Schule in Zeiten von Corona: Braucht es einen Plan B und einen Wechsel von Digital- und Präsenzunterricht?

Lässt sich der Präsenzunterricht in Zeiten von Corona dauerhaft aufrechterhalten? Foto: Alex Völkel

Von Nika Layeghi

Die Infektionszahlen steigen weiter an, beim Lockdown wurden unter anderem die Schulen und Kitas ausgenommen. Aber können die Schulen perspektivisch geöffnet bleiben oder braucht es einen Plan B? Dass der Präsenzunterricht die beste Lösung ist, daraus macht Schuldezernentin Daniela Schneckenburger keinen Hehl. Doch sie fordert das Land auf, auch neue Wege in der Pandemie zu prüfen – beispielsweise einen geteilten Unterricht, sodass zumindest die älteren Schüler*innen jeden zweiten Tag online am Unterricht teilnehmen.

Die zweite Welle sei wie ein Reifenwechsel – Man müsse sich erst dran gewöhnen.

Oberbürgermeister Thomas Westphal

Die aktuelle Corona-Lage ist dieses Mal, laut Oberbürgermeister Thomas Westphal, ernster und „ganz anders“ als während der ersten Corona-Welle. In Anbetracht der zweiten Welle spielen auch Kitas, der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) und Schulen wieder wichtige Rollen.

Der Oberbürgermeister sieht die Öffnungen als richtig an, aber es stelle sich auch die Frage, wie Schüler*innen zur Schule kommen sollen. Die Frage stelle sich besonders in Bezug auf den Schulweg in den Morgenstunden. In diesen scheinen die Busse und Bahnen oft zu voll zu sein, sodass die Abstandsregelung nicht gewährleistet werden könnten.

Es solle, laut Westphal, zwar keine Erkenntnisse darüber geben, dass der ÖPNV morgens einen erhöhten Infektionspunkt darstellt, aber das Problem müsse ernst genommen werden. „Wir müssen dringend darüber reden, dass wir beim Schulbeginn eine Entzerrung bekommen“, sagte Westphal mit Blick auf das Land – dort ist man für diese Frage zuständig. 

Entzerrungen in den Morgenstunden und etappenweise Schulbeginne

Daniela Schneckenburger, Dezernentin des Kinder- und Jugendbereiches der Stadt Dortmund

Dass die Zahl der Corona-Infizierten immer weiter ansteigt, zeigt sich auch im Schul- und Kitabereich stellt Daniela Schneckenburger fest. Die Dezernentin des Kinder- und Jugendbereiches der Stadt Dortmund gibt zu bedenken, dass auch eine zunehmende Zahl von infizierten Schüler*innen zu beobachten sei.

Daher müsse man auch den Weg von und zur Schule in den Blick nehmen. Die Stadt habe bereits Gespräche mit den Stadtwerken und den Schulen geführt, um den Schulbeginn insbesondere an den Standorten zu entzerren, wo mehrere Schulen sind – und das Schüler*innen-Aufkommen bei der Anreise besonders hoch.

Man habe zumindest erreicht, dass dort an den unterschiedlichen Schulen der Unterricht 15 bis 20 Minuten versetzt beginne. Doch das bringe nicht genug – und mehr Fahrzeuge seien auch nicht die Lösung: Die Stadtwerke würden bereits alle Fahrzeuge, die einsatzbar seien, einsetzen. Und auch beim Personal stoße man an die Grenzen.

Daher brauche es grundsätzlichere Überlegungen, ob der Schulbeginn je nach Altersgruppe gestaffelt und damit zeitlich deutlich entzerrter erfolgen könne. Hier sei das Land bzw. die Bezirksregierung zuständig, so Schneckenburger.

„In Bayern geht es, in NRW könnte es vielleicht auch gehen“ (Schuldezernentin Daniela Schneckenburger)

Doch es geht auch um Grundsätzlicheres: Schneckenburger stellt sich und vor allem dem Land NRW die Frage, wie man denn grundsätzlich mit dem Thema Präsenzunterricht an Schulen umgehen soll. Eine Idee wäre, es wie Bayern zu machen und einen täglichen Wechsel zwischen Digital- und Präsenzunterricht umzusetzen, wenn die Infektionszahlen noch weiter ansteigen. Doch diese Entscheidung – und auch die Konzeption – liegt beim Schulministerium. Die Stadt Dortmund plädiert dafür, jetzt zu planen und nicht erst, wenn eine Schulschließung unumgänglich sei.

Übrigens: Schneckenburger hatte bei dem geteilten Unterricht nicht die Grundschule, sondern vor allem die Jahrgänge mit älteren Schüler*innen im Blick, wo sich die Betreuungsfrage nicht stelle. Für die sei es bei steigenden Infektionszahlen kein Problem, nur jeden zweiten Tag zur Schule zu gehen und am Präsenzunterricht teilzunehmen und den Folgetag am Online-Unterricht teilzunehmen. Das stelle auch die Familien nicht vor zusätzliche Probleme.

„In Bayern geht es, in Nordrhein-Westfalen könnte es vielleicht auch gehen“, so Schneckenburger. Natürlich sei dies nur die zweitbeste Lösung – die allerbeste Lösung wäre ihrer Meinung nach natürlich, möglichst viel Präsenzunterricht zu ermöglichen. Doch das hängt von der Vernunft der Menschen ab – und den steigenden oder sinkenden Infektionszahlen.

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Kommentare

  1. Schon wieder: SchülerInnen mit Behinderung auch beim Frühstart in die Ferien vergessen Schulministerium lernt nicht dazu (PM)

    Schon wieder: SchülerInnen mit Behinderung auch beim Frühstart in die Ferien vergessen Schulministerium lernt nicht dazu – Eltern von Schülerinnen und Schülern mit kognitiven Einschränkungen und hohem Unterstützungsbedarf bangen erneut um gesicherte Notbetreuung

    Spontan hatte Schulministerin Yvonne Gebauer die Weihnachtsferien vorgezogen. Dabei wurde jetzt für Kinder berufstätiger Eltern eine Notbetreuung nachgebessert, pauschal bis zur 6. Klasse. Wieder einmal vergessen: Die Jugendlichen mit schweren Behinderungen an Förderschulen und inklusiven Schulen, die auch in höheren Jahrgängen Betreuung brauchen. „Mir kommt das vor wie ein deja vu, ich dachte diese Diskussion hätten wir schon im Frühjahr endgültig geklärt”, ärgert sich Steffi Krüger-Peter, Beisitzerin der Landeselternkonferenz NRW.

    Auf Nachfrage der Eltern beteuert das Ministerium, man halte das für selbstverständlich, dass die Schulen bei Bedarf die Notbetreuung auch für ältere Schüler*innen öffnen. Nur steht das in den Vorgaben des Ministeriums nicht drin. Das Ergebnis: Schon wieder müssen Eltern vor Ort in der Schule ihrer Kinder um diesen Anspruch streiten. „Wann endlich sind Verordnungen so eindeutig, dass Kinder mit Behinderungen oder sonderpädagogischem Bedarf sofort mitgedacht werden? O- der wann wird es für diese Schulen selbstverständlich, dass diese Bedarfe auch in Ausnahmesituati- onen wie der aktuellen Pandemie respektiert und erfüllt werden?“ fragt sich auch Anke Staar, Vor- sitzende der Landeselternkonferenz NRW.

    Schon seit Beginn der Krise haben diese Gruppen von Schüler*innen bei allen Corona-Erlassen aus dem Ministerium immer das Nachsehen. Ob bei den Schulöffnungen im Mai, bei der Masken- pflicht, beim Schülertransport – jedes Mal macht das Ministerium Vorgaben, in denen besondere Bedarfe von Schüler*innen mit Behinderung nicht erwähnt und nicht berücksichtigt sind. „Damit muss endlich einmal Schluss sein!“ fordert auch Bernd Kochanek, Vorsitzender von Gemeinsamen Leben, Gemeinsam Lernen NRW. „Es wird langsam absurd, wie das Ministerium sich jedes Mal herausredet, es habe diese Schüler*innen `mit gemeint ́. Es kann doch nicht sein, dass Schüler*in- nen mit Behinderung darauf angewiesen sind, dass ihre Schulleiter*innen bei ministeriellen Erlas- sen zwischen den Zeilen lesen.“, sagt Eva-Maria Thoms vom Elternverein mittendrin e.V.

    Anke Staar, Vorsitzende der Landeselternkonferenz
    Eva-Maria Thoms, Vorsitzende von mittendrin e.V.
    Bernd Kochanek, Vorsitzender von Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen NRW e.V. – Der Inklusionsfachverband
    Tanja Speckenbach, Vorsitzende der Landeselternschaft der Förderschulen Geistige Entwicklung Brigitte Piepenbreier, Vorsitzende der LAG Selbsthilfe NRW e.V.

  2. Forderung: Die NRW-Landesregierung muss endlich ein Corona-Schulkonzept liefern - SPD ruft Schüler*innen und Eltern zur Zusendung ihrer Corona-Schulerlebnisse auf (PM)

    Forderung: Die NRW-Landesregierung muss endlich ein Corona-Schulkonzept liefern –
    SPD ruft Schüler*innen und Eltern zur Zusendung ihrer Corona-Schulerlebnisse auf

    Die Corona-Pandemie fordert vor allem Schüler*innen und Eltern viel ab. Große Lerngruppen in viel zu kleinen Klassenräumen, überfüllte Busse auf dem Weg zur Schule, Unterrichtsausfall und die Frage, wie der Unterricht von zu Hause aus funktionieren kann, wenn Lehrer*innen oder ganze Schulklassen in Quarantäne müssen – das sind nur ein paar Beispiele, die aufzeigen, dass ein überlegtes Schulkonzept dringend benötigt wird. Ein solches Konzept muss Ansteckungsrisiken minimieren und Bildungsgerechtigkeit auch während der Corona-Pandemie sicherstellen.

    Dieser Meinung sind auch die Dortmunder SPD-Landtagsabgeordneten Anja Butschkau, Nadja Lüders, Armin Jahl und Volkan Baran. „Die Landesregierung lässt Kommunen und Schulen bei der Lösung der Probleme des Schulalltags allein im Regen stehen. Das belastet vor allem Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern, die einem erhöhten Ansteckungsrisiko und immer wieder neuen Problemen ausgesetzt sind. Wir brauchen pragmatische Lösungen, die flexibel, aber dennoch landesweit einheitlich und rechtssicher sind. Und das jetzt!“, sagt Volkan Baran.

    Ein solches Konzept wird nicht nur von der SPD-Landtagsfraktion seit Monaten gefordert. „Statt am Präsenzunterricht festzuhalten, sollte die Landesregierung auf die Lösungsvorschläge der Landesschülervertretung sowie der Eltern- und Lehrerverbände eingehen und diese nicht ignorieren“, ärgert sich Armin Jahl.

    Wenn es nach den Abgeordneten geht, sollte die Schulministerin die anstehenden Weihnachtsferien nutzen, um endlich ein Konzept vorzulegen. Anja Butschkau dazu: „Frau Gebauer und Herr Laschet müssen endlich ihre Hausaufgaben machen. Stattdessen sorgen sie mit gegensätzlichen Äußerungen regelmäßig für Chaos“, so Anja Butschkau. „Leider spricht die Landesregierung aber nicht mit denjenigen, um die es primär geht: die Schülerinnen und Schüler. Dabei wäre es wichtig, ihre Erfahrungen und Bedürfnisse zu kennen, um ein schlüssiges und umsetzbares Konzept zu erstellen.“

    Zusammen mit den Jusos Dortmund, der SPD-Jugendorganisation rufen die Landtagsabgeordneten daher alle Schüler*innen und Eltern in Dortmund auf, ihnen ihre Corona-Schulerlebnisse und Wünsche zuzuschicken. Die gesammelten Briefe und E-Mails sollen noch vor Weihnachten an Schulministerin Gebauer weitergeleitet werden.

    Indra Paas, die Vorsitzende der Jusos Dortmund fordert vor allem alle Schülerinnen und Schüler in Dortmund auf, sich an der Aktion zu beteiligen: „Auch Ihr habt ein Recht darauf, von der Landesregierung gehört zu werden. Für dieses Recht müsst Ihr aufstehen und laut werden! Je mehr Leute an der Aktion teilnehmen, desto eher werdet Ihr gehört!“

    Die SPD-Vertreter*innen sind es leid, dass nach fast einem Jahr Corona die Schulen weiter im Chaos versinken. „Die Untätigkeit und Planlosigkeit von Schulministerin Yvonne Gebauer muss endlich ein Ende haben. Daher wird die SPD den Druck auf die Landesregierung weiter erhöhen“, so Nadja Lüders. „Für Dortmund planen wir deshalb einen Schulgipfel Anfang 2021, der ein weiteres Signal nach Düsseldorf senden soll: Hören Sie in der Krise auf unsere Schüler, Lehrer und Eltern, Frau Gebauer!“

    So kann man an der Aktion teilnehmen:
    Schulerlebnisse während der Corona-Zeit und Wünsche, was sich ändern sollte, in einem Brief oder einer E-Mail festhalten.
    Bis zum 18. Dezember an schule@anja-butschkau.de oder Wahlkreisbüro Anja Butschkau MdL, Brüderweg 10-12, 44135 Dortmund senden.
    Alle bis dahin eingegangenen Briefe und E-Mails werden gesammelt an Schulministerin Yvonne Gebauer gesendet.

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