Plattform zum sicheren Speichern von persönlichen Daten im Einsatz

Neues Angebot: Diakonie digitalisiert wichtige Dokumente für Wohnungslose in Dortmund

Thomas Bohne von der Wohnungslosenhilfe der Diakonie in Dortmund bei der Digitalisierung von persönlichen Dokumenten von Menschen, die sich an die Diakonie wenden.
Thomas Bohne von der Wohnungslosenhilfe der Diakonie in Dortmund bei der Digitalisierung von persönlichen Dokumenten. Foto: Diakonisches Werk Dortmund

Notwendigkeit statt Luxus: Da Papiere auf der Straße häufig verschwinden, sichert die Diakonie Ausweis, Krankenkassenkarte und Co. für Obdachlose auf dem Smartphone. Damit bleiben wichtige Wege ins Hilfesystem auch nach dem Verlust von Dokumenten und Ausweisen erhalten.

Digitale und soziale Teilhabe auch nach dem Verlust von Dokumenten erhalten

Öffnungszeiten, Hilfsangebote, Kontakte, Wetter: Für wohnungslose Menschen ist das Internet in besonderem Maße ein wichtiges Tor zu einer Welt, die ihnen häufig nicht so offensteht, wie Menschen mit gesichertem Einkommen und Wohnung. Mit einem neuen Angebot unterstützt die Diakonie Dortmund deshalb Wohnungslose, um ihre Lebenssituation mithilfe von Smartphones & Co. zu verbessern.

Schließlich haben Menschen, die in Dortmund ohne eigene Unterkunft leben, ihr Hab und Gut in der Regel stets bei sich. Nicht selten gehen dabei Papiere verloren, werden nass oder werden gestohlen. Dabei müssen sich wohnungslose Menschen regelmäßig ausweisen, besitzen eine Krankenkassenkarte – das ist zumindest ein Ziel der Wohnungslosenhilfe der Diakonie – oder benötigen weitere wichtige Dokumente, um Hilfen und Unterstützung, etwa von Behörden, dem Sozialamt oder dem Jobcenter zu erhalten.

Mit dem Verlust der Dokumente geht nicht selten der Zugang zu Unterstützungsleistungen, zu grundlegenden Rechten und gesellschaftlicher Teilhabe verloren.

Digitalisierung in der Wohnungslosenhilfe ist seit 2019 Thema bei der Diakonie

Armut in Dortmund
Wer auf der Straße lebt, hat zumeist sein ganzes Hab und Gut dabei – und da geht oft etwas verloren. Foto: Klaus Hartmann für nordstadtblogger.de

Deswegen digitalisiert die Diakonie Dortmund seit kurzem die Dokumente der Klienten der Wohnungslosenhilfe und lädt die Daten auf die Telefone der Besitzer*innen. Viele Wohnungslose besitzen ein Smartphone, schon seit geraumer Zeit verteilt die Diakonie gebrauchte oder neue Prepaid-Geräte, meistens durch Spenden ermöglicht.

„Dies ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, um in Kontakt zu bleiben. Eine Wiederbeschaffung wichtiger Dokumente ist häufig mit Aufwand und Kosten verbunden, was eine große Hürde für Wohnungslose darstellt“, erklärt Thomas Bohne, Leiter der ambulanten Wohnungslosenhilfe der Diakonie. Diese hat allein im Jahr 2020 rund 1800 Euro für Passbilder ihrer Klienten ausgegeben.

Bereits seit dem Jahr 2019 hat sich die Diakonie intensiv mit dem Thema Digitalisierung in der Wohnungslosenhilfe befasst. Auslöser war ein Pionierprojekt aus Frankreich, „Le Cloud Solidaire“, welches von den Erfindern in einem Barcamp bei der Diakonie u.a. dem Dortmund Bundestagsabgeordneten Markus Kurth und weiteren Vertretern der Wohnungslosenhilfe vorgestellt wurde.

Plattform zum sicheren Speichern von persönlichen Daten verfügbar

Für das Projekt aufsuchende Sozialarbeit fährt Ulrike Thierfeld mit dem Lastenrad zu den Treffpunkten der Wohnungslosen. Foto: Diakonisches Werk Dortmund

Mit der App Nextcloud, einer Plattform zum sicheren Speichern von persönlichen Daten, bietet die Diakonie in Dortmund nun die Möglichkeit, persönliche Dokumente und Ausweise zu digitalisieren, so dass sie stets verfügbar bleiben, auch, wenn das Originaldokument auf Papier abhanden kommt. Ein Antrag beim Dortmunder Spendenparlament „Spendobel“ aus 2020 lieferte letztlich die Startfinanzierung für das Projekt, mit der u.a. gut 70 einfache Smartphones angeschafft werden konnten.

Diakonie-Mitarbeiter Thomas Bohne: „Unsere Hilfsangebote, von der medizinischen Versorgung bis zum Wohntraining, leben von der Erreichbarkeit und dem engen Kontakt zu den Betroffenen. Deshalb müssen wir auch hier digitale Wege öffnen und sie sinnvoll nutzen, um ihr Leben zu entlasten.“

Durch digitalisierte Dokumente können Wohnungslose ihre Identität jederzeit nachweisen und Leistungen beantragen oder ohne physische Krankenkassenkarte und großen bürokratischen Aufwand einen Arzt aufsuchen.

Die Diakonie ist auf Spenden angewiesen – Geld und Technik wird benötigt

Die Diakonie bietet wohnungslosen Menschen Schließfächer an, um ihr Hab und Gut zu sichern. Foto: Diakonisches Werk Dortmund

Bereits seit vielen Jahren bietet die Diakonie in der Zentralen Beratungsstelle große Schließfächer, in denen Wohnungslose über einen längeren Zeitraum ihr Hab und Gut sicher und vertrauensvoll lagern können. Zudem erhalten sie bei der Diakonie eine Erreichbarkeitsadresse und damit Zugänge zu Sozialleistung und einer Krankenversicherung.

„Wir freuen uns sehr, dass wir nun auch auf digitalem Wege Angebote machen können, um das Leben der Menschen, die sich an uns wenden, deutlich zu verbessern“, so Thomas Bohne, der in den kommenden Wochen zahlreiche Gespräche führen wird, um bei Partnern, Behörden und Ämtern für eine Akzeptanz der digitalen Daten zu werben.

„Zahlreiche Dokumente werden bereits digital akzeptiert, da hat ja auch die Coronazeit für einen Schub gesorgt, doch wollen wir nun erreichen, dass Wohnungslose sich damit bei Bedarf auch ausweisen können, wenn die Originalpapiere weg sein sollten. Das würde eine wichtige Lücke schließen“, betont Bohne.

Um möglichst vielen Menschen auf diesem Wege zu helfen, ist die Diakonie auf Spenden angewiesen. Neben der finanziellen Unterstützung, freuen sich die Klienten der Wohnungslosenhilfe auch über gebrauchte, funktionierende Smartphones, Ladekabel, Powerbanks und Zubehör. Abgegeben werden können diese an der Zentralen Beratungsstelle für wohnungslose Menschen der Diakonie, Rolandstraße 10, 44145 Dortmund, Tel. 0231 84 94 109.

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Kommentare

  1. Christiane bittner

    Brauche dringend einen neuen ausweis bin aber so krank das ich die Wohnung nicht verlassen kann ,und ich suche eine wohnung im betreuten wohnen aber bitte mit einer eigenen kleinen Wohnung .Wäre unheimlich dankbar wenn Sie mir da helfen könnten .Vielen dank Christiane bittner aus Dortmund

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