Erst lesen, dann laufen: Es gibt immer Neues zu entdecken – unterwegs in der Stadt, auf dem Land und auf dem Balkon

Autorin Katrin Pinetzki hat es wieder in den Fingern gekribbelt. In ihrem Buch „Dortmund für Klugscheißer“ präsentiert sie spannende und lustige Anekdoten aus der Dortmunder Stadtgeschichte. Foto: Katrin Pinetzki

Von Susanne Schulte

Da kann jede*r Dortmunder*in noch etwas lernen – und das von einer Zugereisten: Katrin Pinetzki schreibt in ihrem Buch „Dortmund für Klugscheißer“ über Bier und Borussia und den Borsigplatz, über Weihnachtsbäume und Industriegeschichte und technologische Zukunft. Und weil es ums Klugscheißen geht, finden sich etliche Zahlen in den Texten. Das macht aber nix, denn die liest man so weg. Dafür bleibt auf Dauer haften, was einem vorher nie jemand gesagt hat: dass Samuel Beckett, der irische Dramatiker, auf dem Weg nach Kassel einige Male in Dortmund Station machte und ein Gedicht mit dem Titel „Dortmunder“ schrieb, dass Einsteins Sohn Hans Albert einige Jahre in Dortmund arbeitete und lebte, dass die Stadt in der Sprayer-Szene als Metropole der Graffiti-Kunst gilt.

Das Klugscheißer-Buch ist auch ein prima Stadtführer durch Dortmund

Da die Autorin kein allumfassendes Heimatbuch schreiben wollte, verzichtete sie sicher auf einige Details, die wieder der gebürtigen Dortmunderin wichtig sind: Der Borsigplatz war sehr wohl ein Platz, auf dem man sich aufhalten konnte, mit einer berühmten Würstchenbude in der Mitte. ___STEADY_PAYWALL___

Und für den Erhalt des Stößchens haben die hiesigen Biertrinker*innen lange kämpfen müssen, denn der Verkauf dieses Schlucks sollte verboten werden. Das Buch liest sich prima, ist sowohl geeignet als Stadtführer wie als Mitbringsel für auswärtige Freund*innen. Wer noch nie in Dortmund war, bekommt nach der Lektüre Lust auf einen Besuch.

20 Wandertouren durch das Ruhrgebiet – Ist eine vorbei, will man sich gleich wieder auf die Socken machen

Wenn’s mit dem Sommerurlaub nicht klappt ist Roland Klemanns Wanderführer die richtige Alternative. Foto: Archiv

Lust, die Umgebung zu entdecken, macht der Wanderführer „Ruhrgebiet“ von Roland Klemann. Ohne weit anzureisen – je nachdem, wo man wohnt – ist man am Ausgangspunkt einer der 20 Touren. 

Nach eigener Erfahrung zu empfehlen – mehr Ausflüge waren bislang nicht drin – sind die Wanderung in Castrop-Rauxel mit Start am Haus Goldschmieding; die Runde in Bergkamen mit einem tollen Ausblick über die Region; die „Romantische Tour“ vom Schloss Westerholt in Herten aus zum Schloss Berge am gleichnamigen See in Gelsenkirchen und wieder zurück sowie die Tour für Kurzentschlossene durch den Revierpark Gysenberg und das Naturschutzgebiet Langeloh.

Akribische Beschreibung der einzelnen Ausflüge samt Einkehrmöglichkeit und Sehenswürdigkeiten

Sollte es mit dem Verreisen in diesem Sommer und Herbst nicht klappen, der Urlaub wird sehr abwechslungsreich, folgt man den Tipps des Autors. Man hört es immer wieder, glaubt es aber erst, wenn man selbst unterwegs war: Das Ruhrgebiet hat viel zu bieten, auch Grün, Ruhe, Ausblicke und Einkehrmöglichkeiten (jetzt ja wieder). 

Roland Klemann verschweigt kein Detail: Wie man mit Auto, Bus oder Bahn zu den Ausgangspunkten kommt, wo man Pause machen kann und soll, was sich anzugucken lohnt und was nicht, erfährt man auf den insgesamt 192 Seiten. Ab und zu ist in der sehr akribischen Beschreibung der Wanderungen die Erklärung von Abzweigungen etwas verwirrend, aber man findet immer wieder auf den richtigen Weg zurück.

Ex-Kommissar Bernhard Völkel lässt sich immer wieder gerne bitten und klärt den Fall 

Krimiautor Heinrich Peuckmann besucht seine Tatorte in der Dortmunder Nordstadt, hier auf dem Nordmarkt
Krimiautor Heinrich Peuckmann besucht seine Tatorte in der Dortmunder Nordstadt, hier auf dem Nordmarkt. Foto: Klaus Hartmann/Archiv

Wer nun weder durch die Stadt, noch durch den Wald laufen möchte, dem Ruhrgebiet aber literarische treu bleiben will, greift zum neuen Krimi von Heinrich Peuckmann, in dem Bernhard Völkel, pensionierter Kripo-Beamter, erneut einen Fall löst.

„Getrennte Wege“ heißt das Buch, und meint die Wege, die eine Gruppe politische aktiver Jugendlicher nach den 1970er Jahren gegangen ist. In diesem politischen Engagement findet Völkel später auch das Motiv für die Morde. 

Dortmunder*innen können dem Ermittler auf der Spur bleiben. Sie wissen, wo er gerade beobachtet, recherchiert und nachfragt. Das Lokalkolorit ist ein bisschen dick aufgetragen, genauso wie die Marmelade, die Völkel sich jeden Morgen aufs Brötchen schmiert. Einen Nachmittag auf dem Balkon kann man aber durchaus in der Gesellschaft des Kommissars verbringen.

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Weitere Informationen:

  • „Dortmund für Klugscheißer“ von Katrin Pinetzki, Klartext Verlag, 14,95 Euro,
    ISBN: 978-3-8375-2192-4
  • „Ruhrgebiet“ von Roland Klemann, Droste Verlag, 16,99 Euro
    ISBN: 9783770020058
  • „Getrennte Wege“ von Heinrich Peuckmann, Lychatz Verlag, 9,95 Euro
    ISBN: 9783948143053
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