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Zwei Millionen Euro Investition: Das Grünflächenamt will den Fredenbaumpark nicht nur sprichwörtlich aufblühen lassen

Die Kanada- und Nilgänse bereiten dem Grünflächenamt Sorgen - sie zerstören die Festwiese. Archivfoto: Alex Völkel

Kanada- und Nilgänse bereiten dem Grünflächenamt Sorgen – sie zerstören die Festwiese. Archivfoto: Alex Völkel

Der Fredenbaumpark ist die grüne Lunge der Nordstadt. Doch anders als bei vielen anderen Parks, ist es um die Attraktivität nicht so gut bestellt – auch gibt es nicht diese „Kümmerer“-Struktur wie beim Westfalen- oder Rombergpark. Mit Neugründung des Grünflächenamtes wurde u. a. ein Schwerpunkt auf die Revitalisierung des Fredenbaumparks gesetzt – schließlich ist er flächenmäßig die drittgrößte Parkanlage in Dortmund. Er soll nun nicht nur sprichwörtlich aufblühen – die größten Vorhaben sind die Sanierung der Festwiese und der Teiche.

Möglichkeiten des Fredenbaumparks sollen noch mehr ausgeschöpft werden

Der Saalbau Fredenbaum an der Münsterstraße, 1910/15 (Sammlung Klaus Winter)

Der Saalbau Fredenbaum an der Münsterstraße, Postkartenmotiv von 1910/15 (Sammlung Klaus Winter)

Die Geschichte des Fredenbaumparks beginnt vor mehr als 100 Jahren – schon damals vor dem Hintergrund, die Menschen in Dortmund mit einer natur- und freizeitorientierten Parkanlage zu versorgen.

Die über 100 Jahre alte Historie des Parks beinhaltet eine anspruchsvolle Gartenkultur und eine immer wichtiger werdende Funktion für Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität.

„Wir sind vom Bauausschuss mit einem Zukunftskonzept beauftragt worden“, erinnert Baudezernent Arnulf Rybicki. „Wir beabsichtigen nicht, den Park komplett neu auszurichten oder einzuzäunen, sondern wir wollen ihn ertüchtigen, um Freizeitmöglichkeiten und Aufenthaltssituation zu verbessern.“

Foto: Alex Völkel

Das Grünflächenamt möchte nun den Fredenbaumpark „aufblühen“ lassen. Hierunter ist nicht nur das Aufblühen unterschiedlichster Pflanzen, sondern gleichsam das Aufblühen unterschiedlichster Menschen in „ihrem“ Park zu verstehen. Es sei wichtig, allen Menschen der Stadt diesen wertvollen Natur-, Freizeit- und Erholungsraum zugänglich und erlebbar zu machen. 

So spielt auch das Thema Barrierefreiheit bei Konzeption, Planung und Umsetzung der Baumaßnahmen im Fredenbaumpark eine wichtige Rolle. Egal, zu welchem Anlass: Menschen mit und ohne Behinderungen sollen sich dort wohlfühlen und ganz selbstverständlich und entspannt ein gemeinsames Miteinander erleben können.

Bis 2027 soll der Fredenbaumpark als Bestandteil der dann im Ruhrgebiet stattfindenden Internationalen Gartenschau deutlich attraktiver werden. „Das meiste soll deutlich vorher fertig werden“, kündigte Rybicki an.

Bereits in diesem Jahr wird die Rasenfläche der großen Festwiese erneuert

Bereits direkt nach Ostern beginnt die Sanierung der Festwiese. Diese ist insbesondere durch die Kanada- und Nilgänse, die mittlerweile ganzjährig im Fredenbaum zu Hause sind, stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Denn die  invasiven Arten fressen zum einen die Grasnarbe ab und – das ist fast noch schlimmer – koten diese zu. Die Graugänse, die hier ihr Winterquartier nehmen und dann weiterfliegen, sind dabei nicht das Problem.

Die Gänse fressen die Grasnarbe ab und koten die Festwiese voll.

Die Gänse fressen die Grasnarbe ab und koten die Festwiese voll – der Rasen ist stark geschädigt.

Doch die Unmengen von Kot wird von Gänsen und Besucher*innen zertreten bzw. wird durch Feuchtigkeit zu Brei. Dieser setzt die Oberfläche zu – dadurch wächst das Gras kaum noch nach.

Selbst ein Jahr ohne Veranstaltungen wie 2020 nützt da kaum etwas: „Der Rasen bräuchte Jahre, um sich zu erholen“, macht Heiko Just, Bereichsleiter Grün und Freiraum beim städtischen Grünflächenamt, deutlich.

Denn die Gänse machen selbstverständlich keine Corona-Pause. Daher wird nun die Wiese aerifiziert. Das Aerifizieren ist eine Technik im Gartenbau zur Belüftung des Bodens einer Rasenfläche. Dabei werden mit einer Art Nadelwalze Dünger, Sand und Grassamen eingebracht.

Es ist, nebenbei, die einzige Wiese, die das Grünflächenamt düngt. Der Grund: Eine Festwiese ist ganz anderen Beanspruchungen ausgesetzt – und sie soll ja auch weiter  für Veranstaltungen genutzt werden.. „Andere Wiesen wandeln wir weiter in Wildblumenwiesen um – die Artenvielfalt ist uns wichtig“, betont der Bereichsleiter.

Grünflächenamt will das frisch nachgewachsene Gras vor den Gänsen schützen

Um das dann hoffentlich nachwachsende Gras zu Beginn zu schützen, wird die Festwiese vorübergehend eingezäunt. Gänse können zwar fliegen. Aber da die Eltern ihre flugunfähigen Küken, die im Frühjahr schlüpfen, nicht mitnehmen können, wird die anwachsende Wiese geschont. „Sie lassen ihre Kinder nicht allein. Wir gewinnen so etwas Zeit. Bis sie fliegen können, ist das Gras schon gewachsen“, erklärt Just.

Zumindest mit Blick auf die Sanierung der Festwiese könnte der Lichterweihnachtsmarkt im Fredenbaum wieder stattfinden. Foto: Andrea Rattay

Dadurch, dass auf absehbare Zeit keine Veranstaltungen sind und sie schon im Frühjahr damit beginnen, kann auf der Festwiese im Frühjahr, Sommer und Herbst das Gras ungestört wachsen.

Theoretisch könnte dann auch der Weihnachtsmarkt stattfinden, ohne dass der neue Rasen nachhaltig geschädigt würde. Im Frühjahr 2022 will man dann noch einmal nachsäen. Dann hätte man für zwei bis drei Jahre Ruhe, bevor das Aerifzierungsverfahren wiederholt werden muss.

Denn das Grünflächenamt geht nicht davon aus, dass sich die Zahl der Gänse im Park spürbar reduzieren wird. Zwar wurden die kleinen Inseln, auf denen die Gänse brüten, mit Dämmen bzw. Anschüttungen ans „Festland“ angeschlossen. Dadurch erreichen auch die Füchse die Gelege. Die Zahl der invasiven Gänse ist dadurch zwar zurückgegangen – aber nicht in dem Ausmaß, wie es für den Rasen nötig wäre.

Die Teiche müssen entschlammt werden – doch noch ist unklar, ob gebaggert werden muss

Eine größere Baustelle könnten auch die Teiche werden. Geplant ist ihre Entschlammung  – der Wasserstand ist sehr niedrig. Doch ob dafür das Wasser abgelassen und die Teiche ausgebaggert werden müssen, ist noch offen. Derzeit wird der Schlamm untersucht.

Es wurden schon Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt umgesetzt. Archivfoto: Roland Gorecki

Wenn der Schlamm vor allem aus organischem Material besteht – Laub, Kot und von Besucher*innen ins Wasser geworfenes Brot -, könnte mit einer Belüftung die Zersetzung beschleunigt und der Schlamm reduziert werden.

Sollte es sich aber vor allem um Sediment handeln – als Sand und Steinchen – müsste das Wasser abgelassen werden, um die Teiche auszubaggern. Doch das scheint unwahrscheinlich: denn die Teiche haben keine natürlichen Zuläufe, sondern speisen sich durch Regenwasser und hoch stehendes Grundwasser – eingeleitet wird nichts. Daher kann es nicht zu nennenswerten Einschlämmungen gekommen sein.

Sollte es nötig sein, würden die Teiche im Winterhalbjahr ausgebaggert. Die Tretboot-Saison bliebe dadurch unberührt. Auch danach kann es noch Bereiche geben, die für Tretboote gesperrt bleiben. Der Grund ist nicht (nur) der Schlamm, sondern der insgesamt zu niedrige Wasserstand. In den letzten drei Jahren hat die Erwärmung zu verstärkter Verdunstung geführt und der weniger werdende Regen tat sein Übriges.

Der Fredenbaumpark bekommt eigenes Personal als Stabsstelle im Grünflächenamt

Heiko Just, Bereichsleiter Grün und Freiraum beim städtischen  Grünflächenamt

Heiko Just, Bereichsleiter Grün und Freiraum beim städtischen  Grünflächenamt. Foto: Stadt Do

Der Park bekommt  auch eigenes bzw. zusätzliches Personal. So wird es eine*n Park-Ranger*in geben. Die Bezeichnung klingt allerdings missverständlich: Die Aufgabe ist es nicht, im Park zu kontrollieren.

Vielmehr handelt es sich dabei um eine Stabsstelle im Grünflächenamt – die Person wird zum Gesicht des Parks und zur ersten Ansprechperson, die auch für die Konzeptentwicklung und Pflegeplanung zuständig sein wird.

Gemeinsam mit dem/der neuen „Parkchef*in“ wird dann das Stellenprofil für das weitere Personal entwickelt – eine zweite Stelle ist vorgesehen.. „Mittelfristig soll es für den Frendenbaumpark auch ein eigenes Pflegeteam geben“, so Heiko Just.

Das Geld für die Maßnahmen steht bereit: Mit Gründung des Grünflächenamtes und dem Auftrag, den Fredenbaumpark attraktiver zu gestalten, steht dem Grünflächenamt ein Budget von zwei Millionen Euro zur Verfügung. Darüber hinaus wird das Grünflächenamt von der Bezirksvertretung Innenstadt Nord und dem Freundeskreis Fredenbaumpark e.V. unterstützt.

Weiterentwicklung im Hinblick auf Erholung, Sport, Spiel, Veranstaltungen und Naturerleben

Die Arbeiten im Bereich der Konzertmuschel im Fredenbaumpark haben bereits begonnen. Foto. Klaus Hartmann

Die Weiterentwicklung umfasst eine Vielzahl von kurz-, mittel- und langfristigen Einzelmaßnahmen, welche auf die wesentlichen Aspekte zur weiteren Entwicklung des Fredenbaumparks im Hinblick auf unterschiedlichste Nutzungen wie Erholung, Sport, Spiel, Veranstaltungen und Naturerleben abzielen.

Aber auch die Erneuerung der Beleuchtung sowie Umgestaltungs- und Attraktivierungsmaßnahmen wie zum Beispiel ein neuer Rosengarten, die Anlage von Staudenbeeten, ein neuer Fitnessparcours und viele weitere Maßnahmen gehören dazu. 

Ganz aktuell laufen die Planungen für die Neugestaltung des Sitzbereiches vor der Konzertmuschel (wir berichteten bereits); Baubeginn wird hier im Herbst 2021 sein.  Ebenso für die Neugestaltung des Bereiches Rosengartens vor der Schmiedingslust.

„Passgenau“ will in diesem Jahr den Bootsverleih sowie die Minigolf-Anlage betreiben

Auch in diesem Jahr soll der Bootsverleih öffnen – wenn es Corona zulässt. (Archivfoto)

Leben in den Fredenbaum würde auch gerne die Werkstatt „Passgenau“ bringen. „Passgenau“ ist ein Zweckbetrieb der beruflichen Integration des Diakonischen Werkes Dortmund.

Er betreibt nicht nur seit Jahren mit Langzeitarbeitslosen den Bootsverleih, sondern ab diesem Jahr auch die Minigolfanlage. Eigentlich hätte schon zum 15. März der Saisonstart beginnen sollen – doch wegen Corona ist kein Startzeitpunkt absehbar, bedauert Passgenau-Leitungskraft Susanne Thoma.

Das Personal jedenfalls stünde Gewähr bei Fuß – die Beschäftigten nutzen aktuell die Zeit, die Minigolfanlage herzurichten. Diese lag nun schon länger brach, weil sich kein*e Pächter*in fand – der wirtschaftliche Betrieb ist bei einem so wetterabhängigen Angebot schwierig. Daher bekam auch hier die Dortmunder Diakonie – wie schon beim Bootsverleih – den Zuschlag.

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