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Mehr Bildungsgerechtigkeit: Dortmund beschafft 17.000 Notebooks für Kinder aus einkommensschwachen Familien

Die Dortmunder Schulen sind gerüstet und die Klassenräume neu gestellt - so sollen zumindest theoretisch die Mindestabstände eingehalten werden.

Sollten die Schulen wegen Corona wieder geschlossen werden, sind insbesondere einkommensschwächere Familien im Nachteil. Ihre Kinder können mangels Endgeräten nicht am digitalen Distanzunterricht teilnehmen.

Die Schulschließungen wegen Corona offenbarten massive Defizite im Bereich der digitalen Bildung. Dass Familien aus einkommensschwachen am dann vielerorts praktizierten „Distanzunterricht“ überhaupt online via Computer teilnehmen können, hatte der Bund ein Sofortprogramm aufgelegt. Doch die Umsetzung hat – zumindest in NRW – viel Zeit gebraucht. Jetzt können bzw. müssen die Kommunen unter massivem Zeitdruck Notebooks beschaffen. Die Stadt Dortmund muss bis Jahresende fast 17.000 Computer als kostenlose Leihgeräte für die Schüler*innen beschaffen. Zum Vergleich: Im Juni gab es dort insgesamt erst 18.000 Endgeräte.

Kritik am Zeitplan: „NRW war wieder deutlich später als andere Bundesländer“

Die Anschaffung der Geräte wird begrüßt – sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit in Dortmund. Nur am Zeitplan gibt es – nicht nur in Dortmund  – Kritik. Denn die Kommunen müssen nun unter extremen Zeitdruck in die Beschaffung gehen. Dabei konkurrieren sie nicht nur untereinander, sondern auch mit der Wirtschaft. Denn auch dort ist das Thema Home Office seit März ganz oben auf der Agenda.  ___STEADY_PAYWALL___

Durch das Sofortprogramm stehen Dortmund rund sechs Millionen Euro zur Verfügung – hinzu kommen rund 600.000 Euro Eigenanteil aus dem Programm „Gute Schule 2020“. Der Haken: Wegen des großen Volumens muss europaweit ausgeschrieben werden. Dies allein braucht viel Zeit – rund zwölf Wochen werden für die Vergabe benötigt.

Dann muss ein Anbieter gefunden werden, der die fast 17.000 Endgeräte bis zum Jahresende konfiguriert und an die Schulen ausliefert. Das ganze Vorhaben muss dann auch noch in diesem Jahr abgerechnet werden. Dies sorgt für Probleme. Denn die Städte treten nun in Wettbewerb gegeneinander. 

Die Verfügbarkeit ist derzeit knapp und der Zeitraum limitiert. Vor allem deshalb, weil „NRW wieder deutlich später war als andere Bundesländer“, so Schuldezernentin Daniela Schneckenburger. Sie meldete Skepsis an, ob die „ehrgeizigen und eng gesteckten Zeitpläne funktionieren“.

Bis Ende 2023 soll es rund 57.000 Computer an Dortmunder Schulen geben

Stadträtin Daniela Schneckenburger. Foto: Alex Völkel

Dortmunds Schuldezernentin Daniela Schneckenburger übt Kritik am Land NRW. Foto: Alex Völkel

Die gute Nachricht: Die Zahl der Endgeräte reicht rechnerisch für alle Kinder und Jugendlichen ab der zweiten Klasse in Dortmund aus, die durch das Bildungs- und Teilhabe-Paket förderberechtigt sind.

Doch zumindest in diesem Jahr werden wohl die wenigsten von ihnen ein kostenloses Leihgerät in die Hand bekommen, falls es wieder zu Schulschließungen kommen muss. 

Um diesen deutlich ausgeweiteten Gerätebestand betreuen zu können, wird zusätzliches Personal beim Dortmunder Systemhaus eingestellt. Dennoch muss die Stadt einen Anbieter finden, der die Geräte vorkonfiguriert ausliefert. Mit eigenen Kräften wäre dies zeitnah nicht möglich.

Denn die Neuanschaffung stellt fast eine Verdoppelung des Bestands an Computern in Dortmunder Schulen dar. Neben der planmäßigen Beschaffung durch den Digitalpakt abseits des neuen Corona-Sofortprogramms werden dann Anfang 2021 bereits über 40.000 Endgeräte an Dortmunder Schulen im Einsatz sein. Bis Ende 2023 wird die Zahl auf rund 57.000 Computer steigen.

Förderung, Teilhabe, Selbstbestimmung und Chancengerechtigkeit im digitalen Wandel

Im Fokus der jetzigen Anschaffung stehen Kinder und Jugendliche „mit Bedarf zum Ausgleich sozialer Ungleichgewichte“, so die Formulierung in der staatlichen Förderrichtlinie. Bereits vor den Osterferien hatte die Stadt allen Schulen eine Lernplattform bereitgestellt, die eine wesentliche Voraussetzung für ein Lernen auf Distanz ist. 

Nun soll sie von möglichst allen genutzt werden können: „Wir möchten alle notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen, jedem Kind und jedem Jugendlichen die bestmögliche Förderung, Teilhabe, Selbstbestimmung und Chancengerechtigkeit im digitalen Wandel zu ermöglichen“, so Schuldezernentin Daniela Schneckenburger.

Die ursprüngliche Planung des Bundes hätte dem nicht Rechnung getragen. Dort gab es ursprünglich den Vorschlag, jeder förderbrechtigten Familie 150 Euro Soforthilfe auszuzahlen – doch damit wäre ja keine Geräteanschaffung möglich gewesen. Daher kam der jetzige Vorschlag, für den der Verwaltungsvorstand der Stadt Dortmund grünes Licht gab.

 

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2 Gedanken über “Mehr Bildungsgerechtigkeit: Dortmund beschafft 17.000 Notebooks für Kinder aus einkommensschwachen Familien

  1. Über neun Millionen Euro für digitale Endgeräte – CDU fordert volle Ausschöpfung der Fördergelder (PM)

    Über neun Millionen Euro für digitale Endgeräte – CDU fordert volle Ausschöpfung der Fördergelder

    Eine neue Förderrichtlinie des NRW-Schulministeriums, die nun in Kraft ge-treten ist, stellt Dortmund mehr als drei Millionen Euro an Fördergeldern für die digitale Ausstattung von Schulen zur Verfügung. Mit den Zuwendungen des Landes sollen LehrerInnen kurzfristig mit digitalen dienstlichen Endgerä-ten versorgt werden. Weitere sechs Millionen Euro zur Ausstattung der Schü-lerschaft mit digitalen Endgeräten verspricht eine zweite Förderrichtlinie aus der Vorwoche. Jetzt fordert die CDU-Fraktion das Dortmunder Schulverwaltungsamt dazu auf, diese Fördermittel schnellstmöglich und vollumfänglich abzurufen.

    „Unter der schwarz-gelben NRW-Landesregierung nimmt die Digitalisierung unserer Schulen endlich volle Fahrt auf, nachdem das Thema von den Vor-gängerregierungen lange Zeit stiefmütterlich behandelt wurde“, freut sich Dr. Eva-Maria Goll, die schulpolitische Sprecherin der Dortmunder CDU-Fraktion, über einen wahren Geldsegen. Gerade die Corona-Pandemie habe eindrucksvoll gezeigt, wie ungemein wichtig es sei, dass sowohl Lehrperso-nal als auch SchülerInnen flächendeckend mit modernster Technik ausge-stattet sind. Wichtig sei nun, dass das Dortmunder Schulverwaltungsamt schnell aktiv werde, da die Fördermittel nur bis Ende des Jahres zur Verfü-gung stehen. Denn aufgrund der insgesamt großen Nachfrage am Markt sei auch bei größter Eile leider nicht mit sofortiger Lieferung zu rechnen.

    Hintergrund: Nordrhein-Westfalen ist das erste deutsche Bundesland, welches ab sofort das gesamte Lehrpersonal flächendeckend mit dienstlichen digitalen Endgeräten ausstattet. Alle Träger von öffentlichen Schulen oder Ersatzschulen sind antragsberechtigt und können die entsprechenden För-dermittel bei der zuständigen Bezirksregierung bis zum 31.12.2020 abrufen.

  2. Josef

    Wie immer bringt ein Blick in die entsprechenden Richtlinien…
    Über die Richtlinie zur Förderung von digitalen Sofortausstattungen (https://bass.schul-welt.de/19254.htm) erhält die Stadt Dortmund 6,1 Mio €. Zusammen mit einem Eigenanteil von ca. 700.000 € stehen also insgesamt ca. 6.8 Mio € zur Verfügung.
    Hier wurde (s. Meldung oben) bereits die Entscheidung zur Beschaffung der Geräte gefällt.
    Nach einer vorgeschriebenen europaweiten Ausschreibung kann dann der Auftrag an den Gewinner der Ausschreibung erteilt werden. Ein solches Volumen von ca. 17.000 Geräten bedeutet selbst bei den größten Herstellern der Welt eine Lieferzeit inkl. Konfiguration der Geräte von ca. 20 -25 Wochen.
    Die zweite Förderrichtlinie zur Ausstattung aller Lehrkräfte (https://bass.schul-welt.de/19244.htm) bedeutet weitere 3 Mio € für 6.000 Lehrkräfte in Dortmund.
    Der Bund und die Länder haben im Rahmen des Sofortprogrammes ca. 800 Mio € (inkl. der Länderanteile und zusätzlicher Landesmittel) bereitgestellt. Mit diesen Mitteln werden zurzeit von allem Kommunen in Deutschland Geräte beschafft.
    Dies bedeutet ca. 2 Mio Tablets oder Laptops zeitgleich bundesweit. Jeder logisch denkende Mitbürger kann nachvollziehen, dass diese Gerätemengen nicht innerhalb von wenigen Wochen lieferbar sind.
    Deshalb sollte man immer erst nachdenken, bevor man unrealistische Forderungen formuliert.

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