Bündnis Dortmund gegen Rechts: „Wir dürfen nicht schweigen!“

„Scherbenspur“ erinnerte an die Opfer der Pogromnacht in Dortmund-Hörde

In der Fußgängerzone in Hörde gedachte das „Bündnis Dortmund gegen Rechts“ der Opfer des nationalsozialistischen Terrors in der Pogromnacht 1938 und rief zum Widerstand gegen Antisemitismus und Rassismus auf. Foto: Bündnis Dortmund gegen Rechts

Mit der Aktion „Scherbenspur“ in der Hörder Fußgängerzone gedachte auch das „Bündnis Dortmund gegen Rechts“ der Opfer des nationalsozialistischen Terrors in der Pogromnacht am 9. November 1938. Dabei steht die „Scherbenspur“ symbolisch für das Geschehen während der Novemberpogrome vor 83 Jahren, als auch in Dortmund die Straßen mit Scherben, Möbeln, Hausrat und Ladeneinrichtungen bedeckt waren und jüdische Mitbürger:innen auf offener Straße geschlagen, misshandelt und ermordet wurden. Die Faschisten gaben ihr den zynischen Namen „Kristallnacht“ wegen des Glitzerns des zerbrochenen Glases. Es war die Nacht des Pogroms, die die jüdische Bevölkerung völlig unvorbereitet traf.

Gedenken an die Opfer und Widerstand gegen Antisemitismus und Rassimus

In dieser Nacht ging die Synagoge in Hörde in Flammen auf, 75 Prozent der erwachsenen jüdischen Mitbürger:innen wurden verhaftet und in die Steinwache verschleppt. Nicht nur in der total verwüsteten Innenstadt bot sich ein Bild der Verwüstung, die Nazis zwangen jüdische Mitbürger:innen, barfuß über die mit Glassplittern bedeckten Straßen zu laufen.

Ula Richter erinnerte an das historische Ereignis und rief zum Widerstand gegen wiederaufkommenden Nationalismus auf. Foto: Bündnis Dortmund gegen Rechts

Nach diesem Tag gelang es nur noch wenigen Dortmunder Jüdinnen und Juden, ins Ausland zu fliehen und den Vernichtungslagern der Nazis zu entkommen. Daran erinnerte Antifaschistin Ula Richter bei ihrer Begrüßungsrede eindringlich:

„ Obwohl seit der Machtübergabe an Hitler und die NSDAP die Ausgrenzung und Kriminalisierung immer brutalere Formen angenommen hatte, war die jüdische Community auf diese Bestialität nicht gefasst. Sie waren doch deutsche Bürger*innen, Deutschland ihr Vaterland, für das sie sogar in den Krieg gezogen waren. Sie wussten noch nicht, was der Faschismus an der Macht bedeutet.“

Doch heute sei dies anders. „Heute wissen wir, was Faschismus bedeutet und sind alarmiert, wie seine Ideologie und seine menschenverachteten Taten wieder an Boden gewinnen. Wie sich Antisemitismus und Rassismus erneut ausbreiten. Wir denken an Halle und den geplanten Mord in der Synagoge, an die Demütigungen und Verfolgungen, denen heute unsere jüdischen Mitbürger*innen ausgesetzt sind. Ihnen gehört unsere Solidarität“, so Richter weiter.

Passantin: „Das ist wichtig, dass Ihr das hier macht.“

Foto: Bündnis Dortmund gegen Rechts

Und in diesem fortwährenden Bestreben, die Erinnerung wach zu halten und gegen das Wiedererstarken von Nationalismus und Populismus mit Bildung und Aufklärung zu kämpfen sind die Vertreter*innen des „Dortmunder Bündnis gegen Rechts“ nicht allein, wie auch die Reaktion einiger Passant:innen zeigt.

So äußerte eine 94-jährige Dortmunderin, die die Pogromnacht als Kind selbst miterlebt hat: „Das darf nie wieder geschehen!“ und eine weitere Passantin unterstrich dies mit den Worten: „Das ist wichtig, dass ihr das hier macht!“ und legte spontan Blumen an der Scherbenspur nieder.

Auf großen Tafeln informierte das Bündnis über die Pogromnacht und den Holocaust, Texte von Zeitzeug:innen der Novemberpogrome in Dortmund-Hörde wurden gelesen. Für die musikalische Begleitung sorgten Eva Weber an der Violine, deren Spiel vom Klirren zersplitterten Glases, wütendem Hundegebell und Gebrüll der SS und SA auf einer Tonspur unterbrochen wurde.

Peter Sturm gab mit seiner Stimme und seiner Musik der Veranstaltung einen nachdenklichen aber auch kämpferischen Rahmen: „Nie Wieder“.

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