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Kein Verkauf des Hannibal Dorstfeld – Intown will noch vor den Ferien Bau- und Brandschutzkonzept präsentieren

Der Hannibal II in Dortmund-Dorstfeld steht seit der Evakuierung im vergangenen Herbst leer.

Von Alexander Völkel

Der Hannibal in Dortmund-Dorstfeld soll nicht verkauft und schnellstens saniert werden. Spekulationen über die Verkaufsabsichten durch Intown – unter anderem durch die Ruhrnachrichten befeuert – weist Geschäftsführer Sascha Hettrich im Gespräch mit nordstadtblogger.de entschieden zurück. Gleiches gilt für die Spekulationen über mögliche Verzögerungen. Noch vor der Sommerpause wolle das Unternehmen der Stadt Dortmund entscheidungsreife Bauanträge und das dringend benötigte Brandschutzkonzept vorlegen.

„Umstrukturierung heißt nicht immer Verkauf. Wir haben bisher noch nie etwas verkauft“

Der verwaiste Infostand der Eigentümergesellschaft Intown Properties in Dorstfeld.

Entstanden waren die Spekulationen, weil Intown über Umstrukturierungen im Wohnimmobilien-Bereich „nachdenkt“ – der Verkauf wäre eine Option. „Man denkt immer über den Bestand nach. Aber Umstrukturierung heißt nicht immer Verkauf. Wir haben bisher noch nie etwas verkauft.“

Aber unser Bestand ist zu klein, um ihn effektiv zu verwalten – und ein Zukauf ist schwierig“, verdeutlicht Hettrich. Zumindest zu klein für das bundesweit tätige Unternehmen – es besteht aus hunderten Wohnobjekten. Der größte Teil dieser Liegenschaften befindet sich in NRW. Neben dem Hannibal in Dortmund-Dorstfeld gibt es auch weitere Immobilien in der Nordstadt. Diese finden sich zum Teil auch auf der Problemhaus-Liste der Stadt Dortmund wieder.

Doch das Thema Verkauf sei zurückgestellt. „Den Hannibal würde ich auch nicht verkaufen. Das wäre nicht opportun. Wir gehen nicht weg, wenn es Probleme gibt“, betont der Intown-Geschäftsführer.

Wiederherrichtung in Dorstfeld geplant – Hettrich: „Das hat oberste Priorität“

Intown-Geschäftsführer Sascha Hettrich. Foto: T.C. Wagner

Architekten und Brandschutzbeauftragte erarbeiteten gerade die notwendigen Konzepte: „Das hat oberste Priorität. Es wird schon eine Weile dran gearbeitet. Noch vor der Sommerpause wollen wir mit der Stadt sprechen und das Konzept vorgestellt haben“, so Hettrich. „Wir werden es dann auch der Presse und den Mieter vorstellen.“ 

Denn ohne den „Segen“ der Stadt gehe ja nichts: „Wir brauchen die Genehmigung der Stadt. Wir haben ein gutes Verhältnis“, betont Hettrich. Das ändere nichts daran, dass das Berliner Unternehmen die Evakuierung des Objekts für überstürzt und rechtswidrig hält. „Das wird ein längerer Rechtsstreit“, ist sich der Intown-Geschäftsführer sicher.

Parallel werde aber an der schnellstmöglichen Wiederinstandsetzung des Hannibal in Dorstfeld gearbeitet. Er kündigte ein „architektonisches Konzept und Brandschutz nach heutiger Zeit“ an, „damit die Mieter, die zurück wollen, auch zurück können“.

Wie schnell das gehen wird, ist aber noch offen: „Wir haben einen Wunschzeitplan und werden nach den Gesprächen mit der Stadt berichten, wo man steht“, so Hettrich. 

Es gibt noch 120 MieterInnen – Hettrich: „Die wollen zurück und können das auch“

Die Gebäude sind verschlossen: Hier geht seit Mitte Februar nichts mehr rein oder raus.

Bis die Baugenehmigung da sei, werde es sicher länger dauern. Sechs bis zwölf Monate könne dies dauern, schätzt Hettrich. „Wir hoffen, dass die Stadt zügiger Genehmigungen erteilt. Aber das wissen wir nicht. Wir glauben aber, dass die es schnell machen. Das ist ja auch in aller Interesse.“

Ziel sei, einen ersten Teil des Hauses möglichst schnell instand zu setzen, dass die ersten Mieter zurückkehren können. Schließlich haben trotz der riesigen Probleme noch 120 der ehemals mehr als 400 Mieterinnen und Mieter ihren Mietvertrag nicht gekündigt oder eine Aufhebung unterschrieben.  „Die wollen zurück und können das auch“, sicherte Hettrich zu. 

Erst in einem zweiten Schritt sollen die Neuvermietungen angegangen werden. Befürchtete Luxussanierungen soll es offenbar nicht geben – das gebe der Standort laut Intown auch nicht her: „Wir wollen keine goldenen Wasserhähne einbauen, sondern eine ordentliche Situation schaffen.“

Über mögliche Baukosten will sich Hettrich nicht äußern: „Kaufpreise und Bauvolumen geben wir als Privatunternehmen nicht heraus. Aber wir werden 412 Wohnungen mit 25.000 Quadratmetern umbauen und in den Brandschutz investieren. Außerdem soll es Verbesserungen in den Eingangsbereichen geben“, heißt es dazu vom Eigentümer.

Klagen gegen das Unternehmen – Kautionen werden nicht ausgezahlt

Der Unmut der (ehemaligen) BewohnerInnen bricht sich verständlicherweise Bahn.

An dem reißt die Kritik aber nicht ab: Denn sowohl in der Erreichbarkeit als auch im Umgang mit den Mietern gibt es zahlreiche Klagen – und das nicht nur sprichwörtlich. Mehrere MieterInnen haben vor Gericht erfolgreich die Erlaubnis zur Betretung ihrer Wohnungen erreicht. Zudem warten viele ehemalige MieterInnen seit Monaten auf die Auszahlung ihrer Kaution, obwohl Intown in den Aufhebungsverträgen eine Auszahlung binnen von vier Wochen bestätigt hatte. 

Intown räumt zumindest bei einigen Kautionen Probleme ein. Mitunter seien MieterInnen für sie nicht erreichbar. Zudem seien Zugriffe zumindest auf ältere Kautionsvereinbarungen schwierig, wenn diese vor der Zwangsversteigerung eingerichtet worden seien. Häufig sei nicht klar, wo das Geld liege. Einige Kautionen seien in Bar geleistet worden, erklärt Sascha Hettrich.

Für den Mieterverein Dortmund sind das nur Ausflüchte. Ob der alte oder der neue Eigentümer die Kaution entgegen genommen habe, sei unerheblich. Kautionen müssten insolvenzsicher angelegt werden und seien daher auch nach einer Zwangsversteigerung abrufbar. „Für Mieter sind diese Probleme des Eigentümers egal, sie haben einen Anspruch darauf, ihre Kaution zu bekommen“, kritisiert der wohnungspolitische Sprecher des Mietervereins Dortmund, Dr. Tobias Scholz. 

Mieterverein Dortmund rät auch bei den Kautionen zu gerichtlichen Klagen

Dr. Tobias Scholz, Wohnungspolitischer Sprecher des Mietervereins Dortmund.

Intown spiele wie immer und überall auf Zeit. Das Unternehmen tue ja so, als wenn es das Gebäude erst vor drei Monaten gekauft habe. Sie hätten aber Zeit genug gehabt, sich zu sortieren. „Sie haben das Gebäude schließlich schon sieben Jahre. Sie sollen einfach ihre Arbeit machen und die Kautionen auszahlen“, so Scholz.

Auch bei den Mieterinnen und Mietern, mit denen das Unternehmen in Kontakt sei, würden Kautionen nicht ausgezahlt. „Es gibt dokumentierte Fälle. Der Mieterverein habe auch wegen der Kautionen mit dem Unternehmen Kontakt aufgenommen. „Wir haben keinerlei Antworten oder Hinweise bekommen, warum das problematisch sein sollte“, verdeutlicht Scholz im Gespräch mit nordstadtblogger.de.

„Es wird einfach geguckt, ob sich die Mieterinnen und Mieter wehren oder nicht“, glaubt Scholz. Der Mieterverein rät daher, auch die Kautionsauszahlung vor Gericht einzuklagen, damit sich das Unternehmen endlich bewege. Das gelte ebenso für die Betretung des Gebäudes durch Mieterinnen und Mieter. Einige hatten erfolgreich geklagt.

Eine weitere Großbaustelle von Intown ist das Westfalenforum in der City

Das Westfalenforum in der Dortmunder City gehört auch Intwon. Archivbild: Alex Völkel

Der Hannibal in Dorstfeld ist nicht die einige Großbaustelle für Intown in Dortmund: Auch das Westfalenforum in der City ist seit Jahren ein Problem. Große Teile zumindest der Ladenpassage stehen leer. Auch hier will Intown noch im Laufe des Jahres große Schritte weiterkommen.

„Es war kein Konzept da, daher stehen die Läden zum Teil leer“, räumt Hettrich ein. Doch auch hier sollen im Herbst oder Winter neue Lösungen präsentiert werden. „Wir sind aktuell an der Fassade dran und stehen bei der Vermietung vor verschiedenen Abschlüssen. Der Bürobereich ist bereits vermietet.“ 

Allerdings ist nach einer Insolvenz des Betreibers die Bowling-Anlage geschlossen, Wir überlegen neue Nutzungsmöglichkeiten, aber eine solche Fläche ist nicht sehr drittverwendungsfreudig“, so Intown-Chef Sascha Hettrich.

Anders bei der Vielzahl von leeren Ladenlokalen im Inneren des Gebäudes: Hier gebe es einige Interessenten und auch verschiedene neue Nutzungsmöglichkeiten. So gebe es Überlegungen zu einem Food-Court. „Da laufen gute Gespräche, aber die sind noch nicht spruchreif.“ Klar ist, dass die Diskothek „Nightrooms“ bleiben werde: „Die läuft seit Jahren gut“, so Hettrich.

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