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Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 zeigt in Dortmund deutlich weniger Straftaten – aber noch auf einem hohen Niveau

Zwei Haftbefehle konnten bei einem Schwerpunkteinsatz in der Nordstadt vollstreckt werden.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) gibt jährlich Auskunft über Art und Umfang der Straftaten in einer bestimmten Region. Für die Städte Dortmund und Lünen ist deren Zahl im Jahr 2017 insgesamt gesunken. Allerdings ist diese Gesamttendenz in einigen Deliktfeldern gegenläufig. Die Dortmunder Polizeispitze sieht sich daher in ihrer Arbeit zwar bestätigt, aber auch noch reichlich Handlungsbedarf.

Sowohl in NRW, aber insbesondere in Dortmund: absolute Häufigkeiten von Straftaten nehmen ab

Presesprecher Oliver Peiler, Polizeipräsident Gregor Lange und Kriminaldirektor Walter Kemper. Fotos (5): Carmen Körner

Lädt die Dortmunder Polizeiführung zur Pressekonferenz, sind Anlässe wie dort abgegebene Erklärungen zumeist wenig erbaulich. Diesmal aber, als es um die Kriminalitätsentwicklung 2017 im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizeibehörde, also in Dortmund und Lünen geht – zufriedene Gesichter: Auch darauf habe die Öffentlichkeit ein Recht, so Polizeipräsident Gregor Lange. Nämlich über viele positive Entwicklungen informiert zu werden.

Eine Stunde zuvor hatte es Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul – anlässlich der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeslandes für das Jahr 2017 im Düsseldorfer Landtag – bereits angedeutet: Um 6,5 Prozent sei die Zahl der Straftaten in NRW gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen; und zwar von 1.469.426 auf 1.373.390 Fälle. „Das ist der stärkste Rückgang seit mehr als 30 Jahren“, verkündete Reul stolz gegenüber der Presse.

Die KollegInnen aus dem Dortmunder Polizeipräsidium können für ihren Verantwortungsbereich einen noch stärkeren Rückgang bei der Anzahl aller registrierten Delikte vermelden: Im letzten Jahr sank die Gesamtzahl der Straftaten im Verhältnis zu 2016 in den Städten Dortmund und Lünen von insgesamt 83.066 Straftaten auf 73.280 um fast 11,8 Prozent und befindet sich damit auf dem niedrigsten Stand seit nunmehr 15 Jahren.

Damit hat sich die Summe aller Delikte in der Region Dortmund/Lünen prozentual fast um das Doppelte gegenüber dem Landesdurchschnitt verringert. Und auch die Aufklärungsquote kann sich sehen lassen: sie ist bei der Kreispolizeibehörde Dortmund mit rund 57 Prozent die höchste der letzten 20 Jahre.

Gefährdungsrate im Bereich Dortmund/Lünen über die letzten fünf Jahre um gut 17 Prozent gesunken

Die Polizei Dortmund verfügt über einen 21-köpfigen Tatortdienst für Wohnungseinbrüche.

Doch es gibt noch viel zu tun. Laut der jetzt in Düsseldorf präsentierten PKS für NRW weist Dortmund mit einer relativen Häufigkeit von 10.903 Straftaten je 100.000 EinwohnerInnen nach Köln (12.060) und Düsseldorf (11.291) immer noch den dritthöchsten, durch Kriminalität verursachten Gefährdungsquotienten landesweit auf.

Mit anderen Worten: Die Region Dortmund/Lünen hätte sich statistisch gesehen relativ zu den anderen 46 Kreispolizeibezirken NRW – was das errechnete Gefährdungspotential für ihre BürgerInnen betrifft – als Drittplatzierte des Bundeslandes vermutlich für eine fiktive Bundesliga kommunaler Kriminalitätsverdichtungen qualifiziert.

Aber, wie in Köln und Düsseldorf fallen auch in Dortmund die statistischen Gefährdungsraten über einen 5-Jahres-Zeitraum, also im Vergleich von 2013 zu 2017, deutlich: konkret um 17,48 Prozent (am auffälligsten ist die Gefährdungsreduktion in Düsseldorf mit 23,14; Köln: 14,57). Es tut sich folglich etwas in jenen Ballungsgebieten des Landes, in denen die Kriminalität pro Kopf am dichtesten ist. Das Leben wird (theoretisch) sicherer.

Deutliche Erfolge der Polizei beim Kampf gegen Wohnungseinbrüche

Gregor Lange ist seit 2014 Polizeipräsident.

Die eine Botschaft könnte mithin lauten: Zwar weiterhin verhältnismäßig hohe Kriminalitätsraten im Gebiet Dortmund/Lünen verglichen mit vielen anderen Teilen NRW‘s, aber die Gefährdungswahrscheinlichkeit für einzelne BürgerInnen sinkt statistisch. Und dies, zweitens, gerade bei für öffentliche Räume typischen Delikten, welche die Wahrnehmung individueller Sicherheit berühren.

Betroffen sind insbesondere die Gewalt- und Straßenkriminalität, Raub, Taschendiebstähle und vor allem schwer aufklärbare Straftatbestände rund um Wohnungseinbrüche. Die Zahlen für 2017 sind hier die niedrigsten der vergangenen fünf Jahre; der Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen fällt mit knapp 31 Prozent oder einem Minus von fast 1.000 Fällen im Jahr am deutlichsten aus.

„Wir kommen voran“, betont Lange denn auch. Zwar könne er keine vollständigen Erklärungen für diese rückläufige Tendenz geben, aber die Polizei habe eben ihren Beitrag geleistet. Indem nach einer schonungslosen Analyse von Besonderheiten der Dortmunder Situation verfügbare Ressourcen und Konzeptentwicklungen auf diese für das Sicherheitsempfinden von AnwohnerInnen relevanten Kriminalitätsbereiche konzentriert worden seien.

Weniger Straßen- und Gewaltkriminalität im Norden Dortmunds

Diensthund „Basco“ avancierte im Laufe der Schwerpunktkontrollen zum größten Feind des Drogenhandels in der Nordstadt.

Den Schlüssel zum Erfolg sieht der Dortmunder Polizeipräsident in der Zusammenarbeit vieler Akteure. Dies beträfe nicht nur die gut funktionierende Kooperation mit Staatsanwaltschaften und Bundespolizei, sondern ebenfalls mit der Stadt, etwa qua Ordnungsamt. Es müsse permanente Präsenz gezeigt und ein hoher Kontrolldruck auf potentielle Tätergruppen aufrechterhalten werden, so Lange.

Die Kriminalitätsstatistik für die im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Problemquartiere der nördlichen Innenstadt scheint für eine solche Strategie zu sprechen. Auch hier war 2017 eine deutlich geringere Zahl registrierter Straftaten in der Straßen- und Gewaltkriminalität zu verzeichnen, nämlich um 26,8 respektive 9,5 Prozentpunkte im Verhältnis zum Vorjahr. Über alle Delikttypen hinweg sank die Kriminalität im Norden um 11,8 Prozent bei einer Aufklärungsquote von über 62 Prozent.

„Mit hochmotiviertem Personal, unzähligen Schwerpunkteinsätzen und der Ermittlungskommission (EK) ,Nordstadt‘ in Zusammenarbeit mit speziellen Nordstadt-Staatsanwälten haben wir dort 2017 den Strafverfolgungsdruck noch weiter erhöht“, macht Gregor Lange deutlich.

Durch veränderte Gefahrenlagen: Polizei fordert Anpassung bei Ausstattung und Befugnissen

Kriminaldirektor Walter Kemper ist stellvertretender Leiter der Direktion Kriminalität.

Dafür allerdings müssten Ausstattung wie Befugnisse der Polizei veränderten Gefahrenlagen angepasst werden, fordert der Polizeipräsident. Heißt: Mehr Polizeibeamte und weitreichendere polizeiliche Erlaubnisse bei Ermittlungen.

Wegen der dünnen Personaldecke bildet NRW jährlich mittlerweile 2.300 neue Beamte aus; 500 werden pro Jahr zur Überbrückung der aktuellen Personaldefizite zusätzlich von ihren Verwaltungsaufgaben entbunden und vor Ort eingesetzt.

Bezüglich erweiterter Befugnisse denkt Lange vor allem an die in ihren legitimen Kontextbedingungen politisch umstrittene Telekommunikationsüberwachung sowie an die Video-Beobachtung in öffentlichen Räumen – mit Augenmaß, wie er freilich betont.

Es wird deutlich: Die Sensibilität des Themas ist bei der Dortmunder Polizeiführung angekommen. Keine Kriminalität könne eigentlich nicht das Ziel polizeilicher Arbeit sein, erklärt daher Kriminaldirektor Walter Kemper, stellvertretenden Leiter der Direktion Kriminalität. Denn: Eine Gesellschaft ohne Kriminalität sei kaum vorstellbar – und wenn, dann nur als Polizeistaat.

Haare in der Suppe: Mehr Delikte in Sachen Rauschgift und Widerstand gegen Polizeibeamte

Oliver Peiler, Leiter der Pressestelle bei der Polizei Dortmund.

Gegenläufige Tendenzen zum Rückgang der durchschnittlichen Kriminalitätsrate in der Region Dortmund/Lünen gibt es in drei Deliktfeldern. Die steigenden Zahlen bei den Betäubungsmitteldelikten müssten aber als Arbeitsnachweis der Ermittler begriffen werden, erklärt Lange. Denn es handele sich hier um ein reines Kontrolldelikt. Mit anderen Worten: je größer der Fahndungsdruck, desto mehr Fälle werden aus dem Dunkelzifferbereich an die Oberfläche gespült.

Uneinheitlich die Entwicklung bei den Sexualdelikten: Einerseits habe die Anzahl der überfallartigen Vergewaltigungen (solcher in der Öffentlichkeit) seit Jahren kontinuierlich abgenommen. Zugleich ist die Gesamtzahl aller Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung 2017 erneut angestiegen. Mit in die Statistik eingeflossen seien aber erstmals Verstöße gegen den neu geschaffenen Paragraphen 184 i StGB (sexuelle Belästigung), erläutert der Polizeichef.

Erheblichen Handlungsbedarf sieht Lange bei den Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte. Auch hier – wie schon im Vorjahr – eine Steigerung, nämlich um gut 6,5 Prozent (2016: rund 40 Prozent). Dies sei eine nicht hinzunehmende Entwicklung, diagnostiziert der oberste Dortmunder Polizist, und fordert nachdrücklich gegenüber seinen KollegInnen „mehr Respekt und Anerkennung“.

Es könne nicht sein, so die diesbezügliche Stellungnahme der Dortmunder Polizeiführung in ihrem Bedeutungskern, dass BeamtInnen, die sich täglich bis zur Belastungsgrenze für die Sicherheit der BürgerInnen einsetzten, darüber hinaus nahezu routinemäßig ihre Gesundheit riskierten. „Wir haben dieses Thema in meiner Behörde jetzt zu einem strategischen Führungsschwerpunkt gemacht“, erklärt Lange.

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