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„Die Strecke Münster – Lünen – Dortmund ist einer der schlimmsten Engpässe im gesamten Netz der Bahn“

Eine ungewöhnlich große Phalanx präsentierte sich im Rathaus, um die Forderungen des Bahnbündnisses zu präsentieren.

Eine ungewöhnlich große Phalanx präsentierte sich im Rathaus, um die Forderungen des Bahnbündnisses zu präsentieren.

Die Region macht Druck auf Berlin: Eine große Allianz aus Städten, Kammern, Verbänden und Gewerkschaften drängt weiter auf den zweispurigen Ausbau der stark frequentierten Bahnstrecke zwischen Dortmund und Münster. In einem gemeinsamen Schreiben hat das Bahnbündnis Westfalen den Bundesverkehrsminister und den Bahn-Chef für Dezember nach Dortmund eingeladen.

Zweigleisiger Ausbau der Strecke als wichtigste gemeinsame Forderung

Auf Einladung von OB Ullrich Sierau (Dortmund) und OB Markus Lewe (Münster) – sie haben auch das Schreiben unterzeichnet – sind heute Spitzenvertreter zahlreicher Städte, Gemeinden, Kammern, Gewerkschaften und Verbände der Region im Dortmunder Rathaus zusammengekommen. 

Sie wollen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und den Vorsitzenden des Vorstands der Bahn AG, Dr. Richard Lutz, zu einem Bahngipfel Westfalen im Dezember dieses Jahres nach Dortmund einladen.

„Die Strecke Münster – Lünen – Dortmund ist einer der schlimmsten Engpässe im gesamten Netz der Bahn – mit erheblichen negativen Auswirkungen für die Region, für die Kunden“, betont Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau. „Wir brauchen den Ausbau der Strecke, wir brauchen einen kunden- und umweltgerechten Schienenersatzverkehr und eine verlässliche Informationspolitik seitens der Bahn“, begründete er die Einladung an die Berliner.

Der Ausbau wird seit 30 Jahren gefordert – doch passiert ist bisher nichts

„Seriös über nachhaltige Mobilität zu sprechen, heißt, auch über deutliche Investitionen in das Schienennetz und die Verkehrsinfrastruktur zu diskutieren. Das Gesicht unserer Region soll schließlich nicht aus weiteren Parkplätzen oder vierspurigen Straßen bestehen. Das ist kein leichtes Unterfangen – aber wir werden nichts unversucht lassen, die Vorteile und den nicht wegdiskutierbaren dringenden Bedarf des Ausbaus der Bahnstrecke Münster – Lünen – Dortmund deutlich zu artikulieren“, ergänzt Markus Lewe, Oberbürgermeister von Münster.

Die Oberbürgermeister von Dortmund und Münster, Ullrich Sierau und Markus Lewe, unterschrieben die Einladungen.

Die Oberbürgermeister von Dortmund und Münster, Ullrich Sierau und Markus Lewe, unterschrieben die Einladungen.

Der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Münster – Lünen – Dortmund beschäftigt die Region bereits seit über 30 Jahren. Schon 1985 wurde die Verbindung als Ausbaustrecke im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) erwähnt. Passiert ist seitdem nichts. Die Strecke ist nach wie vor ein Engpass in zentraler Lage im europäischen und deutschlandweiten DBNetz. 

Mehrfach wurde in dieser Zeit an den Bund appelliert, die Gesamtstrecke zweigleisig auszubauen – unter anderem im Jahr 2013 mit einer Resolution der Städte Dortmund, Münster, Kreis Unna, Lünen, Werne sowie der IHK zu Dortmund und der IHK Nord Westfalen und dem Verkehrsverband Westfalen.

Im März dieses Jahres hat das Bahnbündnis Westfalen eine Resolution an den Vorstandsvorsitzenden der Bahn AG auf den Weg gebracht, im Mai 2019 wurden die Forderungen der Anlieger-Kommunen noch einmal in einem Brief an den Bundesverkehrsminister verdeutlicht. 

Bisher wurde nur ein sechs Kilometer langes Teilstück für die Erweiterung vorgesehen

Im Jahr 2018 wurde das Teilstück zwischen Münster und Werne in den vordringlichen Bedarf des BVWP 2030 als Teilausbau eines zweigleisigen Begegnungsabschnitts aufgenommen. Die Anrainer-Gebietskörperschaften kritisieren dies. Für sie ist das nicht ausreichend. Sie erneuern ihre Forderung – nach einem komplett zweigleisigen Ausbau –  und verlangen die umgehende Reparatur der Strecke Münster – Lünen – sowie die Wiederaufnahme eines stündlich fahrenden Fernverkehrs zwischen Dortmund und Münster. 

In einer Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Enak Ferlemann vom 19. August 2019 auf das Schreiben des Bahnbündnis‘ Westfalen vom 21. Mai dieses Jahres an den Bundesverkehrsminister erwähnt der Bund einen zweigleisigen Ausbau über sechs Kilometer bei Capelle Ascheberg (Einstufung in den vordringlichen Bedarf des BVWP), weitere Prüfungen im Deutschland-Takt 2030 bezogen auf wirtschaftlich begründete Ausbauten sowie einen Schienenersatzverkehr für regionale Verkehre. 

Die großräumige Umleitung des Fernverkehrs während der Baumaßnahmen sei unumgänglich. Die Bahn kündigte zudem für den 6. Januar 2020 den Baubeginn der Reparaturmaßnahmen an. Damit geht eine Gesamtsperrung von Lünen bis Münster für Nah- und Fernverkehr einher. Der Regelbetrieb soll am 12. August 2020 wieder aufgenommen werden.

„Die Signalampel wurde auf rot gestellt, obwohl die Strecke am stärksten vernachlässigt wurde“

Dortmunds IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und Dr. Fritz Jaeckel von der IHK Westfalen-Nord unterstrichen die Forderungen.

Dortmunds IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und Dr. Fritz Jaeckel von der IHK Westfalen-Nord unterstrichen die Forderungen. Fotos: Alex Völkel

Das Bahnbündnis Westfalen hat noch einmal hervorgehoben, dass der komplette zweigleisige Ausbau der Strecke den Zielen des im Bundesverkehrsministerium entwickelten Deutschland-Taktes 2030 entspricht. Die Voraussetzungen dafür müssten jetzt geschaffen werden.  Die im Zukunftsbündnis Schiene formulierten Maximen seien nun vor Ort umzusetzen. 

Daher fordert das Bündnis eine verlässliche Zusammenarbeit und gute Kommunikation. Zwecks Verabredung der weiteren Vorgehensweise zur Beseitigung eines Streckenengpasses, der auch international Auswirkungen hat, hat daher das Bahnbündnis Westfalen den Bundesverkehrsminister und den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn zu einem Bahngipfel Westfalen nach Dortmund eingeladen. 

Nach der Ankündigung, 86 Milliarden in die Schiene zu investieren, haben wir gedacht, dass er jetzt das Signal für Dortmund – Lünen – Münster stellt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die Verantwortlichen haben die Signalampel auf rot gestellt, obwohl die am stärksten vernachlässigt wurde“, unterstreicht IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber die Notwendigkeit des Ausbaus. 

Ausbau ist zentral für Klimaschutz, Verkehrswende und Optimierung der Wirtschaft 

Wer über Klimaschutz und die Optimierung der Wirtschaftssysteme rede, müsse den Ausbau forcieren. Die Fahrzeit nach Norden ließe sich um eine Stunde verkürzen – die Schiene werde dann zu einer Alternative zur Straße. Das muss man bei den Klimazielen berücksichtigen. „Die NRW-Verkehrs- und Wirtschaftsminister müssten das aufgreifen und uns unterstützen“, so Schreiber.

Zwar habe sich die Situation nach der Bahnreform an vielen Stellen verbessert. „Aber ein vernetztes System ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied – und die Strecke Dortmund – Münster ist das schwächste Glied im deutschen Fernverkehr und der größte Engpass im Regionalverkehr“, macht Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn e.V. deutlich.

Der neuer Bundesverkehrswegeplan sei nicht in der Lage, tatsächliche Engpässe auszubauen. „Der Bund müsste sich um wirkliche Engpässe und nicht nur um einzelne Hochgeschwindigkeitsverbindungen kümmern“, so Ebbers.

Das sieht auch Erhard Mattes von der Eisenbahner- und Verkshrsgewerkschaft EVG so. Zwar sei die Verkehrswende in aller Munde und es gebe viele Lippenbekenntnisse von Politik und Bahn. „Aber die Situation und die augenblicklichen Zustände sind nur als blamabel zu nennen.

Im kommenden Jahr wird es eine siebenmonatige Sperrung der Strecke geben

Statt mehr Menschen auf die Schiene zu bringen, drohte aktuell, mehr KundInnen zwischen Dortmund und Münster zu vergraulen – zumal dort nun eine mehrmonatige Unterbrechung mit Schienenersatzverkehr drohe. „Das ist ein schrecklicher Zustand. Hier kann die Politik nicht nur Lippenbekenntnisse abgeben“, so Ebbers.

Zahlreiche Städte, Kammern, Verbände und Gewerkschaften stellen sich hinter die Forderungen. Fotos: Alex Völkel

Zahlreiche Städte, Kammern, Verbände und Gewerkschaften stellen sich hinter die Forderungen. 

„Wir als Zweckverband stehen zweifelsohne auch zum Ziel des Ausbaus. Es ist eine absurde Situation, dass zwei Oberzentren nur mit einer eingleisigen Strecke verbunden sind“, kritisiert Joachim Künzel vom VRR. 

Auch er sieht das Problem der Dammsanierung und der damit verbundenen siebenmonatigen Sperrung der Bahnverbindung: „Wir werden in eine schwierige Situation reinlaufen. Wir wollen die Verkehrswende machen. Aber jetzt müssen wir erst mal aufpassen, dass wir nicht nachhaltig Fahrgäste auf der Strecke verlieren. Die Menschen werden in der Zeit eine schlechtere Verbindung und schlechteren Service haben – daher werden wir auch Preisnachlass gewähren müssen“, ist sich der VRR-Vertreter im Bahnbündnis sicher.

Die gesamte Situation auf der Strecke sei schlecht für ArbeitnehmerInnen, Unternehmen und KundInnen. Denn in Zeiten zunehmend geforderter Flexibilität und Mobilität der ArbeitnehmerInnen und immer schwieriger werdendem Wohnraumangebot brauche es bessere Bahnverbindungen. „Wir sind sehr enttäuscht, dass der zweigleisige Ausbau im Bundesverkehrswegeplan fehlt. Wir werden nicht zulassen, dass die Region umfahren wird. Wir brauchen dringend diesen Ausbau“, fordert die Dortmunder DGB-Vorsitzende Jutta Reiter.


Wer ist Mitglied in Bahnbündnis Westfalen?

Im Bahnbündnis Westfalen sind neben den Städten Dortmund und Münster die Stadt Ascheberg, die Gemeinde Nordkirchen, die Stadt Werne, die Stadt Lünen, Kreis Coesfeld, Kreis Unna, IHK Nord Westfalen, IHK zu Dortmund, Handwerkskammer Münster, Handwerkskammer Dortmund, Pro Bahn e.V., Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, Gewerkschaft der Lokomotivführer, Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, Zweckverband Nahverkehr WestfalenLippe (NWL), Handelsverband NRW, Handelsverband Westfalen – Münsterland, DGB Dortmund Hellweg und der DGB Münsterland beteiligt. 

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