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Anstieg der Arbeitslosigkeit auch im zweiten Ferienmonat -Arbeitslosenquote steigt in Dortmund auf 10,4 Prozent  

Die Arbeitslosenzahlen im August 2019 in Dortmund - erstmals stehen wieder beide Pfeile „auf rot“. Grafik: Agentur für Arbeit

Die Arbeitslosigkeit im August 2019 in Dortmund – erstmals stehen wieder beide Pfeile „auf rot“. Grafik: Arbeitsagentur

Zum Ende der Sommerferien ist die Arbeitslosigkeit in Dortmund noch einmal angestiegen – die Arbeitslosenquote ist im August 2019 auf 10,4 Prozent angestiegen. In der offiziellen Statistik werden 32.766 Arbeitslose in Dortmund geführt.

Entspannung erwartet – „doch die Vorboten einer konjunkturellen Eintrübung sind bereits erkennbar“

„Viele junge Menschen haben die Schule verlassen oder ihre Ausbildung beendet und befinden sich jetzt kurzfristig in einer unkritischen Übergangsarbeitslosigkeit, bevor sie in Ausbildung, Arbeit oder Studium starten“, kommentiert Heike Bettermann, die neue Chefin der Agentur für Arbeit Dortmund, die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt.

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Heike Bettermann ist neue Chefin der Agentur für Arbeit in Dortmund. Foto: Alex Völkel

Heike Bettermann ist neue Chefin der Agentur für Arbeit in Dortmund. Foto: Alex Völkel

Aber auch mehr Lebensältere und ausländische Mitbürger, insbesondere geflüchtete Menschen, sind im August verstärkt von Arbeitslosigkeit betroffen. Viele Qualifizierungs- und Sprachkurse endeten im Juli. „Für diese Personenkreise haben wir ein breites Spektrum an Angeboten, damit die Weichenstellungen in Richtung Integration in Arbeit und Ausbildung zeitnah erfolgen können“, betont Bettermann.

Die „Viele Unternehmen gehen jetzt auch in die Personalplanungen für die zweite Jahreshälfte. Die Stellenmeldungen sind schon im August wieder leicht angestiegen. Hier setzen wir weiter konsequent auf unsere Qualifizierungsangebote. Eine groß angelegte Qualifizierungsoffensive der Agentur für Arbeit unterstützt sowohl Dortmunder Betriebe und Beschäftigte als auch arbeitslose Menschen“, zeigt sich die neue Chefin hoffnungsvoll.

Für die kommenden Monate rechnet die Agentur für Arbeit wieder mit einer leichten Entspannung auf dem Dortmunder Arbeitsmarkt. „Doch sind die Vorboten einer konjunkturellen Eintrübung bereits erkennbar“, so Bettermann.

44.617 Menschen sind arbeitslos gemeldet oder in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen

Im August wurden 32.766 Menschen in Dortmund arbeitslos gezählt. Davon waren 7.397 Personen bei der Arbeitsagentur und 25.369 Menschen beim Jobcenter Dortmund gemeldet. Damit ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Stadt im Vergleich zum Vormonat um 727 Personen oder 2,3 Prozent gestiegen. Im Vorjahresvergleich liegt die Arbeitslosigkeit um 197 Personen oder 0,6 Prozent höher. Die Arbeitslosenquote für alle bei Agentur und Jobcenter gemeldeten Arbeitslosen steigt auf 10,4 Prozent und liegt damit auf Vorjahresniveau.

Nach 15 Jahren an der Spitze des Jobcenters in Dortmund zieht es Frank Neukirchen-Füsers nun beruflich nach Bochum. Foto: Marvin Finger

Nach 15 Jahren an der Spitze des Jobcenters in Dortmund zieht es Frank Neukirchen-Füsers nun beruflich nach Bochum. Foto: Marvin Finger

Doch das sind noch nicht alle Menschen, die eigentlich arbeitslos sind: In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie TeilnehmerInnen an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind.

Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt. Es wird unterstellt, dass ohne den Einsatz dieser Maßnahmen bzw. ohne die Zuweisung zu einem Sonderstatus die Arbeitslosigkeit entsprechend höher ausfallen würde.

Mit dem Konzept der Unterbeschäftigung werden Defizite an regulärer Beschäftigung umfassender erfasst und realwirtschaftliche bedingte Einflüsse auf den Arbeitsmarkt besser erkannt. Zudem können die direkten Auswirkungen der Arbeitsmarktpolitik auf die Arbeitslosenzahlen nachvollzogen werden.

Wenn man diese Menschen mitzählt, sind im August 2019 allerdings 44.617 Menschen arbeitslos gemeldet oder in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Im August des Vorjahres waren das noch 44.461.

Auslaufende Maßnahmen und konjunkturell bedingte Zurückhaltung als Gründe

Der „Bestand an Arbeitslosen" im August 2019 in Dortmund. Tabelle: Agentur für Arbeit

Der „Bestand an Arbeitslosen“ im August 2019 in Dortmund. Tabelle: Agentur für Arbeit

Das Jobcenter Dortmund, das für die Betreuung der Arbeitslosen im Rechtskreis des Zweiten Sozialgesetzbuches (SGB II) zuständig ist, verzeichnet einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit.

„Im August erfahren wir regelmäßig einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Das liegt am Übergang von der Schule zur Ausbildung oder der Ausbildung in den Beruf, aber auch an einer geringeren Nachbesetzung von Stellen während der Sommerferien. Insofern kann man von einer gewissen saisontypischen Entwicklung sprechen“, kommentiert Frank Neukirchen-Füsers, scheidender Geschäftsführer des Jobcenter Dortmund.

Von Juli auf August 2018 verzeichnete das Dortmunder Jobcenter einen Anstieg um 424 Arbeitslose. In diesem Jahr beträgt die Zahl über den Monatswechsel 657. Betroffen sind alle Altersgruppen, junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren aus vorgenannten Gründen am deutlichsten, sowie schwerbehinderte Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund.

„Als Ursachen betrachten wir neben dem Auslaufen berufsvorbereitender und qualifizierender Maßnahmen eine gewisse konjunkturell bedingte Zurückhaltung bei der Stellenbesetzung“, so Neukirchen-Füsers.

Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen und Geflüchteten steigt im August an

Die Jugendarbeitslosenquote ist im Vergleich zum Juli um 0,4 Prozentpunkte auf 9,3 Prozent gestiegen. Im August waren 3.018 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das sind 137 Personen oder 4,8 Prozent mehr als im Vormonat und 0,6 Prozent oder 18 Personen mehr als im Vorjahr.

Im Jugendberufshaus arbeiten Arbeitsagentur, Jobcenter und Stadt Dortmund Hand in hand.

Im Jugendberufshaus arbeiten Arbeitsagentur, Jobcenter und Stadt Dortmund Hand in hand.

Im August waren 3.155 Personen im Kontext von Fluchtmigration“ (dazu gehören AusländerInnen mit einer Aufenthaltsgestattung, einer Aufenthaltserlaubnis Flucht und einer Duldung) arbeitslos gemeldet (Vormonat: 2.997) – davon 2.170 Männer und 985 Frauen.

Personen aus Syrien bilden hier mit 1.986 Meldungen die größte Gruppe. Es folgen 325 Personen aus dem Irak, 158 Personen aus Afghanistan und 105 Personen aus der Islamischen Republik Iran.

Geflüchtete Menschen stehen dem Arbeitsmarkt häufig aufgrund von notwendiger Förderung nicht unmittelbar zur Verfügung. Zur Einschätzung der statistischen Gesamtsituation ist es daher sinnvoll, die Unterbeschäftigung hinzuzuziehen. In der Unterbeschäftigung ist neben der Zahl der Arbeitslosen die Zahl der Personen enthalten, die zum Beispiel an Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik teilnehmen.

Die Unterbeschäftigung von Personen im Kontext von Fluchtmigration belief sich im Mai (die Daten werden mit einer dreimonatigen Wartezeit ermittelt) auf 4.948. Das sind 141 Personen mehr als im Vormonat und 94 Personen oder 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Arbeitskräftenachfrage in Dortmund zieht im August 2019 wieder leicht an

Im August ist die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften leicht gestiegen. Die Dortmunder Unternehmen und Verwaltungen meldeten im aktuellen Berichtsmonat 1.469 neue Stellen. Das sind 35 Stellen mehr als im Juli, allerdings 178 weniger als im Vorjahr.

Der aktuelle Stellenbestand ist mit 6.690 offenen Stellen um 4,4 Prozent höher als im Vormonat. Neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wurden im August insbesondere im Bereich Baugewerbe, Handel Instandhaltung und Reparatur von Kfz, im Einzelhandel, im Gesundheits- und Sozialwesen, sowie in der Zeitarbeit gesucht.

Hier gibt es alle Zahlen und Grafiken zum Arbeitsmarkt als Pdf zum Download: Arbeitsmarktreport_August_2019 

 

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