
Mit bunten Luftballons und Frühlingsblumen feiert der Kinder- und Jugendtreff BRIX seine Eröffnung. Mit ihm ist in der Dortmunder Nordstadt ein neuer Ort entstanden, der Kindern und Jugendlichen einen Raum für Freizeit, Austausch und Unterstützung bietet.
Kathy Keinemann begrüßt freudig alle Gäste mit einer kurzen Rede
Mit herzlichen Worten des Dankes, beginnt Kathy Keinemann, Geschäftsführerin des Vereins Stadtteilschule Dortmund e.V. ihre Eröffnungsrede. Zahlreiche Gäste sind gekommen, um den neuen Kinder- und Jugendtreff zu feiern, dessen Entstehung von engagierter Unterstützung aus dem Umfeld geprägt war.

Keinemann bedankte sich bei dem Team der Stadtteilschule, Vertreter:innen des Jugendamts sowie weiteren Förderer:innen, die das Projekt in den vergangenen Monaten begleitet haben.
„Vor allem möchte ich mich beim Jobcenter bedanken, welche unsere Situation verstanden und uns unterstützt haben. Ebenso danke ich Nora von „Raum vor Ort“, die uns diesen schönen Ort empfohlen hat.“ Im Anschluss an die Ansprachen,sorgte eine Tanzgruppe des Kinder und Teenstreff (KECK) mit einer Aufführung für einen lebendigen und festlichen Auftakt.
Die Schließung von Hannibal und die Eröffnung von BRIX
Hinter der Eröffnung steht eine lange Vorgeschichte: Nach über 15 Jahren Arbeit im Hannibal musste der Kinder- und Jugendtreff im August 2025 schließen. Für den ehemaligen Hannibal-Leiter und Fachbereichsleiter der Stadtteilschule, Serkan Sanivar, geht damit eine Epoche vorbei. „Leider kam es nach einem Eigentümerwechsel im letzten Jahr zu Schwierigkeiten. Wir konnten uns nicht gemeinsam auf eine neue Kosteneinigung verständigen, sodass unsere Verträge gekündigt werden mussten.“

Durch die kurzfristige Umorientierung trafen sie bei der Suche auf diese Location. Sanivar erinnert sich gut an die erste Besichtigung: „Ich habe diesen Ort sofort in mein Herz geschlossen, er hat Charme und bietet Platz für künftige Veranstaltungen.“
Während er in den Räumen großes Potential sah, war Ruben Puleo, der neue Treffleiter des BRIX zunächst skeptisch. „Man ist reingekommen und hat Depressionen bekommen, während ich nur Baustelle gesehen habe, hatte Serkan eine Vision.“
Diese Vision war aber mit erheblichen finanziellen Herausforderungen verbunden. Die Räumlichkeiten mussten umfassend renoviert werden, ein Vorhaben, das nur Dank der Unterstützung des Jugendamts sowie des Medizintechnikunternehmens Dr. Ausbüttel realisiert werden konnte, betont Sanivar. „Mein besonderer Dank gilt jedoch Odeh, unserer ‚Handwerkerfee‘, der in kürzester Zeit Unglaubliches leistete und sich dabei ehrenamtlich engagierte“, so der Fachbereichsleiter weiter. Ebenso richtete er seinen Dank an die neuen Vermieter Unda und Matthias Karlshaus, „zwei engagierte Menschen“.
Wieso sind Kinder- und Jugendtreffs für die Nordstadt so wichtig
Die Nordstadt ist rau, vieles ist nicht für Kinderaugen geeignet. Dabei eine kindergerechte Umgebung zu schaffen, war für Ruben Paleo und Serkan Sanivar besonders wichtig. „Schön ist es zusehen, dass viele Kinder aus dem alten Standort Hannibal mitgekommen sind. Zugleich haben wir aber auch viele neue Gesichter dabei. Wir sind eine bunte, diverse Gruppe“, erzählt der BRIX-Leiter stolz.

20 bis 30 Kinder kommen täglich hierher. Die Angebote reichen von Hausaufgabenhilfe über Bewerbungstrainings bis hin zu Freizeitaktivitäten. Eines der wichtigsten Angebote für BRIX ist das zweimal wöchentlich stattfindende Demokratieprojekt, geleitet durch Sanivar.
In dem Demokratieworkshop werden Kinder und Jugendlichen über Demokratie, Parteien und Politik aufgeklärt und ermutigt sich politisch zu engagieren. „Das funktioniert ziemlich gut, wir haben bereist viele Jugendliche die nun Mitglieder in Partei sind und sich demokratisch engagieren“, erzählt Sanivar.
In der Nordstadt fehlt es an Spiel- und Bildungsangeboten.
Auch die Nordstadt-Bürgermeisterin Hannah Rosenbaum ist erfreut über die Eröffnung. Für sie sind Einrichtungen wie das BRIX besonders in der dicht besiedelten Nordstadt unglaublich wertvoll.

Rosenbaum ist begeistert von dem, was trotz der strukturellen Herausforderungen geschaffen wurde: „Kinder brauchen Orte für Hilfe und Schutz. Orte mit Angeboten, an denen nicht auffällt wenn man weniger Geld hat.“
Es sei wichtig dass solche Projekte mehr und weiterhin gefördert werden könnten. Besonderes in strukturell schwächeren Stadtteilen wie der Nordstadt fehlten Spiel- und Bildungsangebote.
Wie steht das Jugendamt Dortmund zu Projekten wie BRIX
„Aufwachsen ist nicht einfach, es gibt viele Höhen und Tiefen. Kinder brauchen verlässliche Ansprechpartner“, sagt Nadine Ruhrmann, Bereichsleiterin für die Kinder- und Jugendförderung im Jugendamt. Einrichtungen wie das BRIX seien deshalb enorm wichtig, da sie niedrigschwellige Angebote schaffen. „Es gibt keine Anträge, keine finanziellen Hürden, alle können kommen.“

Neben Freizeitangeboten spiele laut ihr aber auch die Mitbestimmung eine wichtige Rolle für Kinder. „Schon kleine Dinge wie die Frage, was gekocht wird, stärken das Selbstwertgefühl. Gemeinsames Kochen verbindet und schafft Gemeinschaft“, erläutert die Bereichsleiterin und weist auf die Bedeutung von Ernährung und Bildung hin.
Trotz der positiven Entwicklung bleibt die Finanzierung eine zentrale Herausforderung. Viele Angebote im Bereich der Präventionsarbeit sind schwer nachweisbar, das erschwert die Förderung, betont Ruhrmann. „Dabei zahlen eben genau solche Projekte in die Gesellschaft ein, indem sie demokratische Werte stärken.“
Für Sarah Grisko und Elena Schlinkbäumer, Fachreferentinnen für die Kinder- und Jugendarbeit im Stadtbezirk Innenstadt-Nord des Jugendamtes, steht fest: „Kinder brauchen Schutzräume, einen Ort an dem sie schöne Erinnerungen schaffen können, unabhängig von der Verantwortung die vielleicht zu Hause wartet.“
Kooperationen mit DROBS und der Brücke: Prävention statt Intervention
Das BRIX führt ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit der Brücke Dortmund. Ein gemeinnütziger Verein, der sich auf Kriminalprävention, Mediation und Straffälligenhilfe konzentriert. Einen besonderen Stellenwert nehmen für BRIX dabei Projekte wie „3×4 Plus“ ein, die gezielt die positive Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen fördern.
Geschäftsführerin Verena Löffler betont den gesellschaftlichen Mehrwert solcher Angebote. Denn die Brücke Dortmund begleitet Jugendliche beispielsweise bei der Ableistung von Sozialstunden und setzt dabei bewusst auf Vertrauen sowie pädagogische Unterstützung statt auf Sanktionen. Das zahlt, so die Geschäftsführerin unglaublich in die Gesellschaft ein.

Neben der Kriminalprävention spielt auch die Drogen- und Suchtprävention im BRIX eine wichtige Rolle. Christian Köhler leitet die Drogenberatungsstelle DROBS. Köhler, hebt die Bedeutung früher Präventionsarbeit hervor.
„Wir müssen früh anfangen, denn Ausprobieren ist ein Teil der Lebensrealität, Medienkonsum, Rauchen oder Cannabis gehörten zum Alltag vieler Jugendlicher.“ Es sei wichtig, sowohl Kinder und Jugendlichen aber auch Eltern zu informieren und Kompetenzen zu stärken. Dafür sind die Kooperationen mit Jugendzentren wie dem BRIX essenziell.
Die Zukunft ist für Kinder und Jugendlicher der Nordstadt
Für die Zukunft hat das BRIX noch viele weitere Projekte geplant. Darunter Veranstaltungen wie Konzerte oder Partys, angelehnt an frühere Angebote im Hannibal. Aber auch ein neues Nachhaltigkeitsprojekt, bei welchen sie die eigenen Hochbeeten mit den Kindern bepflanzen wollen.

Angemacht sind auch weitere demokratiepädagogische Formate, bei welchen die Kinder und Jugendlichen sich mit Medien, Politik und gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen sollen. Auch ein gemeinsamer Jugend-Podcast „BRIX-Talks“ ist in der Vorbereitung.
Am wichtigsten sei aber die Beziehungsarbeit. „Wenn Kinder fragen, ob sie für immer hierbleiben können, ist dass das größte Kompliment“, sagt der BRIX-Leiter. Ein Schutzraum für Kinder zu schaffen in dem sie sich entfalten und ihre Kindheit genießen können bliebt das größte und wichtigste Ziel unserer Arbeit.
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