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Die „Seebrücke-Proteststaffel“ gegen das Sterben im Mittelmeer macht am Samstag Station in Dortmund

Rund 700 Menschen setzten bei der ersten „Seebrücke“ inDortmund ein Zeichen für Seenotrettung. Fotos: Alex Völkel

Mit einer mehrwöchigen Proteststaffel für Humanität und Solidarität durch zahlreiche Städte verleiht die „Seebrücke“ ihrer Forderung nach einem Ende des Sterbens im Mittelmeer Nachdruck. Als Symbol für die dramatische Situation im Mittelmeer bringt die „Seebrücke“ ein Schlauchboot in die Innenstädte, mit dem Schutzsuchende vergeblich versucht haben, der extrem schwierigen Lage in Libyen zu entkommen.

Neben einem Schlauchboot trägt die „Seebrücke“ ein Transparent von Stadt zu Stadt

„Die europäische Abschottungspolitik hat den Tod tausender Menschen an den Außengrenzen zur Folge“, erklärt Jolanta Lisowski, Aktivistin der „Seebrücke“ Kassel. „Nun bringen wir eines der Schlauchboote in die Städte, um die Verzweiflung der Menschen zu verdeutlichen, die alles riskieren, um der libyschen Hölle zu entkommen.“

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Das Boot wurde von der durch die Europäische Union finanzierten sogenannten „libyschen Küstenwache“ abgefangen. Die Schutzsuchenden wurden in die libyschen Folterlager zurückgebracht. Die Crew der Sea-Eye fand das verlassene Boot und brachte es nach Deutschland. „Ob die Menschen mit anderen Booten die Flucht geschafft haben, ob sie noch in libyschen Lagern interniert oder tot sind, werden wir nie erfahren“, so Markus Groda, der mehrfach für Sea-Eye bei der Seenotrettung im Mittelmeer aktiv war.

Neben dem Schlauchboot trägt die „Seebrücke“ ein Transparent von Stadt zu Stadt, auf dem alle Menschen mit ihrer Unterschrift ein Zeichen gegen die unmenschliche Abschottungspolitik der Europäischen Union setzen können. „Angesichts des Sterbens im Mittelmeer fordern wir die europäischen Regierungen und die Bundesregierung auf, sich endlich zu ihrer humanitären Verantwortung zu bekennen und dafür zu sorgen, dass kein Mensch mehr im Mittelmeer ertrinken muss,“ bekräftigt Claus Beckmann von der „Seebrücke“ Hildesheim. „Wir werden solange laut sein und Druck ausüben, bis unsere Forderungen nach einer menschlichen und solidarischen Politik umgesetzt sind.“

Die Forderungen der „Seebrücke“:

● die Schaffung sicherer Fluchtwege und die Gewährleistung einer menschenwürdigen Aufnahme von Menschen auf der Flucht,
● die Anerkennung und Unterstützung der Arbeit der zivilen Seenotrettung auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen und das Ende der Kriminalisierung der Seenotretter*innen,
● das Ende der Unterstützung der sogenannten „libyschen Küstenwache“ durch die Europäische Union und den sofortigen Stopp der völkerrechtswidrigen Rückführungen von Schutzsuchenden in das Bürgerkriegsland,
● einen festen europäischen Mechanismus zur Aufnahme von Menschen, die aus Seenot gerettet wurden, um wochenlange Hängepartien zu verhindern,
● eine Gesellschaft, die nicht auf Abschottung und Abschiebung setzt, sondern sich der Menschenwürde, Solidarität und Bewegungsfreiheit verpflichtet,
● dass Kommunen, die sich zu Sicheren Häfen erklärt haben, die Möglichkeit haben, zusätzlich zur Verteilungsquote aus Seenot gerettete Schutzsuchende aufzunehmen.

Hintergrund:

  • Die „Seebrücke“ organisiert die Proteststaffel für Humanität und Solidarität zwischen dem 26. April und 19. Mai 2019.
  • Am Samstag (4. Mai 2019) ab 15 Uhr wird die Seebrücke-Proteststaffel in Dortmund halt machen. Ort: Reinoldikirche/Westenhellweg
  • Die Dortmunder Veranstaltung finden Sie auch auf der Facebook-Seite der Seebrücke Dortmund: https://www.facebook.com/events/2382070758682464/

 

 

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2 Gedanken über “Die „Seebrücke-Proteststaffel“ gegen das Sterben im Mittelmeer macht am Samstag Station in Dortmund

  1. Anja Sportelli (Seebrücke Dortmund) Beitrags Autor

    Mit großer Betroffenheit habe ich feststellen müssen, dass die Seebrücke Aktion Proteststaffel von den Medien ignoriert wurde. An keiner Stelle (außer online von den Nordstadtbloggern im Vorfeld) wurde in Print oder online, Radio oder Lokalzeit darüber berichtet.

    Zur Erinnerung, ca. 40 aktive Dortmunder Bürger stehen mit einem 12 m langen und 4 m breitem Rettungsboot zur Besten Zeit in der Dortmunder Innenstadt vor der Reinoldikirche. Es handelt sich dabei um ein FluchtBoot, das leer in internationalen Gewässern gefunden wurde.

    Trotz des Regens konnten wir viele Dortmunder informieren und animieren, selbst einmal in das Boot einzusteigen, nachzuempfinden, wie es wäre mit 160-190 weiteren Menschen die Überfahrt übers Meer zu erleben.

    Wir haben Interviews und Gespräche geführt mit Menschen anderer Meinung, auch unverhohlene Rassisten, Identitären, älteren deutschen Menschen, die selbst noch Fluchterfahrung erlebt haben, mit in Dortmund lebenden Geflüchteten, die in ähnlichen Booten nach Europa gekommen sind und ihre persönliche Geschichte erzählt haben uvm.

    Gerade jetzt ertrinken auch wieder Menschen im Mittelmeer (in der vergangenen Woche 7 Frauen und 5 KInder in der Ägais), die Todesrate steigt bei gleichzeitigem Rückgang der Überfahrten, in ganz Deutschland führen Aktivisten permanent Aktionen zu diesem Thema durch und die Presse? Ignoriert das Thema. Am Samstag war kein einziger Journalist vor Ort, um Fotos und/oder Interviews zu führen.

    Das Thema wird in den nächsten Wochen in Dortmund eine große Rolle spielen: Seebrücke bringt einen Antrag in den Rat der Stadt Dortmund ein, um Dortmund zum sicheren Hafen zu erklären. Dortmund ist Gastgeber des Städttages, wo ebenfalls die Situation auf dem Mittelmeer thematisiert wird.

    Während des Kirchentags wird es eine mehrtägige Aktion geben, bei der ein großes Banner mit den Namen der auf der Flucht gestorbenen Menschen an die Reinoldikirche gehängt wird. Dieses Banner wird im Vorfeld von Kirchentagsbesuchern und Dortmunder Schülern und Bürgern beschriftet werden.

  2. Seebrücke Dortmund (Pressemitteilung) Beitrags Autor

    Dortmund soll „Sicherer Hafen“ für Geflüchtete werden

    Auf Initiative der Seebrücke Dortmund wird der Rat der Stadt diese Woche entscheiden, ob Dortmund sich offiziell zum Sicheren Hafen erklärt. Die Stadt erklärt sich damit bereit, im Mittelmeer gerettet Menschen zusätzlich aufzunehmen und setzt sich deutlich gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung ein.

    Nachdem die Seebrücke Dortmund die Fraktionen des Rates mit einem Vorschlag angeschrieben hat, steht nun am 23.5. ein gemeinsam von den Fraktionen SPD, Bündnis90/Die Grünen und Linke & Piraten eingebrachter Antrag zur Entscheidung.

    Hintergrund für die Initiative ist das fortdauernde Sterbenlassen von Menschen im Mittelmeer. Während staatliche und europäische Seenotrettungsprogramme eingestellt wurden, werden private Seenotrettungsorganisationen kriminalisiert. Retter*innen werden angeklagt. Schiffe werden unter fadenscheinigen Gründen festgesetzt.

    Aktuell wurde die seawatch3 in Italien beschlagnahmt, nachdem sie gerettete Menschen in einen Hafen gebracht hatte. Um das zynische Geschacher, wer Menschen nach ihrer Rettung aufnehmen muss, zu beendet, haben sich zahlreiche Kommunen in Deutschland und europaweit zu Sicheren Häfen erklärt.

    Der Rat der Stadt Dortmund wird sich nun laut dem Antrag für eine humane europäische Flüchtlingspolitik aussprechen und appelliert an den Bundesminister des Innern, die Angebote der Kommunen für direkte Hilfe endlich anzunehmen.

    Die Seebrücke Dortmund wird vor der Ratssitzung auf dem Platz des Friedens mit einer Aktion auf die Situation im Mittelmeer aufmerksam machen. Das Sterben im Mittelmeer muss ein Ende haben!

    Am Abend, des 23.5., findet ab 19 Uhr das offenes Seebrücke Plenum im Haus der Vielfalt (VMDO), Beuthstr. 21, Raum B3 (1.Etage).

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