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Nach erfolgreicher Sanierung ist die Kapelle Wischlingen Denkmal des Monats – Bald wieder Trauungen möglich

Die kleine Fachwerkkapelle aus dem 18. Jahrhundert, ist – idyllisch am Rande des Revierparks Wischlingen gelegen – einer der beliebtesten Orte für stilvolle kirchliche und standesamtliche Trauungen in Dortmund. Im November 2019 standen die Hochzeitspaare jedoch vor verschlossenen Türen. Der Holzwurm hatte kräftig an einem Tragbalken der Empore genagt und ließ ein Betreten der Kapelle zum Sicherheitsrisiko werden. Inzwischen ist die aufwendig und fachlich komplexe Sanierung abgeschlossen. Dies ist ein guter Grund für die Denkmalbehörde Dortmund, die Kapelle Wischlingen als Denkmal des Monats Februar 2021 vorzustellen. 

Kapelle Wischlingen ist einziger in Dortmund erhaltener Sakralbau in Fachwerkbauweise 

Außenansicht der Kapelle Wischlingen. Fotos: Denkmalbehörde Dortmund / Holtkötter

Weit vor dem Revierpark Wischlingen, der in den 1970er Jahren zur Erholung der arbeitenden Bevölkerung in Dortmund entstand, wurde die Kapelle Wischlingen errichtet. Das prachtvolle Wappenschild über dem Eingang nennt nicht nur das Baudatum 1783, sondern auch die Erbauer Johann Friedrich Wilhelm von Syberg und seine Ehefrau Anna Maria Christina von Romberg.  ___STEADY_PAYWALL___

Sie waren die Nachfolger der Familie Wischlingen, die seit dem 13. Jahrhundert hier residierte. Von dem ursprünglichen Herrensitz, das von einer Gräfte umgebene Haus Wischlingen, ist heute jedoch nichts mehr zu sehen. Bergsenkungen, die vom Bergbau verursacht worden waren, führten zur Baufälligkeit und letztlich 1903 zum Abriss. Weil die Kapelle jenseits der Schlossinsel stand, blieb ihr dieses Schicksal erspart.

Der erste evangelisch-lutherische Gottesdienst in Westfalen soll zu Beginn des 16. Jahrhunderts in einem Vorgängerbau der heutigen Kapelle stattgefunden haben. Der damalige Schlossherr, Georg von Syberg war ein persönlicher Freund des Reformators Martin Luther. Besonderen Rang genießt die kleine Kapelle auch auf andere Weise: Sie ist der einzige in Dortmund erhaltene Sakralbau in Fachwerkbauweise. Dabei sind die hohen schräggestellten Fußstreben an den Gebäudeecken typisch für das 18. Jahrhundert.

Logen und seltener Kanzelaltar sowie reich geschmückte Grabplatten aus dem 17. und 18. Jahrhundert

Im Inneren der Kapelle empfängt die Besucher*innen ein heller Saal, beleuchtet durch große Fenster und in hellen Farben gefasst. Im Chor finden sich Ausstattungsstücke aus der Zeit um 1800. Neben den beiden Herrschaftslogen an den Seitenwänden fällt besonders der Hochaltar auf. 

Den Platz über dem Altartisch, den bei anderen Altären sonst Gemälde oder Skulpturen schmücken, nimmt hier eine Kanzel ein. Der eher seltene Kanzelaltar unterstreicht die Bedeutung der Verkündigung des Wortes im evangelischen Gottesdienst. Kunsthistorisch bedeutend sind ebenfalls einige reich geschmückte Grabplatten aus dem 17. und 18. Jahrhundert – Zeugnisse der Grablege der Familie von Syberg unter der Kapelle. 

Holzwurm und Feuchtigkeit: „Ja, ich will“ zu wichtigen Erhaltungsmaßnahmen

Von Holzschädlingen angefressene Holzteile der Empore.

Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es Schäden an der Kapelle, worauf insbesondere der Ersatz der ursprünglich ebenfalls in Fachwerk errichteten Westwand durch massiven Stein hinweist. Und auch in der Folgezeit mussten wiederholt Restaurierungen und Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden – nicht immer mit durchschlagendem Erfolg. 

Manche Maßnahmen, die man früher für besonders geeignet hielt, erweisen sich aus heutiger Sicht als problematisch. So ließen diffusionsdichte Anstriche oder das „Verfugen“ des Fachwerkes mit Silikon den Baukörper nicht mehr atmen, eingedrungene Feuchtigkeit konnte nicht ausreichend abtrocknen. Fäulnis war die Folge, aber auch ein optimaler Lebensraum für den gemeinen Nagekäfer, umgangssprachlich auch als Holzwurm bekannt. 

Gegen die Nagekäfer ging man bei der nun abgeschlossenen Sanierung mit Hitze vor. Die befallenen Bauteile wurden ausgebaut und in einer Trockenkammer mehrere Tage auf 60 Grad Celsius erhitzt, was Holzwürmer überhaupt nicht vertragen. Weniger gut bekam die Wärmebandlung der alten Farbe, die Blasen warf. Eine Restauratorin entwickelte ein Konzept, bei dem die entstandenen Blasen mit einer Art Bügeleisen wieder geglättet werden konnten. Andere Bauschäden behoben die Fachleute und stellten die Statik der Empore wieder her. 

Bald sind wieder Trauungen, Gottesdienste und Konzerte möglich

Bald soll die Kapelle wieder für kirchliche und standesamtliche Trauungen, Gottesdienste und Konzerte geöffnet werden. Die Kapelle mit ihrem weißem Mauerwerk und den wunderschönen Fenstern verströmt einen einzigartigen romantischen Charme und bietet zusammen mit der ruhigen und grünen Umgebung des Revierparks ein außergewöhnliches Ambiente, um den schönsten Tag im Leben in ein wundervolles und unvergessliches Ereignis zu verwandeln. „Wir würden in dieser wunderbaren Kapelle jedes Mal wieder heiraten. Sie hat so etwas Magisches“, schreibt eine Userin auf der Facebookseite der Kapelle und vergibt fünf Sterne. 

 

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