Dortmund: Immer wieder werden Stolpersteine in Dorstfeld von Neonazis beschädigt und mit Farbe beschmiert

Immer wieder in Dorstfeld Stolpersteine beschmiert. Fotos: Quartiersdemokraten
Kein Einzelfall: Immer wieder werden in Dorstfeld Stolpersteine beschmiert. Fotos (2): Quartiersdemokraten

Zwei Monate nach der Stolpersteinverlegung im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld werden diese immer wieder beschädigt und mit Farbe beschmiert. Im Juni 2021 wurden insgesamt über 20 Stolpersteine in ganz Dortmund an verschiedenen Standorten verlegt. Sie erinnern an die systematische Verfolgung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden durch das NS-Regime. Zuletzt wurden in Dorstfeld Stolpersteine in Erinnerung an die jüdische Familie Rosenthal verlegt, die durch die Gräueltaten der Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden.

Immer wieder werden die Stolpersteine der Familien Rosenthal und Rosenbaum beschmiert

Schüler*innen und Quartiersdemokraten setzen Zeichen gegen Antisemitismus. Fotos: David Peters
Schüler*innen und Quartiersdemokraten setzen Zeichen gegen Antisemitismus. Archivfoto: David Peters

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig, der Kölner Künstler, der das Kunstprojekt ins Leben rief. In Dortmund konnten mit seiner Hilfe bereits über 300 Menschen vor dem Vergessen bewahrt werden. Doch auch jetzt können die Opfer der Shoah keine Ruhe finden.

Immer wieder werden die Stolpersteine in Erinnerung an die Familie Rosenthal und an die Familie Rosenbaum im Bereich des Dorstfelder Hellwegs und der Arminiusstraße mit Farbe beschmiert. Alle Vorfälle wurden zwar gemeldet, doch die Täter*innen bleiben unbekannt. Bereits viermal wurden die Stolpersteine mit Farbe beschmiert. Jeder Vorfall wurde von der Polizei aufgenommen und die Reinigung durch die Stadt Dortmund veranlasst.

Nach der ersten antisemitischen Sachbeschädigung kamen Schülerinnen und Schüler der Martin-Luther-King-Gesamtschule gemeinsam mit dem Projekt Quartiersdemokraten erneut zusammen, um über den Vorfall zu sprechen und ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Die Martin-Luther-King-Gesamtschule hatte die Patenschaft für die zuletzt verlegten Stolpersteine übernommen. Die Aktion wurde medial begleitet und von den in Dorstfeld ansässigen Neonazis beobachtet. Im Nachgang wurde ein Journalist des WDR angegriffen und Schülerinnen und Schüler abfotografiert.

Neonazis wohnen nicht weit entfernt der Tatorte und wollen eine Drohkulisse aufbauen

Viele der rechtsextremen Personen wohnen nicht unweit des Tatorts entfernt und fallen immer wieder durch den Versuch einer Bedrohungskulisse auf. Nach diesem Vorfall kam es weitere Male zu Sachbeschädigungen der Stolpersteine.

„Es ist unerträglich, dass Personen immer wieder Stolpersteine beschmieren, die an die Opfer des Holocaust erinnern. Es handelt sich um Menschen, die gequält, gefoltert und ermordet wurden. Auch 76 Jahre nach dem Nationalsozialismus haben wir ein Problem mit Antisemitismus“, so Birgit Miemitz, Vorsitzende des Trägervereins zur Förderung von Respekt, Toleranz und Verständigung in Dortmund-Dorstfeld e.V.

Das Projekt Quartiersdemokraten setzt sich schon seit einigen Jahren gemeinsam mit der Dorstfelder Zivilgesellschaft für die Stärkung eines demokratischen und solidarischen Miteinanders ein. Ein wesentlicher Bestandteil ist auch die Arbeit gegen Antisemitismus, der sich vor allem auch junge Menschen anschließen.

„Solche Ereignisse zeigen, wie notwendig das Engagement gegen Antisemitismus ist. Sich kontinuierlich auch gegen aktuellen Hass gegen Jüdinnen und Juden zu stellen, erfordert Mut und Entschlossenheit. Wir als Projekt sind sehr froh, dass aktuell so viel Engagement gegen Rechtsextremismus in Dorstfeld zusammenkommt und rechtsextremen Personen deutlich zeigt, dass Dorstfeld ein Stadtteil für Solidarität ist“, so Vivianne Dörne vom Projekt Quartiersdemokraten.

Die Aufmerksamkeit der engagierten Zivilgesellschaft in Dorstfeld wird auch weiterhin dafür sorgen, dass das Erscheinungsbild der Stolpersteine unverzüglich in einen würdigen Zustand versetzt wird, unabhängig davon wie oft die Schändung wiederholt wird. Wachsame Nachbarn können mögliche Hinweise an die Polizei weitergeben.

Hintergrund

Das Projekt ‚Quartiersdemokraten‘

    • Das Projekt ‚Quartiersdemokraten‘ unterstützt und berät als Fach- und Netzwerkstelle für Rechtsextremismusprävention und Demokratieförderung die Zivilgesellschaft in der Auseinandersetzung mit dem Thema Rechtsextremismus im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld.
    • In diesem Zusammenhang organisiert das Projekt regelmäßig Gedenkveranstaltungen und Workshops rund um das Thema Antisemitismus.
    • Das Projekt Quartiersdemokraten wird aus Mitteln des Programms ‚NRWeltoffen‘ durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
    • Es liegt in Trägerschaft des Vereins zur Förderung von Respekt, Toleranz und Verständigung in Dortmund-Dorstfeld e.V..

 

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Weitere Informationen:

Eine Übersicht über die Stolpersteinstandorte in Dortmund finden Sie hier.

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