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Denkmal des Monats Mai 2019: Schutz für den brennenden Dornbusch in der Kirche St. Bonifatius in Dortmund

Vierzig Jahre war eines der schönsten Dortmunder Kirchenfenster Wind und Wetter ausgesetzt: der brennende Dornbusch in der katholischen Kirche St. Bonifatius in der Nähe von Westfalenpark und Ruhrschnellweg. Seit dem Januar 2019 behütet nun eine Schutzverglasung das Kunstwerk – Anlass für die Dortmunder Denkmalbehörde es als Denkmal des Monats Mai 2019 einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen.

Alttestamentarisches Motiv als Symbol für die unmittelbare Nähe Gottes

Die St. Bonifatius-Kirche. Fotos: Günther Wertz/Michael Holkötter (Stadt Dortmund)

Fast mystisches Licht umfängt die BesucherInnen, wenn sie aus dem hellen und weiten Kirchenschiff die kleine Sakramentskapelle an der linken Seite betreten. Sie dient vor allem dem stillen Gebet des Einzelnen.

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Hierzu passt nicht nur die intime Atmosphäre, die das gedämpfte, farbige Licht schafft, das durch das Fenster der Kapelle fällt. Auch das Motiv des Kirchenfensters erscheint besonders gut gewählt. Es geht auf das Alte Testament zurück.

Im zweiten Buch Mose wird geschildert, wie Moses beim Schafehüten auf einen Dornbusch trifft, der in Flammen steht, aber nicht zu Asche verbrennt. Als Moses näher tritt, erkennt er, dass sich Gott darin verbirgt: eine Geschichte also, in der ein Mensch Gott fast unmittelbar nahe kommt.

Künstler auf der Suche nach der Moderne

Geschaffen hat das Fenster der Künstler Hans Kaiser (1914 – 1982). Den überzeugten Pazifisten bewahrte nur eine Erkrankung vor dem Kriegsdienst während der nationalsozialistischen Diktatur. Allerdings war er in dieser Zeit von den modernen Kunstströmungen abgeschnitten. Von daher zog es ihn Anfang der 1950er Jahre immer wieder nach Paris.

Im Austausch mit französischen KünstlerInnen suchte Kaiser nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Er wandte sich vor allem der sogenannten Informellen Kunst zu. Unter diesem Begriff werden verschiedene Kunstausprägungen der europäischen Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg zusammengefasst, die auf die vollständige Abstraktion setzten.

Nicht mehr ein Gegenstand sollte abgebildet oder bestimmte Formen gezeigt werden, sondern die aufgetragenen Farbflächen sollten für sich selbst und im Zusammenspiel mit anderen Farben auf die BetrachterInnen wirken. Die geometrisch nicht geordneten Farben scheinen wie zufällig und spontan auf die Leinwand geworfen.

Hans Kaisers Glasfenster schmücken weltweit bedeutende Kirchen der Gegenwart

Das Bleinetzmosaik wird von Metallfeldern gehalten.

Diese Prinzipien eigneten sich besonders gut für die Glaskunst. Hier wirkt nicht nur die Farbe an sich, sondern auch das durchscheinende Licht, das dem Raum eine besondere Stimmung gibt und Teil der Architektur wird.

Hans Kaiser war sich der Wirkung dieser Technik durchaus bewusst. An die 100 Glaskunstwerke, vor allem für den sakralen Raum, schuf er neben seinem übrigen Werk, zum Teil für prominente Kirchen wie den Soester St.-Patrokli-Dom und die Washington National Cathedral.

Für den 1967 geschaffenen brennenden Dornbusch in der Dortmunder Bonifatiuskirche hat Kaiser Echtglas verwandt. Dieses nicht bemalte, sondern farbig gebrannte Glas hat der Künstler dann in vielen verschiedenen Rot- und Blautönen in ein feingliederiges Bleinetz gespannt, das von insgesamt 70 größeren rechteckigen Metallfeldern gehalten wird.

Gemildert hat Kaiser die Abstraktion durch variable Formen und Breiten der Bleiprofile. Damit gelingt es ihm, den Eindruck von Flammen vor einem blauen Hintergrund entstehen zu lassen: Gott, der sich zeigt, ohne sich ganz zu offenbaren.

Die notwendig gewordene Restaurierung gestaltete sich als aufwendige Puzzlearbeit

Im Laufe der Jahre hatte die Witterung dem Fenster einiges seiner Strahlkraft genommen. Außerdem traten Roststellen am Metallrahmen auf. Für die Restaurierung mussten daher in einer wahren Puzzle-Arbeit die farbigen Glaselemente gereinigt und einige schadhafte Stellen ausgebessert werden.

Bevor damit begonnen werden konnte, wurden alle einzelnen Glas- und Metallelemente nummeriert, damit sie später wieder richtig zusammengesetzt werden konnten. Unter anderem mussten 650 Senkkopfschrauben, 120 Eckwinkel und 276 Deckschienen demontiert werden. Für die neue Schutzverglasung wurde ein gleiches Metallgerüst angefertigt, das mit Abstandshaltern vor das wieder eingebaute Originalfenster gesetzt wurde.

Dieses ist jetzt nicht nur vor Witterungsschäden geschützt, sondern auch vor Feuchtigkeit, die durch die Luftzirkulation zwischen beiden Verglasungen vermieden wird, wie die beauftragte Glaswerkstatt Tremonia aus Dortmund in ihrem Restaurierungsbericht feststellt. Und natürlich ist die Farbigkeit nach der Reinigung der Gläser wieder deutlich intensiver.

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