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Benno Elkans „Fighting Cockerel“ wandert für ein Jahr nach München – als Exponat in eine Ausstellung zum FC Bayern

Wird für ein Jahr nach München verliehen: der „Fighting Cockerel“ von Benno Elkan. Fotos: Thomas Engel

Im Foyer des Orchesterzentrum NRW wacht seit 2014 eine kämpferisch wirkende Hahn-Skulptur über die Kulturstätte. Dabei handelt es sich um eine freie Nachbildung des berühmten „Fighting Cockerel“ des Dortmunder Bildhauers Benno Elkan, die heute das Symbol des englischen Clubs „Tottenham Hotspur“ darstellt. Nun wird die Skulptur für ein Jahr an Bayern München ausgeliehen – als Exponat im Rahmen der Ausstellung „Zwischen Atelier und Fußballplatz – Die Gründer des FC Bayern“. Unter den Künstlern, die am 27. Februar 1900 den Verein gründeten, befand sich Benno Elkan aus Dortmund, der damals an der Münchener Kunstakademie studierte.

Elkans Kampfhahn symbolisiert Versöhnung zwischen den „Spurs“ und „Gunners“

(v.l.) Klaus Wegener, Präsident der Auslandsgesellschaft, Elke Strauch, Schöpferin des Tottenham-Gockels II, Gerd Kolbe, „Elkan-Beauftragter“ des Historischen Vereins.

Der als verschollen geltende Original-Kampfhahn, der in seinen Greifen einen Fußball hält, wurde von Elkan 1949/50 in seinem Londoner Exil geschaffen und stellt Symbol wie Wappentier des bekannten englischen Fußballclubs Tottenham Hotspur dar, der in Kürze im Rahmen des Champions-League in Dortmund gastieren wird.

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Benno Elkans „Figthing Cockerel“ wurde als Auftragsarbeit für Arsenal Londons Präsident Sir Bracewell Smith modelliert. Den lebensgroßen silbernen Hahn aus der Hand des jüdischen Emigranten schenkte Arsenal dem „Judenverein“ Tottenham im März 1950 – anlässlich eines Meisterschaftspiels als Dank dafür, dass die „Spurs“ die „Gunners“ auf ihrem Gelände trainieren und in ihrem Stadion spielen ließen.

Die Sportanlagen Arsenals in Highbury waren 1941/42 von Brandbomben der Nazi-Luftwaffe zerstört worden. Gleichzeitig war es ein Akt der Deeskalation, denn beide Clubs stammen aus dem Norden Londons, wo es seit 1919 zu heftigen Fan-Fehden gekommen war. In diesem Sinne war die Skulptur Elkans ein „Kampfhahn der Versöhnung“.

Auslandsgesellschaft ehrt den jüdischen Dortmunder Künstler und Fußballpionier Benno Elkan

Die jüdische Familie Elkan zog in den 1870er nach Dortmund und wohnte in der Dortmunder Brückstraße – dem aktuellen Sitz des Orchesterzentrums NRW. Salomon, sein Vater, war Schneidermeister, und Mitinhaber des Herrenkleidermacher-Geschäfts Braun und Elkan“ in der Reinoldistraße. Der leidenschaftliche Schachspieler war Mitbegründer, Motor und Präsident des Dortmunder Schachvereins 1875 und ist der wichtigste bekannteste Schachpionier der Stadt.

Benno, 1877 geboren, entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Künstler aus Dortmund. Er studierte an den Kunstakademien in München und Karlsruhe, zeitweise auch in Paris und Rom, und ließ sich 1911 mit seiner Familie zunächst in Alsbach an der Bergstraße und später in Frankfurt am Main nieder.

Elkan war ein bedeutender Bildhauer, Plastiker, Skulpteur und Medailleur, dessen frühe Werke in Dortmund auf dem Ostfriedhof und im Museum Ostwall zu bewundern sind. In der NS-Zeit wurde er mit Berufsverbot belegt und emigrierte 1934 nach London.

Nachbildung des „Cockerel“ von der Holzwickeder Künstlerin Elke Strauch

Dort entstand in den 1950er Jahren sein wichtigstes Werk, die „Große Menorah“: ein fast fünf Meter hoher siebenarmiger Leuchter, der seit 1958 vor dem israelischen Parlament, der Knesset, in Jerusalem steht.

Während seines Sprachenstudiums in einem Schweizer Internat lernte der 17-jährige Benno von den Söhnen der englischen Oberschicht das Fußballspielen. Nach seiner Heimkehr gründete er 1895 mit Freunden den ersten Dortmunder Fußballverein, den DFC 1895 (später DSC 1895 und heute TSC Eintracht 48/95). Am 27. Februar 1900 wurde er in seiner Münchener Studentenzeit einer der Gründer des FC Bayern München.

Die Nachbildung des „Fighting Cockerel“ wurde anlässlich eines Elkan-Abends im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte von der Auslandsgesellschaft an die Holzwickeder Künstlerin Elke Strauch in Auftrag gegeben. Seitdem hat der „Cockerel II“ im Orchesterzentrum in der Brückstraße, also dort, wo Benno 1877 als Sohn des jüdischen Ehepaares Rosalie und Salomon Elkan das Licht der Welt erblickte, sein Domizil gefunden.

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