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Einkaufen wie ein Promi? Terminvergabe für Einzelhandel-Shopping wird auch in Dortmund diskutiert

Die Dortmunder Innenstadt vor dem zweiten Lockdown im vergangenen Jahr. Archivfotos (3): Karsten Wickern

Der Corona-Lockdown scheint kein Ende zu nehmen. Auch der Einzelhandel ist zunehmend betroffen von der Lage und klagt über Existenzängste und hohe Umsatzeinbußen für das Jahr 2020/2021. Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz hat Anfang der Woche mit einem ersten Öffnungsplan für Schlagzeilen gesorgt. In einem Interview gab sie an: „Nach vorheriger Vereinbarung können Einzeltermine vergeben werden und immer nur ein Hausstand das Geschäft betreten“. Von Shopping per Terminvergabe war die Rede. Besonders attraktiv könnte dieses Angebot für den Textileinzelhandel  oder Möbelhäuser sein. Hier ist das Kaufverhalten der Kund*innen besonders abhängig vom An- und Ausprobieren der Ware.

Mit Termin könnten sich die Türen der Einzelhändler exklusiv für Vorab-Bucher*innen öffnen.

Ab März soll in Rheinland-Pfalz der Einzelhandel unter den besonderen Bedingungen öffnen. Shoppen ist dann wieder möglich, sofern im Vorfeld ein Termin vereinbart und bei Betreten des Geschäfts Kontaktdaten angegeben werden.

Auch die Maskenpflicht bleibt für die Besucher*innen weiterhin bestehen. Durch den vorab planbaren Einlass in die Geschäfte haben diese die Möglichkeit, auf alle Auflagen der Corona-Regeln einzugehen. Auch die Abstandsregeln sind damit umsetzbar.

Der Kund*innenbesuch könnte für viele Einzelhändler*innen eine Rückkehr zur Normalität bedeuten. Pro Tag können mehrere Kundentermine vergeben werden, wenn eine 15-minütige Pause zwischen den Besuchen eingeplant wird. Diese Pause soll dazu dienen, verschiedene Hygienemaßnahmen durchzuführen, wie beispielsweise das Lüften der Räume und das Desinfizieren von Flächen.

Dortmund zeigt sich nicht abgeneigt von dem Modell – Hauptsache, es wird geöffnet!

Auf Nachfrage gibt der Handelsverband Nordrhein-Westfalen an, sie seien bereit, über alle Möglichkeiten zu sprechen, wenn damit endlich eine Öffnungsperspektive komme. Wichtig seien für den Dortmunder Einzelhandel neben möglichen Öffnungen aber auch endlich die versprochenen finanziellen Mittel zu erhalten.

Die IHK befürchtet weitere Geschäftsschließungen und Aufgaben wegen des Corona-Lockdowns. Foto: Karsten Wickern

Geschlossene Geschäfte im Lockdown

Andernfalls werde die Innenstadt bald sehr leer aussehen. Ein Alleingang für Dortmund ist allerdings nicht möglich. Man ist auch hier an die landesweiten Verordnungen gebunden. Das Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen gab dazu nur an, dass Terminshopping ein wichtiger Punkt sei, der im Rahmen der möglichen Öffnungsstrategie diskutiert wird.

Eine Öffnung vor dem 7. März scheint damit ausgeschlossen. Auch danach hält der Einzelhandelsverband für Nordrhein-Westfalen ein Terminshopping nicht für die beste Strategie. „Shopping nach Terminbuch hilft nur, wenn auch breit getestet wird und die gesamte Nachverfolgung reibungslos klappt“, sagt Markus Kaluza, Referatsleiter des Handelsverbandes.

Genau da liegt momentan das Problem. Gesundheitsminister Spahn ruderte nach seinem Versprechen, ab dem 1. März kostenlose Corona-Selbsttests für alle zur Verfügung zu stellen, vergangene Woche zurück. Wann es eine breite und kostenlose Testmöglichkeit für alle Bürger*innen geben wird, kann derzeit nicht zuverlässig gesagt werden. Damit ist auch das Konzept des Terminshoppings nicht umsetzbar.

Shopping in Dortmund mit oder ohne Termin – der Einzelhandel ist vorbereitet

Geschlossene Geschäfte in der Thier-Galerie. Foto: Alex Völkel / Archiv

Dass der Einzelhandel schnell die geforderten Konzepte der Bundesregierung oder auch Verordnungen des Landes Nordrhein-Westfalen umsetzen kann, hat er bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres gezeigt.

Zwar könne eine Terminbuchung im Vorfeld von den Geschäften umgesetzt werden, Markus Kaluza hält die Idee aber für wenig zielführend und wünscht sich bessere Lösungen. „Der Einzelhandel ist kein Hotspot“, so Kaluza und deshalb hoffen alle Beteiligten auf eine Öffnung der Geschäfte ab dem 8. März. Eine erneute Vertröstung, gekoppelt an wieder niedrigere Grenzwerte bedeuten eine Katastrophe für den Einzelhandel.

Mit Blick auf die aktuellen Zahlen scheint sich auch in Dortmund der Abwärtstrend aus den letzten Wochen nicht fortzusetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach gestern davon, dass wir uns mitten in der dritten Welle befänden. Unter diesen Gesichtspunkten scheinen Lockerungen der Corona-Beschränkungen unwahrscheinlich. Der Einzelhandelsverband versucht trotzdem, optimistisch zu bleiben: „Für unsere Stadt wünschen wir uns natürlich, dass alle gesund bleiben und bald wieder zu uns kommen können.“

 

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Ein Gedanke zu “Einkaufen wie ein Promi? Terminvergabe für Einzelhandel-Shopping wird auch in Dortmund diskutiert

  1. Die Industrie- und Handelskammer Dortmund legt Vorschläge für Öffnungsplan in der Pandemie vor (PM)

    Die Industrie- und Handelskammer Dortmund legt Vorschläge für Öffnungsplan in der Pandemie vor

    Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund begrüßt die Ankündigung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier, bis zum 3. März eine Öffnungsstrategie vorzulegen. „Wir wissen nicht, wie sich die Virusmutationen weiterentwickeln werden. Aber wir wissen, wie sich die Lage bei den Unternehmen entwickeln wird, wenn die Unternehmen nicht bald klare Perspektiven in Aussicht gestellt bekommen“, betont IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann.

    Unter Wahrung der für das Infektionsgeschehen notwendigen Rahmenbedingungen hat IHK NRW, der Zusammenschluss der 16 IHKs in Nordrhein-Westfalen, Vorschläge für einen verbindlichen Öffnungsplan entwickelt und den Ministerien zur Unterstützung der Planung zur Verfügung gestellt.

    „Die wochenweise Verlängerung des Shutdowns lässt die Motivation und das Vertrauen der Unternehmen schwinden. Dabei hat sich die Gesamtsituation der Schutz- und Hygienemaßnahmen seit Beginn der Pandemie deutlich verbessert. Wir haben mittlerweile genug Masken und Desinfektionsmittel, Luftfilteranlagen, Schutzausstattung in Geschäftsräumen, Abstandsregelungen, Zugangsbeschränkungen oder Wegweiser. Mit digitalen Tools für ein Gästemanagement könnten Kontakte im Notfall nachverfolgt werden. Schnelltests werden immer praktikabler. Und nicht zuletzt haben wir jetzt einen Impfstoff“, so Dustmann.

    Die Vorschläge für den Öffnungsplan von IHK NRW sind verfügbar unter http://www.dortmund.ihk24.de.

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