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Die Stadt will weiter massiv in die Kinderbetreuung investieren, verfehlt aber bisher noch die eigenen Ziele

Der Kita-Ausbau ist eine der größten Herausforderungen. Denn es wird immer schwieriger, entsprechend große Flächen wohnortnah für Neubauten zu finden - insbesondere in der Innenstadt. Foto: NSB-Archiv

Der Kita-Ausbau ist eine der größten Herausforderungen. Denn es wird immer schwieriger, entsprechend große Flächen wohnortnah für Neubauten zu finden – insbesondere in der Innenstadt. Foto: NSB-Archiv

Seit fast zehn Jahren unternimmt die Stadt Dortmund große Anstrengungen, die Plätze in den Kitas und der Kindertagespflege auszubauen. Dabei versucht sie, den rechtlichen Vorgaben – dem Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung von Kindern ab drei Jahren, den eigenen Ansprüchen für die Betreuung der Kinder unter drei Jahren sowie dem Zuzug von Menschen in die wachsende Stadt – gerecht zu werden. Einen dreistelligen Millionen-Betrag hat sie bereits investiert. Doch sie will und muss noch weitere Schuppen drauflegen: Denn die Zielmarke für die U3-Betreuung soll abermals erhöht werden. Die Stadt schlägt dem Rat eine Erhöhung von 41 auf 50 Prozent vor. Damit wird der Ausbaudruck nicht geringer. Zudem wurde die bisherige Zielmarke noch bei weitem nicht erreicht. Die Quote liegt bei 35 und nicht bei 41 Prozent.

Eigene Ausbauziele noch nicht erreicht – vor allem der Norden liegt weit zurück

Kitaplätze und Versorgungsquoten zum 31.12.2020 im Kindergartenjahr 2020/21.

Kitaplätze und Versorgungsquoten zum 31.12.2020 im Kindergartenjahr 2020/21. Zahlen: Stadt DO

Derzeit ist Dortmund noch weit entfernt von den eigenen Vorgaben. So lag zum 30.09.2020 die Versorgungsquote stadtweit bei 35 Prozent. Dabei sind die Stadtbezirke ganz unterschiedlich mit U3-Plätzen versorgt: Während die Innenstadt-West mit 46,4 Prozent den Spitzenplatz einnimmt, belegt Scharnhorst mit 24,8 Prozent den letzten Platz. 

Die Nordstadt mit 27 Prozent und Eving mit 27,3 Prozent sind nur geringfügig besser. Die Nord-Süd-Teilung lässt sich auch hier ablesen. Aplerbeck mit 42,3 Prozent oder Hombruch mit 44,9 Prozent liegen schon jetzt über der städtischen Vorgabe – und auch dort muss mit Blick auf das neue Ziel noch kräftig gebaut werden.

Der Verwaltungsvorstand befasste sich vor diesem Hintergrund mit der strategischen Ausbauplanung der Kindertagesbetreuung in den Jahren 2021 bis 2025. Vorbehaltlich der Zustimmung des Rates soll eine Versorgungsquote von mindestens 50 Prozent für Kinder unter drei Jahren sichergestellt werden. 

Ziel: 70 Prozent der Plätze in Kitas, 30 Prozent in der Kindertagespflege

Kinderzahlen in Dortmund entsprechend der Stichtage des Kinderbildungsgesetzes. Zahlen: Stadt DO

Die Planungen werden entsprechend den Versorgungsquoten der Stadtbezirke und Sozialräume priorisiert. Die Bedarfsplanung soll insbesondere in den 13 Aktionsräumen der Stadt von einer 45 Stunden-Betreuung als Regelbetreuung ausgehen.

Mit dieser Zielplanung soll den Bildungsbedarfen benachteiligter Familien Rechnung getragen und nachhaltig das Sprach- und Bildungsniveau im Übergang zur Grundschule sowie die Integrationschancen verbessert werden. Doch bisher ist dort die Versorgung besonders schlecht.

In Dortmund sind die Ausbauziele der Kinderbetreuung in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, die Bevölkerungsentwicklung mit geburtenstarken Jahrgängen hat die Zuwächse an Plätzen jedoch weitgehend wettgemacht. „Das letzte, vom Rat der Stadt Dortmund beschlossene, Ausbauziel der 41 Prozent-Versorgung als Etappenziel ist in Sicht“, berichtet Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger.

Anmeldung der Plätze zum Kindergartenjahr 2021/22. Zahlen: Stadt Dortmund

Anmeldung der Plätze zum Kindergartenjahr 2021/22. Zahlen: Stadt Dortmund

Doch die Planung müsse am erkennbar steigenden Bedarf orientiert sein: „Daher werden wir mit einer 50 Prozent-Quote für unter Dreijährige das nächste Ziel festschreiben. Damit wollen wir allen Kindern einen uneingeschränkten Zugang zu frühestmöglichen Bildungschancen sowie zur bestmöglichen Betreuung und Erziehung bereits in der frühen Kindheit ermöglichen“, so Schneckenburger.

70 Prozent der Plätze sollen in Kitas, 30 Prozent in der Kindertagespflege bei Tagespflegepersonen oder in Großtagespflegestellen angeboten werden.

Für besondere Zielgruppen sind Kinderstuben als Großtagespflegestellen mit besonderer pädagogischer und personeller Ausrichtung in Stadtteilen mit besonderem Unterstützungsbedarf vorgesehen. 

Für die Umsetzung der Ausbaustrategie des Jugendamtes müssen die notwendigen organisatorischen und personellen Voraussetzungen geschaffen werden.

So braucht es unter anderem neue Grundstücke und Immobilien sowie zur Beschleunigung des Ausbaus neue Konzepte in den Bereichen der Bauplanung und -durchführung. Das klingt allerdings leichter als es ist.

Allein 2020 gingen fünf Einrichtungen mit 14 zusätzlichen Gruppen in Betrieb

Allein in der Nordstadt gibt es schon 36 Kitas. Aber die Versorgung reicht noch bei weitem nicht. Foto: Alex Völkel

Allein in der Nordstadt gibt es schon 36 Kitas. Aber die Versorgung reicht noch bei weitem nicht. Foto: Alex Völkel

Das sorgt für einen enormen Baudruck: Die Stadt hat daher selbst eine Vielzahl von Kitas – sie wurden und werden saniert, ausgebaut und – falls nötig und möglich – neu gebaut. Derzeit gibt es im gesamten Stadtgebiet Dortmunds rund 100 Einrichtungen für Kinder des städtischen Eigenbetriebs FABIDO. Hinzu kommen die zahlreichen Einrichtungen der freier Träger*innen. 

Der Ausbau des Kita-Angebots läuft seit Jahren auf Hochdruck: Allein im Jahr 2020 wurden fünf Einrichtungen mit 14 zusätzlichen Gruppen in Betrieb genommen. 21 Einrichtungen mit 90 zusätzlichen Gruppen befinden sich aktuell in der Bauphase. Zehn Einrichtungen mit zusätzlichen 49 Gruppen befinden sich in der Bauplanung. Zudem befinden sich fünf weitere TEK mit 17 zusätzlichen Gruppen in der Ausschreibungsvorbereitung. Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren 172 Millionen Euro in den Dortmunder Kitabau investiert.

Und die „Rallye“ geht weiter: Ziel ist es im Jahr 2021 ein „Starterpaket“ mit sechs Tageseinrichtungen mit insgesamt bis zu 47 zusätzlichen Gruppen durch die politischen Gremien beschließen zu lassen, die zur schnelleren Umsetzung in modularer Bauweise gebaut werden sollen.

Erfolgreiches „Investorenmodell“ für den Kitabau in Dortmund

Neubau der Kita durch die DOGEWO21 am Fröbelweg.

Doch die Stadt baut nicht nur selbst: Im Jahr 2011 wurden erstmals im Rahmen des sogenannten Investorenmodells für den Bau von Kitas städtische Grundstücke nach einer öffentlichen Ausschreibung zur Verfügung gestellt. 

Die Idee: Die Stadt verkauft ein Grundstück an einen Investor, der die Kita baut und dann die Einrichtung an einen Träger vermietet. Betrieben werden sie in der Regel von Wohlfahrtsverbänden. Der Vorteil des Erfolgsmodells: Die Neubauten werden schneller realisiert. Zudem sind die Bauten standardisiert. 

Die erste Inbetriebnahme einer von Investoren gebauten Kita erfolgte bereits 2013. Das Modell sprach sich herum und erfreut sich ungebrochener Beliebtheit: Auf diesem Wege wurde ein Investitionsvolumen von über 135 Millionen Euro bewegt und es wurden insgesamt 233 Gruppen zum Ausbau der Kinderbetreuung im U3- und Ü3-Bereich beigesteuert. 

 

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2 Gedanken über “Die Stadt will weiter massiv in die Kinderbetreuung investieren, verfehlt aber bisher noch die eigenen Ziele

  1. DIE LINKE+: Kita-Plätze sind eine Aufgabe der öffentlichen Hand (PM)

    DIE LINKE+: Kita-Plätze sind eine Aufgabe der öffentlichen Hand

    Rund 3000 (!) Kita-Plätze müssen in den kommenden Jahren in Dortmund noch geschaffen werden. Durch Neubauten oder Anbauten. Bei Tagesmüttern, in Kinderstuben oder Großtagespflegestellen Und jeder einzelne Platz findet die Zustimmung der Fraktion DIE LINKE+.

    „Wir begrüßen es ausdrücklich, dass die Stadt die Steigerung der Betreuungsquoten vorantreibt und dabei die Sozialräume besonders ins Auge fasst. Und wir begrüßen auch die nötigen organisatorischen Änderungen im Jugendamt. Denn selbstverständlich unterstützt die Fraktion DIE LINKE+ die Einrichtung weiterer Betreuungsplätze. Alle Mütter und Väter, die einen Betreuungsplatz für ihr Kind benötigen, müssen diesen auch erhalten. Doch dies muss in städtischer Eigenregie erfolgen. Denn private, für die Stadt teure Investorenmodelle lehnt die Fraktion DIE LINKE+ nach wie vor ab“, sagt Petra Tautorat, Mitglied im Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie sowie kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE+.

    DIE LINKE+ fordert seit jeher, dass die Stadt Dortmund Kindertagesstätten – egal ob Neubau oder Anbau – entweder in Eigenleistung erstellt oder Tochterunternehmen wie DOGEWO oder DOLOG damit beauftragt. „Wir können darüber hinaus auch gut mit heimischen Unternehmen und Verbänden leben, mit denen man gute Erfahrungen gemacht hat“, sagt Petra Tautorat. Doch fremde Investoren, die Kitas aus reinen wirtschaftlichen Erwägungen errichten und dann verkaufen oder vermieten, dürften solche Aufträge nicht erhalten.

    „Derartige Investorenmodelle werden für die Stadt Dortmund teurer als jede Eigeninitiative durch den Stadt-Konzern“, sagt Petra Tautorat. „Wir lehnen kreditähnliche Geschäfte nach dem Investorenmodell oder im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft grundsätzlich ab. Kinderbetreuung gehört zur gesetzlich vorgeschriebenen Daseinsfürsorge. Dafür ist die Kommune zuständig.“

    Mit dieser ablehnenden Haltung steht die Fraktion DIE LINKE+ nicht alleine da. Genauso sehe das auch die Gemeindeprüfungsanstalt, betont Petra Tautorat. In dieser überörtlichen Prüfung, die schon vor einigen Jahren dem Rat vorgelegt wurde, wurde dieser aufgefordert, „Investorenmodelle zu überdenken“.

  2. FDP contra Linke: Wir wollen Trägervielfalt statt KiTa-Sozialismus (PM FDP Dortmund)

    FDP contra Linke: Wir wollen Trägervielfalt statt KiTa-Sozialismus

    Zu den Äußerungen der kinder- und jugendpolitischen Sprecherin der Linken, Petra Tautorat, gegen private Investoren für den Kita-Bau, aber auch gegen private Betreiber von KiTas erklärt der Kreisvorsitzende der FDP Dortmund, Michael Kauch:

    „Ob sich die Stadt für den Bau von eigenen Kindertagesstätten private Unterstützung über Private Public Partnerships holt, muss im Einzelfall entschieden werden. Finanziell ist das nicht immer die günstigste Lösung, auf der anderen Seite hat die Stadt mit dem Boulevard Kampstraße gezeigt, dass sie nicht das beste Baumanagement hat. Wichtig ist an jedem Standort: ein Bauprojekt muss termingerecht, gut und günstig erledigt werden. Ideologie ist hier ein schlechter Ratgeber.

    Davon zu unterscheiden ist der Betrieb von KiTas. Und hier hat Frau Tautorat von den Linken offenbar die Gesetze nicht richtig verstanden. Sie behauptet, das sei gesetzlich Aufgabe der Kommune. Die Bundesgesetzgebung verankert dagegen die Trägervielfalt und das Wahlrecht der Eltern. Nach dem Kinderbildungsgesetz NRW sind Träger nicht nur Kommunen, sondern auch freie Träger wie Caritas, Diakonie, AWO oder private Vereine.

    Außerdem können nach dem Gesetz ausdrücklich auch Unternehmen und privatgewerbliche Träger Kindertagesstätten betreiben. Und das ist auch gut so. Denn nur mit Vielfalt und Wettbewerb unter den Trägern gibt es pädagogische Vielfalt und z.B. auch mehr Plätze in Betriebskindergärten. Deshalb wollen wir Freie Demokraten in Dortmund statt linkem KiTa-Sozialismus die Trägervielfalt stärken. Es geht um die beste Lösung für jedes Kind, nicht um Gleichmacherei.“

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