Flaggentag der „Mayors for Peace“: Dortmund setzt Zeichen gegen Atomwaffen und Krieg

Die Stadt beteiligt sich erneut am Internationalen Flaggentag

Mit einer Mahnveranstaltung auf dem Friedensplatz erinnerten die Dortmunder Regionalgruppe der Internationalen Ärztinnen und Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und die Deutsch-Japanische Gesellschaft Dortmund am Mittwoch, 8. Juli, an den Flaggentag der „Mayors for Peace“. Foto: Polina Zatulko für Nordstadtblogger

„Frieden entsteht im Kopf, Frieden entsteht im Herzen. Das sehen wir an vielen Orten dieser Welt nicht“, so erinnerte Bürgermeister Norbert Schilff (SPD) beim Flaggentag der „Mayors for Peace“ an die zugespitzte militärische Lage weltweit und ging auf den Ukraine-Russland-Krieg und den Konflikt im Nahen Osten ein. 8.570 Städte in 165 Ländern, darunter auch Dortmund, zeigen mit der Aktion in diesem Jahr ihre Solidarität und setzen sich für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen ein.

Weltweite atomare Bedrohung wieder im Fokus

Die atomare Bedrohung ist so präsent wie lange nicht mehr. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine seit 2022 ist die europäische Sicherheitsordnung ganz zerstört worden, der russische Präsident Wladimir Putin drohte seit Beginn des Kriegs mehrmals mit dem Einsatz atomarer Waffen.

Dr. Martin Rees (IPPNW) Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Die Frage ist, wie man in diesen Fällen vorgeht, aber eine einfache Lösung gibt es nicht. Jürgen Heusmann von der Dortmunder Regionalgruppe der Internationalen Ärztinnen und Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), einer der Organisator:innen des Flaggentags, betonte: „Es ist ein Dilemma. Niemand kann von heute auf morgen sämtliche Atomwaffen abschaffen.

So haben zahlreiche Verträge in der Vergangenheit die atomare Aufrüstung begrenzt – davon ist inzwischen kaum noch die Rede. Die Mayors for Peace suchen deshalb „nicht nach Schuldigen, sondern nach Wegen, die Lage zu verbessern“, sagte Jürgen Heusmann. Einen dieser Wege sehen Organisatoren im Atomwaffenverbotsvertrag, den die Organisation ICAN vor einigen Jahren initiierte und der inzwischen bei den Vereinten Nationen in Kraft ist.
Auch Dr. Martin Rees (IPPNW) warnte in seiner Rede vor der wachsenden Bedrohung durch Drohnen und Künstliche Intelligenz und rief zu einem historischen Rückblick auf die Folgen von Massenvernichtungswaffen auf.

Der Frieden rückt in weite Ferne – auf absehbare Zeit

Bürgermeister Norbert Schilff Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Mit der Mahnveranstaltung wollten die Initiativen allgemein nach eigenen Angaben ein Zeichen für Frieden und Abrüstung setzen. Zudem hielten Vertreter:innen der Stadt Dortmund, der IPPNW und der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Redebeiträge.

Vor allem sprechen sie über die aktuelle nukleare Aufrüstung. Statt die Zahl der Atomwaffen zu verringern, wächst sie jedes Jahr – im Takt der neuen ständigen Konflikte im Nahen Osten. „Insofern ist nicht nur eine neue Krise entstanden, sondern der Frieden ist auch wieder ein Stück weiter nach hinten gerückt, so Schilff.

So sehen die Organisatoren der Flaggentage die internationale Sicherheitslage mit Sorge. Dazu erwähnen sie und der Bürgermeister auch die Reise der Dortmunder Delegation im Juni nach Schytomyr, über die unser Korrespondent Lukas Pazzini berichtete (mehr dazu unten). Gerade dort ließ sich wirklich erkennen, was Krieg bedeutet: „Eigentlich kennen viele unserer Menschen das nur aus dem Fernsehen. Und immer dort, wo die persönliche Betroffenheit fehlt, gewöhnt man sich sehr schnell daran. Und wir dürfen uns an viele Dinge einfach nicht gewöhnen.

Flaggentag der „Mayors for Peace“ setzt deutliches Zeichen

Die Flagge der „Mayors for Peace“ Foto: Polina Zatulko für Nordstadtblogger

Seit 20 Jahren wird der Flaggentag weltweit begangen. Traditionell hissen die Städte die Flagge der „Bürgermeister für den Frieden“, eines 1982 vom Bürgermeister der japanischen Stadt Hiroshima gegründeten Netzwerks. Leider konnte die Flagge gestern aus technischen Gründen nicht gehisst werden, weil auf dem Platz ein Konzert vorbereitet wurde.

Auch die Deutsch-Japanische Gesellschaft in Dortmund war dieses Jahr nicht präsent, aber sendete ein Grußwort von der ersten Vorsitzenden Yoko Schütermann. Sie erinnerte darin an die Gründung der Mayors for Peace 1982  – ein Jahr nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945.

Hintergrund:

  • Am Flaggentag erinnern die „Mayors for Peace“ an ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag vom 8. Juli 1996. Der Gerichtshof stellte fest, dass die Androhung des Einsatzes und der Einsatz von Atomwaffen generell gegen das Völkerrecht verstoßen.
  • Zudem stellte der Gerichtshof fest, dass eine völkerrechtliche Verpflichtung besteht, „in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen und zum Abschluss zu bringen, die zu nuklearer Abrüstung in allen ihren Aspekten unter strikter und wirksamer internationaler Kontrolle führen.“
  • Die Organisation Mayors for Peace wurde 1982 durch den Bürgermeister von Hiroshima gegründet. Das weltweite Netzwerk setzt sich vor allem für die Abschaffung von Atomwaffen ein, greift aber auch aktuelle Themen auf, um Wege für ein friedvolles Miteinander zu diskutieren.
  • Mehr als 8.170 Städte gehören dem Netzwerk an, darunter mehr als 830 Städte in Deutschland. Rund 500 Städte in Deutschland beteiligen sich in diesem Jahr am Flaggentag.
  • Die Stadt Dortmund ist seit 1994 Mitglied des Bündnisses.

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