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„Attivi per l’Italia“: Italienverein vergibt Stipendien an all diejenigen, die mal „etwas neues versuchen möchten“

Das zehnjährige Jubiläum gibt Anlass zur Vergabe mehrerer Stipendien mit dem Ziel Italien als Land und Erfahrung näherzubringen – ob Müll sammeln an den Stränden Siziliens oder arbeiten im Frauenhaus, alles soll möglich sein und soll vom Italienverein nach Bewerbung und Auswahlverfahren unterstützt werden. Foto: Screenshot

Von Nora Lemjimer

Der Italienverein vergibt im Rahmen des Projekts „Gutes tun in und für Italien – Attivi per l’Italia“ zur Feier seines 10 jährigen Bestehens Stipendien für 2021 in Höhe von jeweils 500 Euro. Die Idee dieses Konzepts fand schon vor der Coronakrise seinen Anfang. Eins war Irene Gallerani, Vereinsvorstand, und ihren Kolleg*innen jedoch schon davor klar: eine Jubiläumsfeier? „Das passt nicht zu unserer Philosophie!“

„Eine Feier für uns selber? Das ist unvereinbar mit unserer Philosophie!“ – Italiens Kultur und Sprache erleben

Der Verein selber besteht aus rund 80 Mitgliedern ,,dabei reicht das Vereinsangebot von Italienischkursen unterschiedlicher Sprachniveaus bis hin zu kulturellen Veranstaltungen wie Führungen, Lesungen und Ausstellungen. Die Grundidee sei es, Kulturinteressent*innen Annäherungsmöglichkeiten an das Land anzubieten, die sich nicht nur auf das Erlernen der Sprache fokussieren. ___STEADY_PAYWALL___

Sprachlern-Gruppe PIEDINI des Italienvereins

Sprachlern-Gruppe PIEDINI des Italienvereins.

Viel eher sollen die Projekte Italien in verschiedenen Aspekten als kulturelle Erfahrung näher bringen und vermitteln. Lieber als sich selber zu feiern, möchte der Verein deshalb Menschen darin unterstützen, erste Arbeitserfahrungen in Italien zu sammeln.

Das Projekt „Gutes tun in Italien“ soll eben den Menschen eine kleine Tür in eine andere Arbeitswelt aufzeigen, die sonst nicht die Möglichkeit haben, oder einfach nicht den richtigen Anlass finden konnten. Dabei stehe das freiwillige und wohltätige Engagement vor Ort im Mittelpunkt.

In Anbetracht der momentanen Situation in Italien wird der Aufenthalt im Zeitraum von Januar bis Dezember nächsten Jahres stattfinden. Auch in Hinblick auf die Auswirkungen, die Corona vor allem im Norden Italiens hat „freuen wir uns dort helfen zu können, wo Hilfe notwendig ist.“

Corona ist nicht das einzige Problem in Italien – bewerben kann sich jede/r 

Trotzdem gebe es derzeitig auch eine Menge anderer Probleme und in Hoffnung auf eine Besserung der Umstände in Italien möchte der Verein „jetzt schon mal die Möglichkeit geben, zu einem späteren Zeitpunkt zu reisen.“ Die Unterstützung soll sich auch an Menschen richten, denen aufgrund der Krise Einnahmemöglichkeiten verwehrt bleiben und die somit auf Hilfe angewiesen sind um sich einen Auslandsaufenthalt leisten zu können.

Italienverein im Depot. Irene Gallerani und Jenny Eimer v. l.

Italienverein im Depot. Irene Gallerani und Jenny Eimer v. l. Foto: Klaus Hartmann/Archiv

„Viele können sich vorstellen, beruflich in Italien zu sein“ erzählt Irene Gallerani, aber von der Idee bis hin zur Realisierung sei es meist noch ein weiter Weg. Genau dort sollen die Stipendien einen kleinen Stupser geben und potezielle Bewerber*innen dazu ermutigen„ 2021 mal etwas neues auszuprobieren.“

Bis zu drei Stipendien sollen dabei vergeben werden – dabei sei es ganz egal ob die Bewerber*innen Einzelpersonen oder Personengruppen sind. Der Betrag von jeweils 500 Euro soll als Ergänzung für den Auslandsaufenthalt dienen. Bewerben kann sich für ein Stipendium jede/r. Das Angebot sei nicht nur für Vereinsmitglieder gedacht: Alter, Wohnort und Staatsangehörigkeit sollen keine Rolle spielen.

Wichtig ist es Irene Gallerani nur, dass die Bewerber*innen bereits volljährig sind – eine Grenze nach oben ist dem Alter nicht gesetzt. Das Stipendium sei dabei nicht nur für junge Menschen gedacht, es soll auch Erwachsenen, die bereits viele Jahre im Arbeitsleben verbracht haben, eine Chance bieten, neue Erfahrungen zu sammeln und dem bereits angeeigneten Erfahrungswissen durch diese Hilfsprojekte Ausdruck zu verleihen. Ein gewisses Sprachniveau wäre „wünschenswert“, aber abhängig von der Unterbringung in Italien kein Muss.

„Je kreativer, desto besser!“ – Kooperationsorganisationen, Bewerbungsfristen und Vorschläge für Einsatzorte

Was ihr besonders wichtig ist, ist dass die Bewerber*innen „flexibel und bereit“ dazu sein sollen, mal etwas „Verrücktes zu machen“, das sie von ihrem gewohnten Arbeitsalltag loslöst, andere Kompetenzen in den Vordergrund rückt und Routine brechen soll. Diese erwünschte Kreativität soll sich schon im Bewerbungsschreiben manifestieren. Während des Aufenthalts soll der oder die Stipendiat*in seine oder ihre Erfahrungen festhalten und „teilen“ – ob in Form eines Tagebuchs, Blogs oder in Briefform, das sei ihm oder ihr selbst überlassen.

„Casa delle donne“ – Website des Frauenhauses in Viareggio. Foto: Screenshot

Die Rahmenbedingungen für ein Bewerbungsschreiben sind relativ unkonventionell. Kurz – je kreativer, desto besser! Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 7. Juni diesen Jahres und über die Vergabe der Stipendien wird am 15. August – dem italienischen Feiertag Ferragosto, Mariä Himmelfahrt – eine Jury, zusammengesetzt aus Vertreter*innen der fünf Kooperationsinstitutionen, entscheiden.

Die Kooperationspartner*innen sind die „Comunità Società Cooperativa Sociale Onlus“ in Genua, die sich mit Bildungsaktivitäten zur Vorbeugung von Benachteiligungen Jugendlicher und zur Unterstützung von Familien beschäftigt, das „Centro occupazionale “La Tartaruga” in Imola, das Menschen mit mittel bis schweren kognitiven Einschränkungen in den Arbeitsalltag integrieren soll, ein Frauenhaus in Viareggio, „Nastrotex Cufra Spa“, das sich für die Reduktion der Kohlenstoffdioxid-Emissionen in Bergamo einsetzt und die „Cooperativa la Solidarietà“, die sich für die Bildung und Ausbildung benachteiligter Menschen in Dalmine einsetzt.

Dabei sei es ganz egal, ob man selber schon Ideen für seinen Aufenthalt hat: „Bewerber*innen können mit eigenen Vorschlägen kommen, oder aus fünf unserer bereits bestehenden Kooperationsbündnisse wählen.“ Der Aufenthalt soll in Form eines zweiwöchigen Praktikums stattfinden – die verschiedenen Orte und Einsatzmöglichkeiten haben verschiedene Einsatzzeiträume, die bereits mit den Kooperationsinstitutionen vor Ort festgelegt wurden.

Möglich sei es auch, diese zwei Wochen in einen längeren Aufenthalt einzubetten – „aber es bleibt nach wie vor bei der Unterstützung von 500 Euro, die frei zur Verfügung stehen.“ Die ausgewählten Stipendiat*innen müssen sich aber auch selbstverantwortlich um Übernachtung, Verpflegung und Transport kümmern. Alle wichtigen Informationen auch nochmal im Datenblatt im Anhang des Artikels oder auf der Homepage des Italienvereins.

 

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