
Die Ratsfraktion von Grünen & Volt hat ihr Programm zur Zukunft des ÖPNV in Dortmund vorgestellt. Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Verkehrsverbänden diskutierten über neue Linien, regionale Verbindungen und die Frage, wie die Verkehrswende in Dortmund gelingen kann. Dabei wurde deutlich: Der politische Wille zum Ausbau ist vorhanden, gleichzeitig bremsen lange Verfahren, Finanzierungsfragen und fehlender Konsens viele Projekte aus. Auch aus dem Publikum kamen zahlreiche Fragen zu Barrierefreiheit, Fahrzeugmangel und dem Tempo der Umsetzung.
Einfach mal Anfangen: Ausbau der Stadtbahn soll Verkehrswende voranbringen
In der vergangenen Woche stellte die Ratsfraktion von Grünen & Volt ihre Vorstellungen für den Ausbau des Dortmunder Nahverkehrs vor. Patrick Voss, Fraktionssprecher der Grünen im Ruhrparlament, warb dabei vor allem für eine stärkere regionale Perspektive. „Dortmund ist keine einsame Insel“, erklärte er mit Blick auf die zahlreichen Pendler:innen im Ruhrgebiet. Rund 212.000 Arbeitsbeziehungen überschreiten täglich Stadtgrenzen.

Für Voss ist deshalb klar: Der Ausbau der Stadtbahn müsse eine zentrale Rolle für die Mobilitätswende spielen. Stadtbahnen seien langlebiger und könnten deutlich mehr Menschen transportieren als Busse.
Gleichzeitig ende Infrastruktur im Ruhrgebiet häufig an Stadtgrenzen, obwohl viele Verkehrsbeziehungen regional verlaufen. Man müsse daher „einfach mal anfangen“, so Voss. Zusammen lasse sich im Ruhrgebiet mehr erreichen als einzelne Städte alleine umsetzen könnten.
Erweiterung von Linien, ein verdichteter Takt und die Vision einer U48
Zentrale Punkte des Verkehrskonzepts der Fraktion wurden durch Thomas Eltner von den Dortmunder Grünen vorgestellt. Ziel sei eine „realistische Perspektive“ für den ÖPNV. Dabei sollen Busse und Stadtbahn stärker zusammengedacht werden. Vor allem auf stark genutzten Linien wie der U41 und U42 soll der Takt verdichtet und der Betrieb beschleunigt werden.

Darüber hinaus setzt die Fraktion auf mehrere Verlängerungen bestehender Linien. Genannt wurden unter anderem die Verlängerung der U49 Richtung Kirchlinde und Wellinghofen, der Ausbau der U47 Richtung Kirchhörde sowie eine Verlängerung der U41 bis Benninghofen. Langfristig steht außerdem die Idee einer neuen U48 im Raum, die verschiedene Entwicklungsgebiete miteinander verbinden soll.
Auch das Busnetz soll ausgebaut werden. Besonders die Linien 420 und 440 gelten aus Sicht der Grünen als wichtige Achsen. Mit dem Projekt „Do Night“ will die Fraktion zudem ein neues Konzept für den Nachtverkehr entwickeln. Das bestehende Netz soll dabei erhalten bleiben, nachts aber mit angepassten Taktungen fahren.
Verfahren sind Komplex und ziehen sich oft: Verwaltung priorisiert 13 Maßnahmen
Heike Bräuker vom Dortmunder Tiefbauamt stellte den aktuellen Stand des Stadtbahnentwicklungskonzepts vor. Insgesamt seien zunächst 42 Maßnahmen untersucht worden. Diese wurden anhand von Kosten und Wirkung bewertet und anschließend priorisiert. 13 Projekte gelten inzwischen als „sehr hoch“ priorisiert und sollen nun weiter geprüft werden.

Zu diesen Maßnahmen zählen unter anderem die Verlängerung der U41 bis Benninghofen beziehungsweise Overgünne, die Erschließung von Phoenix-West durch die H-Bahn, der zweigleisige Ausbau der U47 Süd sowie weitere Maßnahmen zur Barrierefreiheit an Haltestellen. Vor der Umsetzung müssten jedoch politische Beschlüsse gefasst und entsprechende Haushaltsmittel bereitgestellt werden.
„Wir haben komplexe Planungen“, erklärte Bräuker mit Blick auf die oft Jahrelangen Umsetzung solcher Projekte. Zahlreiche Beteiligte müssten eingebunden und Fördermittel gesichert werden. Für große Infrastrukturprojekte seien Zeiträume von acht bis zehn Jahren daher realistisch.
Fraktionssprecherin Lögering: Wann trauen wir uns wieder etwas?
Katrin Lögering, Fraktionssprecherin der Grünen im Rat der Stadt Dortmund, warb für mehr politischen Mut beim Ausbau des Nahverkehrs. Oft werde sie gefragt: „Wer soll das denn eigentlich bezahlen?“ oder „Warum dauert das so lange?“. Die entscheidende Frage sei jedoch: „Wann trauen wir uns wieder etwas?“

Lögering verwies dabei auf frühere Jahrzehnte, in denen Dortmund deutlich ambitionierter Infrastruktur gebaut habe. „Verkehr ist Stadtentwicklung“, betonte sie. Der ÖPNV in Dortmund sei „nicht fertig“. Wer heute nicht investiere, verschiebe wichtige Zukunftsentscheidungen. Langfristig seien die Kosten des Nichtstuns höher als die Kosten eines Ausbaus.
Ähnlich äußerte sich auch Lorenz Redicker vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). „Wir planen viel in Dortmund aber machen dann wenig aus den Plänen“, kritisierte er während der Podiumsdiskussion die langwierigen Planungsverfahren der Stadt. Wichtig sei vor allem, Projekte konsequent umzusetzen.
Zwischen Aufbruch und Realität: Die Infrastruktur muss sich spürbar verbessern
Während der Diskussion wurde mehrfach deutlich, wie unterschiedlich die Einschätzungen zur Situation des Dortmunder Nahverkehrs ausfallen. Mika Matsyk von der TU Dortmund erklärte, Dortmund stehe im Vergleich zu anderen Städten in Nordrhein-Westfalen insgesamt gut da. So seien in den vergangenen Jahren mehrere wichtige Projekte erfolgreich realisiert worden.

Tobias Frank vom Dortmunder Verkehrswendebüro verwies gleichzeitig auf die Herausforderungen neuer Entwicklungsgebiete wie dem Energiecampus oder Kirchlinde. Neue Wohn- und Gewerbestandorte bräuchten von Beginn an eine gute Verkehrsanbindung. Trotz knapper Personaldecke habe das Verkehrswendebüro jedoch „einen guten Start hingelegt“. Vieles hänge nun von politischen Entscheidungen ab.
Patrick Voss zeigte zudem Verständnis für die wachsende Ungeduld vieler Menschen. „Wenn Projekte, die 2012 geplant wurden, 2026 noch nicht umgesetzt sind, ist es klar, dass dies Fragen aufwirft“, sagte er. Für eine erfolgreiche Verkehrswende müsse sich die Infrastruktur spürbar verbessern.
Publikum diskutiert über Barrierefreiheit und alte Fahrzeuge
Auch aus dem Publikum kamen zahlreiche Fragen und Kritikpunkte. Ein wichtiges Thema war die Barrierefreiheit im Dortmunder Nahverkehr. Bräuker erklärten, dass bereits viele Bahn- und Bussteige angepasst worden seien. Für vollständige Barrierefreiheit brauche es jedoch weitere Maßnahmen wie Leitsysteme, Anzeigen oder akustische Ansagen.

Ein Straßenbahnfahrer machte zudem auf den Zustand vieler Fahrzeuge aufmerksam. Teile der Flotte seien inzwischen mehr als 40 Jahre alt. Er warf die Frage auf, ob ein gemeinsames Fahrzeugkonzept im gesamten Gebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr Vorteile bringen könnte. Dafür gab es viel Zuspruch unter den Versammelten.
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Michael Röls betonte abschließend, dass große Infrastrukturprojekte eine breite politische Unterstützung bräuchten. „Ich verstehe die Ungeduld, ich bin auch ungeduldig“, erklärte er. Gleichzeitig habe es beim Thema Stadtbahn in Dortmund in der Vergangenheit häufig keinen ausreichenden Konsens gegeben. Genau dieser sei jedoch notwendig, um große Projekte langfristig umzusetzen.
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