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Die Verfolgung von NS-Massenverbrechen wird weitergehen – Justizminister sichert den Fortbestand der Zentralstelle zu

Oberstaatsanwalt Andreas Brendel ist Leiter der NRW-Zentralstelle für die Bearbeitung von NS-Massenverbrechen.

Die bei der Dortmunder Staatsanwaltschaft angesiedelte NRW-Zentralstelle zur Verfolgung von NS-Massenverbrechen wird es auch in den kommenden Jahren geben. Diese Botschaft hatte NRW-Justiminister Thomas Kuschaty im Gepäck.

Kuschaty kritisiert das kollektive Verschweigen während der Adenauer-Ära

Justizminister Thomas Kuschaty kritisiert personelle Kontinuität nach der Nazizeit. Fotos: Alex Völkel

Zwar werde es sie wohl keine Jahrzehnte mehr geben. „Aber solange es noch die Chance gibt, auch nur einen Täter zu ergreifen, wollen wir die Sachen aufklären“, betonte der Essener SPD-Politiker auf Nachfrage der Nordstadtblogger.

Gemeinsam mit den Landtagskollegen Nadja Lüders (Dortmund) und Hartmut Ganzke (Unna) hatte er sich über die Arbeit der Zentralstelle informiert. Auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende klärt das Team von Oberstaatsanwalt Andreas Brendel noch Taten von NS-Verbrechern auf.

„Gut, dass Mord nie verjährt. Auch nach 70 Jahren können noch Täter identifiziert werden, die an grausamen Massenverbrechen beteiligt waren“, lobt Kuschaty die Arbeit. „In der Adenauer-Ära wurde zu wenig unternommen.“

Es habe das „kollektive Verschweigen“ gegeben, aber auch personelle Kontinuität bei der Justiz. „Es ist spät, aber in vielen Fällen nicht zu spät, die Massenverbrechen aufzuarbeiten.“

Die NRW-Zentralstelle bearbeitet aktuell elf Fälle von Kriegsverbrechen

„Wir müssen Ermittlungsverfahren aufbauen. Aus fünf können 20.000 oder 30.000 Seiten werden.“

Für Aufsehen hatte zuletzt der Fall eines Aufsehers im KZ Auschwitz gesorgt, der vor dem Landgericht Detmold wegen der Beihilfe zu hundertausendfachem Mord verurteilt wurde.

„Wir sind es den Opfern schuldig, alles zu tun, um das aufzuklären“, sagte Kuschaty. Dabei gehe es nicht um Rache und Vergeltung, sondern um Aufarbeitung und Gerechtigkeit.

„Was an schlimmem Unrecht und brutalsten Straftaten begangen wurde – da darf die Justiz nicht wegsehen“, betonte der Justizminister. „Wir waren alle sehr beeindruckt, wie Herr Brendel das mit großem Engagement macht. Er leistet eine tolle Arbeit.“

Dem Oberstaatsanwalt geht die Arbeit nicht aus: Elf Verfahren sind zur Zeit anhängig. Seit der Gründung der Zentralstelle im August 1961 wurden insgesamt 1473 Verfahren bearbeitet – teils mit hunderten Beschuldigten pro Fall.

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