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Mittelalter trifft Moderne: „Verehrt und angespien! Das Testament des Francois Villon“ im Wichern zu sehen

Francois Villon: Ein zerissener Charakter. Foto: Leonie Krzistetzko

Francois Villon: Ein zerissener Charakter. Fotos: Leonie Krzistetzko

Von Leonie Krzistetzko

„Wir kannten Carsten Bülow schon durch andere Veranstaltungen, wie Lesungen von Dickens und Tucholsky. Dadurch wussten wir, dass das was er macht wirklich gut ist“, betont Heike Dahlheimer Leiterin des Kultur- und Tagungszentrums Wichern an der Stollenstraße. Jetzt wurde Bülows Soloprogramm „Verehrt und angespien! Das Testament des Francois Villon“ für zwei Veranstaltungen im Wichern wiederaufgenommen. Davor wurde das Theaterstück seit 2011 bereits über 60 Mal in verschiedenen Etablissements aufgeführt, unter anderem im Depot.

„Verehrt und angespien!“ setzt die Figur Villon in artifiziellen Kontext

Carsten Bülow spielt Francois Villon. Foto: Leonie Krzistetzko

Carsten Bülow spielt Francois Villon.

Bei „Verehrt und angespien“ geht es um das Leben des Francois Villon, einem der bedeutendsten Dichter des französischen Spätmittelalters- erzählt anhand seiner Balladen. Diese handeln von einem Leben zwischen Saus und Braus und Gosse, Liebe und Lust und anderen Abgründen.

Als Zuschauer gewöhnt man sich schnell an die altertümliche Sprache, schafft es sich in die ambivalente Figur Villons hineinzuversetzen und ihn als Charakter zu ergründen.

„Villon ist eine vielfältige Figur; immer zerrissen zwischen Für und Wider, Licht und Schatten“, so Stefan Schroeder. Er ist der Regisseur und Dramaturg des Theaterstücks und leitete den Abend mit einer kurzen Einführung in Villons Leben und Werk ein.

Das Stück habe keinen dokumentarisch oder historisch korrekten Hintergrund, ergänzte er. Stattdessen inszenieren Schroeder und Bülow Villon als literarisch-künstlerische Person und lassen ihn in einem artifiziellen Kontext auftreten- einer Kneipenszenerie.

Theaterstück in Kneipenatmosphäre bricht Distanz zwischen Publikum und Schauspieler nieder

Eine fast intime Stimmung gibt es im Wichern.

Eine fast intime Stimmung gibt es im Wichern.

Bülow überzeugte als Villon mit mitreißender Mimik und Gestik und brachte so das Mittelalter in die Moderne. Das Wichern als Etablissement war wie geschaffen für die Inszenierung.

An kleinen runden Tischen sitzend, wurden die Zuschauer Teil des Bühnenbilds und konnten bei Kleinigkeiten und Getränken dem Stück beiwohnen. Der eigentlichen Bühne des Wichern wurde der Rücken zugekehrt. Stattdessen blickte man in Richtung der Bar, die für die Rahmenhandlung des Stücks zentral ist.

Neben der Bar, an einem Tisch saß Carsten Bülow als Francois Villon. So wurde die Distanz zwischen den Zuschauern und Bülow niedergebrochen, das Stück wirkte fast interaktiv. „Dass der Raum stimmig ist, ist extrem wichtig“, so Bülow.

Nach dem Stück konnten die Zuschauer im Theaterraum verweilen, um noch etwas zu trinken und sich mit den Beteiligten zu unterhalten und auszutauschen. Auch das sei bei der nächsten Aufführung geplant, so Bülow.

Deutsch-französischen Gesellschaft und Wichern präsentieren das Soloprogramm

Nach dem Stück lud das Wichern zum Verweilen ein. Foto: Leonie Krzistetzko

Nach dem Stück lud das Wichern zum Verweilen ein.

Veranstalter des Soloprogramms waren die deutsch-französische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft und das Wichern.

„Villon ist ein Klassiker. Eine verrückte Person mit reichhaltigen und frechen Texten, das macht ihn so unglaublich interessant“, so Pascale Gauchard von der Auslandsgesellschaft.

Durch die Deutsch-Französischen Lesungen im Antiquariat „Le chat qui lit“ im Dortmunder Kreuzviertel, habe eine Kollegin Carsten Bülow kennengelernt. Da Villon einer der bedeutendsten französischen Dichter des französischen Spätmittelalters ist, sei die Idee zu einer Wiederaufnahme des Programms entstanden. Bei der Suche nach einem Veranstaltungsort sei die Kooperation mit dem Wichern entstanden.

„Verehrt und angespien!“: Nächste Aufführung am 25.September

Die nächste und vorerst letzte Veranstaltung von „Verehrt und angespien!“ im Wichern findet am Sonntag, den 25.September um 18 Uhr statt- dieses Mal beginnt das Stück direkt, eine Einführung wird es nicht geben.

Am Ende des Stücks bekam Bülow einen tosenden Applaus. Bülow und Schroeder waren mit dem Abend ebenso zufrieden, wie die Zuschauer: „Ich bin sehr zufrieden. Alles lief gut und dass, obwohl wir das Programm seit knapp 3 Jahren nicht mehr aufgeführt haben“, so Bülow.

Der Vorverkauf ist bereits gestartet. Die Karten kosten 14 Euro im Vorverkauf und 16 Euro an der Abendkasse.

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2 Gedanken über “Mittelalter trifft Moderne: „Verehrt und angespien! Das Testament des Francois Villon“ im Wichern zu sehen

  1. Carsten Bülow

    Bülow liest „Melville“ im Depot

    Der Dortmunder Rezitator und Schauspieler Carsten Bülow ist am Freitag den 3.2.16 um 20 Uhr erstmals mit einer Lesung zu Gast im „Theater im Depot“ (Immermannstrasse 29, 44147 Dortmund).

    Auf der Suche nach neuen interessanten Lesematerial stieß er dabei auf Herman Melville (1819 – 1891). Hier zu Lande ist der Autor überwiegend durch seinen Roman „Moby Dick“ einem breiteren Publikum bekannt geworden.

    „Ich entdeckte bei meiner Recherche eine Erzählung die mich von Anfang an faszinierte und die mich tief bewegt hat. Und ich wusste schnell: Diese Lesung will ich machen, das möchte ich den Menschen näher bringen.“ Bülow spricht von Melvilles „Bartleby der Schreiber“. Die 1853 erschiene Kurzgeschichte wird als eines der wichtigsten Werke des Autors und als Vorläufer existenzialistischer und absurder Literatur angesehen.

    Sie erzählt die Geschichte eines Rechtsanwaltes der einen Schreiber anstellt mit dessen Arbeit er zunächst auch sehr zufrieden ist. Doch bald schon gibt es Spannungen zwischen Arbeitgeber, den Kollegen und dem Schreiber. Dieser ist ein sehr ruhiger Mensch, scheint ein düsteres Geheimnis zu bergen. Schon bald beginnt er jegliche Arbeit zu verweigern und stellt damit die Geduld seines Vorgesetzten und seiner Kollegen auf ein harte Probe. Zudem scheint ihm die Begründung, „Ich möchte lieber nicht“ ,völlig zu genügen…..

    Kartenbestellungen unter: info@theaterimdepot.de oder unter 0231/982120

    Tee bei Storm mit Carsten Bülow

    Gleich dreimal, mit unterschiedlichen Programmen, lädt der beliebte Dortmunder Rezitator zum „Tee mit Storm“ ein. Und welcher Ort wäre da besser geeignet als sein „Wohnzimmer“. Denn so bezeichnet Bülow gern Iris Harlammerts Antiqauriat „Le chat qui lit“ in der Harnackstrasse 32 – 44139 Dortmund. In der, den Gästen bekannten, gemütlichen Atmosphäre, widmet er sich dem grossen Heimatdichter und Vertreter des Bürgerlichen und Poetischen Realismus, Theodor Storm.

    Auf dem Programm stehen bei dieser Auftakt Veranstaltung am Sonntag den 5.2. um 17 Uhr: Geschichten aus der Tonne – Marthe und ihre Uhr – und Gedichte. Dazu wird es noch einen Ausflug in Storms Biographie geben. Und natürlich gibt es dazu – Tee und Gebäck. Im Anschluß besteht die Möglichkeit in gemütlicher Runde über das gehörte ins Gespräch zu kommen.

    Karten zum Preis von 8 Euro gibt es an der Abendkasse (Tee inklusive)
    Kartenvorbestellungen unter info@lechatquilit.de oder unter 0170/5980331

  2. Allegro

    Er ist wieder da – Bülow spielt Villon

    Eigentlich hatten Regisseur Stefan Schröder und Darsteller Carsten Bülow ihre bereits 2011 enstandene, deutschlandweit erfolgreiche Inszenierung „Verehrt und angespien – Das Testament des Francois Villon“, bereits längst abgespielt. Aber nach gelungener Wiederaufnahme im letzten Jahr und vielen Nachfragen, entschlossen sich die beiden weiter zu machen. Die nächsten Stationen: Dortmund, Hagen, Giessen.

    Schröder hat seinen Schauspieler nicht auf eine Bühne gesetzt, sondern mitten in das Publikum. Dadurch erleben Publikum und Schauspieler jeden Abend eine andere Atmossphäre und somit auch jedes Mal einen anderen Theaterabend. Ob Tiefgarage, umgestalteter Theatersaal, Kneipe, Restaurant, oder Foyer – dieses Stück hat schon fast in jeder Art Location stattgefunden und überall hat es funktioniert, berichten die beiden.
    Am 12.02.17 ist Bülow mit seinem Stück zu Gast im Dortmunder „Allegro“ (Harnackstrasse 27 – 44139 Dortmund)

    Beginn ist um 17 Uhr 30 – Regisseur Schröder wird dann in das Stück einführen.
    Eintritt 12 Euro. Eine Voranmeldung ist empfohlen unter (0170/5980331), aber auch für die „Spätentschlossenen“ wird es wohl noch ein Plätzchen geben. Initiatorin und Veranstalterin dieses besonderen Theatervergnügens ist Iris Harlammert vom Antiquariat „Le chat qui lit“

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