
Die archäologischen Funde auf dem Gelände der Westfalenhallen haben eine Debatte über den künftigen Umgang mit den Überresten des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag VI D ausgelöst. Während die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen & Volt einen sofortigen Baustopp in den betroffenen Bereichen fordert, setzt der Aufsichtsrat der Westfalenhallen auf eine gemeinsame Lösung zwischen allen Beteiligten.
Grüne: Moderne Nutzung und historische Verantwortung miteinander verbinden
„Die jetzt freigelegten Bodendenkmäler sind keine gewöhnlichen archäologischen Funde. Sie sind materielle Zeugnisse eines Ortes von Leid, Entwürdigung und Zwangsarbeit mitten in Dortmund“, erklärt Fraktionssprecherin Katrin Lögering.

Wer an diesem Ort baue, übernehme auch Verantwortung für dessen Geschichte. Nach Ansicht der Fraktion müssen die Bauplanungen so angepasst werden, dass die entdeckten Strukturen und Bodendenkmäler vorerst erhalten bleiben.
Die bisherigen Grabungen deuteten darauf hin, dass die Überreste des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers deutlich umfangreicher sind als bislang angenommen. Das Stalag VI D gehörte zu den größten Kriegsgefangenenlagern im westlichen Deutschland. Von 1939 bis 1945 befand es sich auf dem Gelände der heutigen Westfalenhallen und des damaligen Volksparks.
Forderung: Ein lange verdrängtes Kapitel Dortmunder Geschichte sichtbar machen
Mehr als 300.000 Kriegsgefangene verschiedener Nationen durchliefen das Lager, viele wurden zur Zwangsarbeit in der Schwerindustrie des Ruhrgebiets eingesetzt. Tausende überlebten die unmenschlichen Bedingungen nicht.

Grüne & Volt betonen, dass sie die Entwicklung der Westfalenhallen nicht grundsätzlich verhindern wollen. Vielmehr müsse geprüft werden, wie sich moderne Nutzung und historische Verantwortung miteinander verbinden lassen.
„Die jetzt freigelegten Überreste bieten die seltene Chance, ein lange verdrängtes Kapitel Dortmunder Geschichte sichtbar zu machen“, sagt Lögering. Vor unumkehrbaren Entscheidungen brauche es Zeit für eine wissenschaftliche Prüfung und eine öffentliche Debatte über eine angemessene Form des Erinnerns.
Aufsichtsrat „für eine angemessene Würdigung im Rahmen der Erinnerungskultur“
Auch der Aufsichtsrat der Westfalenhallen Unternehmensgruppe hat sich mit den Funden befasst. In seiner Sitzung am 16. Juni beschloss das Gremium, der Hauptgeschäftsführerin zu empfehlen, gemeinsam mit der Stadt Dortmund, der Unteren Denkmalschutzbehörde, den Planungsverantwortlichen und weiteren Beteiligten kurzfristig eine Lösung für den Umgang mit den Funden zu erarbeiten.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Uwe Waßmann (CDU) zeigte sich überzeugt, dass der Beschluss einen verantwortungsvollen Impuls für die Suche nach einer gemeinsamen Lösung setze. Der Aufsichtsrat spricht sich für eine angemessene Würdigung der archäologischen Überreste im Rahmen der Erinnerungskultur aus.
Gleichzeitig soll das Bauvorhaben nicht erheblich verzögert und die wirtschaftliche Tätigkeit der Westfalenhallen nicht beeinträchtigt werden. Zudem müsse sichergestellt werden, dass die begonnenen Arbeiten für die geplanten Südhallen nicht unangemessen aufgehalten werden.
Damit stehen nun Gespräche zwischen den beteiligten Akteuren an. Ziel ist es, einen Weg zu finden, der sowohl dem historischen Erbe des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers als auch den Entwicklungsplänen der Westfalenhallen gerecht wird.
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