle Streikenden mit Foto und Standort eintragen. „Menschenleben müssen endlich über Profite gestellt werden. Für eine langfristige Krisenbekämpfung hin zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft und Gesellschaft brauchen wir nachhaltige Antworten auf die Coronakrise. Anstatt mit der Einführung von Autoprämien und der Förderung veralteter Energieträger krampfhaft an der Vergangenheit festzuhalten, müssen die Branchen der Zukunft – ‘systemrelevante Jobs’ in Pflege, Einzelhandel und ÖPNV genauso wie erneuerbare Energien oder nachhaltige Landwirtschaft – gestärkt aus der Krise hervorgehen”, sagt Jakob Springfeld als Zwickau.

Internationale Einheit statt nationaler Alleingänge sowohl beim Thema Corona als auch in Klimafragen

Unter anderem werden Katja Riemann und Erik Marquardt online über die Situation der Geflüchteten auf Lesbos reden und Eckhardt von Hirschhausen mit Pflegepersonal die aktuelle Lage in Krankenhäusern aufgreifen. Musikalische Unterstützung bekommen sie von Giant Rooks, Mogli und Clueso, der im Livestream seine neue Single „Tanzen“ released.

In vielen Städten wie Berlin, Hamburg, Münster und Stuttgart haben Aktivistinnen und Aktivisten zudem Sammelstellen eingerichtet, an denen Streikschilder kontaktlos abgegeben werden können. Die Plakate werden am Streiktag an öffentlichen Plätzen aufgestellt, um einen Protest ohne Menschenmassen zu ermöglichen. 

„Sowohl die Klimakrise als auch die Coronakrise lassen sich nicht national lösen. Wir brauchen bei beidem internationale Maßnahmen. Die Klimakrise macht aber auch in der Corona-Pandemie keine Pause. Deswegen werden wir am 24. April wieder weltweit Klimagerechtigkeit einfordern”, sagt Pauline Daemgen aus Berlin.

Parents for Future: Eine Transformation muss jetzt stattfinden

Wenn am Freitag Klimaprotestschilder oder Fridays for Future Plakate gut sichtbar in Fenstern, an Briefkästen, am Arbeitsplatz, im Baum vor der Haustür, im Ladeneingang oder wo sonst platziert werden, sind auch die „Parents for Future“ wieder mit von der Partie. 

In ihrem Demoaufruf heißt es, nachdem viele hundert Aktivsti*innen über Monate hinweg die Streiks für den 24. April organisiert hätten, habe man als Folge der Corona Pandemie die weltweit geplanten Klimademonstrationen schweren Herzens absagen müssen. 

Aber sie sehen in der derzeitigen Situation auch, was alles möglich ist, wenn die Menschen gemeinsam ein Ziel verfolgen. Das Engagement vieler freiwilliger Helfer*innen, das gemeinsame, dem Gemeinwohl dienende Handeln großer Teile der Bevölkerung, um die Pandemie einzudämmen, würden dies belegen. Genau wie die Corona-Krise, sei auch der Klimawandel eine existenzbedrohende Gefahr, der ebenso ernsthaft und konsequent begegnet werden müsse.

Wenn derzeit Politik und Gesellschaft ihr Verhalten an den Erkenntnissen der Wissenschaft orientierten, solle dies doch auch beim Thema Klima möglich sein. Hierfür benötige man jedoch die nötige Entschlossenheit und Entscheidungsstärke. Die Parents wünschen sich von der Politik beim Thema Klima ein ebenso striktes entschlossenes Handeln wie bei der Bekämpfung bzw. Eindämmung der Pandemie.

Zwei existenzbedrohende Krisen, die völlig unterschiedliche behandelt werden

In Dortmund hat sich mittlerweile auch eine Ortsgruppe von „Parents for Future“ gegründet. Sie unterstützen den Klimastreik der SchülerInnen und Studierenden.

Die „Parents for Future“ unterstützen auch virtuell den Klimastreik der jungen Menschen.

Denn eine weitere Verzögerung effektiver Klimaschutzmaßnahmen oder gar die Aussetzung des bisher Erreichten, seien weder wissenschaftlich noch ethisch begründbar. Verglichen mit den Corona-Maßnahmen, werde beim Thema Klima nur zögerlich und äußerst zurückhaltend in Wirtschaftsabläufe eingegriffen. 

Erneut warnen die For Future-Bewegungen vor den Kipppunkten, den Punkten ohne Wiederkehr, ab denen sich gewisse umweltbezogene Veränderungsprozess nicht mehr aufhalten lassen, wenn wir nicht jetzt entschieden handeln würden. Die Stellschrauben zur Eindämmung der Klimakrise seien bereits seit langem bekannt und wissenschaftlich untermauert. Nun sei es an der Politik, endlich die finanziellen Mittel in zukunftsorientierte klimagerechte Bahnen zu lenken.

Die Forderungen der for Future-Bewegungen haben sich dabei nicht verändert und lauten unter anderem Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens, Förderung erneuerbarer Energien, die Einführung einer CO2-Steuer, die Verkehrswende, Förderung nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft etc. 

Geschlossen fordern die for Future-Bewegungen mutige Entschlossenheit für eine bessere Zukunft. Man wolle nicht locker lassen bis die Vernunft und die großen Kräfte der Veränderung, die die Gesellschaft in der Coronakrise gezeigt habe, auch in der Klimakrise zum Einsatz komme. 

„Churches For Future“: Gemeinsamer Aktivismus zum Schutz der Schöpfung

Auch die „Churches for Future“ unterstützen den Demoaufruf. Foto: Stephan Schütze/Archiv

Auch die Evangelische Kirche in Dortmund unterstützt den virtuellen Klimastreik‘ am 24. April. Churches for Future betont, dass mehr als 10.000 Menschen allein in Dortmund an Gebeten, Kundgebungen und Demonstrationen zum Klimastreik am 20. September vergangenen Jahres teilnahmen. Weltweit hätten Millionen auf die Anliegen für mehr Klimaschutz aufmerksam gemacht.

Wie beim Klimastreik im September werde die Evangelische Kirche auch diesmal dabei sein. Die Evangelische Kirche von Westfalen und der Evangelische Kirchenkreis Dortmund rufen zu einer Teilnahme am virtuellen Klimastreik am 24. April auf.

Wie die aktuelle Corona-Krise gelte es auch die Klimakrise, die global gesehen nicht weniger dramatisch sei, durch angemessenes Verhalten zu überwinden, heißt es in dem Aufruf des Kirchenkreises. „Als Christen und Christinnen setzen wir uns darum auch in diesen Zeiten öffentlich für die Bewahrung der Schöpfung ein“, bekräftigt die Dortmunder Superintendentin Heike Proske, auch wenn die Aktionsformen diesmal andere seien. 

Breites gesellschaftliches Bündnis teilt die Anliegen der Aktivist*innen

Mitmachen könne man auch auf analoge Art und Weise, etwa mit selbst gemachten Plakaten in Fenstern, Gemeindehäusern oder an Kirchentüren. „So wird nach außen deutlich, dass wir weiter für den Schutz der Schöpfung aktiv sind.“

Neben den Kirchen unter dem Motto ‚Churches for Future‘ steht erneut ein breites gesellschaftliches Bündnis an der Seite von ‚Fridays for Future‘. Dazu zählen Umwelt-, Wohlfahrts-, Kultur- und Entwicklungsverbände, Klimaschutzinitiativen, aber auch Unternehmen und Gewerkschaften.

 

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Weitere Informationen:

Hier geht’s direkt zum Livestream auf YouTube: www.youtube.com

www.fridaysforfuture.de/netzstreikfuersklima

Für 12 Uhr am Freitag, 24. April 2020, ruft ‚Fridays for Future‘ zum Online-Streik auf. Dafür kann man seine Teilnahme schon jetzt im Internet anmelden und die Aktivitäten in sozialen Medien teilen. Die Möglichkeit, eigene Beiträge hochzuladen oder Anregungen und Ideen zum Mitmachen gibt es unter www.klima-streik.de

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Ein Gedanke zu “Die fünfte globale „Fridays For Future“- Demo findet in der Coronakrise online statt – #NetzstreikFürsKlima

  1. Fridays for Future veranstaltet größte Online-Demonstration der Geschichte (Pressemitteilung) Beitrags Autor

    Fridays for Future veranstaltet größte Online-Demonstration der Geschichte

    Am heutigen Freitag, den 24. April, hat die Klimagerechtigkeitsbewegung Fridays for Future ihren fünften globalen Klimastreik veranstaltet. Die Proteste fanden zum ersten Mal wegen der Corona-Pandemie nicht auf der Straße, sondern weitestgehend im Internet unter dem Motto #NetzstreikFürsKlima statt. Zudem gab es in dutzenden Städten kreative Aktionen, die unter Sicherheitsvorkehrungen mit wenigen Menschen durchgeführt wurden und bei denen etwa durch Schilder und Banner auf die Dringlichkeit der Klimakrise aufmerksam gemacht wurde. Auf dem deutschlandweiten Livestream kamen auf allen Plattformen zusammen 214.000 Aufrufe zwischen 12 Uhr und 15 Uhr zusammen. Zudem trugen sich in eine virtuelle Streikkarte rund 87.000 Menschen mit Bildern ihrer Teilnahme von zuhause aus ein. Auf Twitter wurden unter den bewegungseigenen Hashtags bis 16 Uhr rund 40.000 Tweets veröffentlicht.

    Mit dem Aktionstag will die Bewegung darauf aufmerksam machen, dass die Antwort auf die Corona-Pandemie sozial und ökologischen Kriterien entsprechen muss. Insbesondere im Hinblick auf die geplanten Verstaatlichungen und Konjunkturpakete der Bundesregierung weist Fridays for Future darauf hin, dass das Geld die Klimakrise nicht endgültig unkontrollierbar machen darf.

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