
Das Deutsche Fußballmuseum erweitert im Zuge laufender Umbauarbeiten seinen Ausstellungsbereich zu Fußball und Verfolgung in der NS-Zeit und Fußball in den Weltkriegen. Dabei wird die Dauerausstellung durch die Einbindung des Online-Lexikons „Niemals vergessen“ ergänzt, das sich den Lebensgeschichten verfolgter und heute zumeist vergessener jüdischer Fußballer widmet. Außerdem informiert die Social Wall „Voices of the pitch“ über Initiativen gegen Antisemitismus im Fußball. Der neue Ausstellungsbereich ist ab 10. Februar 2026 zugänglich.
Online-Lexikon dokumentiert jüdische Fußballer
Das Online-Lexikons „Niemals vergessen“ wurde anlässlich des 100. Geburtstages der Maccabi World Union vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Es enthält inzwischen über 400 rekonstruierte Biografien jüdischer Fußballspieler, Vereinsgründer, Schiedsrichter, Sportjournalist:innen und Fans, die im NS-Regime verfolgt wurden.
Das Projekt soll nicht nur dokumentieren, sondern auch motivieren: Interessierte können angeregt werden, in ihrem Umfeld weitere Lebensgeschichten zu erforschen und ihre Ergebnisse zu veröffentlichen. Ziel ist es, die Erinnerungskultur im Fußball zu stärken und bisher vergessene Biografien sichtbar zu machen.
Kooperationspartner des Museums sind über 20 Profivereine aus ganz Deutschland sowie führende Bildungseinrichtungen wie die Gedenkstätten Buchenwald und Bergen-Belsen, das Fritz Bauer Forum in Bochum und das Museo Judio de Chile.
„Voices of the pitch“: Social Wall gegen Antisemitismus
Ein weiterer Bestandteil der Ausstellung ist die Social Wall „Voices of the pitch“. Hier werden Initiativen gegen Antisemitismus und für einen fairen, demokratischen Fußball gesammelt und erklärt. Die Plattform soll vor allem junge Menschen in ihrem gewohnten Medienumfeld erreichen und für gesellschaftliche Themen sensibilisieren.
Interessierte können die Inhalte online auf Instagram und TikTok unter @voicesofthepitch verfolgen. Die Inhalte der Online-Präsenz werden auf der Social Wall auch im Museum zu sehen sein und somit dauerhaft als digitales Ausstellungsstück verankert.

Museumsdirektor Manuel Neukirchner erklärt: „Die Biografien jüdischer Fußballspieler, Vereinsgründer, Schiedsrichter, Sportjournalisten und Fußballfans dokumentieren die Verbrechen an Juden im NS-Regime. Sie berichten von Entrechtung, Enteignung, Vertreibung und Ermordung. Fußballgeschichte darf deshalb nicht ausschließlich in den Grenzen des Erfolges erzählt werden. In ihr spiegeln sich immer auch Zeitgeist, Zeitgeschichte und Entwicklungen, die sich niemals wiederholen dürfen. Dieser Erinnerungskultur fühlt sich das Deutsche Fußballmuseum im Besonderen verpflichtet. Leider gehören antisemitische und rassistische Anfeindungen zum Alltag im Fußball. Doch gibt es zahlreiche Aktionen, die dagegen ankämpfen und klare Haltung zeigen. Ihnen wollen wir in unserer Ausstellung zu mehr Sichtbarkeit verhelfen.“
Ausblick: Sonderausstellung zur WM 2026
Der neu gestaltete Ausstellungsbereich ist ab 10. Februar 2026 für Besuchende zugänglich. Weitere Initiativen zum Gedenken an verfolgte und vergessene jüdische Fußballer sind bereits in Planung.
Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Mexiko, den USA und Kanada wird das Deutsche Fußballmuseum gemeinsam mit dem Holocaust Museum LA die Sonderausstellung „The Beautiful Game – The Untold Story“ konzipieren. Sie wird ab Juni 2026 zunächst in Los Angeles zu sehen sein und 2027 nach Deutschland kommen.


Reaktionen
Deutsches Fußballmuseum zeigt internationale Ausstellung im Holocaust Museum LA (PM)
Das Deutsche Fußballmuseum zeigt in Los Angeles in Kooperation mit dem dortigen Holocaust Museum LA zur Fußball-WM 2026 die internationale Gemeinschaftsausstellung The Beautiful Game – The Untold Story (13. Juni bis 31. Dezember). Die Ausstellung thematisiert erstmalig die jüdische Geschichte des Weltfußballs vor, während und nach dem Holocaust.
Kuratiert wurde sie maßgeblich von einem Experten-Team im Deutschen Fußballmuseum unter der Leitung von Museumsdirektor Manuel Neukirchner. Mit der Ausstellung wird der Neubau des ältesten Holocaust-Museums der Vereinigten Staaten eingeweiht.
Manuel Neukirchner, Direktor des Deutschen Fußballmuseums: „In Kooperation mit dem Holocaust Museum LA ist eine zeitgeschichtliche Ausstellung mit außergewöhnlichen und teils noch nie gezeigten Exponaten zur Geschichte der Juden im Weltfußball im Spiegel der historischen Entwicklung entstanden. Dieses so wichtige Kapitel ist noch lange nicht ausgeforscht. Wir liefern hierzu eine neue inhaltliche Grundlage. In Zeiten allgemeiner weltpolitischer Spannungen ist die enge und vertrauensvolle Kooperation des Deutschen Fußballmuseums mit dem ältesten Holocaust-Museum aus den Vereinigten Staaten ein wichtiges und ermutigendes Zeichen des transnationalen Kulturaustausches.“
Die Schau zeigt insgesamt 84 einzigartige, vielfach noch nie gezeigte Exponate aus aller Welt, die ihren Weg von drei Kontinenten an die US-Westküste gefunden haben. Neben privaten Leihgaben wurden die Exponate u.a. von der internationalen Gedenkstätte Yad Vashem sowie Einrichtungen in Washington, New York, Budapest, Wien, Prag, Warschau, Berlin, Zürich und Amsterdam bereitgestellt. Eine solche Gesamtschau zu diesem Thema hat es in dieser Form und in diesem Umfang noch nicht gegeben.
Das Deutsche Fußballmuseum hat sich mit seiner Eröffnung vor über zehn Jahren der Erinnerungskultur verpflichtet. Neben zahlreichen Veranstaltungen wie der offiziellen Feier zum 100. Geburtstag der Maccabi World Union oder Gedenkfeiern anlässlich des Holocaust-Gedenktages ist die Aufarbeitung der Fußballgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus sowie die Wiedersichtbarmachung von Lebensgeschichten deutsch-jüdischer Fußballer, die Opfer der NS-Verfolgung wurden, als gesellschaftspolitisches Thema fester Bestandteil der Dauerausstellung sowie der Bildungs- und Kulturprogramme.
In enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Vereinen und Vereinigungen aus ganz Deutschland ist seit 2022 unter dem Dach des Deutschen Fußballmuseums das interaktive Lexikon Niemals vergessen entstanden, das die Biografien von bereits mehr als 400 verfolgter jüdischer Fußballer zusammenfasst, multimedial aufbereitet und wieder sichtbar macht. In der Dauerausstellung ist zu Jahresbeginn der Bereich zu Juden im deutschen Fußball noch einmal ausgebaut und gestärkt worden.