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Festi Ramazan wird zur Indoor-Veranstaltung – 2020 findet das muslimische Zuckerfest in den Westfalenhallen statt

Festi Ramazan im Jahr 2018 in der Nähe des Theodor-Fliedner-Platzes. Foto (2): Leopold Achilles

Von Nora Lemjimer

Bereits zum neunten Mal ist Dortmund Austragungsort der sehr beliebten Veranstaltung, die allerdings auch immer wieder für hitzige Diskussionen gesorgt hat. Schwierig wird es immer dann, wenn das Festi Ramazan von der restlichen Bevölkerung nicht angenommen oder gar als störend empfunden wird. Beschwerden von Anwohner*innen haben in den vergangenen Jahren bereits mehrfach dafür gesorgt, dass die Veranstaltung den Standort wechseln musste. So haben sich die Verantwortlichen unter der Voraussetzung, dass die politischen Gremien zustimmen, in diesem Jahr dazu entschieden, das Festi Ramazan als reine Indoor-Veranstaltung in den Westfalenhallen 7 und 8 zu präsentieren. Es beginnt mit der zweiten Woche des Fastenmonats Ramadan.

Das Festi Ramazan als reine Indoor-Veranstaltung vom 1. bis zum 24. Mai geplant 

Besorgniserregend waren über die letzten Jahre Ereignisse wie nächtliche Hakenkreuz-Sprühereien auf dem Veranstaltungsgelände und das Beschmieren der Zelte mit Fäkalien. Dennoch wünscht sich Oberbürgermeister Sierau, dass die Stadt Dortmund und ihre Bürger*innen auch in diesem Jahr durch die Veranstaltung Weltoffenheit beweisen. 2020 soll das Fest zur Feier des muslimischen Fastenmonats Ramadan erstmals nicht unter freiem Himmel stattfinden.

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Im letzten Jahr wurden die Festivalzelte über Nacht mit Hakenkreuzschmierereien verunstaltet. Foto (2): Alex Völkel

Auch wenn das Festi Ramazan im letzten Jahr auf den Parkplätzen E1/E2 an der Victor-Toyka-Straße nahezu komplikationslos verlief – die Beschwerden-Hotline dokumentierte insgesamt zwei Anrufe, von denen einer nichts mit dem Fest zu tun hatte –, möchte die Stadt Dortmund das diesjährige Fest als reine Indoor-Veranstaltung austragen. Die Veranstaltung habe sehr viele positive Eindrücke hinterlassen, so Ordnungsdezernent Norbert Dahmen

Vereinfachend wirkt sich dies auf Parallelveranstaltungen wie BVB-Heimspiele oder zeitgleich angesetzte Messen und Großveranstaltungen aus. Die Veranstaltung sei kompatibel gemacht: bei Liga-Spielen darf sie erst stattfinden, wenn die Abreise der Stadionbesucher*innen abgeschlossen ist – in der Regel etwa eine Stunde nach Abpfiff.

Unter der Woche könnte es des Weiteren zu einem Spiel in der Champions League kommen. „Bei 65.000 Besucher*innen im Signal-Iduna Park fallen die 1.500 in den Hallen wohl kaum ins Gewicht“, betonte Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen. Norbert Dahmen erklärte, die Halle sei nicht genehmigungspflichtig wie die Außengelände der vorherigen Jahre. Die Westfalenhallen GmbH habe bereits einen Pachtvertrag über die Hallennutzung mit dem Veranstalter abgeschlossen. 

Sabine Loos: „Die Veranstaltung ist ganz normal wie jede andere Veranstaltung zu behandeln.“

Westfalenhallen Festi Ramazan zum Ramadan

Westfalenhallen Festi Ramazan zum Ramadan. Von 2014 bis einschließlich 2016 Veranstaltungsstandort.

Sabine Loos bestätigte, der Parkplatz A8 solle über den Veranstaltungszeitraum für Besucher*innen kostenlos angeboten werden, da eine Verkehrskonzentration auf der B1 und in nahegelegenen Gebieten zu erwarten ist. „Aus unserer Sicht ist diese aber sehr überschaubar“, äußerte sich Planungsdezernent Ludger Wilde. 

Insbesondere wurden Problemstellungen wie Lärmschutz und Verkehrsregelungen – vor allem im Hinblick auf Parallelveranstaltungen – zum Thema im Verwaltungsvorstand. Bei geschlossenen Hallentoren sei keine übermäßige Geräuschemission zu erwarten; auch eine übermäßige Belastung der Verkehrswege bei Parallelveranstaltungen sei auszuschließen, da die Veranstaltung eher im Format einer kleinen Messeveranstaltung ausgetragen werden soll – keine verkehrsregelnden Maßnahmen sind angesetzt.

Loos betonte: „Die Veranstaltung ist ganz normal wie jede andere Veranstaltung zu behandeln“ und schätzt die Lage gleichermaßen als kontrolliert ein. Anwohner*innen des umliegenden Gebiets haben keinen Grund zur Sorge, denn die Erreichbarkeit der Wohngebiete ist für sie durch Maßnahmen wie die zeitliche Verlegung des Fests bei vorhersehbarer Verkehrsstauung durch Ligaspiele oder Messen oder die Verfügbarkeit von kostenlosen Parkplätzen sichergestellt.

Wichtige Integrationsfunktion in Dortmund: das Festival soll ein Ort der Begegnung sein

Festi Ramazan 2019 Foto: Leopold Achilles

Trotzdem möchte Sabine Loos eine Störung der Anwohner*innen ausschließen und äußerte: „Wir behalten uns auch vor, wenn es Beschwerden gibt, einzuschreiten und Veränderungen herbeizuführen“. In der ersten Woche wird die Lage durch Einsatzkräfte des Tiefbauamts vor Ort bewertet und an den Wochenenden ist eine Rufbereitschaft vorgesehen.

Der Vorschlag der Stadtverwaltung wird den zuständigen politischen Ausschüssen zur Beschlussfassung vorgelegt – die Bezirksvertretung West wurde bereits informiert, die Bezirksvertretung Innenstadt-Ost wird in naher Zukunft ins Bild gesetzt.

Die Durchführung des Festi Ramazan trüge eine wichtige integrationspolitische Rolle für Dortmund, so OB Ullrich Sierau. Dementsprechend wesentlich sei auch die Frage nach dem Austragungsort. Nachdem im vorletzten Jahr zur Debatte stand, das Fest ganz abzusagen – 2018 sollten keine Veranstaltungen dieser Art mehr stattfinden –, bieten sich nun die Westfalenhallen als geeigneter Veranstaltungsort an.

 

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Weitere Informationen:

  • Im islamischen Mondkalender ist Ramadan der neunte Monat eines Jahres und symbolisiert für viele Muslime eine besonders heilige Zeit, in der sie sich auf das Wesentliche konzentrieren und rückbesinnen – ihren Glauben. Der Ramadan dauert 29 bis 30 Tage und fällt dieses Jahr in den Monat Mai, das Zuckerfest.
  • In diesem Zeitraum fasten Muslim*innen tagsüber – von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang können sie essen -, zelebrieren diese Festlichkeit aber auch gerne in großer Runde unter vielen Freunden und Bekannten. Vorrangig wird nachts gefeiert. Das Festi Ramazan gibt vielen Menschen eine Aussicht ihren Glauben auch öffentlich ausleben zu können.
  • Es wird mit insgesamt 50.000 bis 60.000 Besucher*innen über drei Wochen gerechnet – das sind ungefähr fünfzig Prozent der Vorjahre. Unter der Woche werden täglich rund 1.500 Besucher*innen erwartet und am Wochenende beläuft sich die erwartete Zahl auf 6.800. Werktags soll die Veranstaltung von 18 bis 1 Uhr laufen können, am Wochenende hingegen von 18 bis 2 Uhr nachts.

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