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Der Dortmunder Arbeitsmarkt im März mit leichtem positiven Trend – Der Ausbildungsmarkt dafür mit Problemen

Auf dem Arbeitsmarkt fehlt es an Fachkräften, doch auch an Ausbildungsstellen.

Von Peter Kozyra

Der Frühlingsanfang lässt die Arbeitslosenzahl traditionsgemäß sinken, die Nachfrage nach Arbeits- und Fachkräften hingegen steigen. Derzeit gibt es 38.221 Arbeitslose in Dortmund, das bedeutet eine Quote von 12,8 Prozent, im Vorjahr waren es 13,1 Prozent. Ein leichter Rückgang also.

„Es ist im vergangen Jahr ein genereller leichter Rückgang der Arbeitslosenzahl zu beobachten, teils durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, teils aber auch durch eine erhöhte Anzahl an Einstellungen“, bestätigt Astrid Neese, Vorsitzende der Geschäftsführung der Dortmunder Agentur für Arbeit. „Die Zahlen der Monate April und Mai werden jedoch noch aussagekräftiger zum Frühjahrstrend sein.“

Handwerksbetriebe haben Probleme bei der Suche nach Auszubildenden

Astrid Neese resümierte die Arbeitsmarkt- und Ausbildungssituation.

Am Dienstag stellte Neese die aktuellen Zahlen zum Arbeitsmarkt und die Halbjahresbilanz zum Ausbildungsmarkt vor. Der Pressetermin fand in den Räumlichkeiten von Alexander Steinicke statt, dem Geschäftsführer von footpower powered by Steinicke Orthopädieschuhtechnik e. K. am Rheinlanddamm.

Der Ort war bewusst gewählt, denn Orthopadieschumachermeister Steinickes Betrieb „ist ein gutes Beispiel für ein junges und modernes Handwerksunternehmen“, betont Neese gleich zu Beginn.

„Gerade dem Handwerk fällt es seit Jahren schwer, passende Auszubildende zu finden“, weiß Steinicke zu berichten. „Wir generieren unseren Fachkräftemangel selbst.“ Er ist Vorsitzender der Junioren des Handwerks Dortmund und NRW und selbst seit 2006 Unternehmer. In diesem Netzwerk treffen sich Geschäftsführer verschiedenster Bereiche und tauschen sich aus, bringen sich auf Ideen und knüpfen wertvolle Kontakte.

Echte Begeisterung wichtiger als gute Schulnoten

„Sechs Auszubildende habe ich seitdem angenommen, davon sind vier nach kurzer Zeit wieder abgesprungen.“ Das liege oft auch an einer falschen Erwartungshaltung sowohl der Arbeitnehmer, als auch der Arbeitgeber. ‚Passungsproblem‘ wird so etwas genannt.

„Das Problem liegt auf Arbeitgeberseite in der Illusion, dass der perfekte Azubi schon noch kommt“, sagt Neese. Dabei bestehe bei jungen Menschen ja gerade das Potential, sie umfassend in einen Beruf einzuführen und nach den Vorstellungen und Bedürfnissen des Betriebes zu schulen. Deshalb sollten bei der Azubi-Auswahl die eigenen Ansprüche – und vielleicht auch Vorurteile – überprüft werden.

„Wenn ich einen Bewerber hier sitzen habe, der keine zwei linke Hände hat und viel Begeisterung mitbringt“, dann sei ihm das viel wichtiger als die Schulnoten, bestätigt Steinicke.

Hochschulen platzen während Facharbeiter dringend benötigt werden

Alexander Steinicke mit seiner Auszubildenden Sarah Bäsmann. Fotos: Peter Kozyra

Andererseits habe das Handwerk seit Jahren ein Imageproblem. Eltern wünschen sich für ihre Kinder den bestmöglichen Bildungsabschluss, meist sogar ein Studium. Dass auch der Weg über einen Ausbildungsberuf zu einem erfüllten und guten Leben führen kann, „scheinen viele vergessen zu haben“, so Steinicke.

„Im Handwerk macht man sich vielleicht ab und an die Hände schmutzig, aber es ist ein erfüllendes Arbeitsfeld mit Perspektive“. Das sieht Neese ähnlich und zitiert einen Gebäudereiniger zu seiner Jobsicherheit: „Dreck gibt es immer.“

Vielen Jugendlichen sei auch nicht bewusst, dass ein Gesellenbrief zusammen mit etwas Arbeitserfahrung eine Qualifikation zum Studium, ein Meisterbrief sogar dem akademischen Bachelorgrad gleichgestellt sei. „Es eröffnen sich auch durch eine Ausbildung viele Möglichkeiten und Wege“, betont Steinicke.

Auszubildende sind eine Zukunftsinvestition für jeden Betrieb

Danach suche er auch für sein Team. „Gute Mitarbeiter werden von ihren Arbeitgebern geschätzt und gehalten“, deshalb verfolge er zur Vergrößerung seiner Belegschaft einen anderen Ansatz. „Ich setze auf die Fachkräfte von morgen, die ich heute ausbilde“. Denn wenn die glücklich und zufrieden sind, „warum sollten sie den Arbeitsplatz dann wechseln?“

Das kann seine Auszubildende Sarah Bäsmann bestätigen. Als sie schwanger wurde, musste sie ihre erste Ausbildung im Gesundheitswesen pausieren und schließlich abbrechen. Nach einem Wiedereinstieg suchend entdeckte sie auf dem Internet-Auftritt von Steinickes Betrieb das Stellenangebot. Seitdem ist die allein erziehende Mutter einer Vierjährigen in einem Umschulungsprogramm für das Unternehmen tätig.

„Und als ihre Tochter doch mehr Zeit von ihr forderte, fanden wir eine Lösung und reduzierten ihre Arbeitszeit von 40 auf 30 Stunden, ohne ihre Ausbildungszeit verlängern zu müssen“, berichtet ihr Chef. „Als Arbeitgeber muss man flexibel sein und auf die jeweiligen Lebenssituationen seiner Belegschaft – gerade bei jungen Leuten – eingehen“.

Viele Betriebe scheuen den Aufwand der Ausbildung – mehr Stellen werden benötigt

Astrid Neese sieht an den Zahlen, dass leider nicht alle Arbeitgeber so denken. „Viele Betriebe scheuen die Einstellung von Auszubildenden.“ Aktuell berate die Agentur für Arbeit 3.557 jugendliche Bewerber, doch nur 2.734 Stellen seien verfügbar. Auch deshalb konzentrieren sich die Anstrengungen auf die Stellenakquise.

Alexander Steinicke ist momentan mit zwei Auszubildenden zufrieden. Doch sein Betrieb wächst weiter. „Nächste Woche kommt Mitarbeiter Nummer elf“, freut er sich. „Handwerksbetrieben kann es gut gehen, wenn man sich bemüht, modernisiert und spezialisiert.“

Hier finden Sie den Arbeitsmarktreport März 2015.

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