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„Das Abenteuer Gastfreundschaft“: Bei der Suppenküche KANA sitzen alle am Rathaus Dortmund an einem Tisch

Die Kana-Suppenküche hatte zu einem Mittagessen am Rathaus eingeladen - als Zeichen zum Thema Armut.

Die Kana-Suppenküche hatte zu einem Mittagessen am Rathaus eingeladen – als Zeichen zum Thema Armut.

Von Gerd Wüsthoff

Seit vielen Jahren veranstaltet die Kana-Suppenküche e.V., die an der Mallinckrodtstraße 114 in der Nordstadt ansässig ist, eine öffentliche Suppenküche für diejenigen in Dortmund, die sich nicht immer eine warme Mahlzeit leisten können. Die Arbeit der Kana-Suppenküche begann im Juni 1991 nach dem Kirchentag im Ruhrgebiet. „Die Kana-Suppenküche wurde aus der Idee der Basisgemeinde und Friedensbewegung geboren“, sagt Bernd Büscher.

Die Kana-Suppenküche, eine Anlaufstelle für alle bedürftigen Menschen der Stadt

Alles begann 1991 nach regelmäßigen Treffen, bei denen sich der Verein traf, um darüber zu beraten, wie man der wachsenden Armut und Wohnungslosigkeit in Dortmund begegnen kann.

Die Jahrestage der Kana-Suppenküche sind für die Mitglieder kein Grund zum Feiern, denn der Grund ihres Bestehens nimmt, besonders in den letzten Jahren, immer mehr zu. Die Zahl der Bedürftigen nimmt von Jahr zu Jahr zu und ist am Ende eines jeden Monats am höchsten.

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In der Mallinckrodtstraße werden täglich 180 bis 200 Personen beköstigt – am Monatsende sind es sogar über 300 Personen. Sie müssen nicht in einer Schlange stehen, sondern werden am Platz bedient.  Die Würde der Menschen steht im Fokus. Bei Kana werden die Gäste nicht nur mit warmer Nahrung versorgt, sondern ihnen wird auch Begegnung ermöglicht. Sie finden hier vielfältige Unterstützung und werden dabei von engagierten Menschen, die ihre Freude an ihrem Dienst am Menschen leben, umsorgt.

„Wir suchen Gott und finden ihn bei den Armen“, ist der Leitsatz der Kana-Gesellschaft. Dieser zutiefst christlich, humanistische Ansatz kommt dabei nicht mit einer „Christianisierung“ daher. Den Kana-Mitgliedern geht es dabei in erster Linie um das Geben, weswegen kein Obolus von den Beköstigten gewünscht oder gar gefordert wird.

„Die Stigmatisierung von Armut ist in der prostestantischen Arbeitsethik basiert, die in den Gesetzen Preußens und später denen der Nazis pervertiert wurden und leider ihren Nachhall noch finden“, sagt Büscher als Sprecher der Kana-Suppenküche bitter.

Um arm zu werden braucht es wenig heute, in den Zeiten des Turbo-Kapitalismus

Die öffentliche Suppenküche am Rathaus von Dortmund war in diesem Juni wieder von Livemusik begleitet, die die Anwesenden begeisterte. Getränke, Kartoffelsalat mit Würstchen und anschließend Kaffee und Kuchen sorgten für das leibliche Wohl der zahlreich erschienen Menschen am Rathaus.

Die Ehrenamtlichen der Kana-Suppenküche sorgten für die menschliche Wärme, die den dort Beköstigten sonst selten entgegengebracht wird. Den Armen in unserer Gesellschaft schlägt eine Kälte entgegen, die in den Zeiten des Turbo-Kapitalismus immer tiefere Minusgrade erreicht. Dagegen kämpft die Kana-Suppenküche engagiert an.

Ähnlich einem Symbol für den Zustand unserer Gesellschaft gegenüber denen, die „hinten rübergefallen sind“, war es an diesem Samstag in Juni kalt und windig. Aber mit den ersten ausgeteilten Mahlzeiten brach die Sonne wärmend durch und der Wind ließ nach.

BeobachterInnen konnte auffallen, wie sich zuvor finstere Minen während der Mahlzeit aufhellten und sich lebhafte Gespräche unter allen entwickelten. Jeder wird gleich behandelt, egal wer er ist! Jeder hat die gleiche Würde, die uns unser Grundgesetz in Artikel Eins garantiert – die Würde des Menschen ist unantastbar … und doch, es geschieht, immer wieder.

„Wir verstehen uns nicht als Sozialeinrichtung“, sagt Büscher. „Ohne Spenden wäre jede Arbeit von Kana nicht möglich.“„Armut und Absturz können heute jeden treffen, schneller als der einzelne denkt. Dazu braucht es keine Schicksalsschläge, aus denen man sich nicht alleine herausarbeiten kann. Es reicht nach einer Arbeitslosigkeit der Bezug von Hartz IV – zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“, sagte eine der Ehrenamtlichen.

Wenn es schon für Alleinstehende schwierig ist, wie viel schwieriger ist es erst für Familien oder Alleinerziehende in Hartz IV? „Einigen sieht man ihre Situation an, anderen nicht, weil sie sich mit dem Wenigen, was sie noch haben, auch äußerlich ihre Würde erhalten wollen“, sagte eine andere der ehrenamtlich dort arbeitenden Damen aus Dortmund.

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Für weitere Informationen:

  • Email: info@kana-suppenkueche.de
  • Internet: www.kana-suppenkueche.de
  • Telefon: 0231-839853
  • Adresse: Kana – Dortmunder Suppenküche e.V., Mallinckrodtstr. 114, 44145 Dortmund
  • Für Geldspenden: Stadtsparkasse Dortmund, IBAN: DE09 4405 0199 0061 0022 94, BIC: DORTDE33
  • Lebensmittelspenden sind jederzeit willkommen

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Ein Gedanke zu “„Das Abenteuer Gastfreundschaft“: Bei der Suppenküche KANA sitzen alle am Rathaus Dortmund an einem Tisch

  1. Bodo, Gasthaus und Kana (Pressemitteilung)

    Bodo, Gast-Haus und Kana zum Evangelischen Deutschen Kirchentag

    Während des Deutschen Evangelischen Kirchentags vom 19. bis 23. Juni 2019 sind die Dortmunder Wohnungsloseninitiativen Bodo – das Straßenmagazin, Gast-Haus-statt-Bank und die Kana-Suppenküche an mehreren Veranstaltungen beteiligt und laden herzlich ein:

    Mittwoch, 19. Juni, 17 h: Vertrauen auf die Kraft der Armen Ein Gottesdienst „an den Hecken und Zäunen“ (Lk 14, 16-23) Kana-Suppenküche, Mallinckrodtstr. 114

    Freitag, 21. Juni, 11.30 h: Rundgang
    ES GEHT: Urbane Produktion und soziale Gerechtigkeit
    Startpunkt: FairBleiben, Heiliger Weg 3-5

    Freitag, 21. Juni, 16 h: Gesprächsrunde Obdachlosigkeit in der Reinoldikirche, Ostenhellweg 2

    Samstag, 22. Juni, 12 bis 17 h: Vertrauen stärken! Wie ein Bedingungsloses Grundeinkommen Gesellschaft verändern kann
    Fachhochschule Dortmund Emil-Figge-Str. 44 (Hörsaal U33)

    Samstag, 22. Juni, 13.30 bis 14.30 h: Vertraue dem Frieden und lebe ihn! Menschenkette für den Frieden
    Auftakt um 13.30 h am Stadtgarten und an der Westfalenhalle

    Samstag, 22. Juni, 14 h: Rundgang
    ES GEHT: Urbane Produktion und soziale Gerechtigkeit
    Startpunkt: FairBleiben, Heiliger Weg 3-5

    Sie finden uns auch auf dem Markt der Möglichkeiten im Zentrum Stadt und Umwelt, Halle 3, Bereich Westfalenhallen, Donnerstag bis Samstag von 10.30 bis 18 h.

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