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Nach Beschädigung eines Stolpersteins: Schüler*innen und Quartiersdemokraten setzen Zeichen gegen Antisemitismus

Immer wieder werden die Stolpersteine beschmiert oder beschädigt. In Dortmund kümmert sich der Jugendring um die Pflege.

Immer wieder werden die Stolpersteine beschmiert oder beschädigt – so auch einer der neu verlegten Steine in Dorstfeld.

Erst in der vergangenen Woche wurden in Dortmund über 20 neue Stolpersteine verlegt. Zwei für die Geschwister Rosenthal in dem Stadtteil Dorstfeld. Sie wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert und im Zuge der Shoah ermordet. Die Martin-Luther-King-Gesamtschule hat die „Partnerschaft“ für die Stolpersteine der Geschwister Rosenthal übernommen und damit auch die Pflege und den „Auftrag des Erinnerns“. Dass dies bereits eine Woche nach dem Verlegen nötig sein würde, hatten die Schüler*innen nicht geahnt. Vermutlich in der Nacht auf den 1. Juli wurde der Stolperstein von Josef Rosenthal mit einer unbekannten Flüssigkeit beschmiert und beschädigt.

Quartiersdemokraten: „Die Beschädigungen zeigen auch, wie wichtig es ist, die Erinnerung aufrechtzuerhalten.“

Schüler*innen und Quartiersdemokraten setzen Zeichen gegen Antisemitismus. Fotos: David Peters

Schüler*innen und Quartiersdemokraten setzen Zeichen gegen Antisemitismus. Fotos: David Peters

„Der Vorfall ist leider wenig überraschend“, erklärt Micha Neumann von der Beratungsstelle ADIRA. Zuletzt waren in Lütgendortmund Stolpersteine mit rechten Aufklebern überdeckt worden. „Die Neonazis fallen immer wieder durch Angriffe auf Gedenkorte auf“, so Neumann. Solche Vorfälle seien Ausdruck des Antisemitismus der rechten Szene, der sich häufig gegen die Erinnerung an nationalsozialistische Verbrechen richte. „Für die Nachfahren von Shoah-Überlebenden sind solche Beschädigungen natürlich nur schwer zu ertragen.“

Für die Quartiersdemokraten, die sich in Dorstfeld gegen Neonazis engagieren, war klar, dass man diese Attacke auf den Stolperstein nicht unwidersprochen lassen könne. In wenigen Stunden wurde für den nächsten Tag eine kleine Gedenkaktion mit einigen Schüler*innen der Martin-Luther-King-Gesamtschule auf die Beine gestellt. Auch die Polizei und die Stadt Dortmund hätten sofort reagiert und den Stolperstein gereinigt, berichtet Vivianne Dörne von den Quartiersdemokraten.

Zusammen mit den Schüler*innen hat sie am Tag nach der Attacke über die Bedeutung der Stolpersteine und auch der Attacke darauf gesprochen. Die Beschädigung des Steins für Josef Rosenthal ist die kein Einzelfall: Immer wieder werden in Deutschland Stolpersteine beschädigt. „Die Beschädigungen zeigen auch, wie wichtig es ist, die Erinnerung aufrechtzuerhalten“, so Dörne.

WDR-Reporter wurde nach der Stolperstein-Aktion von einem Neonazi attackiert

Nach der Aktion wurde ein WDR-Reporter von einem Neonazi attackiert. Die „SOKO Rechts“ ermittelt.

Nach der Aktion wurde ein WDR-Reporter von einem Neonazi attackiert. Die „SOKO Rechts“ ermittelt.

Gemeinsam gingen die Quartiersdemokraten mit den Schüler*innen zum Stolperstein im Dorstfelder Hellweg und hielten inne um zu gedenken. Anschließend hielt die Gruppe Plakate mit der Aufschrift „Antisemitismus? Nicht mit mir!“ hoch. Dörne lobt das Engagement der Schüler*innen, die sich so spontan und im Anschluss an ihre Zeugnisvergabe bereiterklärt hatten, an der Aktion teilzunehmen.

Es sei wichtig, dass den Neonazis gezeigt werde, dass sich viele – auch junge Menschen – gegen ihren Hass und ihre Ideologie engagieren. „Es braucht aber auch Mut sich gerade in Dorstfeld dagegen zu engagieren“, führt Dörne aus. Deshalb sei es auch wichtig, dass die Zusammenarbeit zwischen den Engagierten vor Ort, der Stadt und der Polizei weiterhin so gut funktioniere.

Wie nötig dieser Mut ist, zeigte sich auch darin, dass während der Aktion drei Neonazis auftauchten und die Situation beobachteten. Kurze Zeit später kam es zu einem Zwischenfall: Einer der Rechten attackiert einen Journalisten des WDR, der die Aktion mit der Kamera begleitete. Der Neonazi schlug dem Journalisten vor den Augen der Polizei das Mikrofon aus der Hand und griff in die Kamera. Die Soko Rechts hat die Ermittlungen aufgenommen.

 

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Weitere Informationen:

Eine Übersicht über die Stolpersteinstandorte in Dortmund finden Sie hier.

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Ein Gedanke zu “Nach Beschädigung eines Stolpersteins: Schüler*innen und Quartiersdemokraten setzen Zeichen gegen Antisemitismus

  1. Jude ist kein Schimpfwort - Lesung und Gespräch mit der Journalistin und Autorin Alexia Weiss (PM Auslandsgesellschaft.de)

    Jude ist kein Schimpfwort – Lesung und Gespräch mit der Journalistin und Autorin Alexia Weiss

    Online-Veranstaltung am Donnerstag, 15. Juli 2021, um 18 Uhr

    Mehr als 75 Jahre nach dem Holocaust erstarkt der Antisemitismus in Europa wieder. Auch in Österreich melden jüdische Gemeinden vermehrt Belästigungen und Anfeindungen. Der Staat reagiert mit Sicherheitsmaß-nahmen und Gedenkveranstaltungen, scheitert jedoch an den Bedürfnissen der Menschen – ein normales Leben zu leben, ohne besonders geschützt werden zu müssen oder attackiert zu werden.

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