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Popkultur zwischen Ausgrenzung und Respekt: Lese- und Musikabend zum Thema Sinti und Roma mit Dotschy Reinhardt

Das Dotschy Reinhardt Ensemble sorgte für Musik.

Das Dotschy Reinhardt Ensemble sorgte im Depot für Musik. Fotos: Alex Völkel

Einen interessanten und informativen Lese- und Musikabend bereitete Dotschy Reinhardt ihren zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern im Depot. Sie stellte Auszüge aus ihrem Buch „Everybody’s Gypsy – Popkultur zwischen Ausgrenzung und Respekt“ vor und gab anschließend mit ihrem Ensemble eine musikalische Darbietung in Gypsy-Swing und Jazz.

Kritik an künstlerisch-literarischen Klischees über „Zigeuner“ 

Dotschy Reinhardt stellte Auszüge aus ihrem Buch „Everybody’s Gypsy – Popkultur zwischen Ausgrenzung und Respekt“ vor.

Dotschy Reinhardt stellte ihr Buch „Everybody’s Gypsy – Popkultur zwischen Ausgrenzung und Respekt“ vor.

Der sogenannte Gypsy-Style ist fest im Alltag, vor allem in der Popkultur, verankert. In Musik, Film, Fernsehen, Literatur und Mode bedient man sich gerne bei alten und falschen Klischees, die den „Gypsys“ zugeschrieben werden – sie versprechen Freiheit, Sinnlichkeit und Emotionen. „Everybody’s Gypsy“? Jedenfalls manchmal.

Dabei haben Sinti und Roma seit Jahrhunderten auf ganz unterschiedliche Weise die Kultur bereichert, verdeutlichte die Autorin. Dotschy Reinhardt widmet sich diesen Phänomenen, hat Musiker, Filmemacher, Autoren und andere Kulturschaffende von Berlin bis New York besucht.

Sie erklärte, wie sich Sinti und Roma selbstbewusst gegen Ausgrenzung und die Aneignung ihrer Kultur behaupten und wie Erinnerung zukunftsweisend sein kann. Und sie nahm ihre Gäste mit auf einen Roadtrip durch die Zentren der Popkultur mit Geschichten über Musik und Mode, Literatur und Kunst, Film und Fernsehen und Alltag.

Scharfe Kritik an rassistischen Feindbildern und latentem Alltagsrassismus

Mit Teilen der Politik ging sie hart ins Gericht: Sie kritisierte, dass die neu zugewanderten EU-Bürger unter Generalverdacht gestellt würden, Kriminelle und Sozialbetrüger zu sein. Vor allem die CSU  forciere unsachliche Debatten auf unterstem Stammtisch-Niveau. Das bestärke rassistische Feindbilder und latenten Alltagsrassismus.  Sie zeigte im Depot zudem auf, wie gelebte Erinnerung zukunftsweisend sein kann. Und warum man besser kein »Zigeunerschnitzel« bestellt.

„Zigeuner-Schnitzel“ als Beispiel für eingeübte Klischees und Vorurteile

Alexej Wagner (Gitarre) und Bernd Huber (Geige) begleiteten Dotschy Reinhardt.

Alexej Wagner (Gitarre) und Bernd Huber (Geige) begleiteten Dotschy Reinhardt.

Die gute Nachricht: Es wird dieses Gericht auch in Zukunft geben. Und jetzt eine gute Nachricht für alle, die sich von dem Sammelbegriff »Zigeuner« betroffen fühlen: Nicht überall, wo Zigeuner draufsteht, ist Zigeuner drin.

Aber wo Paprika drin ist, steht oft »Zigeuner« drauf. Was in der Lebensmittelindustrie ein Hinweis auf Schärfe und Würze ist, ist für Roma und Sinti eine diskriminierende Assoziation.

Es ist gar nicht so schwer, das zu respektieren. Wo kommen die Bezeichnungen eigentlich her? Essen Sinti und Roma diese Gerichte gerne? Sinti kochen kaum feurig-scharfe ungarische Paprika-Gerichte.

Eigentlich sind die Kochgewohnheiten der Sinti ziemlich traditionell, regional orientiert. Begriffe wie „Zigeunerspieß“ oder „Zigeunersuppe“ stören nicht nur die politisch überkorrekten Aktivisten und Menschenrechtler.

Der Landesverband Deutscher Sinti und Roma lehnt das Wort „Zigeuner“ als rassistische Fremdbezeichnung ab. Auch viele Betroffene wünschen sich, dass es aus dem Sprachgebrauch verschwindet. Also auch aus den Supermarktregalen und Speisekarten…

Das „Zigeuner-Schnitzel“ – nur eines der Themen, die Reinhardt thematisierte.

Dotschy Reinhardt Ensemble sorgte für musikalische Unterhaltung

Anschließend sorgte das Dotschy Reinhardt Ensemble für musikalische Unterhaltung. Alexej Wagner (Gitarre) und Bernd Huber (Geige) begleiteten Dotschy Reinhardt.

Ihre Kompositionen verbinden den Gypsy-Swing im Stil des Hotclub de France mit lateinamerikanischen und modernen Klängen. Doch nicht nur auf musikalischer Ebene öffnet ihre Musik neue Pfade. Mit dem Entschluss, auch in der Sprache der Sinti, dem Romanes, zu singen, hat sich die junge Sängerin ein wichtiges Anliegen erfüllt.

Das Ensemble trat bereits auf zahlreichen großen europäischen Festivalbühnen auf,  u. a. in der Münchener Philharmonie (Hot Jazz Night), in Düsseldorf  (Jazz Rally/Eröffnungskonzert), Luxemburg (Weltmusikfestival) und auf Schloss Elmau (World Music Festival).

Erfolgreicher Lese- und Musikabend war eine Kooperationsveranstaltung

Der gut besuchte Lese- und Musikabend war eine Gemeinschaftsveranstaltung des Planerladen e.V. in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW, Auslandsgesellschaft NRW e.V., AWO Unterbezirk Dortmund, bodo e.V.  und VMDO e.V. und wurde finanziell auch von der Bezirksvertretung der Innenstadt-Nord unterstützt.

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