Partizipative Kunst mit starkem Alltagsbezug

Kunstpreisträger Lee Mingwei stellt im MO-Schaufenster im Dortmunder U aus

Der aus Taiwan stammende Künstler Lee Mingwei ist MO-Kunstpreisträger 2021. Seine Werke zeichnen sich durch Partizipation aus, es geht um Begegnungen, das Kennenlernen und den Austausch mit fremden Personen. Foto: Torsten Tullius für die Dortmund-Agentur

Am morgigen Sonntag, 14. November 2021, verleihen die Freunde des Museum Ostwall e.V. den diesjährigen MO-Kunstpreis an den taiwanesischen Künstler Lee Mingwei. Im Anschluss an die Preisverleihung wird im MO-Schaufenster die begleitende Ausstellung mit Werken des Künstlers eröffnet. Sie ist ab 13 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. In Sachen Infektionsschutz gilt die 3G-Regel. Im Museum und im gesamten Dortmunder U gelten Maskenpflicht (OP- oder FFP2-Maske) und die bekannten Abstandsregeln.

Die Reflexion von Alltagssituationen, die Beteiligung des Publikums und zufällige Entwicklungen

v.l. Dr. Nicole Grothe, Preisträger LEE Mingwei, Benjamin Sieber und Dr. Stefan Mühlhofer Foto: Torsten Tullius für die Dortmund-Agentur

Lee Mingwei, geboren 1964 in Taiwan, lebt und arbeitet in Paris und New York. Seine Arbeiten sind oft partizipativ angelegt: Er schafft Situationen, in denen Menschen miteinander in Austausch treten und so einander, aber auch sich selbst befragen können.

Viele seiner Werke sind langfristig angelegt und haben eine starke Verbindung zum Alltag. „Die Arbeiten Lee Mingweis haben viel mit den Aktionen und Werken der Fluxus-Bewegung der 1960er- und 1970er-Jahre gemein. Die Reflexion von Alltagssituationen, die Beteiligung des Publikums und die Offenheit für zufällige Entwicklungen innerhalb des künstlerischen Prozesses verbinden ihn mit unserer Fluxus-Sammlung“, sagt Dr. Nicole Grothe, Leiterin der Sammlung des Museums Ostwall im Dortmunder U und Kuratorin der Ausstellung.

Für das Multiple „Stone Journey“ sammelte Lee Mingwei eiszeitliche Steine

Lee Mingwei Stone Journey, 2010/2014 Foto: Yoshitsugu Fuminari Courtesy Mori Art Museum

In der Ausstellung im MO-Schaufenster sind neben der Neuerwerbung „Money for Art“ auch zwei Leihgaben des Künstlers zu sehen: „Stone Journey“ und „100 Days with Lily“.

„100 Days with Lily“ erzählt von einem schmerzlichen Verlust: Nach dem Tod seiner Großmutter lebte der Künstler 100 Tage lang mit einer Narzisse zusammen, einer Blume, die im Leben seiner Großmutter sehr präsent gewesen war. Die Pflanze schuf Nähe zu dem geliebten Menschen und ermöglichte gleichzeitig ein schrittweises Abschiednehmen.

Für das Multiple „Stone Journey“ sammelte Lee Mingwei eiszeitliche Steine von Neuseelands Südinsel und goss von jedem eine Bronze-Replik. Die Arbeit lädt ein, darüber zu reflektieren, was es bedeutet, etwas zu besitzen, und zu entscheiden, was kostbarer ist: der jahrtausendealte Naturstein oder der sorgfältig von Künstlerhand gefertigte Bronzeabguss.

Gewinnt ein Geldschein an Wert, wenn man ihn in ein Kunstwerk transformiert?

Lee Mingwei Money for Art, 2006/2020 Foto: Laura Fiorio Courtesy Gropius Bau

„Money for Art“ aus dem Jahr 2006/2020 besteht aus fünf Origami-Skulpturen, die der Künstler aus 100-Dollar-Scheinen gefaltet hat, und fünf begleitenden Fotografien. Sie zeichnen das gleichnamige Projekt aus dem Jahr 1994 nach, bei dem Lee Mingwei der Frage nachging, unter welchen Bedingungen man den Wert von Kunst in Geld bemessen kann.

Damals bot er neun Passant*innen Origami-Skulpturen aus Geldscheinen an – im Tausch für ihre Bereitschaft, nach sechs bzw. zwölf Monaten noch einmal zusammen zu kommen, um zu sehen, was aus den Werken geworden war. Gewinnt ein Geldschein an Wert, wenn man ihn in ein Kunstwerk transformiert?

LEE Mingwei 100 Days with Lily, 1995 Foto: Courtesy LEE Studio

Im übertragenen Sinne stimmt Benjamin Sieber, Vorsitzender der Freunde des Museum Ostwall e.V., zu: „Wir, die Freunde des Museum Ostwall, sehen in der ,Transformation‘ unseres Preisgeldes in ein Kunstwerk auf jeden Fall einen Wertgewinn. Wir haben den Preis 2014 ins Leben gerufen, um den Sammlungsschwerpunkt Fluxus im MO zu stärken und um zeitgenössische Positionen in der Tradition von Dada und Fluxus zu erweitern. Zur Diskussion über den Wert von Kunst, die Lee Mingwei mit ,Money for Art‘ aufwirft, trägt unser Verein seit über 60 Jahren bei.“

„Wieder einmal hat uns der von den Freunden des Museum Ostwall initiierte MO-Kunstpreis einen interessanten zeitgenössischen Künstler näher gebracht. Mit Lee Mingwei, dessen Arbeiten u.a. schon im Metropolitan Museum of Art und im MoMA in New York, bei der Biennale in Venedig oder kürzlich im Berliner Gropiusbau und in der Münchner Villa Stuck zu sehen waren, hat die Jury eine hervorragende Wahl getroffen“, freut sich Dr. Stefan Mühlhofer, kommissarischer Direktor des Museum Ostwall.

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Weitere Informationen:

„MO Schaufenster #28 – MO Kunstpreis 2021 für LEE Mingwei“
16. November 2021 bis 30. Januar 2022
Museum Ostwall im Dortmunder U, MO Schaufenster
Eintritt frei

MO Kunstpreis
Der MO Kunstpreis wird einmal jährlich an eine*n Künstler*in verliehen, der/die in der Tradition der Fluxus-Bewegung arbeitet. Der Preis wurde 2014 von den Freunden des Museum Ostwall unter dem Motto „Dada, Fluxus und die Folgen“ ins Leben gerufen, um den MO Sammlungsschwerpunkt Fluxus zu stärken und um zeitgenössische Positionen zu erweitern. Der Preis ist seitens der Freunde des MO mit 10.000 Euro dotiert, mit denen ein Kunstwerk für die Sammlung des MO erworben wird. Seit 2020 fördert die Stadt Dortmund den Ankauf mit weiteren 10.000 Euro.

Begleitprogramm
Begleitend zur Ausstellung entwickeln Dr. Sarah Hübscher und Elvira Neuendank vom Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft und Berufspädagogik an der TU Dortmund gemeinsam mit ihren Studierenden ein Vermittlungsprojekt, das den teilnehmenden Besucher*innen das Werk LEE Mingweis näher bringen wird.

Mehr zum Thema bei nordstadtblogger.de:

Begegnung und Austausch mit Fremden: Lee Mingwei ist MO-Kunstpreisträger 2021 – Ausstellung folgt im November

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