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Multitalent auf den Bühnen in Dortmund und anderswo – ein Interview mit der Schauspielerin Bianka Lammert

Theater Fletch Bizzel Produktion, Der Vorname von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière, Bianka Lammert, Sandra Schmitz, Thomas Kemper, Hans-Peter Krueger, Heinz-Peter Lengkeit

„Der Vorname“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière, Bianka Lammert (hinten rechts), Sandra Schmitz, Thomas Kemper, Hans-Peter Krüger, Heinz-Peter Lengkeit. Foto: Fletch Bizzel

Von Gerd Wüsthoff

Ein Interview mit der Dortmunder Theaterschauspielerin Bianka Lammert. Nordstadtblogger wollte wissen, wer der Mensch hinter den Bühnenfiguren ist, wie Lammert bei Komödien mit Lachsalven aus dem Publikum umgeht, warum ihr das Schauspiel vor Kindern so wichtig ist und ob das Theater noch ein Zukunft hat.

Bianka Lammert – der Mensch und die Schauspielerin

Bianka Lammert und Thorsten Schmidt. Foto: Birgit Hupfeld

Bianka Lammert, geboren 1979 in Dortmund, zweifache Mutter, erfolgreiche Theaterschauspielerin am Schauspiel Dortmund und mit Engagements im Fletch Bizzel, ist eine Frohnatur, fast rheinisch.

Nordstadtblogger: Bianka, Du bist aktuell in zahlreichen Bühnenproduktionen zu erleben: „Ein König zu viel“, „fit for future“ im KJT und mobil, „Rico, Oskar und die Tieferschatten“, „Strafraumszenen“, „Wertvoll – am besten bist du als du selbst“, „Zuckeralarm“ im KJT und mobil, für das Schauspielhaus Dortmund und im Fletch Bizzel „Damenkarussel“, und „Seine Braut war das Meer und sie umschlang ihn“. Wie schaffst Du das Pensum?

Lammert: Als Mutter und mit einem Lebensgefährten manchmal anstrengend. Theaterspielen hat was von Hochleistungsport. Aber es macht Spaß!

Wie viel Spaß, zeigt das glückliche Lächeln von Bianka …

WDR5 Lilipuz - Radio für Kinder Hörspiel, Die Helden von Klein-Gurkistan, von Heidi Knetsch und Stefan Richwien, Regie: Burkhard Ax, vom Sonntag 04.09.11 um 14:05 Uhr gesendet.

WDR5: „Lilipuz – Radio für Kinder“. Hörspiel: „Die Helden von Klein-Gurkistan“, von Heidi Knetsch und Stefan Richwien, Regie: Burkhard Ax, am 04.09.11 gesendet. Foto: WDR5

Daneben habe ich aber ja auch noch andere Projekte, an denen ich beteiligt bin. Rollen sprechen in Hörbüchern und meine Auftritte im Fletch Bizzel. Dabei hat das Kinder- und Jugendtheater im  Schauspielhaus absoluten Vorrang. Das gibt dann immer wieder mal Terminüberschneidungen. Ich bin aber überglücklich vom Schauspiel die Freiheit – mit der Priorität des KJT – zu haben.

Wer Dich auf der Bühne erleben konnte, so auch im Fletch in dem Stück „Der letzte der Liebhaber“, erfuhr Deine Professionalität. Doch hat Dich die Reaktion des Publikums an einem Abend mitgerissen …

Professionell, danke, aber die Lachsalven an dem Abend, besonders aus der zweiten Sitzreihe … Aber die Situation war auch zu komisch, als mein Partner im Tanga erschien … Das ist Live!

Nun, das Stück, eine Komödie mit Lachsalven-Garantie, und dann Dein Partner Hans-Peter Kröger im Tanga mit Polizeimütze …, das war zum Schießen. Ist Dir so etwas peinlich?

Feurige Liebhaber - Bianka Lammert, Hans-Peter Krueger

Feurige Liebhaber – Bianka Lammert, Hans-Peter Krueger. Foto Fletch Bizzel

Nein! Das ist Live, und die Situation war aber nur zu komisch. Das passiert schon mal. Als Schauspieler brauchst Du die Reaktion des Publikums.

Also nicht nur, dass das Publikum beim Klatschen die verbrauchte Luft auf die Bühne presst?

(Lacht) Nicht nur, aber der Applaus ist so etwas wie geistige Labsal.

Was hat Dich an das Theater geführt?

Das fing eigentlich schon in meiner Schulzeit an, wo wir auch eine Theater AG am Dortmunder Goethe-Gymnasium hatten. Das war in mir.

Wie ging es dann weiter?

Noch vor meinem Abitur habe ich mich in der Folkwang-Schule in Essen für Musical bewerben wollen. Während dieser Bewerbung erfuhr ich, dass ich mich eigentlich erst nach meinem Abitur bewerben könne, und meine damals aktuelle zu Problemen nach dem Abitur bei einer erneuten Bewerbung führen könnte.

Wie hast Du das Problem gelöst?

Ich habe mich dann nach meinem Abitur bewerben wollen. Mir hat aber später einer der Lehrer im Folkwang gesagt, das ich mich besser auf das Schauspielen konzentrieren sollte.

Also keine Musical-Ausbildung?

Bianka Lammert in Tintenherz

Bianka Lammert in Tintenherz. Foto: Birgit Hupfeld

Nein, auch weil ich erkannte, dass andere besser singen konnten. Ich wusste, dass ich an meinem Gesang arbeiten musste. Tanzen war da nicht das Problem. Ich durfte dann aber beim Vorsprechen der anderen zuschauen und lernte für mich dabei.

Ein Gewinn für die Schauspielbühnen. Und wie ging es dann weiter?

Ich habe zuerst eine Hospitanz am Schauspiel Dortmund gemacht und bin dann zur Schauspielschule in München gegangen, nachdem ich angenommen worden war.

München, eine wundervolle Stadt mit Macken. Wie war das für Dich dort?

Eigentlich schön, aber zuweilen ein wenig zu aufgeblasen, sagen wir mal.

Hm, es kann aber schon recht interessant sein, auf der Leopoldstraße im Café Charles Huber mit am Tisch zu haben, oder andere VIPs …

Sicher, aber das ist auch ein wenig befremdlich. Also die generelle Münchener Lebensart. Mir ein bisschen oberflächlich.

Du wirst aber, eine Frohnatur, sicher das Nightlife dort genossen haben?

Na klar, um ganz „privat“ zu sein, das „P1“ oder das „Odeon“ auf der Leopoldstraße.

Auch mal das „Nil“ in der Hans-Sachs-Straße?

Na klar, meine damalige Wohnung lag fast nebenan.

Wieder zum Theater. Haben Dich Deine Eltern damals unterstützt mit Deinem Berufswunsch, Theaterschauspielerin, zu werden?

Bianka Lammert im Solo-Stück Zuckeralarm

Bianka Lammert im Solo-Stück Zuckeralarm. Foto: Birgit Hupfeld

Meine Eltern haben mich in soweit unterstützt, als dass sie mir keine Steine in den Weg gelegt haben. Als zweites Kind war das für meine Eltern wohl auch kein Problem; sie haben es auch nicht als „brotlose Kunst“ angesehen, obwohl sie zutiefst Westfalen sind. Ursprünglich stammt meine Familie aus Dortmund.

Wenn man mit Deiner Mutter spricht, eine Dame, westfälisch und bodenständig. In den Gesprächen kommt ihr Stolz auf Deine Arbeit und Deinen Erfolg dezent hervor. Ist sie zugleich auch Deine härteste Kritikerin?

Den Stolz zeigt sie mir gegenüber nicht, aber anderen gegenüber lässt meine Mutter ihn durchblicken. Und ja, sie ist wirklich meine schärfste Kritikerin. Sie sagt mir ganz klar, wo ich vielleicht etwas besser oder anders machen könnte.

Nach München und Deiner Schauspielschule, wie ging es dann weiter?

Meine ersten Engagements führten mich nach Köln, Wuppertal und Dinslaken. Dort habe ich dann auch meine Liebe für das Kinder- und Jugendtheater entdeckt.

Man sagt allgemein, dass Schauspieler immer ihre Heimat verlassen und in die „große weite Welt ziehen“. Wie kommt es, dass Du wieder in Dortmund spielst?

Bianka Lammert in fit for future

Bianka Lammert in fit for future. Foto: Birgit Hupfeld

Herbert Knebel, Gerburg Jahnke und Jochen Malmsheimer holten mich für eine Revue in das Ruhrgebiet und ich fand schließlich 2006 mein Engagement im KJT Dortmund.

Was fasziniert Dich so sehr am Theater, dem Spiel vor Kindern und Jugendlichen?

Es ist das schwierigste Publikum, besonders pubertierende Jugendliche. Aber wenn Du sie gewonnen hast, die Kinder und Pubertierenden, dann sind sie auch das dankbarste Publikum, das man sich vorstellen kann. Sie sind die Theater-Zuschauer von Morgen, im besten Fall. Und ich liebe es, wenn sich zunächst skeptische in begeisterte Gesichter verwandeln. Kinder, besonders meine, sind meine Vorbilder.

Du bist zweifache Mutter und hast einen Lebensgefährten. Wie schaffst Du Familie und Beruf zusammen zu bringen? Entschuldigung, die Frage ist vielleicht ein wenig despektierlich.

(Lacht) Nein! Ganz gut, aber natürlich ist es schwierig, den Beruf als Schauspielerin und die Familie unter einen Hut zu bekommen. Männer haben vielleicht größere Probleme damit.

Du meinst Deine drei Kinder?

(Lacht herzlich) Aber alles ist auch eine Frage der Organisation, und bei mir die Hilfe durch meine Mutter. Es klappt vielleicht auch deswegen so gut, weil mein Lebensgefährte, Oliver Senftner, auch am Theater angestellt ist. Einer meiner Schauspiellehrer sagte mir einmal zu Beziehungen von Schauspielern, dass sie entweder einen Partner aus dem Theaterumfeld finden, oder wenn nicht, schnell das Theater verlassen würden. Mit einem dem Schauspiel fremden Partner, wird eine Beziehung nicht lange halten. Dass Oliver auch am Theater arbeitet, ist unser Glück.

Hattest Du jemals den Wunsch, ein weithin berühmter Star des Theaters zu werden?

Bianka Lammert und Jule Vollmer, Autorin - Damenkaroussel, Fletch Bizzel

Bianka Lammert und Jule Vollmer, Autorin: „Damenkaroussel“. Foto: Fletch Bizzel

(Lacht) Nicht wirklich. Ich bin zwar einigermaßen naiv an den Beruf herangegangen, habe aber schnell, nicht auf die harte Tour, gelernt. Und es ist auch nicht so, dass ich den Glamour suchen würde. Da bin ich wohl zu sehr Ruhrpott-Pflanze. Wobei ich mich problemlos in glamourösen Kreisen bewegen kann.

Hast Du noch Wünsche, Traumrollen?

Viele meiner Rollen sind zu Traumrollen geworden und ich bin gespannt, was noch alles kommt. Ich liebe es, auf der Bühne Geschichten zu erzählen, die begeistern und berühren. Das ist ein Live-Erlebnis. Vielleicht mal in einem Film mitwirken. Da hast Du aber kein Publikum während des Spiels.

Hast Du Lampenfieber?

Vor jedem neuen Auftritt, auch bei eingeprobten Stücken. Ich habe dann so ein Gefühl, ich könnte scheitern.

Also gesunder Selbstzweifel?

In gewisser Weise ja. Das ist aber auch gut so.

Besonders bei Solostücken bekommt man schnell das Gefühl, Du füllst sie komplett aus. Das ist eine Gabe und selten bei einem Schauspieler im Theater, nur bei den ganz großen zu erleben. Dann möchte man sagen, „La Lammert“ …

(Lacht) Das erfüllt den Tatbestand des Glamour. Aber Danke.

Ich möchte mich herzlich für die Zeit und das Interview bedanken, und den LeserInnen empfehlen, Dich im Fletch Bizzel, am 9. Mai, ab 20 Uhr, mit dem Stück „Seine Braut war das Meer und sie verschlang ihn“, ein Solo-Theaterstück, zu erleben. Ich denke, ein Muss für Theaterbegeisterte.

Weitere Informationen:

Bianka Lammert im Kinder- und Jugendtheater Dortmund (KJT)

  • „Ein König zu viel“, die nächsten Vorstellungen: 13, Mai, 11 und 11.45 Uhr, 15. und 16. Mai, jeweils 10 und 10.45 Uhr, 14. und 15. Juni, 10 und 10.45 Uhr, 17. Juni, 11 und 11.45 Uhr
  • „fit for future“, mobil – Aufführungen in Schulen
  • „Rico, Oskar und die Tieferschatten“, die nächsten Vorstellungen:
  • „Strafraumszenen“, die nächsten Vorstellungen: 6. Juni, 11 und 12.30 Uhr, 8. und 9. Juni, 20 und 21.30 Uhr, 10. Juni, 18 und 19.30 Uhr, 12. und 13. Juni, 11 und 12.30 Uhr
  • „Wertvoll – am besten bist du als du selbst“, die nächsten Vorstellungen: 19. Mai, 20 Uhr
  • „Zuckeralarm“, mobil – Aufführungen in Schulen
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