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Fast 20.000 Leihgeräte für Distanzunterricht an Schulen in Dortmund – die Nordstadt braucht besonders viele

Der organisatorische und bürokratische Aufwand ist groß. Foto: HGDO

Der organisatorische und bürokratische Aufwand für die Geräteausgabe ist groß. Foto: HGDO

Der Lockdown trifft die Schulen, der Distanzunterricht geht weiter. Dies benachteiligt vor allem die Schüler*innen aus Familien, wo die Unterstützung im Elternhaus beim Lernen nicht da ist oder – noch problematischer – wo es die technische Ausstattung für den Distanzunterricht nicht gibt. Mittlerweile sind in vielen Schulen die Leihgeräte eingetroffen, die Schüler*innen aus ökonomisch benachteiligten Familien zur Verfügung gestellt werden. Dabei wird deutlich: Die Familien im Dortmunder Norden stehen finanziell besonders schlecht da – hier werden überproportional viele Geräte benötigt.

Über den Digitalpakt von Bund und Land wurden 19.614 Tablets beschafft

Insgesamt 19.614 Geräte konnte die Stadt Dortmund aus Mitteln des Digitalpaktes des Bundes und des Landes NRW beschaffen, die nun an die Schüler*innen verteilt wurden und werden.  Die Verteilung über das Stadtgebiet fällt dabei sehr unterschiedlich aus. ___STEADY_PAYWALL___

Dabei wird abermals deutlich, dass die Familien im Dortmunder Süden deutlich besser situiert sind als im Norden. Hier sind die Familien, die auf Transferleistungen angewiesen sind, deutlich überrepräsentiert.

450 der knapp 800 Schüler*innen am Helmholtz-Gymnasium waren anspruchsberechtigt und wurden versorgt. An der Anne-Frank-Gesamtschule sind 730 der 1089 Schüler*innen auf Leihgeräte angewiesen. Allein an dieser Schule werden mehr Geräte ausgegeben als insgesamt im gesamten Stadtbezirk Aplerbeck oder Hombruch. Während in  den Stadtbezirken Aplerbeck und Hombruch jeweils 7,4 Prozent der Schüler*innen der Gesamtstadt zu finden sind, gehen hier nur 3,6 bzw. 3,8 Prozent der Leihgeräte hin. 

In den Nordwärts-Stadtbezirken sieht das ganz anders aus: Die „rote Laterne“ hat hier mal wieder die Nordstadt: Hier gibt es zwar 10,7 Prozent der Dortmunder Schüler*innen, aber 20,8 Prozent der Leihgeräte fließen hier hin.

Seit Monaten ersehnte Hilfen für bessere Voraussetzungen beim Distanzlernen sind da

Strahlende Gesichter hinter Masken - die Schüler*innen sind froh über die Leihgeräte.

Strahlende Gesichter hinter Masken – die Schüler*innen sind froh über die Leihgeräte. Foto: HGDO

Doch bei aller Schieflage: Die Schulen im Norden sind froh, dass es endlich die Leihgeräte gibt: Am Helmholtz-Gymnasium konnten jetzt 450 Tablets an die Schüler*innen der Jahrgänge 6 bis Q1 ausgehändigt werden. 

Das sorgt im Distanzunterricht für eine Angleichung der technischen Voraussetzungen: Aufgaben können digital bearbeitet werden, Messenger-Apps ermöglichen datenschutzkonformen Austausch zwischen Lernenden und Lehrenden. Zudem sind optional auch bald Video-Konferenzen möglich.

Perspektivisch werden die Tablets auch den Präsenzunterricht nachhaltig verändern, da auf diesem Wege moderne, flexible Möglichkeiten des Lernens geschaffen werden. Der Einsatz digitaler Lehrbücher ist hier nur ein Beispiel unter vielen.

Die Finanzierung der Maßnahme gelang durch Mittel des Digitalpaktes des Bundes und des Landes NRW. Die schnelle und problemlose Beschaffung der Geräte durch die Stadt Dortmund kommt für die zum Distanzlernen gezwungenen Helmholtz-Schüler*innen genau zum richtigen Zeitpunkt.

730 iPads und 18 gespendete Laptops allein für die Anne-Frank-Gesamtschule in der Nordstadt

Adam und Oualil freuen sich über die neuen Geräte. Foto: M. Triqui

Echte Hilfe fürs Homeschooling: Adam und Oualil freuen sich über die neuen Geräte. Foto: Mimoun Triqui

Aufatmen auch etwas weiter nördlich an der Anne-Frank-Gesamtschule: 730 von 1089 Schüler*innen wurden hier ausgestattet. Neben diesen iPads erhalten 18 ausgewählte Schüler*innen Dank einer Spende der Supermarktkette Aldi Laptops der Marke Medion. 

Um direkte Kontakte möglichst zu verhindern, wurden den einzelnen Klassen eigene Zeitbereiche zur Verfügung gestellt, in denen die Schüler*innen mit einem Elternteil ihr iPad in Empfang nehmen können. Dazu unterschreiben sie und ihre Eltern den Leihvertrag, der die Nutzungsbedingungen zusammenfasst. 

Die iPads sollen den Schülerinnen und Schülern das Lernen auf Distanz ermöglichen: Sie können damit aktiv am Videounterricht teilnehmen, Lernprogramme nutzen und Materialien abrufen, bearbeiten und versenden. 

„Ich finde es klasse, dass ich meine Ergebnisse direkt präsentieren kann“, findet Ali, ein Schüler des 9. Jahrgangs. „Auch Projekte kann man mit den iPads super umsetzen, wie zum Beispiel in Kunst oder Gesellschaftswissenschaften“, ergänzt Laija, die ebenfalls ein iPad in Empfang nehmen konnte. 

Mehrarbeit für die Lehrkräfte im Norden – auch in den Ferien konfigurierten sie Geräte

Die Lehrkräfte mussten die Geräte konfigurieren und die Ausgabe organisieren. Foto: P. Stratmann

Die Lehrkräfte mussten die Geräte konfigurieren und deren Ausgabe organisieren. Foto: Philip Stratmann

Josi, ebenfalls aus der 9. Jahrgangsstufe, lobt die aktuelle Strukturierung des Onlineunterrichts in Form eines festen Stundenplans und die Umsetzung der Einzelstunden.

„Dadurch, dass wir jetzt iPads haben, können wir Videokonferenzen machen, in denen man sich austauschen und gleichzeitig an dem Gerät an Aufgaben arbeiten kann. Dadurch verstehe ich jetzt Sachen, die mir vorher, als ich Aufgaben alleine machen musste, nicht klar waren“, so Josi. 

Um den Schüler*innen diese Teilhabe am digitalen Lernen zu ermöglichen, arbeiteten Kolleg*innen der Anne-Frank-Gesamtschule in der Zeit der Ferien und der Schulschließung daran, die iPads zu konfigurieren und einzurichten. 

„Wir werden uns stetig den neuen Anforderungen des digitalen Lernens stellen und uns in der Umsetzung von Inhalten und dem Umgang mit den Geräten fortbilden, damit wir und die Technik auf dem neusten Stand sind. So kann das Lernen auf Distanz ertragreich und gewinnbringend gestaltet werden“, stellt eine Lehrerin der Schule heraus. 

 

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