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Die Bestattungskultur wandelt sich in Dortmund deutlich – Urnengräber am Weinberg und auf Streuobstwiesen in Holzen

Auch so können heute Friedhöfe aussehen - Bestattung auf einem Weinberg. Fotos: Roland Gorecki

Auch so können heute Friedhöfe aussehen – Bestattung auf einem Weinberg. Fotos: Roland Gorecki

Gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln sich im Wandel der Bestattungskultur wider. Wie in jedem anderen Lebensbereich entwickeln sich Ansprüche von Bürger*innen an diesbezügliche Angebote kontinuierlich weiter. Dazu gehören Nischen im Urnenturm (Kolumbarium), über Haingräber in Flächen mit altem Baumbestand bis zu Obstbaumgräbern.

Erdbestattungen stark rückläufig – Urnenbestattungen machen 80 Prozent aus

Im Rückblick auf die letzten zwei Jahrzehnte lassen sich folgende verfestigte Trends feststellen: Erdbestattungen sind immer stärker durch Urnenbestattungen abgelöst worden.

Historische Innenansicht der Liebfrauenkirche – heute befindet sich darin ein Kolumbarium (Sammlung Klaus Winter)

In Dortmund beträgt der Anteil der Urnenbestattungen über 80 Prozent. Aus gestalterischen, sozialen, familiären oder auch finanziellen Gründen werden moderne Grabarten bevorzugt, die kostengünstig und leicht zu pflegen, gleichzeitig aber attraktiv, natürlich und tröstend gestaltet sein sollen. ___STEADY_PAYWALL___

Die Friedhöfe Dortmund haben diese Trends wahrgenommen und das Angebot auf den 32 kommunalen Friedhöfen ständig angepasst. Während vor 20 Jahren die klassischen Reihen- und Wahlgrabstätten (acht verschiedene Grabarten) das Angebot prägten, sind bis heute acht zusätzliche individuelle Bestattungsangebote entwickelt worden. Diese reichen von Nischen im Urnenturm (Kolumbarium), über Haingräber in Flächen mit altem Baumbestand bis zu Obstbaumgräbern.

Neben der ansprechenden gärtnerischen Gestaltung von möglichst pflegefreien Grabfeldern (der Anteil liegt aktuell bereits bei 30 Prozent) rückt dabei auch immer mehr die Orientierung am individuellen landschaftlichen Erscheinungsbild der einzelnen Friedhöfe in den Blick. Zwei aktuelle, gerade landschaftsbaulich fertiggestellte, neue Grabfelder auf dem Friedhof Holzen machen die Entwicklungsstrategie der Friedhöfe Dortmund deutlich.

Ruhestätte am Weinberg als Ausbildungsprojekt für angehende Gärtner*innen

Der Friedhof Holzen befindet sich in der Nähe der südlichen Stadtgrenze zur Nachbarstadt Schwerte. Das Gelände ist durch eine leichte Hanglage gekennzeichnet. Ein bereits seit längerem nicht mehr genutztes, terrassenartig angelegtes Grabfeld brachte den Ausbildungsleiter der Friedhöfe Wolfgang Närdemann auf die Idee, Weinreben als prägendes Gestaltungselement für die Neuanlage von Urnenwahlgräbern zu nutzen.

Angeregt wurde diese Überlegung durch in den letzten Jahren entstandene Weinberge am Phoenix-See und im Umweltkulturpark Barop. Diese Weinberge werden durch die Winzerin Tina Krachten betreut. Sie erklärte sich gern bereit, die Idee mit ihrem Fachwissen zu einer konkreten Planung weiterzuentwickeln. So wurde aus Idee und Planung ein Ausbildungsprojekt für angehende Gärtner*innen der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau bei den Friedhöfen Dortmund.

Mit diesem neuen Grabfeld steht jetzt ein Angebot an sogenannten „pflegefreien Urnenwahlgrabstätten“ mit einer einzigartigen landschaftsgärtnerischen Gestaltung bereit, das seine ganze Anmut im Laufe der Jahreszeiten zeigen wird. Mit seinem terrassenförmigen Aufbau, gestützt durch Trockenmauern aus Ruhrsandstein, fügt es sich harmonisch in das Relief des Friedhofsgeländes ein.

Individuelle Grabpflege durch die Angehörigen ist auf Grund dieser Gestaltung nicht notwendig, so dass das Angebot den Nachfragetrends entgegen kommt. Das Nutzungsrecht an einem pflegefreien Urnenwahlgrab wird für 25 Jahre erworben. Es kann mit zwei Urnen belegt werden. Die Gebühr für die gesamte Nutzungszeit beträgt 2.350 Euro; das entspricht einem Betrag von 94 Euro pro Jahr.

Das Obstbaumfeld als Grab: naturnaher Streuobstwiesen-Charakter

Obstbaumgräber entsprechen dem Bedürfnis Angehöriger nach pflegefreien Grabstätten in einer naturnahen Umgebung. Erstmals 2006 auf dem Friedhof Kemminghausen eingerichtet, hat sich dieses Angebotskonzept etabliert und ist nach und nach auf sieben weiteren Friedhöfen realisiert worden.

Auf dem Gruppenbild im Vordergrund drei am Projekt beteiligte Auszubildende. In der Reihe dahinter sind Mitarbeitende der Friedhöfe Dortmund zu sehen, die Winzerin Tina Krachten (3.v.r.) und Stadtrat Arnulf Rybicki (1.v.r.).

Drei am Projekt beteiligte Auszubildende, dahinter Mitarbeitende, die Winzerin Tina Krachten (3.v.r.) und Stadtrat Arnulf Rybicki (1.v.r.).

Gestaltungsprägend für diese Grabart ist der naturnahe Streuobstwiesencharakter mit unterschiedlichen Obstbäumen und einer Ansaat mit extensiv gepflegtem Kräuterrasen. Auch in diesem Grabfeld sind die Vegetationsphasen im Laufe der Jahreszeiten besonders intensiv erfahrbar.

Insbesondere die Obstblüte im Frühjahr entfaltet ihren ganz besonderen Reiz. In den Obstbaumfeldern angelegte Wege laden zum Besuch und die Bankplätze zum Verweilen ein. Die einzelnen Grabstätten befinden sich entlang der Wege und sind mit Zierrasen eingesät.

Das Nutzungsrecht an einem pflegefreien Obstbaumgrab wird für 25 Jahre erworben. Es kann mit bis zu vier Urnen belegt werden. Die Gebühr für die gesamte Nutzungszeit beträgt 2.600 Euro, was einer jährlichen Gebühr von 104 Euro entspricht. Der Friedhof Holzen ist der neunte im Stadtgebiet, auf dem jetzt Obstbaumgräber nach neuestem Gestaltungskonzept angeboten werden.

 

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