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Innovativer Kampf gegen Problemhäuser in der Nordstadt

Die Stiftung „Soziale Stadt“ lässt die Problemimmobilie Brunnenstraße 51 für 770.000 Euro sanieren. Fotos: Alex Völkel

Stolz blicken die Männer von Bauleiter Lothar Noskowiak in die Kameras. Sie sind die, die der Nordstadt-Problemimmobilie in der Brunnenstraße 51 neues Leben einhauchen werden. Und sich dabei eine neue berufliche Perspektive erarbeiten. Vor ihnen liegt noch ein gewaltiger Berg Arbeit. Doch der ekelerregendste Teil liegt hinter ihnen: Containerweise Müll und Fäkalien sind entsorgt und die gefährlichsten Bereiche des Hauses gesichert. Daher können jetzt die Offiziellen und Geldgeber das innovative Projekt in der Nordstadt besichtigen.

Bundesweites Interesse an sozialem Wohnungsbauprojekt

Ullrich Sierau überreicht einen Förderbescheid über 600.000 Euro an Michael Stober (Stiftung „Soziale Stadt“).

Das Vorhaben stößt bundesweit auf großes Interesse. Denn hier packen eine Vielzahl von Akteuren mit an: Mit dabei sind die Stiftung ‚Soziale Stadt’, das Jobcenter Dortmund, die Grünbau gGmbH, Dogewo21 und die Stadt Dortmund sowie die Sparkasse Dortmund, DEW21 und EDG mit Sach- und Geldspenden. Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat beim gemeinsamen Ortstermin einen Bewilligungsbescheid über Wohnraumfördermittel des Landes NRW in Höhe von rund 600 000 Euro an Michael Stober von der Stiftung überreicht.

Für Sierau hat das Projekt Modellcharakter: „Die Inwertsetzung dieses Gebäudes ist wohnungs- und sozialpolitisch ein Signal für den Umgang mit Problemimmobilien, das hoffentlich weitere Nachahmer findet. Gebäude und Umgebung erfahren eine Qualitäts- und Attraktivitätssteigerung, die mit einer nachhaltigen Vermietbarkeit einhergeht.“

Stiftung „Soziale Stadt“, Grünbau und Doegewo arbeiten Hand in Hand

„Nur gemeinsam sind wir stark“: Das ist das Motto, unter dem die Stiftung ‚Soziale Stadt’ antrat, eine praktikable Lösung für den Umgang mit Problemimmobilien in der Nordstadt zu suchen. Die Idee: In Absprache mit der Dogewo kauft die Stiftung ein Gebäude und beauftragt GrünBau als Generalunternehmer. Wenn das Gebäude fertig saniert ist, kauft die Dogewo das komplett überholte Gebäude und vermietet es. Mit dem Verkaufserlös kann die Stiftung dann weitere Problemimmobilien kaufen. Es ist das erste Projekt für die Dogewo in dieser Form, betont ihr Geschäftsführer Klaus Graniki. Rund 1300 Wohnungen hat die gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft bislang in der Nordstadt. Hinzu kommen die 19 „neuen“ Problemhäuser mit insgesamt 150 Wohnungen, die das Unternehmen erst kürzlich erworben hat.

Land NRW und Arbeitsagentur fördern das innovative Gemeinschaftsprojekt

Das Haus ist in einem extrem schlechten Zustand. 1500 Euro pro Quadratmeter kostet die Instandsetzung.

„In zahlreichen Gesprächen konnten verschiedene Kooperationspartner von dem sozialen Gedanken, der dieses Vorhaben prägt, überzeugt und für eine Unterstützung gewonnen werden“, betont Stiftungsmitglied Michael Stober.  Auch das Land Nordrhein-Westfalen habe sofort großes Interesse an diesem bis dato einzigartigen Projekt gezeigt und den Einsatz von Wohnraumfördermitteln ermöglicht, ergänzt Sozialdezernentin Birgit Zoerner.

Mit den notwendigen Instandsetzungsarbeiten ist GrünBau, eine gemeinnützige Gesellschaft für soziale Beschäftigung und Qualifizierung, beauftragt. „Damit gelingt uns der Spagat, die Wiederherstellung des Gebäudes mit der Qualifizierung von Arbeitslosen zu verbinden“, erklärt Heike Bettermann, Leiterin des Bereichs Markt und Integration im Jobcenter Dortmund. Den Arbeitslosen bietet sich ein breites Spektrum von Lern- und Qualifizierungsangeboten, das über Abbrucharbeiten, Trockenbau, Maler-, Tapezier- und Putzarbeiten bis hin zu vorbereitenden Arbeiten für die Elektro- und Sanitärinstallationen reicht.

Grünbau qualifiziert vor Ort Langzeitarbeitslose für Bauwirtschaft

Teambesprechung: „GrünBau“ saniert mit Langzeitarbeitslosen das Haus.

In der Brunnenstraße sind im Team von Lothar Noskowiak acht Langzeitarbeitslose eingesetzt. Seit März 2013 sind sie bei GrünBau. Im Mai standen die Entrümpelungs- und Gebäudesicherungsarbeiten im Vordergrund. Dazwischen gab es Leerlauf, da die eigentlichen Bauarbeiten erst jetzt so richtig beginnen können. Doch diese Zeit haben sie für die theoretische Ausbildung genutzt. „Wir machen hier ein berufsvorbereitendes Jahr. Die Leute sind dann anschließend auf dem Stand eines Auszubildenden im ersten oder zweiten Lehrjahr“, betont der Ausbilder.

Insbesondere langzeitarbeitslose Menschen aus dem Modellprojekt „Aktiv statt passiv“ – öffentlich geförderte Beschäftigung in NRW – haben die Möglichkeit, bei den Sanierungsarbeiten mitzuwirken. Auch für die Zielgruppe der unter 25-Jährigen arbeitslosen jungen Menschen bietet dieses Sanierungsobjekt zur sozialen Stabilisierung von Wohnquartieren die Gelegenheit, berufliche Erfahrungen „nah am ersten Arbeitsmarkt“ zu bekommen.

Überzogene Preiserwartungen bei Verkäufern von Schrottimmobilien

Völlig marode, vermüllt und verdreckt – so präsentiert sich das Haus.

Im Fokus der Sanierung, die in Kooperation mit Handwerksbetrieben aus der Dortmunder Nordstadt durchgeführt wird, stehen die Anpassung der Grundrisse und der Ausstattung der Wohnungen an die heutigen Wohnbedürfnisse und Wohnstandards. Insgesamt werden zehn barrierefreie Zwei-Raum-Wohnungen im Neubaustandard fertig gestellt.

Aufgrund der Inanspruchnahme von Wohnraumfördermitteln des Landes werden die Mieten mit 5,10 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche besonders attraktiv sein. Dabei werden rund 1500 Euro pro Quadratmeter in die 1911 mit liebevoll gestalteter Fassade errichtete Immobilie investiert. Insgesamt 770.000 Euro wird die Instandsetzung bis zum Frühjahr nächsten Jahres verschlingen. Mit dem Verkaufserlös des Gebäudes an die Dogewo kann die Stiftung ‚Soziale Stadt’ dann eine weitere Problemimmobilie zu Sanierungszwecken erwerben.

Dabei wird sie mit meist völlig überzogenen Erwartungen der Eigentümer konfrontiert, weiß Dogewo-Chef Klaus Graniki. Sie wollen für teils schrottreife Immobilien noch viel Geld. „Weil viel Herzblut im Haus steckt oder der Traum von einer Jacht in der Karibik“, ergänzt der OB. Doch den können und wollen die Beteiligten den Verkäufern nicht erfüllen. Wohl aber den Traum von einer Perspektive in der Nordstadt: Denn durch Investitionen in Problemhäuser, die so auf Neubaustandard gebracht werden, sollen auch die Nachbarn animiert werden, in ihre Gebäude zu investieren. Damit das Brunnenstraßenviertel zum „Kreuzviertel des Nordens“  (Zitat Sierau) werden kann.

 

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