Die Außerbetriebnahme erfolgt drei Monate früher als geplant

Nach 125 Jahren: Vorzeitiges Ende für das traditionsreiche RWE-Heizkraftwerk in Dortmund

Das historische Luftbild vom Kraftwerk Dortmund an der Weißenburger Straße stammt aus dem Jahr 1927.
Das historische Luftbild vom Kraftwerk Dortmund an der Weißenburger Straße stammt aus dem Jahr 1927. Foto: RWE-Archiv

Das  Ende einer Ära an der Weißenburger Straße: Das RWE-Kraftwerk ist drei Monate früher als geplant vom Netz gegangen. Mit der Außerbetriebnahme des Kraftwerks – quasi zum 125. Geburtstag – geht ein Stück Geschichte zu Ende. Seit 1897 wurde im Heizkraftwerk (HKW) Dortmund Strom erzeugt  und ist damit der älteste Standort von RWE überhaupt.

Der Rückbau der Anlagen soll im kommenden Jahr beginnen

Das historische Bild aus dem Maschinenhaus des Kraftwerks in Dortmund stammt aus dem Jahr 1910.
Das historische Bild aus dem Maschinenhaus des Kraftwerks in Dortmund stammt aus dem Jahr 1910. Foto: RWE-Archiv

Nach mehreren Ausbauten, Modernisierungen und Erweiterungen wurde das Kraftwerk Dortmund 1961 zum Heizkraftwerk. Strom ist nur noch Nebenprodukt. Zuletzt verfügte die Anlage über zwei Turbinen und vier Kessel für die Dampf- und Wasserfernwärmeversorgung.

Das Heizkraftwerk Dortmund sollte ursprünglich noch bis Ende September 2022 in Betrieb bleiben, doch nun wurde das Kraftwerk bereits jetzt zum letzten Mal abgefahren.

RWE und der Betreiber des Dortmunder Fernwärmenetzes DEW21 haben sich darauf geeinigt, den Wärmebezug schon früher zu beenden. Da das HKW Dortmund ausschließlich DEW21 beliefert, wäre der weitere Betrieb des Kraftwerks unwirtschaftlich.

RWE hat bereits mit den Planungen für den Rückbau der Anlagen auf dem Areal begonnen, der voraussichtlich Mitte 2023 beginnen kann. Danach übernimmt DEW21 das gesamte Grundstück. 

Keine negativen Folgen für die Beschäftigten

Ein aktuelles Luftbild der Anlage an der Weißenburger Straße in der nordöstlichen Innenstadt. Foto: RWE-Archiv

Für die Beschäftigten des Dortmunder Standortes sind nach Aussage des Unternehmens damit keine negativen Folgen verbunden. Ein Teil von ihnen hat bereits den Standort gewechselt und ist auf der Anlage des RWE-Müllheizkraftwerks in Essen-Karnap beschäftigt. Von dort wird das HKW Dortmund seit 2019 per Fernsteuerung betrieben. 

Die in Dortmund verbliebenen Mitarbeiter:innen wechseln Ende Juni nach Essen-Karnap oder gehen in Altersteilzeit. „Ich kann unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nur ein großes Lob für die konzentrierte Arbeit aussprechen, die sie trotz der nahenden Schließung in den letzten Jahren hier am Standort Dortmund geleistet haben“, so Niklas Clemens, Kraftwerksleiter im HKW Dortmund.

Der Standortwechsel ist für die Beschäftigten keine Überraschung. Bereits bei der Umstellung des Betriebs auf Fernsteuerung, wurden die Mitarbeitenden frühzeitig informiert und in persönlichen Gesprächen auf die Veränderung vorbereitet.

Abschaltung ist für DEW21 ein wichtiger Meilenstein zur Klimaneutralität

Im kommenden Jahr soll der Rückbau der Kraftwerksanlagen beginnen.
Im kommenden Jahr soll der Rückbau der Kraftwerksanlagen beginnen. Foto: Leopold Achilles für nordstadtblogger.de

Für DEW21 markiert die Abschaltung einen wichtigen Meilenstein: „Der Aufbau der klimafreundlichen Wärmeversorgung ist so weit fortgeschritten, dass wir bereits drei Monate eher als geplant auf die Wärmelieferung aus dem Kraftwerk Dortmund verzichten können“, erklärt Peter Flosbach.

„Damit können wir bereits früher und mehr klimaneutrale Wärme einsetzen, was wiederum die CO2-Emissionen unserer Stadt reduziert“, so der Technik-Geschäftsführer bei DEW21.

Statt mit Wärme aus dem Kraftwerk Dortmund wird das Fernwärmenetz in der Innenstadt mit Abwärme von den Deutschen Gasrußwerken gespeist.

„Neben dem Projektfortschritt haben wir aber mit Blick auf die vor uns liegenden, warmen Sommermonate die passenden Voraussetzungen, um bereits jetzt auf die gasbasierte Wärme zu verzichten – ohne dass es Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit hat“, so Peter Flosbach. Im September wird DEW21 planmäßig die Ablösung des Dampfnetzes in der Innenstadt abschließen.

Die neue Energiezentrale an der Weißenburgerstraße

Foto: Leopold Achilles für nordstadtblogger.de

Dann sollen auch alle neuen modernen Energiezentralen einsatzbereit sein. Insgesamt sollen drei Energiezentralen im Stadtgebiet installiert werden (Adlerstraße, Lindenhorst, Weißenburgerstraße).

Die Energiezentralen werden vorrangig in der sechsmonatigen Heizperiode die Wärmeversorgung in der Dortmunder Innenstadt unterstützen und Verbrauchsspitzen abdecken. Der Neubau der Energiezentrale Weißenburgerstraße hat eine Wärmeleistung von über 100 Megawatt, das reicht für Wärme von ca. 10.000 Haushalten.

Die Energiezentrale an der Weißenburgerstraße ist die größte der drei Energiezentralen und leistet somit den größten Anteil – hat die doppelte Wärmeleistung von Lindenhorst und die dreifache von der Adlerstraße (Adlerstraße 28 MW, Lindenhorst 50 MW, Weißenburgerstraße 100 MW)

Im neuen Heizwerk sind vier erdgasbefeuerte Kessel verbaut, die an das lokale Gasnetz angeschlossen sind, so dass kein Lieferverkehr notwendig ist. In der Funktionsweise sind die Gaskessel mit haushaltsüblichen Gasthermen zu vergleichen. In der Kesselanlage wird das aus dem kommunalen Erdgasnetz bezogene Erdgas verbrannt und mit der dabei entstehenden Wärme das Heizwasser des Dortmunder Fernwärmenetzes aufgewärmt.

Unterstütze uns auf Steady

Mehr zum Thema bei nordstadtblogger.de:

Weiterer Schritt für die klimafreundliche Wärmeversorgung – DEW21 kauft Grundstück des Kraftwerks Dortmund

DEW21: Ergebnis liegt deutlich über Planniveau – Kraft-Wärme-Kopplung-Konzept soll „weltweit ein Novum“ sein

Kooperation mit DEW21: Abwärme aus den Gasrußwerken im Hafen sorgen für viele muckelig-warme Wohnungen

 

Print Friendly, PDF & Email

Reaktionen

  1. Peter Kroos

    Der Rückbau der denkmalgeschützten Anlagen der 1910er bis 1930er Jahre um 2009 wurde u.a. noch mit dem Fortbestand und Ausbau des Kraftwerks argumentiert. Ein Skandal!

  2. Scheen

    Womit erzeugen die Gasrusswerke im Hafen die Abwärme? Wenn sie mit fossilen Quellen arbeiten sehe ich keine positiven Auswirkungen auf die CO2 Produktion.

  3. Fahrbahnsperrung auf der B1: Querung mit Wärmeleitungen wird fortgesetzt (PM)

    Derzeit quert die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21) die B1 mit Wärmeleitungen. Um diese Arbeiten an der klimafreundlichen Wärmeversorgung für die Dortmunder Innenstadt fortsetzen zu können, muss DEW21 die B1 in Höhe des Max-Ophüls-Platzes vom 1. Juli ab 18:00 Uhr bis zum 4. Juli, 6:00 Uhr, in Fahrtrichtung Unna sperren.

    Eine Umleitung über Im Rabenloh, Wittekind-, Lindemann.- und Rheinische Straße sowie über den Wall und die Ruhrallee ist ausgeschildert. Damit sich Verkehrsteilnehmer*innen auf diese Verkehrseinschränkungen einstellen können, hat DEW21 diese bereits seit einigen Tagen mit Hinweistafeln an der B1 angekündigt.

    DEW21 bittet Anwohner*innen und Verkehrsteilnehmer*innen um Verständnis für die auftretenden Beeinträchtigungen.

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Google Analytics - Nein Danke! Wir verwenden keine „Datenkraken“! Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen