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Ohne Sorge spielen und toben: Temporäre Spielstraße in der Nordstadt macht Bedürfnisse von Kindern sichtbar

Mit ihrer Aktion wollen die Grünen mehr Platz für Kinder in der Stadt einfordern. Um richtig planen und entscheiden zu können, sei es wichtig, die Stadt einmal aus der Perspektive von Kindern zu betrachten. Fotos: Alex Völkel

Von Angelika Steger

Auf der Fahrt vom Nordmarkt in die Braunschweiger Straße abbiegen – plötzlich eine Bake, das Verkehrsschild „Durchfahrt verboten.“ Ein buntes Banner hängt unterhalb der Bake mit der Aufschrift „Strasse frei für Kinder.“ Hm, was ist da los, am Sonntagnachmittag? Diese temporäre Spielstraße hat zwei Hintergründe erklärt Stefan Neuhaus, der Fraktionsgeschäftsführer von Bündnis 90/die Grünen in Dortmund. „Zum einen wollen wir zusätzliche Spielflächen in der Innenstadt schaffen und gleichzeitig in der Coronakrise die Spielplätze entzerren, wenn viele rausgehen wollen.“ Der Kinderreport 2020 vom Kinderhilfswerk hätte gezeigt, dass mehr Platz zum Spielen von Kindern notwendig sei. In einigen Städten wie Freiburg oder Berlin, gebe es schon temporäre oder dauerhafte Spielstraßen, zum Beispiel an jedem Samstagnachmittag in Berlin.

Mehr Platz für Kinder durch Spielstraßen – weitere Aktionen sind geplant

Gerade in der Nordstadt, dem kinderreichsten Stadtteil mit dichter Bebauung und viel Verkehr, mangelt es an Freiräumen für Kinder.

Es soll auch nicht bei einer einzigen Aktion bleiben: die Grünen wollen auch in der Kleinen Beurhausstraße und der Landgrafenstraße eine temporäre Spielstraßenaktion veranstalten. Die politische Forderung ist laut Neuhaus klar: ___STEADY_PAYWALL___

es braucht mehr Platz für Kinder durch Spielstraßen. Die Verwaltung müsste dazu konkrete Vorschläge machen, denn nicht jede Straße sei für eine Spielstraße geeignet, so der Fraktionsgeschäftsführer.

Auffällig ist aber auch: trotz Halteverbotsschildern, dass man sein Auto bis zum Morgen des 23. August 2020 wegfahren solle, sind noch einige Parkplätze besetzt. Kein gutes Bild, auch wenn die Straße voll mit hüpfenden, Fußball spielenden Kindern ist. „Das ist schade, aber das Abschleppen hätte den ganzen Nachmittag gedauert“, gibt der Politiker Neuhaus zu bedenken. Für den 30.August ist in der Kleinen Beurhausstraße und am 6. September 2020 in der Landgrafenstraße 127 bis 135 eine Spielstraße geplant.

Daniela Schneckenburger plädiert dafür, die Stadt mit Kinderaugen zu betrachten

„Der verfügbare Platz muss neu ausgehandelt werden.“ Davon ist OB-Kandidatin Daniela Schneckenburger überzeugt. Die Nordstadt ist der kinderreichste Stadtteil Dortmunds. „Hier ist es nicht sehr schön, weil sehr verdichtet, vor allem in der Mallinckrodtstraße.“ Die Politikerin spricht die starke Bebauung und den stets starken Verkehr auf einer der großen Straßen durch die Nordstadt an.

OB-Kandidatin Daniela Schneckenburger macht sich für eine Stadtplanung stark, die die Bedürfnisse der Kinder vorrangig berücksichtigt.

„Die Nordstadt braucht heimat- und hausnahe Spielflächen zu bestimmten Zeiten, ähnlich einem Pop-Up-Radweg.“ Kinder sollen sich bewegen können, sie haben ihrer Meinung nach zu wenig Spielraum. So eine Pop-Up-Spielstraße ist auch schnell umsetzbar, weil Spielgeräte wie Hüpfseile, Jonglierbälle oder Fußbälle mitgebracht werden können. Allein der Platz muss geschaffen werden, indem Parkplätze – zumindest temporär – für Autos gestrichen und als Spiel-Platz zur Verfügung stehen.

„Man muss Kindern die Straße zurückgeben.“ Die Grünen-Politikerin zitiert sogar aus einer EKD-Denkschrift zur Stadtentwicklung: „Wir müssen Stadtplanung mit Kinderaugen machen.“ Dabei macht sie eine Handbewegung, die die Sichthöhe von Kindern deutlich macht. Die Stadt sähe mit Kinderaugen betrachtet anders aus. Es würden ihrer Ansicht nach manchmal falsche Prioritäten gesetzt: die CDU hätte letzte Woche erst das Thema kinderfreie Hotels hochgebracht.

„Aber nur eine kinderfreundliche Stadt ist interessant für junge Menschen“, gibt Schneckenburger zu bedenken. Ihr Ziel als Oberbürgermeisterin der Stadt Dortmund wäre die Ausweitung von Spielstraßen im Rahmen einer Neuaufteilung des Stadtraumes. Der 13. September wird darüber entscheiden, wer die Stadtspitze von Ullrich Sierau übernehmen wird.

Rollender Bücherwagen: bookbike bringt Kinder und deren Eltern zum Lesen

Neben den sportlichen Angeboten lud auch das bookbike zum Ausruhen und Lesen ein.

Zwei kleine Tore gegenüber als Fußballfeld, es wird gekickt und manchmal bekommt man auch als Unbeteiligte den Ball an die Füße und Beine. Weiter vorne wird mit Kreide auf die Straße gemalt, ein paar Kinder machen ein Hüpfspiel aus gemalten Kästchen. Auf einem Parkplatz aber steht ein Lastenrad mit Holzkiste auf der Ladefläche. Eisverkauf? Getränkelieferung? Nein, es ist das „Jugendstil“-Projekt des Kinder- und Jugendliteraturzentrums.

Eine der Initiatorinnen erklärt: „bookbike ist ein Literaturangebot mit bestimmten Büchern, die vorher ausgewählt werden. Wir treten im öffentlichen Raum auf, in Parks und bieten Kindern ein freies Angebot. Die Kinder können selbst lesen oder man liest ihnen vor.“ Neben dem bookbike liegen dazu Sisal-Teppiche, ein Kind und ein Mann sehen sich ein Bilderbuch an. Nebenan steht ein kleiner Tisch, an dem fleißig gearbeitet wird.

„Es geht nicht nur ums Lesen. Zu einer Geschichte über den Mond entwerfen die Kinder gerade eine Mondlandschaft aus Ton. Zu einem Buch über Vehikel konnten die Kinder eigene Fahrzeuge basteln oder malen.“ Die Phantasie beflügelt beim Lesen zu eigenen Projekten – und der Platz in der Spielstraße macht die Realisierung möglich. Man würde sich mehr solche Straßen, nicht nur in der Nordstadt wünschen, in denen temporär oder dauerhaft nicht motorisierte Fahrzeuge den Vorrang haben.

 

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Weitere Informationen:

  • Seite des Kinder- und Jugendliteraturzentrums, InitiatorInnen des bookbikes, Infos hier.
  • Website der Veranstalterin hier.
  • Informationen zu PopUpBikeLanes und Spielstraßen hier.
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4 Gedanken über “Ohne Sorge spielen und toben: Temporäre Spielstraße in der Nordstadt macht Bedürfnisse von Kindern sichtbar

  1. Pop-Up-Spielstraße in Dortmund am Sonntag in Innenstadt-West – GRÜNE wollen mehr Spielflächen für Kinder (PM)

    Pop-Up-Spielstraße in Dortmund am Sonntag in Innenstadt-West – GRÜNE wollen mehr Spielflächen für Kinder

    Nach der erfolgreichen Premiere der ersten Pop-Up-Spielstraße Dortmunds am vergangenen Sonntag, findet am kommenden Sonntag, 30. August 2020 die nächste Aktion von 14.00 bis 17.00 Uhr in der Kleinen Beurhausstraße (zwischen Möllerbrücke und Hüttemannstr.) statt. Der Straßenabschnitt in der westlichen Innenstadt wird für Fahrzeuge gesperrt und zur temporären Spielstraße.

    Die Dortmunder GRÜNEN wollen damit deutlich machen, dass insbesondere in den dicht besiedelten Stadtbezirken zusätzliche Spielflächen für Kinder benötigt werden. In anderen Städten gibt es bereits temporäre oder dauerhafte Spielstraßen.

    Insbesondere die Anwohner*innen und ihre Kinder der umliegenden Straßen sind zur Aktion herzlich eingeladen. Darüber hinaus sind aber auch alle anderen Kinder mit ihren Eltern herzlich willkommen. Eigene Spielgeräte können gerne mitgebracht werden. Straßenkreide oder Seifenblasen stehen zur Verfügung. Daniela Schneckenburger, GRÜNE Oberbürgermeisterkandidatin, wird die Aktion um 14 Uhr eröffnen. Auch Terry Reintke, Mitglied im Europaparlament, und Markus Kurth, Mitglied des Bundestags, werden vor Ort dabei sein.

    Die Aktion der GRÜNEN findet unter den geltenden Corona-Regeln statt. Das bedeutet, dass insbesondere Abstandsregelungen zwingend eingehalten werden müssen. Eine weitere Spielstraßenaktion findet am 6. September in der Landgrafenstraße 127-135 von 14-17 Uhr statt.

  2. Pop-Up-Spielstraße in Dortmund am Sonntag in Innenstadt-Ost – GRÜNE wollen mehr Spielflächen für Kinder (PM)

    Pop-Up-Spielstraße in Dortmund am Sonntag in Innenstadt-Ost – GRÜNE wollen mehr Spielflächen für Kinder

    Am kommenden Sonntag, den 6. September 2020, gibt es die dritte Pop-Up-Spielstraßen-Aktion der GRÜNEN: Von 14.00 bis 17.00 Uhr wird ein Teil der Landgrafenstr. für Fahrzeuge gesperrt und zur temporären Spielstraße. Herzlich sind Sie zur Berichterstattung eingeladen. Frau Daniela Schneckenburger, GRÜNE Oberbürgermeisterkandidatin, steht um 14.30 Uhr für ein Pressegespräch zur Verfügung. Ausserdem steht Markus Kurth, MdB, ebenfalls für Gespräche zur Verfügung.

    Die Aktion der GRÜNEN findet unter den geltenden Corona-Regeln statt. Das bedeutet, dass insbesondere Abstandsregelungen zwingend eingehalten werden müssen und findet konkret im Abschnitt in der Landgrafenstr. 127-135 statt.

    Die GRÜNEN wollen dauerhaft Konzepte für temporäre Spielstraßen in Dortmund schaffen. Unsere GRÜNE Ratsfraktion hat gestern in den Kinder- und Jugendausschuss einen Antrag eingebracht, Konzepte für temporäre Spielstraßen, vor allem in den Innenstadtbezirken, zu erarbeiten.

  3. Ordnungsamt kündigt Sonderaktion in „Spielstraßen“ an (PM Stadt Dortmund)

    Ordnungsamt kündigt Sonderaktion in „Spielstraßen“ an

    Im Ordnungsamt nimmt die Zahl der Beschwerden bezüglich falschen Parkens und überhöhter Geschwindigkeiten in verkehrsberuhigten Bereichen, den sogenannten „Spielstraßen“, immer mehr zu.
    Deshalb sind ab Ende Oktober in einigen Spielstraßen erneut zeitlich befristete Schwerpunktkontrollen zur Einhaltung der dort höchstzulässigen Geschwindigkeit sowie des Parkverhaltens geplant.

    In verkehrsberuhigten Bereichen ist das Parken ausschließlich in dafür gekennzeichneten, ausgewiesenen Flächen erlaubt. Daneben ist auch das Be- oder Entladen für max. 15 Minuten möglich. Darüber hinaus ist in „Spielstraßen“ die Schrittgeschwindigkeit einzuhalten. Die Beschwerden sprechen jedoch häufig von Falschparkern außerhalb gekennzeichneter Flächen und ständig überhöhten Geschwindigkeiten.

    Die ausgewiesenen verkehrsberuhigten Bereiche sind für alle Verkehrsteilnehmende gleichermaßen da: für Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und Fahrzeugführer*innen. Mit dieser neuerlichen Aktion möchte das Ordnungsamt in „Spielstraßen“ zur Aufklärung beitragen. Damit im verkehrsberuhigten Bereich ein gutes Miteinander funktioniert, ist es wichtig, die bestehenden Regeln einzuhalten und jeweils gegenseitige Rücksicht zu nehmen.

    Neben den Kontrollen in diesen Bereichen informiert das Ordnungsamt auch zusätzlich mit einem Flyer über die gesetzlichen Regelungen und appelliert an alle Verkehrsteilnehmer*innen, die gesetzlichen Regelungen einzuhalten.

  4. Ordnungsamt kontrolliert Spielstraßen: 677 Verstöße (PM)

    Ordnungsamt kontrolliert Spielstraßen: 677 Verstöße

    Das Ordnungsamt der Stadt Dortmund hat in den zwei Wochen nach den Herbstferien Schwerpunktkontrollen in verkehrsberuhigten Bereichen, den sogenannten „Spielstraßen“ durchgeführt. Dabei wurde sowohl die Einhaltung der höchstzulässigen Geschwindigkeiten als auch das korrekte Parken in den speziellen Bereichen kontrolliert.

    Ruhender Verkehr

    Bei den durchgeführten Kontrollen in unterschiedlichen Straßen – auch Mehrfachkontrollen in einigen Bereichen – im ruhenden Verkehr kam es zu zahlreichen Bürgergesprächen, in denen die Außendienstmitarbeitenden der Verkehrsüberwachung die Regeln in den Spielstraßen noch einmal ausführlich dargelegt haben. Insgesamt wurden 473 (2019: 296) Verwarnungsgelder erteilt. Es musste jedoch nicht eine Abschleppmaßnahme durchgeführt werden. Der Schwerpunkt der Kontrollen lag im Bereich der Innenstadt-West, im Gebiet der Stadtkrone-Ost sowie dem Bereich am alten Ostbahnhof.

    Fließender Verkehr

    Die höchstzulässige Geschwindigkeit wurde in 19 (2019: 12) Bereichen kontrolliert. Einige Bereiche konnten nicht angefahren werden, weil es entweder keine geeigneten Messpunkte für gerichtsverwertbare Messungen mit der hier eingesetzten Technik gab oder die Messpunkte durchgängig beparkt waren. Trotzdem wurden insgesamt 594 (2019: 254) Fahrzeuge erfasst, von denen jede/r dritte Fahrer*in (2019: jeder Zweite) und damit rund 34% (204) (2019: 128) zu schnell gefahren sind.

    Das Ordnungsamt weist noch einmal darauf hin, dass das Parken in verkehrsberuhigten Bereichen ausschließlich in den dafür gekennzeichneten, ausgewiesenen Flächen erlaubt ist. Daneben ist auch das Be- oder Entladen für max. 15 Minuten möglich. In den Spielstraßen ist zwingend die Schrittgeschwindigkeit einzuhalten.

    Die ausgewiesenen verkehrsberuhigten Bereiche stehen mit gleichen Rechten für Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und Fahrzeugführer*innen zur Verfügung. Damit in verkehrsberuhigten Bereichen ein verkehrssicheres Miteinander funktioniert, ist es wichtig die bestehenden Regeln einzuhalten und jeweils gegenseitige Rücksichtnahme zu üben. Mit dieser Aktion wirbt das Ordnungsamt in „Spielstraßen“ verstärkt für die Einhaltung dieser Regeln und trägt zur Aufklärung bei. Weitere Kontrollen sind vorgesehen.

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