Der Verein arbeitet am Konzept und sucht eine Immobilie in der City

Das „Welthaus Dortmund“: Ein Haus, viele Ziele – im Mittelpunkt steht die Nachhaltigkeit

Barbara Joswig, Didi Stahlschmidt, Kevin Matuke, Dirk Loose und Sebastian Stock (v.li) skizzierten die Ziele des Welthaus-Vereins.
Barbara Joswig, Didi Stahlschmidt, Kevin Matuke, Dirk Loose und Sebastian Stock (v.li) skizzierten die Ziele des Welthaus-Vereins. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

„Global denken, lokal handeln“ war über Jahrzehnte ein wichtiges Motto. Das galt im Umweltschutz, in der Friedensbewegung und der „Eine-Welt-Arbeit“. Der noch junge Verein „Welthaus Dortmund“ denkt das Prinzip „Global denken, lokal handeln“ neu – und widmet sich den wichtigen Zukunftsthemen rund um Nachhaltigkeit. Doch diese lokal „auf die Straße“ zu bringen, ist eine Herausforderung. Alexander Völkel sprach für Nordstadtblogger mit dem Verein, wie denn die Arbeit in den nächsten Monaten und Jahren aussehen soll.

Der Dortmunder Verein beruft sich auf die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele

Zweck des Vereins ist die praktische Umsetzung der so genannten Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in und für Dortmund. Das klingt sperrig. Vor allem dann, wenn der englische Original-Begriff „Sustainable Developement Goals“ oder die Abkürzung „SDGs“ verwendet wird.

Über 40 Interessierte Einzelpersonen und Institutionen fanden sich zu der Vereinsgründung ein
Über 40 interessierte Einzelpersonen und Institutionen fanden sich im vergangenen Herbst zu der Vereinsgründung ein.

Der Verein beruft sich auf die 17 Nachhaltigkeitsziele. „Das ist eine kopflastige und theoretische Ebene. Damit erreicht man viele nicht, aus verschiedensten Gründen“, gibt sich Vereinsvorstand Didi Stahlschmidt keinen Illusionen hin. „Daher wollen wir als Welthaus auch in der Stadtgesellschaft wirken und das auch umsetzen. Jedes einzelne Ziel hat das nötige Potenzial. Das ist eine gute Perspektive, die wir gerne mit möglichst vielen umsetzen wollen“, so Stahlschmidt. ___STEADY_PAYWALL___

Konkret bedeutet dies, dass sich der Verein zukünftig für Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz, alternative Mobilitätskonzepte, soziale und ökologische Nachhaltigkeitsprinzipien, internationale Zusammenarbeit, fairen Handel, Bildung, zivilgesellschaftliches Engagement und Solidarität sowie Demokratie, Chancengleichheit und Inklusion einsetzt. 

Diese wichtigen, gesellschaftlichen Themen sollen dabei nicht nur diskutiert, sondern vor allem gelebt, vermittelt und nachhaltig umgesetzt werden. Das ist schon schwierig genug. Doch im Idealfall möchte der Verein das in einer einzigen Liegenschaft in der Dortmunder Innenstadt bündeln – bevorzugt innerhalb des Wallrings.

Transformation der Stadtgesellschaft hin zu einer fairen, grünen Metropole

Veränderungen im Handel: Die „Mayersche“ ist ausgezogen - einen Nachmieter gibt es noch nicht.
Veränderungen im Handel: Die „Mayersche“ ist ausgezogen – einen Nachmieter gibt es noch nicht. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Doch die eigentlich unmögliche „Quadratur des Kreises“ hat gute Chancen auf Realisierung. Denn wie kaum ein anderer Verein liegt der „Welthaus Dortmund e.V.“ am Puls der Zeit – und rennt bei vielen Themenfeldern eigentlich offene Türen ein. Dennoch, zur Umsetzung braucht es noch viel Unterstützung und (noch) mehr Aktive. Aktuell sind 18 Vereine und Organisationen sowie 30 Einzelpersonen im Verein aktiv.

„Wir wollen mit dem Welthaus Dortmund die Transformation der Stadtgesellschaft hin zu einer fairen, grünen Metropole aktiv weiterentwickeln“, erklärt Dirk Loose, stellvertretende Vorsitzender des neuen Vereins. Dabei soll das Welthaus als ein faires Schaufenster der Stadt verstanden werden, ein Freiraum für faire Initiativen, zivilgesellschaftliche Projekte und alternative Stadtentwicklungen, die miteinander ins Gespräch kommen können.“

Die Chancen stehen gut. Denn das gesamtgesellschaftliche Klima ist günstig – und der Handlungsdruck für die unterschiedlichsten Akteure steigt. So befindet sich die Innenstadt im Umbruch. Verkehrs- und Energiewende sind nicht nur sprichwörtlich große Baustellen. Und die Corona-Pandemie hat die Probleme des stationären Einzelhandels insbesondere in der City noch verschärft.

Das Welthaus als ein Aushängeschild der künftigen City-Entwicklung?

Neben zahlreichen spannenden Vorträgen in der Weltladenlounge, präsentiert die GEPA – The Fair Trade Company - auch zahlreiche Produkte des Fairen Handels an ihrem Stand. Foto: Anja Cord
Produkte des Fairen Handels sind eher die Ausnahme als die Regel im Einzelhandel. Foto: Anja Cord

Auf allen Ebenen wird daher nach Lösungen gesucht, wie das künftige Leben, Arbeiten und Wirtschaften in der Großstadt aussehen kann. Dazu gehört es auch, große Immobilien zu revitalisieren, die nach der Schließung von einigen großen Geschäften und Ketten auch nach einem neuen Weg suchen. „Wir würden uns freuen, wenn ein Eigentümer auf uns zukommt, wenn der als erster ein Welthaus haben will“, so Stahlschmidt. Das passe zur Agenda des neuen City-Managements, welches neue Entwicklungsperspektiven für die City entwickeln will. „Da ist das Welthaus sehr passend.“

Die Konzepte sind in Arbeit. Hinter den Kulissen laufen zahlreiche Gespräche mit möglichen Kooperationspartner:innen und Geldgeber:innen. Denn klar ist: Ohne finanzielle Unterstützung und Beteiligung – von der Stadt, aber auch anderen Fördergeber:innen und Stiftungen – wird es schwer, die UN-Nachhaltigkeitsziele bis 2030 umzusetzen.

Und für die praktische Arbeit braucht es nicht nur sprichwörtlich Raum: Das Welthaus soll ein Zentrum, eine Bühne und ein Schaufenster für die verschiedenen Themen und Akteur:innen werden. So sollen die Mitgliedsverbände Raum für ihre Arbeit bekommen, Ein Weltladen ist ebenso ein Wunsch wie ein Welt-Café und Welt-Restaurant. Auch Aktionsschaufenster, Schuldungs- und Veranstaltungsräume stehen auf der Agenda wie andere Räume für Kollaboration und (Zusammen-) Arbeit.

Ein Ziel: Die „Hauptstadt des fairen Handels“ weiterentwickeln

Das Thema „Fairer Handel“ ist in der City vor allem bei Aktionstagen präsent. Aber kaum in den Geschäften.
Das Thema „Fairer Handel“ ist in der City vor allem bei Aktionstagen präsent. Aber kaum in den Geschäften. Archivfoto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

So könnte Dortmund neue Impulse bekommen. Schon vor 15 Jahren wurde man als „Hauptstadt des fairen Handels“ ausgezeichnet. Doch in der Innenstadt ist das Thema nicht wirklich präsent. „Fairer Handel ist überhaupt nicht da“, bedauert Vereinsvorstand Barbara Joswig, die im Welthaus-Verein den „Weltstand Hombruch“ vertritt. 

Sie hofft darauf, dass die „One World“-Vorstellung neuen Schub bekommt und über ehrenamtliche Initiativen hinaus geht: „Wir brauchen eine neue Dynamik für die Handlungsgesellschaft. Die aktuellen städtischen Programme zum Umweltschutz gingen in die richtige Richtung, sagte sie mit Blick auf Klimaschutz, Energieeinsparung, Mobilitätswende und den Ausbau der Radinfrastruktur. 

„Aber bei Landwirtschaft und Ernährung ist bisher wenig passiert“, sieht sie weitere Möglichkeiten, wie nachhaltiges Wirtschaften mehr Raum bekommen können. Dortmund hat viele landwirtschaftliche Flächen – 25 Prozent davon gehören der Stadt. „Sie müsste mehr Verantwortung übernehmen“, so Joswig. 

In der City könne man beispielsweise mit Hochbeeten für ökologischen Obst- und Gemüseanbau sensibilisieren. Auch für Kitas und Schulen sowie andere Zielgruppen sieht sie vor Ort Möglichkeiten zur Bildungsarbeit, wie man gesund und nachhaltig einkaufen, kochen und essen kann.

Die City nicht mehr nur ein Ort des Konsums, sondern des Mitmachens

Zudem soll die Diskussion um die Zukunft der Dortmunder City neue Wege eröffnen. Ihre Vorstellung: Die City soll nicht nur „Ort des Konsums, sondern des Gestaltens und des Mitmachens werden“, so Joswig. „Dortmund ist ein öffentlicher Raum, alle Wege und Straßen und Plätze sind für alle da. Dies zu unterstützen wäre uns ein großes Anliegen. Wir müssen nicht nur auf Autos, sondern auf Menschen Rücksicht nehmen“, fordert sie ein stärkeres Umdenken.

Foto: Inci Şen für Nordstadtblogger.de

Das würde auch Kevin Matuke (Tang e.V.) freuen. Er möchte, dass die City stärker ein Ort der Begegnung wird: „Es gibt viele Kulturen in Dortmund, aber kaum einen Ort, wo sich die Menschen treffen. Wir haben einen Mikrokosmos der Kulturen. Diese Vielfältigkeit müssen wir zeigen – nicht nur theoretisch“, so Matuke, der sich als Schatzmeister des Welthaus-Vereins engagiert.

Daran knüpft Sebastian Stock (SDG Scouts/ IZ1W) an: Er wünscht sich Workshop- und Ausstellungsräume. „Sie ermöglichen ein aktives Miteinander zwischen Vereinen und Stadtgesellschaft. Wir als Welthaus geben dafür die Basis“, skizziert er einen weiteren Handlungsstrang des Hauses. 

Dabei will der Verein keineswegs Parallelstrukturen aufbauen – so sei das Welthaus keine Konkurrenz für das „Haus der Vielfalt“ in der westlichen Innenstadt, das vom VMDO betrieben wird. „Der VMDO ist Mitglied unseres Vereins“, macht Dirk Loose deutlich.

Haus als zentrale Anlaufstelle beim Thema Klimafolgenanpassung 

Starkregen-Ereignisse nehmen in Zahl und Intensität zu - eine der vielen Folgen des Klimawandels.
Starkregen-Ereignisse nehmen an Zahl und Intensität zu – eine der vielen Folgen des Klimawandels. Archivfoto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Viel mehr will das Welthaus die verschiedenen Stränge bündeln und sichtbar(er) machen – dazu gehört vor allem auch das Thema der Klimafolgen-Anpassung. Das Welthaus will hier die zentrale Anlaufstelle werden – und die gesamte Stadtgesellschaft ansprechen. 

„Wir wollen raus aus den einzelnen Blasen“, macht der Verein deutlich. In der City könnten sich die Aktiven aus den unterschiedlichen Themenfeldern treffen und sich austauschen. Das Welthaus soll zum Treffpunkt der Vereine und der Zivilgesellschaft werden. „Daher sind wir auf die Stadtgesellschaft angewiesen“, macht Loose deutlich.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg: „Im Moment konzentrieren wir unsere Kraft auf die Konzeptentwicklung und den Dialog. Parallel wollen wir nach freiwerdenden Räumen in der Innenstadt suchen, um mit Aktionen auf uns aufmerksam zu machen“, skizziert der Vereinsvize den weiteren Weg. 

So kann sich der Vorstand ein „Pop-Up-Welthaus“ in einem Schaufenster vorstellen, was sie bestenfalls kostenlos zur Verfügung haben, um es zwischenzeitlich zu bespielen. „Ohne viel Aufwand. Die Hauptenergie fließt in Kommunikation, Sponsoring und Stiftungsanträge. In acht bis zwölf Monaten sind wir soweit, dass wir nach einer festen Immobilie suchen.“

KONTAKT:

Welthaus Dortmund e. V.
c/o Referat Ökumene // Ev. Kirchenkreis Dortmund //

Petrikirchhof 7 , 44137 Dortmund

Email: do.haus@posteo.de

 

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Reaktionen

  1. Globalen Entwicklungsziele: Nachhaltigkeitsausstellung „Mission 2030“ erstmals in NRW (PM)

    Die Mitmachausstellung „Mission 2030 – Globale Ziele erleben“ von Plan International ist erstmals in Nordrhein-Westfalen zu sehen. Die DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund präsentiert die Erlebnisausstellung ab Sonntag, 1. Mai 2022. Im Mittelpunkt stehen die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs), zu denen die Kinderrechtsorganisation Plan International arbeitet.

    „Mission 2030“ lädt zur Reise in sieben Länder auf vier Kontinenten ein, wo es gilt, die Chancen für eine bessere Welt zu entdecken. Das Publikum schlüpft in die Rolle von Delegierten einer internationalen Konferenz und trifft auf Menschen, die in ihrem jeweiligen Land aus ihrem Alltag und über reale Projekte berichten.

    Die Ausstellungsgäste diskutieren, probieren und erkunden, welche Entwicklungen für bestimmte Regionen der Erde die besten sein könnten und weshalb. Die Schauplätze liegen in Afrika (Ägypten und Ghana), Asien (Kambodscha und Timor-Leste), Lateinamerika (Guatemala und Kolumbien) sowie in zwei deutschen Großstädten. Sie vermitteln exemplarisch die Bedeutung von gerechten Lebensverhältnissen, Chancengleichheit sowie einem schonenden Umgang mit Ressourcen, die in den sogenannten “Sustainable Development Goals” (SDGs) verankert sind.

    Kernzielgruppe für die Erlebnisausstellung sind Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene. Die Szenografie der Ausstellung bietet direkte Anknüpfungspunkte zu den laufenden Lehrplänen sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Die DASA ist ein zertifizierter BNE-Lernort und ergänzt die Schau durch Bezüge aus dem Haus und aus Dortmund.

    Zum Erreichen der SDGs bis 2030 hat sich die internationale Staatengemeinschaft verpflichtet. Plan International hat am zivilgesellschaftlichen Prozess mitgewirkt, der 2015 zur globalen Verabschiedung der SDGs geführt hat.

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